Daß ich das noch erleben darf

Ungewöhnliche Töne schall­ten heu­te durch die Straße, in der wir woh­nen. "Friede, Freiheit, Selbstbestimmung" aus hun­der­ten Kehlen, dazu das Lalülala der Polizeisirenen. So etwas hat­te der beschau­li­che Kiez zuletzt vor Jahrzehnten erlebt, als die HausbesetzerInnen gan­ze Straßenzüge vor dem Abriß bewahr­ten. Über dem Kaiserdamm kreis­te ein Hubschrauber, Blockaden wur­den unsanft abge­räumt, doch nichts half. Gegen 14 Uhr for­mier­ten sich im Westteil der Stadt Tausende auf ver­schie­de­nen Routen zu nicht ange­mel­de­ten Demos.

Um wenigs­tens Bilder vor dem Brandenburger Tor zu ver­hin­dern, wur­den Wasserwerfer auf­ge­fah­ren. Riesige Teile des Tiergartens wur­den ein­ge­zäunt, vor den Absperrungen stan­den kilo­me­ter­lan­ge Ketten von PolizistInnen, rela­tiv ent­spannt und nur ganz ver­ein­zelt maskiert.

Die DemonstrantInnen lie­ßen sich nicht pro­vo­zie­ren, was selbst in der Berichterstattung des RBB sei­nen Niederschlag fand. Dort wur­de teil­wei­se sach­lich berich­tet, GegnerInnen der Maßnahmen kamen zu Wort, wobei man sich nicht die "SchwurblerInnen" herauspickte.

Etwas aus der Zeit gefal­len wirk­te eine Gruppe "guter" Fahrraddemo­menschen, deren Anliegen sich mir nicht recht erschloß. Daß sie gut waren, erkann­te man dar­an, daß die viel­leicht 100 Menschen alle­samt Masken tru­gen. Nun sol­len das mit der Vermummung mei­net­we­gen alle so hal­ten, wie sie mögen, was auch für die "Impfung" gilt. Hier war es aller­dings ein poli­ti­sches Zeichen: Wir sind die Verantwortungsvollen, die Solidarischen – und alle ande­ren sind das Gegenteil davon. Man kann das so ste­hen las­sen oder als Gehorsam inter­pre­tie­ren, erkenn­bar ist das Sektiererische dar­an. Denn nie­mand in ganz Berlin trägt beim Fahrradfahren eine Maske. Niemand sonst hat es nötig, sich der­art offen­siv zu den Regierungsmaßnahmen zu bekennen.


Inzwischen (16:40 Uhr) sind in der gan­zen Stadt Leute unter­wegs. Eher hilf­los agiert die Polizei, wie dem Newsblog auf tagesspiegel.de zu ent­neh­men ist. Dort heißt es u.a.:

Interessant, daß aus "Leugnern" jetzt "Verharmloser" gewor­den sind:

Der ist echt gut:

Wenn man sie mal braucht… Hasselmann hat die neue Sprachregelung noch nicht verinnerlicht.

Das waren nur eini­ge Eindrücke. Der Tag ist noch lang.

9 Antworten auf „Daß ich das noch erleben darf“

  1. Da kommt Freude auf…weiter so !!! Die vie­len muti­gen Menschen die sich jetzt zei­gen kön­nen sich doch nicht alle irren ?
    Tun sie auch nicht.

  2. "Denn nie­mand in ganz Berlin trägt beim Fahrradfahren eine Maske.

    Das ist eine Behauptung, die abso­lut nicht stimmt.
    Es gibt unter den Fahrradfahrern nicht weni­ge, die eine Maske tra­gen – war­um, weiß ich nicht.
    Betimmt nicht, um sich den Regierungsmaßnahmen anzuschließen.
    Sie eifern viel­leicht eher den Chinesen nach, weger der schlech­ten Luft.
    HaubesetzerInnen, PolizistInnen, GegnerInnen, SchwurblerInnen.
    https://www.youtube.com/watch?v=NMwwPONFXjw

  3. 3 blaue Wasserwerfer und 1 (Polizei) grü­ner klei­ner Panzerspähwagen?, hei­ßen die Dinger so?, kamen mir um 14Uhr in Moabit entgegen.
    es besteht kein Grund für irgend­ei­ne Art von Optimismus.

  4. ot (naja, halt nicht gar so ganz wenig beachtet.) 🙂
    "Ausschreitungen bei ver­bo­te­ner „Querdenker“-Demo in BerlinWasserwerfer in Stellung, Hubschrauber im Einsatz
    ++ 2250 Polizisten und Polizeihubschrauber im Einsatz ++ ers­te Festnahmen ++"
    "https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/querdenker-protest-verboten-demonstranten-rennen-an-berliner-polizei-vorbei-77253082.bild.html"

    Danke an alle Demonstrierenden.
    Selbst "Bild" gelingt es nicht, trotz lang­jäh­ri­ger Erfahrung, die Mamas und Papas und Omis und Opis und alle ande­ren, als gewalt­be­reit dar­zu­stel­len. Bei der ver­zwei­fel­ten Suche nach Übeltätern, spie­len auch auf ein­mal die Verbotsgründe, die feh­len­den Masken oder Abstände, kei­ne Rolle mehr. 🙂 Lediglich das nor­ma­le Ignorieren der Gründe für den Aufmarsch wird in gewohn­ter Manier bei­be­hal­ten. (War die Skepsis doch angebracht.)

  5. Mal ehr­lich, hät­ten alle ne Maske getra­gen, wäre zumin­dest die­ses Argument, von der Regierungsseite, völ­lig abwe­gig gewe­sen (Verbot der Demo wegen Missachtung der Maskenpflicht).
    Das hät­te den Amtierenden den Wind aus den Segeln genommen.

    So blei­ben hef­ti­ge Bilder von Polizeigewalt und ein fader Beigeschmack … 

    Dennoch DANKE an alle, die für uns, Nicht-Berliner, an die­ser Demo teil­ge­nom­men haben. Großer Respekt!!!

    P.S. wir schaf­fen das!… ja, ich weiß, völ­lig abge­dro­sche­ne Platitüde, doch wir sind genug, die gan­ze Sache zu beenden!
    Wichtig: kon­zen­trie­re Dich auf das was pas­sie­ren soll, nicht das was ist! Ich habe da sehr schööööö­ne Bilder vor Augen:-)
    So long..

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