Gewinnmaximierung vor Gesundheitsschutz

Die bei­den Corona-Ausbrüche in Großfleischereien machen über­deut­lich: Das Virus trifft uns nicht alle glei­cher­ma­ßen. In den USA wer­den extrem über­durch­schnitt­lich Nicht-Weiße und Arme zu Opfern, hier­zu­lan­de trifft es mit wach­sen­der Wucht ost­eu­ro­päi­sche Saisonarbeiter.

Ohnehin für die Knochenarbeit in den Fleischfabriken unter­be­zahlt, müs­sen sie häu­fig beengt und unter lau­si­gen hygie­ni­schen Verhältnissen leben. Dort über­trägt sich das Virus – da hilft kei­ne Abstandsmarkierung im Betrieb. Die Konzerne haben mit den Wohnverhältnissen ihrer Beschäftigten nichts am Hut: Sie las­sen die Drecksarbeit von Subunternehmern machen und schmü­cken sich mit Fieberthermometern am Werkstor. Die Behörden machen zu oft das schä­bi­ge Spiel mit. Das Wohlergehen des "Standorts Deutschland" (oder Coesfeld oder Bramstedt) recht­fer­tigt dann eben übels­te Ausbeutermethoden. Wie sonst sol­len Aldi, Lidl & Co. uns ihr Billigfleisch anbie­ten können?

Selbst in der Fleischwirtschaft regt sich Unmut – man fürch­tet wei­te­ren Imageverlust: „Gewinnmaximierung vor Gesundheitsschutz“ weiterlesen

Zufall? 129 Corona-Infizierte in Fleischfabrik

"Nach einem Ausbruch in einer west­fä­li­schen Fleischfabrik sol­len alle rund 1200 Beschäftigten des Standortes auf das Virus getes­tet wer­den. Allein am Donnerstag sei­en bereits 200 Mitarbeiter des Unternehmens Westfleisch getes­tet wor­den, teil­te der Kreis Coesfeld am Donnerstag mit. 129 Infizierte sei­en erfasst wor­den, davon wür­den 13 im Krankenhaus behan­delt, aller­dings kei­ner auf der Intensivstation.

Die Verläufe sei­en ver­gleichs­wei­se mild, erklär­te ein Firmensprecher. Alle Infizierten, die nicht im Krankenhaus lie­gen, und ihre Kontaktpersonen befän­den sich in häus­li­cher Quarantäne. Am Werkstor wer­de kon­takt­los Fieber gemes­sen, um Verdachtsfälle schnell zu erken­nen. Das Unternehmen ste­he in engem Kontakt mit den Behörden, sag­te der Sprecher. Entgegen ers­ten Befürchtungen sei die Produktion im Betrieb nicht ein­ge­stellt wor­den. Sie lau­fe in redu­zier­tem Umfang wei­ter…" Link

(Hervorhebungen nicht im Original)


Wer das Sagen in sol­chen Fällen hat, berich­tet der WDR:

'Der Kreis Coesfeld hat­te am Donnerstagmittag gesagt, aus sei­ner Sicht sei die Schließung unaus­weich­lich. Die Entscheidung lie­ge aber bei der Firma Westfleisch selbst. „Zufall? 129 Corona-Infizierte in Fleischfabrik“ weiterlesen

Profitgier: Norddeutscher Schlachtkonzern mit 109 Infizierten

Nicht zum ers­ten Mal ist das Unternehmen nega­tiv in den Schlagzeilen. Am 10.3.2014 mel­de­te agrarheute.de:

'Am Freitag hat das Kieler Landwirtschaftsministerium den Kreis Segeberg ange­wie­sen, "unver­züg­lich ein Verfahren zum Widerruf der Zulassung" für den Rinderschlachthof in Bad Bramstedt einzuleiten.

"Nach Einsichtnahme in die von der Staatsanwaltschaft Kiel sicher­ge­stell­ten Unterlagen sieht sich das MELUR zu die­sem Schritt gezwun­gen", erklär­te Landwirtschaftsminister Robert Habeck. Bei fach­auf­sicht­li­chen Kontrollen sei­en "erheb­lich Verstöße" gegen das Tierschutzrecht, Hygienerecht und Etikettierungsvorschriften fest­ge­stellt worden.'

Zuvor hat­te es eine Polizei-Razzia mit 250 BeamtInnen gege­ben. Link

Und nun dies:

"Nach Angaben der Vion Food Group ist etwa ein Drittel der in Bad Bramstedt über einen Subunternehmer beschäf­tig­ten Arbeitskräfte in Schlachtung und Zerlegung mit dem Corona-Virus infi­ziert. Vorgesehen ist, dass die Belegschaft zunächst in außer­plan­mä­ßi­ge Betriebsferien geht… „Profitgier: Norddeutscher Schlachtkonzern mit 109 Infizierten“ weiterlesen

Tagesspiegel ganz vorn bei hohen Zahlen

Der Tagesspiegel ver­öf­fent­licht seit gerau­mer Zeit Zahlen zu Corona, die er mit­tels "Schwarmintelligenz Dutzender Freiwilliger" zusam­men­stellt. Damit gelingt es ihm, die frag­wür­di­gen Zahlen der pri­va­ten Johns-Hopkins-Universität noch zu toppen.

So wer­den in der gezeig­ten Grafik die Todesfälle in Deutschland mit 7.382 ange­ge­ben, die JHU kommt auf 7.342, das RKI auf 7.119. Gilt hier die Hoffnung, je höher die Zahlen, des­to höher die Auflage?

Schweden, das wider­bors­ti­ge Land ohne Lockdown, liegt zwar bei Toten pro 100.000 Einw. deut­lich über den Werten von Dänemark und Deutschland, ist aber bei wei­tem nicht Spitzenreiter.

Die Medienwelt soll­te sich den Rat von Prof. Schmidt-Chanasit zu Herzen neh­men: "Zu behaup­ten, das Land macht es bes­ser, jenes Land macht es bes­ser, das Land macht es schlech­ter – das wird man ganz am Ende wis­sen, weil man dann eben schlau­er ist. Aber jetzt zu sagen, das ist der bes­te Weg oder jenes, das wäre, glau­be ich, zu früh.“ (s. Zwei Richtungen in der Wissenschaft)

Öffi-Gipfel statt Auto-Gipfel

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung für Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) meint zum "Auto-Gipfel":

"Die öffent­li­chen Verkehrsbetreiber müss­ten eigent­lich statt der Automobilbranche am Verhandlungstisch sit­zen und Hilfe bekommen."

'Die Umweltökonomin Claudia Kemfert hat die von der Automobilindustrie gefor­der­te Kaufprämie als "öko­lo­gisch und öko­no­misch unsin­nig und sozi­al unge­recht" kri­ti­siert. Statt einer Autokaufprämie schlägt sie eine Mobilitätsprämie pro Kopf vor, zum Beispiel in Form eines Gutscheins, sag­te Kemfert dem Nachrichtenportal Watson. "Dann könn­te jeder selbst ent­schei­den, ob er sie für einen E‑Autokauf, eine Bahncard, eine Jahreskarte des ÖPNV oder Carsharing ein­set­zen möch­te."… „Öffi-Gipfel statt Auto-Gipfel“ weiterlesen

Pharmamanager (zuvor RKI) spricht Klartext

Am 10.3. ver­öf­fent­lich­te der Tagesspiegel ein Interview mit Thomas Breuer. Er "… lei­tet beim Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) die Sparte Gesundheit und ist damit auch für den Bereich der Impfstoffe ver­ant­wort­lich. Zuvor hat der Mediziner am Robert-Koch-Institut gear­bei­tet."

Erfreulich offen beant­wor­tet er Fragen:

"Spielen öko­no­mi­sche Überlegungen bei die­ser Entscheidung eine Rolle?
Die mit­tel- bis lang­fris­ti­ge Entwicklung von Ausbrüchen mit neu­en Erregern ist schwer vor­her­zu­sa­gen und damit auch gene­rell die wirt­schaft­li­chen Perspektive.  „Pharmamanager (zuvor RKI) spricht Klartext“ weiterlesen

Beglückung der Menschheit? Spekulation!

Im Beitrag Milliardengewinne mit Impfstoffen ist nach­zu­le­sen, wie trotz einer mil­de ver­lau­fen­den Pandemie im Jahr 2009 Pharmakonzerne erheb­li­che Gewinne mit Impfstoffen machen konn­ten. Damals han­del­te es sich um den bri­ti­schen Konzern GlaxoSmithKline, die Schweizer Novartis und die fran­zö­si­sche Sanofi. Alle drei ste­hen auch heu­te wie­der in den Startlöchern.

In dan­kens­wer­ter Offenheit bemerkt dazu das Portal deraktionaer.de unter der Überschrift "Novartis: Corona-Medikament – Zulassung per Eilverfahren?":

"Auch die Novartis-Aktie muss­te im vom Coronavirus gepräg­tem Marktumfeld Federn las­sen. An den lang­fris­ti­gen Aussichten für den Pharma-Konzern hat sich indes nichts geän­dert, gestützt wird die zuver­sicht­li­che Einschätzung des AKTIONÄR durch den zuletzt posi­ti­ven Newsflow von Unternehmensseite. Kann das Unternehmen nun womög­lich auch im Kampf gegen Corona punk­ten, könn­te dies der Aktie neu­en Auftrieb ver­lei­hen."

Weitere Artikel auf die­sem Portal titeln "Corona-Update – die­sen Biotech-Partner müs­sen Sie jetzt ins Auge fas­sen", "Dividenden-Perle Novartis: Das ist stark!". Und heu­te heißt es dort: "Novartis: „Starke Wachstumsdynamik“ – Goldman Sachs sieht Nachholpotenzial"

(Hervorhebung nicht im Original) „Beglückung der Menschheit? Spekulation!“ weiterlesen

Milliardengewinne mit Impfstoffen

Vor ziem­lich genau 10 Jahren konn­te sich der Deutschlandfunk noch mit Profiten der Pharmaindustrie zu beschäf­ti­gen, ohne dem Vorwurf der Verschwörungstheorie aus­ge­setzt zu werden.

Unter dem Titel "Zwischen Alarmismus und Wirklichkeit
Eine Bilanz zur Schweinegrippe" stell­te ein Bericht die Frage:

'Warum wur­de die soge­nann­te Schweinegrippe vor einem Jahr zur gefähr­li­chen Pandemie erklärt, obwohl sie zehn­mal weni­ger töd­li­che Erkrankungen ver­ur­sacht hat als eine nor­ma­le Wintergrippe? Kritiker wer­fen der WHO vor, nur dar­auf gewar­tet zu haben, eine über Jahre auf­ge­bau­te Maschinerie in Gang zu set­zen. „Milliardengewinne mit Impfstoffen“ weiterlesen

Kein Impfstoff, weil es sich nicht rechnet?

Nicht nur das Gesundheitssystem lei­det, wenn Wirtschaftlichkeitsüberlegungen oder gar Profitinteresse das Handeln bestim­men. Das trifft auch für die Forschung zu. Vielfach wird auch staat­lich nur geför­dert, was Konzernen Gewinne verschafft.

Ein Beitrag auf t‑online stellt fest:

'Weltweit wird fie­ber­haft an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht. Doch das geschah auch 2003, bei der SARS-Pandemie. Warum ver­lief die Entwicklung damals im Sand?… „Kein Impfstoff, weil es sich nicht rech­net?“ weiterlesen

Zwei Richtungen in der Wissenschaft

In einem Podcast des rbb (nicht mehr online) beschreibt Prof. Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung zwei Richtungen in der wis­sen­schaft­li­chen Diskussion um Corona.

Es scheint, daß eine davon sehr viel lau­ter ist.

„Die eine Richtung sagt, wir müs­sen ver­su­chen, das Virus aus­zu­trock­nen. Ich kann das aus epi­de­mio­lo­gi­scher Sicht natür­lich theo­re­tisch nachvollziehen. 

Die ande­re Seite sagt, wir soll­ten ver­su­chen, die Infektionszahlen so nied­rig zu hal­ten, daß es zu kei­ner Überlastung des Gesundheitssystems kommt. Das heißt, daß man natür­lich sich öff­net und daß es eben auch zu Infektionen kommt. Das sind die bei­den Richtungen. Ich hal­te die zwei­te Richtung für rea­lis­ti­scher. Die ers­te mag theo­re­tisch rich­tig sein, nur sie ist rea­li­täts­fern. Es ist eine Pandemie, wir kön­nen uns qua­si nicht ein­schlie­ßen in einer Glaskugel und die nächs­ten Jahre sozu­sa­gen ver­su­chen, hier nichts reinzulassen…

[Es ist] ein­fach zu sagen, hät­ten wir jetzt die­sen Lockdown inten­si­viert und noch eben wei­te­re Wochen so durch­ge­hal­ten, dann hät­ten wir es geschafft. Das ist ja erst mal eine Behauptung. Niemand weiß, ob das über­haupt so mög­lich wäre und dann auch so gekom­men wäre. Insofern ist das immer eine Position, die sich natür­lich leicht ein­neh­men läßt, weil man sie nicht über­prü­fen kann. Insofern bin ich da eher, glau­be ich, auf der Linie, daß wir hier ein­fach mit der Realität umge­hen müs­sen, mit dem Virus leben, so weit, wie es geht, die schäd­li­chen Folgen mini­mie­ren für die Menschen, die eben da wirk­lich gefähr­det sind…

Ob es unbe­dingt einen Jojo-Effekt geben wird, das bleibt abzu­war­ten. Wie gesagt, noch mal: Niemand weiß, was hier sozu­sa­gen das bes­te Vorgehen ist, wel­che Lockerungen dazu füh­ren wer­den, daß Infektionszahlen anstei­gen oder eben nicht anstei­gen. Also wer das behaup­tet, muß man ganz klar sagen, der lügt. Es gibt kei­ne Plaupause. Darum sehen wir eben auch unter­schied­li­che Strategien in den Ländern, in Schweden, in Österreich bei uns. Und das ist auch rich­tig so. Also zu behaup­ten, das Land macht es bes­ser, jenes Land macht es bes­ser, das Land macht es schlech­ter – das wird man ganz am Ende wis­sen, weil man dann eben schlau­er ist. Aber jetzt zu sagen, das ist der bes­te Weg oder jenes, das wäre, glau­be ich, zu früh.“