Was nimmt Professor Wendtner?

Vielleicht soll­te die Frage bes­ser lau­ten: Was bekommt er? Und von wem?

Am 24.9. schreibt auf faz.net Karin Truscheit, "vor allem beschäf­tigt mit Kriminalitätsberichterstattung und Gerichtsprozessen":

»Chefarzt Clemens Wendtner hat im Januar in München die ers­ten Corona-Patienten in Deutschland behan­delt. Im Interview spricht er über Laxheit, Lüftungsanlagen – und war­um die Jugend für die Eindämmung der Pandemie so wich­tig ist…

Der Herbst hat noch nicht ein­mal rich­tig ange­fan­gen, doch allein in München wer­den ange­sichts stei­gen­der Infektionszahlen wei­te­re Kontaktbeschränkungen und sogar eine Maskenpflicht in der Innenstadt not­wen­dig. Ist das die rich­ti­ge Antwort auf die zwei­te Welle?

[Wendtner:] … Das Virus ist ein gefähr­li­cher Feind. Und kennt kei­ne Pause. Es ist daher unge­mein wich­tig, an den eta­blier­ten Maßnahmen – Abstand und Maske – fest­zu­hal­ten.…«

„Was nimmt Professor Wendtner?“ wei­ter­le­sen

Was weiß der Chefredakteur von t‑online schon?

Am 23.9. schreibt er vor­aus­schau­end:

»In außer­ge­wöhn­li­chen Zeiten wie die­sen soll­te man sich dem Außergewöhnlichen fügen – nicht kri­tik­los, aber soli­da­risch. Was ist so schwer dar­an, andert­halb Jahre lang auf Fußballstadion, Weihnachtsmarkt, Kneipentour, Karneval, Großfamilienfest und Betriebsfeier zu ver­zich­ten? Sicher: Es ist bit­ter, und wer mit sol­chen Veranstaltungen Geld ver­dient, der ist noch bit­te­rer dran, der erhebt zu Recht Anspruch auf Unterstützung durch den Staat. Die gibt es hier­zu­lan­de in vie­len Fällen. Für alle Bürger noch rele­van­ter ist aber die Frage, ob wir die kom­men­den Herbst- und Wintermonate halb­wegs glimpf­lich über­ste­hen. Oder ob wir in die­sel­be Misere schlit­tern wie immer mehr Länder in unse­rer Nachbarschaft. Im Berliner Regierungsviertel geht man davon aus, dass Europa einen zwei­ten flä­chen­de­cken­den Lockdown nicht über­ste­hen wür­de. Er könn­te nicht nur das Ende der EU und ihrer wirt­schaft­li­chen Erfolgsgeschichte bedeu­ten, son­dern auch das Ende des Lebens in Wohlstand und Frieden, wie wir es seit Jahrzehnten ken­nen. Mit einem "Gott bewah­re!" ist es des­halb nicht getan. Jeder Einzelne kann und soll­te etwas dage­gen tun: Einsicht, Rücksicht, Disziplin. Auch wenn es schmerzt.«

Was er meint, ist: Noch min­des­tens ander­halb Jahre Maul hal­ten, Maske auf und durch. Damit das mit der Disziplin klappt, emp­fiehlt er das devoteTagesspiegel-Interview mit Christian Drosten "Wir sind die Welle".

"campact" in Corona-induzierter Schizophrenie

Lange Zeit war cam­pact ein Kampagnen-Netzwerk mit ver­nünf­ti­gen Zielen und gro­ßer Reichweite. Die Organisation enga­gier­te sich gegen die Bahnprivatisierung, in der Umweltbewegung, für Edward Snowden und gegen TTIP. Wie attac und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wur­de ihr der Status der Gemeinnützigkeit aberkannt. Dagegen haben sich in einer Petition fast 400.000 Menschen aus­ge­spro­chen.

Dann kam Corona. Campact-Vorstand Felix Kolb warn­te vor "Protesten gegen die Corona-Auflagen" (s.u.), nach­dem man sich im März bereits der "Bleib-zu-Hause"-Kampagne ange­schlos­sen hat­te. Das kos­te­te die Organisation tau­sen­de Mitglieder und SpenderInnen. Inzwischen geht sie einen Schritt wei­ter. Auf ihrer Petitionsplattform fin­det sich seit eini­gen Tagen die­ser absur­de Aufruf:

»Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Stiftung Rubikon
Das Online-Magazin Rubikon ist ein Sammelbecken aben­teu­er­lichs­ter Verschwörungsfantasien und offe­ner Hetze gegen demo­kra­ti­sche Strukturen. Es ist nicht zu fas­sen, dass die­se Organisation die Gemeinnützigkeit besitzt, die z.B. Attac, Campact und der VVN aberkannt wur­de. Das Finanzamt Münster wird auf­ge­for­dert, die­ser Stiftung die Gemeinnützigkeit zu ent­zie­hen.«

„"cam­pact" in Corona-indu­zier­ter Schizophrenie“ wei­ter­le­sen

Gesundheitsämter: Nichts Genaues weiß man nicht

"Umfrage bei Gesundheitsämtern – Fünf Kontaktpersonen pro Corona-Infiziertem" über­schreibt tagesschau.de einen Beitrag am 23.9., der pas­sen­der­wei­se so ver­linkt ist: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/gesundheitsaemter-kontaktpersonen-101.html.

Entgegen der prä­zi­se klin­gen­den Aussage wim­melt es in dem Text von Widersprüchen und Fehlern.

»Der August war für die Gesundheitsämter wie­der ein anstren­gen­der Monat. Rund 34.000 Menschen wur­den auf das neue Coronavirus getes­tet, mehr als dop­pelt so vie­le wie im Juli.«

Das ist falsch. Gemeint sind die posi­tiv Getesteten, die Zahl der Tests lag bei fast 400.000.

»Wie vie­le [sol­che] Kontaktpersonen jeder Infizierte in Deutschland im Durchschnitt hat, ist bis­her nicht offi­zi­ell bekannt, eben­so wenig, wie gut es den Gesundheitsämtern gelingt, die­se Kontaktpersonen über­haupt aus­fin­dig zu machen. Das RKI teilt auf Anfrage mit, dass es zu die­sen Fragen kei­ne Erkenntnisse habe und auch kei­ne Daten vor­lä­gen.«

„Gesundheitsämter: Nichts Genaues weiß man nicht“ wei­ter­le­sen

Wie war das noch… mit der RKI-Studie zur Verbreitung der Coronavirus-Infektion? (II)

Zu die­sem Thema wur­de hier bereits am 18.7. berich­tet. Am 20.5. infor­mier­te der SWR so:

»Die Corona-Lage scheint eini­ger­ma­ßen im Griff. Doch die Behörden war­nen: Eine zwei­te Krankheitswelle könn­te noch kom­men. Um dafür gerüs­tet zu sein, star­te­te das Robert-Koch-Institut eine Studie…«

Danach habe das RKI auf einer Pressekonferenz vom 19.5. ers­te Ergebnisse "in rund sechs Wochen" ange­kün­digt. Inzwischen sind 18 Wochen ver­gan­gen. Belastbare Ergebnisse wur­den noch nicht bekannt. Einem aktu­el­len Studienprotokoll vom 1.9. ist zu ent­neh­men, daß Gegen-Checks zum "unver­meid­ba­ren gewis­sen Anteil falsch posi­ti­ver Testergebnisse" im Rahmen der Studie vor­ge­nom­men wer­den. Dieses Verfahren wird bei der Bekanntgabe der RKI-Fallzahlen jedoch nicht ange­wandt.

„Wie war das noch… mit der RKI-Studie zur Verbreitung der Coronavirus-Infektion? (II)“ wei­ter­le­sen

Laumann gibt den Söder

»Als Konsequenz aus Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen bei einer Hochzeitsfeier in Hamm sol­len die Vorschriften nun lan­des­weit ver­schärft wer­den. "Wir wer­den in die Corona-Schutzverordnung hin­ein­schrei­ben, dass Privatfeiern zwei Wochen vor­her beim Ordnungsamt ange­mel­det wer­den müs­sen", sag­te NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag dem Radioprogramm WDR 2.

Außerdem sei dabei ein Verantwortlicher zu benen­nen und eine Gästeliste ein­zu­rei­chen. "Dann kann das Ordnungsamt sol­che Feiern auch mal kon­trol­lie­ren", sag­te Laumann. Die Feier in Hamm sei grö­ßer gewe­sen als erlaubt. Außerdem sei die Teilnehmerliste nicht in Ordnung gewe­sen, was die Nachverfolgung erschwe­re. Die Feier hät­te so gar nicht statt­fin­den dür­fen.«

Das ist heu­te zu erfah­ren bei rp-online.de. Was war gesche­hen bei dem Ereignis, das wdr.de reis­se­risch als "XXL-Hochzeit" beschrieb?

„Laumann gibt den Söder“ wei­ter­le­sen

Führungswechsel im "unabhängigen" Staatsfernsehen ARD

Neue ARD-Programmdirektorin wird zum 1. Mai 2021 Christine Strobl. dpa schafft es, in einer Kurzmeldung vom 24.9. sie­ben­mal die Firma Degeto Film GmbH zu erwäh­nen, der Frau Strobl vor­steht. Für die Corona-Berichterstattung scheint Strobl damit geeig­net:

»Im Ersten zum Beispiel ver­ant­wor­tet die Degeto nach eige­nen Angaben rund 80 Prozent aller fik­tio­na­len Filme.«

Ach ja:

»Christine Strobl ist die Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und ist mit dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Innenminister Thomas Strobl (CDU) ver­hei­ra­tet.«

(Dieser Beitrag wur­de inzwi­schen ent­fernt.)

2014 hat­te die Bunte einen Jubelartikel über Strobl ver­faßt, in dem es heißt:

„Führungswechsel im "unab­hän­gi­gen" Staatsfernsehen ARD“ wei­ter­le­sen

Raunen in der FAZ zur Evidenz

Ein Redakteur "Natur und Wissenschaft" der FAZ stellt am 18.9. kryp­ti­sche Überlegungen zum Thema "Corona und die Zweifler – Der Tod ist nicht alles" an. Er sin­niert dort etwa:

»Wo ist die Evidenz, fra­gen Corona-Skeptiker: Die Verharmlosung der Katastrophe trifft längst nicht nur Wissenschaftler ins Mark. Hinter den Sterbeziffern türmt sich eine unvor­stell­ba­re Krankheitslast…

"Covid-19: Wo ist die Evidenz?", das frag­te osten­ta­tiv vor eini­gen Tagen das "Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin" (EbM), ein Verein, der für sich in Anspruch nimmt, eine Gesundheits­forschung nach den strengs­ten Kriterien der wis­sen­schaft­li­chen Beweisführung anzu­stre­ben. In dem Papier, in dem sogar die Fachautoren unter­schla­gen wer­den, heißt es, in Anlehnung an eine ähn­lich lau­ten­de Stellungnahme von vor einem hal­ben Jahr: "Es gibt ins­ge­samt noch sehr wenig belast­ba­re Evidenz, weder zu Covid-19, noch zur Effektivität der der­zeit ergrif­fe­nen Maßnahmen. Aber es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die trotz weit­ge­hend feh­len­der Evidenz ergrif­fe­nen Maßnahmen inzwi­schen grö­ße­ren Schaden anrich­ten als das Virus selbst."«

„Raunen in der FAZ zur Evidenz“ wei­ter­le­sen

Wahrsager: „Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen“

Auch auf die­sem Blog wird es gram­ma­ti­ka­li­sche Fehler geben. Er ist aber auch kein Qualitätsmedium wie die FAZ, das am 23.9. dies ver­mel­det:

»Die zwei­te Infektionswelle dür­fe in Deutschland kei­nes Falls unter­schätzt wer­den: Der Virologe Christian Drosten mahnt zu mehr Realismus in der Debatte. In der Vorbereitung auf Herbst und Winter müs­se noch viel getan wer­den.

Der Berliner Virologe Christian Drosten sieht Deutschland in der Corona-Pandemie noch nicht aus­rei­chend für die kom­men­de Zeit gewapp­net. "Wir müs­sen, um die Situation in den kom­men­den Monaten zu beherr­schen, Dinge ändern", sag­te er im Vorfeld der im Oktober anste­hen­den Gesundheitskonferenz World Health Summit in Berlin. "Die Pandemie wird jetzt erst rich­tig los­ge­hen. Auch bei uns."«

Bar jeg­li­chen Realitätssinns erklärt der "Chef-Virologe":

„Wahrsager: „Pandemie wird jetzt erst rich­tig los­ge­hen““ wei­ter­le­sen

Pandemie selbstgemacht!

Einem Kommentar ver­dan­ke ich den Hinweis auf die­ses Spiel, mit dem sich auf dem Computer jeg­li­che Parameter ein­stel­len las­sen, um Pandemien jeder Art auch mit schöns­ten Grafiken erstel­len las­sen. Es kann kaum Zweifel geben, daß das RKI damit spielt.