Bilderrätsel in der "Zeit"

zeit.de (14.10., Bezahlschranke)
Druckausgabe (14.10.)

In bei­den Artikeln klam­mern sich fünf JournalistInnen an die Telefonumfrage des RKI, wonach viel mehr Menschen "geimpft" sei­en als gezählt. Für das Grauen gibt es "Das Beste aus Z+", und zwar nicht aus dem Vorjahr:

zeit.de (12.10., Bezahlschranke)

Beratung im Klo

Gegen die, die es trotz Bratwurst, Drohungen und Aussperrungen immer noch nicht begrei­fen, wer­den vier KämpferInnen für die Wissenschaft aufgeboten:

zeit.de (13.10., Bezahlschranke)

Zitiert nach der Druckausgabe erzählt der Imam der El-Iman-Moschee aus Hamburg:

»… Ich erle­be, dass Menschen mit Migrationshintergrund den Impfstoff von BioNTech bevor­zu­gen: Er wur­de in Deutschland her­ge­stellt und die Entwickler haben tür­ki­sche Wurzeln. Das sind also qua­si ihre Leute…«

Er wird sich irren. Migration ist kein Hinderungsgrund zu erken­nen, daß tücki­sche Wurzeln von der Nationalität nicht abhängen.


Der Wessi und Chef der Sächsischen Impfkommission weiß:

Ossis »… wol­len sich vom Staat nichts vor­schrei­ben las­sen, auch kei­ne Impfungen, in der DDR muss­ten sie das lan­ge genug erdul­den. Es ist ja kein Zufall, daß die ost­deut­schen Bundesländer frü­her vor­bild­lich bei den Impfquoten waren…«

Vielleicht waren es ein­fach ande­re Impfungen und ande­res Personal? Der Mann bie­tet eine Art Aussteigerprogramm für kri­ti­sche ÄrztInnen an. Denn:

»Unter den Ärzten und Ärztinnen gibt es natür­lich auch Impfgegner und Verschwörungstheoretiker. Und die haben dann ent­spre­chen­den Einfluß auf ihre Patienten.«


Ganz tol­le Ideen hat die Leiterin von pro fami­lia Hamburg:

»Viele jun­ge Frauen sor­gen sich um ihre Fruchtbarkeit, das ver­bin­det sie. Wenn also her­um­er­zählt wird, man kön­ne nach einer Impfung kei­ne Kinder mehr bekom­men, kann die­ses Gerücht eine enor­me Wirkung ent­fal­ten – obwohl da nichts dran ist…

Darum kann ich mir vor­stel­len, dass man in die Clubs geht und Mini-Events bei den Toilettenräumen macht. Ideal wäre es, wenn da jun­ge Ärztinnen ste­hen wür­den, die über die Impfung informieren.«

Sie könn­ten die klei­nen Dummchen auch abhal­ten und zwi­schen­durch die Klos putzen.

»Ich wür­de sogar so weit gehen, die Impfung direkt in den Clubs anzubieten.«


Und dann gibt es noch den Leiter des Gesundheitsamtes Neukölln. Der muß sich mit Migrationshintergrund rumschlagen:

»Viele von ihnen sind bil­dungs­fern – sie tun sich schwer, Fakten von Fake-News zu unter­schei­den und aus ihren sozia­len Blasen her­aus­zu­tre­ten. Diesen Menschen von oben her­ab zu begeg­nen bringt nichts.«

Was er hier auch kei­nes­wegs tut.

»Wichtig ist jetzt aber auch, noch mal jedem Menschen klar­zu­ma­chen, was er ganz per­sön­lich davon hat, wenn er sich imp­fen läßt. Dass er nichts ins Krankenhaus muss. Dass er wie­der ohne gro­ße Einschränkungen in Cafés oder Restaurants darf.«

Bei dem Gesundheitsfunktionär han­delt es sich pikan­ter­wei­se um Nicolai Savaskan, der aus der Charité geflo­gen ist, nach­dem ihm der Rechercheur zu Drostens Dissertation, Markus Kühbacher, Wissenschaftsbetrug nach­wei­sen konn­te. Siehe dazu u.a. laborjournal.de und fr.de sowie Noch mehr zu Prof. Frauke Zipp („Grobes Versagen der Verantwortlichen“). Entschädigt wur­de er mit dem Job in Neukölln


Alle vier Fachleute schei­nen die Menschen für ziem­lich bekloppt zu halten.

6 Antworten auf „Bilderrätsel in der "Zeit"“

  1. "Alle vier Fachleute schei­nen die Menschen für ziem­lich bekloppt zu halten."
    Kann es sein, dass "die Menschen" ziem­lich bekloppt SIND? (Inklusive "Fachleute" – und sol­che, die sich der­ar­ti­ge Methoden aus­den­ken und/oder anwen­den um "die Menschen" zu "über­zeu­gen"?)

  2. ot
    (in eige­ner Sache)

    "EU-Ratspräsident Janša twit­tert Verschwörungslegenden
    Stand: 15.10.2021 12:35 Uhr"
    https://www.tagesschau.de/ausland/europa/jansa-verschwoerungslegenden-101.html

    "EU-Ratspräsident Janša ver­brei­tet auf Twitter anti­se­mi­ti­sche Verschwörungslegenden – weni­ge Stunden, bevor ein nach Slowenien ent­sand­ter EU-Ausschuss über Repressionen in dem von Janša regier­ten Land berichtet.
    Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

    Dass ein EU-Spitzenpolitiker offen Europa-Abgeordnete atta­ckiert und dabei anti­se­mi­ti­sche Verschwörungstheorien ein­setzt, gilt als bei­spiel­los: 226 Europa- Abgeordnete sei­en Marionetten von George Soros, die­sen Tweet teil­te der slo­we­ni­sche Ministerpräsident Janez Janša auf Twitter.

    Der Vorfall ist bri­sant für die gesam­te EU, weil Janša zur Zeit die Ratspräsidentschaft hat – und damit den Vorsitz im Kreis der 27 Mitgliedsstaaten.

    George Soros ist Überlebender des Holocaust und unter­stützt mit Stiftungen welt­weit Forschungseinrichtungen und Zivilorganisationen, gegen ihn rich­ten sich regel­mä­ßig anti­se­mi­ti­sche Hass-Attacken von Rechtsextremen."

    Bis heu­te war mir immer unklar, war­um jemand, die/der etwas gegen die Spritze hat, ein Antisemit ist. Bisher dach­te ich, es wäre ein­fach eine Weiterführung der "alle Querdenker sind irgend­wie rechts" Semantik.
    Es ist viel ein­fa­cher. Einfach weil der Sorros für die Spritze ist und er ein Holocaust-Überlebender ist, ist jeder der gegen die Spritze ist auto­ma­tisch ein Antisemit.

    Was ist dann mit anders lau­ten­den Meinungen von Menschen mit ähn­li­cher Vergangenheit?
    Ohne die­se Anti-schie­ne aus­zu­rei­zen, kann es sein, dass auch ein Sorros ein Mensch ist mit eige­ner Meinung, mit Fähigkeiten und Fehlern, mit Stärken und Schwächen? Ob auch ein Sorros sich irren kann?
    (sry @aa per Definition sind Sie jetzt ein Antisemit, weil ich dem Sorros unter­stel­le, sich irren zu kön­nen. Und jeder Leser ist zumin­des­tens rechts.)

    (((fast zwei Jahre schon wun­de­re ich mich über die­se qua­li­täts­me­dia­le Antisemitenschiene. das es wirk­lich so dumm ist, dar­auf wäre ich nie gekommen.)))

    1. @Benjamin: Das Beispiel zeigt, wie töricht die Instrumentalisierung von Holocaust-Überlebenden ist. Diese Eigenschaft qua­li­fi­ziert schlech­ter­dings zu gar nichts. Natürlich muß Soros in sei­ner Eigenschaft als ein rei­cher und ein­fluß­rei­cher Meister der Einflußnahme über Stiftungen und ande­ren Lobbyismus kri­ti­siert wer­den kön­nen. Natürlich ist er nicht sakro­sankt als Holocaust-Überlebender und wäre es auch nicht als prak­ti­zie­ren­der Jude. Wenn ein rech­ter Politiker wie Janša sich aus der Schar der Superreichen nament­lich die­sen Einen her­aus­greift, wer­de ich aller­dings stut­zig. Einig sind wir uns, daß es völ­lig abwe­gig ist, dar­aus den "ImpkritikerInnen" einen anti­se­mi­ti­schen Strick zu drehen.

      1. @aa
        ".. wie töricht die Instrumentalisierung von Holocaust-Überlebenden ist."
        Diese Nachricht stammt aus der Tagesschau. Einig sind wir uns auch dar­in, Sie nen­nen es töricht, ich nen­ne es dumm. 🙂
        Wie anders aber soll ich es ben­nen, ohne den Stier bei den Hörnern zu packen?

        zu dem
        "rech­ten Politiker wie Janša",
        "Der Vorfall ist bri­sant für die gesam­te EU, weil Janša zur Zeit die Ratspräsidentschaft hat – und damit den Vorsitz im Kreis der 27 Mitgliedsstaaten."
        Ich habe ihn da sicher nicht hin­ge­wählt. Und das Ganze macht es auch für den Bericht nicht untörichter. 😉
        Aber so eine klei­ne Meldung von, immer­hin dem Ratspräsidenten der EU, der Verschwörungslegenden twit­tert, passt doch ein bischen auch zu corodok.

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