"Ausreichend Biontech-Impfstoff da, nur keine Impfwilligen"

Unter der Überschrift "Zum Piks in die Hauptstadt : So kom­men Impftouristen in Berlin an ihre Spritze" ist am 10.7. auf tagesspiegel.de hin­ter der Bezahlschranke zu lesen:

»Die Impfbereitschaft der Berliner nimmt ab. Die Chance auf einen spon­ta­nen Termin zum Corona-Schutz ist hoch. Das nut­zen auch Impfwillige von aus­wärts.«

Geschildert wird der Fall der Pianistin Adriana von Franqué aus Hamburg, die sich in Berlin den selig machen­den Piks abhol­te, ohne jeg­li­chen vor­ge­schrie­be­nen "Bezug zu Berlin".

»Linda J. nahm sogar den Weg aus Bayreuth auf sich, um sich bei einem Berliner Hausarzt imp­fen zu las­sen. Dort bekam die Studentin das Mittel von Johnson&Johnson, bei dem eine Spritze für den vol­len Schutz genügt. Den Kontakt zum Arzt hat­te ihre Mutter, die in Berlin lebt, durch den Tipp einer Nachbarin bekom­men. Dabei sei die Familie bei der Praxis nicht bekannt gewesen.

Linda J. erzählt, dass sie die Chance ergriff, um die Lockerungen für Geimpfte genie­ßen zu kön­nen. Innerhalb von weni­gen Tagen habe sie die Impfung erhal­ten. Von ihrer Universität in Bayreuth bekam sie erst Wochen nach dem Termin in Berlin eine Impfeinladung für Mitte Juli.«

Anders als die Impfzentren dür­fen die nie­der­ge­las­se­nen ÄrztInnen ver­die­nen, an wem sie wollen.

»Selbst genug Biontech-Impfstoff scheint es in den Praxen der Hauptstadtregion der­zeit zu geben. Zwar geht die KV von einer stei­gen­den Nachfrage aus, seit die Ständige Impfkommission als Zweitimpfung nach Astrazeneca eine Dosis Biontech oder Moderna empfiehlt.

Christian Vogel-Sührig, ein nie­der­ge­las­se­ner Arzt im bran­den­bur­gi­schen Oranienburg, schrieb in die­ser Woche jedoch dem Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint: „Aktuell ist in den Praxen aus­rei­chend Biontech-Impfstoff da, nur kei­ne Impfwilligen. Für die Menschen scheint alles vor­bei zu sein.“ Sein Eindruck sei, „dass ein Großteil der Bevölkerung bei uns nicht zu ech­tem Sozialverhalten in der Lage ist“, son­dern ein­fach ego­is­tisch.«

Echt fal­sches Sozialverhalten liegt für den Mann vor, wenn Menschen sei­ne betriebs­wirt­schaft­li­che Planung durch­kreu­zen, indem sie einen gesund­heit­lich kri­ti­schen Eingriff in ihren Körper nicht vor­neh­men lassen.

»Klinikkonzern bietet Impfungen für Auswärtige an

Für Auswärtige gibt es noch eine ande­re Möglichkeit, sich in Berlin imp­fen zu las­sen. Der pri­va­te Krankenhauskonzern Helios bie­tet in sei­nen Kliniken und medi­zi­ni­schen Versorgungszentren den Corona-Schutz für alle an…

Ein ehe­ma­li­ger Mitarbeiter der Kampagne berich­te­te dem Tagesspiegel, vie­le hät­ten bereits die­se Gelegenheit genutzt. Als er das Angebot über sein pri­va­tes Instagramprofil geteilt habe, hät­ten sich etwa 70 bis 80 Bekannte gemel­det, für die er dar­auf­hin Termine orga­ni­siert habe…«

Dabei geht es gar nicht um Geld, wie man vor­schnell anneh­men könn­te. Das weiß auch Adriana von Franqué:

»Die jun­ge Pianistin beteu­ert, dass sie nicht nur aus Eigeninteresse gehan­delt habe: Sie hofft, mit der Impfung einen Beitrag zur Überwindung der Pandemie geleis­tet zu haben, damit das kul­tu­rel­le Leben wie­der schnell auf­blü­hen könne.«

Vielleicht ist es das, was die Skepsis in Berlin und drum­rum beflü­gelt. Beim Blühen, in dem Fall von Landschaften, sind sie erst mal vorsichtig.

29 Antworten auf „"Ausreichend Biontech-Impfstoff da, nur keine Impfwilligen"“

  1. "Sie hofft, mit der Impfung einen Beitrag zur Überwindung der Pandemie geleis­tet zu haben, damit das kul­tu­rel­le Leben wie­der schnell auf­blü­hen könne."

    Mit ande­ren Worten: es geht *nicht* um medi­zi­ni­sche Gruende, son­dern dar­um, das kul­tu­rel­le Leben wie­der anzu­kur­beln. Dass die­ses Ziel aber auch durch Ruecknahme der nicht nur unnoe­ti­gen son­dern sogar scha­ed­li­chen "Corona-Regeln" zu erzie­len wae­re, wird noch nicht ein­mal in Betracht gezogen.

    Sprich: Die Noetigung zur Impfung und die Gehirnwaesche durch die Regierung funk­tio­niert (lei­der) …

    Mit den (hof­fent­lich nicht zu gra­vie­ren­den) Schaeden durch die Impfung wer­den die meis­ten geimpf­ten dann erst in eini­gen Jahren kon­fron­tiert sein. Die Impfstoffhersteller sind dann fein raus, da sich die­se von jeg­li­cher Haftung haben *durch* *unse­re* *Regierung* frei­stel­len lassen.

    "Sein Eindruck sei, „dass ein Großteil der Bevölkerung bei uns nicht zu ech­tem Sozialverhalten in der Lage ist“, son­dern ein­fach egoistisch."

    Inwiefern ist es ego­is­tisch, sich *nicht* imp­fen zu las­sen, wenn die Impfung die Verbreitung des Virus nicht ver­hin­dert, son­dern nur den geimpf­ten vor schwe­ren Verlaeufen und dem Tod schuet­zen soll (angeb­lich)? Als Arzt soll­te der Mann es wirk­lich bes­ser wissen.

    Ich bin mitt­ler­wei­le voel­lig fas­sungs­los, wie gut­glae­u­big und obrig­keitsho­e­rig unse­re Bevoelkerung anschei­nend zu gros­sen Teilen gewor­den zu sein scheint.

    1. Soweit mir bekannt ist, unter­schrei­ben die Ümpflinge ja, dass sie im Falle von Nebenwirkungen auf Regressansprüche verzichten.
      Soweit mir bekannt ist, hat es das in Bezug auf Impfen noch nie gegeben.
      Allein das soll­te doch schon Anlass sein, gut nach­zu­den­ken und abzuwägen.

      1. Doch, bei der Schweinegrippeimpfung haben die Kandidaten auch ein DIN A 4 Blatt unter­schrei­ben müs­sen, hat nur kei­ner gelesen!

  2. Auch anders­wo ent­ste­hen sehr inter­es­san­te Artikel:

    "Um allen Missverständnissen vor­zu­beu­gen: Die Geschichte von SARS-CoV‑2 beginnt am 9. Januar 2020. An die­sem Tag hat die WHO berich­tet, dass Chinesische Behörden ein neu­ar­ti­ges Coronavirus iden­ti­fi­ziert haben, das hin­ter einem Ausbruch neu­ar­ti­ger Fälle von Pneumonie in Wuhan ste­hen soll. Der 9. Januar 2020 ist der Stichtag.

    Haben Sie Lust auf einen Wissenschaftskrimi?"

    https://sciencefiles.org/2021/07/10/hatte-moderna-schon-im-dezember-2019-einen-impfstoff-kandidaten-gegen-sars-cov‑2/#comment-174810

  3. Frankreich ist die Bastion der impf­skep­ti­schen Menschen:

    "Frankreich berei­tet Gesetz zur Impfpflicht vor

    In Frankreich sind noch längst nicht alle Krankenschwestern und Pfleger geimpft. Das soll sich nach dem Willen der Regierung ändern.
    Große Sorge berei­tet der Regierung zudem die Tatsache, dass die Impfkampagne an Schwung ver­liert. Deshalb arbei­tet die fran­zö­si­sche Regierung an einem Gesetz, das eine Impfpflicht für bestimm­te Berufsgruppen vorsieht.
    Dazu könn­te vor allem das Gesundheits- und Pflegepersonal gehören.Gerade ein­mal 57 Prozent der Mitarbeiter in den Altenheimen haben bis­lang eine Impfung erhalten.
    Beim Personal in den Kliniken sind es 64 Prozent. Am Freitag emp­fahl der wis­sen­schaft­li­che Beirat der Regierung eine sofor­ti­ge Impfpflicht für all jene, die Kontakt mit vul­nerablen Gruppen wie alten Menschen haben.

    Doch damit nicht genug: Der Beirat emp­fiehlt, schon jetzt über eine gene­rel­le Impfpflicht nach­zu­den­ken. So kön­ne recht­zei­tig gegen­ge­steu­ert wer­den, falls der wei­te­re Verlauf der Pandemie es erfor­dern sollte."

    https://www.tagesspiegel.de/politik/angst-vor-der-vierten-welle-frankreich-bereitet-gesetz-zur-impfpflicht-vor/27409714.html

  4. Der Real exis­tie­ren­de Kapitalismus ist eine Mangelgesellschaft! Es man­gelt an Vielem, an Arbeit, an bezahl­ba­ren Wohnungen, an sozia­ler Sicherheit, an Menschlichkeit!

    1. Es man­gelt an Empathie und an struk­tu­rier­ten Menschen.
      Der Kapputalismus ist dazu da, die meis­ten Menschen immer wie­der aus ihren "Umlaufbahnen" zu kata­pu­tie­ren. Es ist, als ob einem stän­dig jemand "bei vol­ler Fahrt ins Lenkrad greift und das Lenkrad ver­sucht rum- und an sich zu reißen".
      Extrem destruk­tu­riert wir­ken auf mich Merkel, Wiehler, Klabauterbach, die Priesemann et.al.

  5. Lebt Berlin nicht vom Tourismus? Wenigstens ein paar, die sich mal wie­der bli­cken lassen.
    Jetzt ne Love-Parade … 🙂 Snid am Ende eh nur ein paar hun­dert gewe­sen, in den Nachrichten danach. 😛

  6. Diese völ­lig ver­que­re und ver­dreh­te Argumentation ist das wesent­li­che Merkmal die­ser Krise. Wer den Pieks nicht will ist unso­zi­al, wer sich piek­sen lässt um wie­der eine Kreuzfahrt machen zu kön­nen ist solidarisch.
    Wer sich in 80 km Entfernung vom Wohnort ein Masken-Attest aus­stel­len lässt, muss ein kri­mi­nel­ler Betrüger sein, wer 500 km durchs Land fährt für die Spritze ist ver­ant­wor­tungs­voll, usw. usf…

    1. "… Wer den Pieks nicht will ist unso­zi­al, wer sich piek­sen lässt um wie­der eine Kreuzfahrt machen zu kön­nen ist solidarisch. …"
      Es geht nur dar­um, sich im Namen der Pharma und ande­ren Unternehmen ver­gif­ten, auf lan­ge Sicht umbrin­gen zu las­sen. Um nichts mehr und um nichts weniger.

      Es geht nicht um Kunst und Kultur, es geht nicht um Bildung etc.

  7. ot

    Ich fin­de, dass Ungeimpfte in Bussen nur noch hin­ten sit­zen dür­fen. Zu Stoßzeiten dür­fen sie Busse über­haupt nicht mehr benutzen.
    Weiter VorSCHLÄGE folgen…

    "Sie dür­fen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt ein­kau­fen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer ein­fa­chen Impfung nicht mehr gestat­ten, in den Urlaub zu fahren."

    Dr. Heinz (KV-RP)

    1. @ Voller Verdienste

      Der Begriff "ver­die­nen" ist einer der vie­len Begriffe, die die Tatsachen verschleiern.

      Was er bekommt ist eine Frage, was er ver­dient eine ganz andere.

    2. Da fällt man vom Stuhl, wenn man die­se Unsummen liest.
      Wofür sol­che hohen "Einkünfte", fra­ge ich.

      Übrigens, wie hoch sind die monat­li­chen "Einkommen" (vor Steuern) der Vorstände der Krankenkassen (Körperschaften öffent­li­chen Rechts)?

  8. Na, immer­hin!

    Können sich ca. ein Fünftel 83% "JETZT" sogar drei­fach imp­fen lassen.

    "17 Prozent in Deutschland wol­len sich nicht imp­fen lassen
    Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes INSA für die "Bild am Sonntag" geben 17 Prozent der Menschen in Deutschland an, noch nicht geimpft zu sein und sich auch nicht imp­fen las­sen zu wol­len. Am deut­lichs­ten aus­ge­prägt sei die­se Haltung bei Anhängern der AfD, die sich zu 44 Prozent nicht imp­fen las­sen woll­ten, berich­tet die Zeitung laut Vorabbericht. Außerdem gebe es im Osten deut­lich mehr Impfverweigerer (22 Prozent) als im Westen (15 Prozent). (Reuters)"

    https://www.tagesspiegel.de/wissen/coronavirus-in-deutschland-17-prozent-der-bevoelkerung-wollen-sich-nicht-impfen-lassen/25560996.html

  9. Baden-Württemberg
    Es sind ja nur Steuergelder, die zu ver­schwen­den sind.
    Manne Lucha von den Grünen, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration in Baden-Württemberg gibt Gas.
    Es gibt tief hän­gen­de Früchte, die leicht zu ern­ten sind.
    Impfstoff ist gera­de gut ver­füg­bar und es ist leicht, an einen Impftermin zu kommen.
    Ran an die Spritze!
    https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/start-der-informations-und-aktionskampagne-zum-impfen-dranbleibenbw/

    Am 10.07.2021 spielt Johnson & Johnson in der Deutschordenshalle Kirchhausen.
    Voller Impfschutz nach einer Impfung!
    Was will man mehr?
    https://www.dranbleiben-bw.de/

    https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/so-sollen-menschen-vom-impfen-in-bw-ueberzeugt-werden-100.html
    Unter "Start der neu­en Impfkampagne in Heilbronn" ist ein Video.
    Die Damen und Herren in den wei­ßen T‑Shirts, die da zu sehen sind, gehö­ren zur Drückerkolonne.
    Von denen wird man beläs­tigt, wenn man nichts­ah­nend durch die Stadt schlendert.

  10. Als ers­te Gerüchte über bevor­ste­hen­de Preprints aus Israel zu einer ste­ri­len Immunität nach der Wunderimpfung auf­ka­men, wur­de dies von vie­len Leitmedien sofort als Fakt gemeldet.

    Jetzt schätzt das israe­li­sche Gesundheitsministerium die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs bei den aktu­ell zir­ku­lie­ren­den Virusvarianten nur noch auf 64% ein und ich habe noch nichts davon in Leitmedien gehört:
    https://www.haaretz.com/israel-news/israel-pfizer-vaccine-less-effective-preventing-delta-covid-variant-infection‑1.9971842

    Fände ich eine schö­ne Schlagzeile bei der Tageschau: "Neue Einschätzung: Biontech-Impfstoff nur zu 64% effektiv"

    1. @Balance: "Impfung weni­ger effek­tiv seit Delta-Variante" (https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-studie-impfungen-delta-101.html, 6.7.). Dort kom­men auch die 64 % vor. Der Trick der Massenmedien ist gar nicht so sehr das völ­li­ge Verschweigen, irgend­wo fin­den sich irgend­wann die meis­ten Informationen. Es wer­den nur per­ma­nent die Parolen der Lauterbäche & Co. wie­der­holt und die Leute per­ma­nent mit irgend­wel­chen zusam­men­hang­lo­sen Zahlen bom­bar­diert, die eine Riesengefahr vorgaukeln.

      1. @aa In der Tat kein schlech­ter Artikel der Tagesschau. Aber als Aufmacher in der 20 Uhr Tagesschau wür­de so eine Meldung sicher nicht ver­wen­det, las­se mich aber auch das eines bes­se­ren belehren.

  11. Vielleicht soll­te ich nächs­tes Mal die Zeugen Jehovas her­ein­bit­ten, wenn sie wie­der vor der Tür ste­hen. Ist man in dem Verein vor der Sumpfsuppe sicher? Von wegen Religionsfreiheit?

  12. Dazu passt:

    "Strafe statt Anreizen: Wie sich selbst Impfgegner über­zeu­gen las­sen könnten

    In eini­gen Ländern gibt es Millionenlotterien, Gutscheine oder auch Bargeld. Ist das der rich­ti­ge Ansatz?

    Um ganz ehr­lich zu sein, ich wür­de gar kei­nen finan­zi­el­len Anreiz set­zen. Viel bes­ser ist im Fall der Impfverweigerung eine Steuerung über das Risiko: Wer sich nicht gegen Corona imp­fen las­sen möch­te, muss auch die Corona-Behandlung selbst bezah­len, soll­te er oder sie erkran­ken. Das hal­te ich für das bes­te Mittel, um auch Impfgegnern einen Anreiz zu set­zen, sich imp­fen zu las­sen. Außerdem ist das auch im Sinne des Krankenkassensystems: Mit der Impfverweigerung ver­let­zen Personen das Solidarprinzip der Krankenversicherung, und des­halb soll­ten sie auch nicht auf die Solidarleistung zurück­greifen dür­fen, soll­ten sie selbst ver­schul­det spä­ter an Covid-19 erkranken.

    Das klingt ja eher nach einer Strafe statt eines Anreizes. Man könn­te auch noch wei­ter gehen und Reiseverbote für Impfgegner for­dern. Sind Strafen die bes­se­ren Anreize?

    Strafen sind zwar wirk­sam, brin­gen aber vie­le Probleme mit sich. Strafen füh­ren dazu, dass Menschen Strategien zur Straf­vermeidung ent­wi­ckeln. Bei mei­nem Vorschlag kop­pe­le ich die Strafe an das eige­ne Erkrankungsrisiko. Durch einen Corona-Test ist eine Erkrankung leicht und mit hoher Zuverlässigkeit nach­weis­bar, an der man durch eige­nes Verschulden, näm­lich der Impfverweigerung, erkrankt ist.

    Bei ande­ren Strafformen käme es dage­gen zu hohen Folgekosten für den Staat: Man bräuch­te Überwachungsinstanzen und Bestrafungsmechanismen, um zu ver­hin­dern, dass Ungeimpfte bestimm­te Dinge tun, zum Beispiel rei­sen. Ein sol­ches Überwachungs- und Bestrafungssystem wür­de Ressentiments gegen die­je­ni­gen her­vor­brin­gen, die das System erschaf­fen, die Politik. Aufgrund sei­ner Nachteile war­ne ich des­halb vor dem Einsatz von Überwachungs- und Strafsystemen.
    (…)
    Reicht das Schutzargument einer Impfung denn nicht aus, sodass es Impfanreize braucht?

    Offensichtlich nicht, die Gründe dafür sind ganz unter­schied­lich: Manche Menschen sind davon über­zeugt, dass es die­se Pandemie nicht gibt, oder haben ein grund­sätz­li­ches Misstrauen gegen­über Wissenschaft und Politik. Ein wich­ti­ges Argument ist außer­dem das Trittbrettfahren: Wenn es bei einer Impfquote von 85 Prozent Herdenimmunität gibt, sind sie auch als Nichtgeimpfte und Nichtgeimpfter mit­ge­schützt. Zu die­sen 15 Prozent möch­ten wir idea­ler­wei­se gehö­ren, weil wir dann weder Impfreaktion noch Corona in Kauf neh­men müs­sen – was gibt es Besseres? Das ist der Hauptgewinn. Es besteht also ein offen­sicht­li­ches Allgemeingut-Dilemma: Rein ratio­nal möch­te jeder bezie­hungs­wei­se jede zu den 15 Prozent Gewinnern gehö­ren. Durch das ego­is­ti­sche Impfvermeiden bezie­hungs­wei­se Herauszögern kom­me ich dem Hauptgewinn zwar näher, ver­las­se aber auch wie­der das Solidarprinzip.

    https://www.rnd.de/gesundheit/corona-impfungen-psychologe-fordert-ungewoehnliche-strafe-fuer-verweigerer-FUYLFJH6DBGIZJCSHNMDWWY2EY.html

    Der Herr Psychologe offen­bart hier nicht nur ein völ­lig per­ver­tier­tes Verständnis von Solidarität, son­dern auch die eigent­li­chen Hintergedanken und Lügen, die hin­ter dem gan­zen Druck ste­cken. Man kon­stru­iert eine Bringschuld, die sich aus der Überzeugung her­aus nährt, dass Covid nur Leute betrifft, die unver­nünf­tig sind und eine Erkrankung selbst ver­schul­den. Sie könn­ten sich ja schliess­lich auch an die Regeln hal­ten und sich "imp­fen" las­sen, auch wenn das fak­tisch kei­ner­lei ste­ri­le Immunität erzeugt (ande­re also eben nicht schützt, aber es wird trotz­dem so getan als ob) und Millionen Menschen vor Ort ihre Arbeit ver­rich­ten müs­sen und somit eine Ansteckung nicht immer ver­hin­dern können.

    Mehr noch: Aus den mög­li­chen Impfschäden soll eine Art Märtyrertum kon­stru­iert wer­den, der zum Vorwurf sti­li­siert wird an jene, die den Eingriff ableh­nen und damit ihre kör­per­li­che Unversehrtheit schüt­zen wol­len, damit sich am Ende jeder schul­dig fühlt, der Covid und den Impfwahn unbe­scha­det über­lebt hat. 

    Obacht also. Die Machthaber und ihre Einpeitscher sind kom­plett irre gewor­den und haben gänz­lich den Bezug zu sämt­li­chen gesell­schaft­li­chen Normen ver­lo­ren, die eine zivi­li­sier­te Gesellschaft eigent­lich definieren.

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