Drosten und die Übersetzungen – Doktorvater profitiert

Übersetzungen aus ande­ren Sprachen haben ihre Tücken. Das wird auf die­sem Blog oft an hol­pern­den Sätzen deut­lich, die mit Hilfe von translate.google.com erstellt wurden.

Christian Drosten macht vor, daß bei Übersetzung ger­ne auch ein­mal Informationen ver­lo­ren gehen.

Die Webseite der Charité, auf der er das "Labor Drosten" vor­stellt, bie­tet eine deut­sche und eine eng­li­sche Version an.

Die aus­führ­li­che­re deut­sche Variante schil­dert dies:

»Ich bin Arzt und ursprüng­lich kli­ni­scher Virologe. Meine ers­ten Schritte unter­nahm ich am Institut für Transfusionsmedizin der Universitätsklinik Frankfurt, wo Blutspenden bereits in den 1990er Jahren per PCR auf HCV, HIV‑1 und HBV getes­tet wur­den. Der Aufbau der ers­ten Testsysteme für HIV‑1 und HBV im Hochdurchsatzverfahren war mei­ne Doktorarbeit. Am Hamburger Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin bau­te ich in den Folgejahren ein inter­dis­zi­pli­nä­res Diagnostiklabor für tro­pi­sche Viren und ande­re tro­pi­sche Infektionserreger auf. Dies führ­te auch dazu, dass ich im Frühjahr 2003 den Erreger von SARS fand. Die Funktionen und Veränderungen beim Wirtswechsel von Coronaviren wur­den seit­her zu einem wei­te­rem Arbeitszweig…«

In der eng­li­schen schreibt er:

»I have a cli­ni­cal viro­lo­gy back­ground. I star­ted working on virus detec­tion when PCR-based blood donor scree­ning was deve­lo­ped in the 1990s by my super­vi­sor Kurt Roth at University of Frankfurt. After my the­sis I moved on to work on emer­ging viru­ses at the Bernhard Nocht Institute for Tropical Medicine in Hamburg. Having dis­co­ve­r­ed the SARS agent in 2003, I star­ted working on coro­na­vi­ru­ses more specifically…«

In bei­den Versionen ist er selbst­re­dend der allei­ni­ge Entdecker des SARS-Erregers. Die eng­li­sche Version ver­zich­tet auf die Darlegung der umfang­rei­chen Vorarbeiten des Instituts für sei­ne Doktorarbeit, nennt aber sei­nen Doktorvater.

Welchen Anteil an der Dissertation hat der Doktorvater?

Der Titel der Drostenschen Dissertation lau­tet "Etablierung von HochdurchsatzPCR-Testsystemen für HIV‑1 und HBV zur Blut­spendertestung". Sie wur­de 2001 eingereicht.

Bereits aus dem Jahr 2000 stam­men zwei Arbeiten, zu deren Verfassern Drosten und Roth gehö­ren. Sie tra­gen die Titel

»Roth WK, Buhr S, Drosten C, Seifried E. NAT and viral safe­ty in blood transfusion.
Vox Sang 2000;78 Suppl 2(257–9.«

und

»Drosten C, Weber M, Seifried E, Roth WK. Evaluation of a new PCR assay with com­pe­ti­ti­ve inter­nal con­trol sequence for blood donor screening.
Transfusion 2000;40(6):718–24.«

Im Jahr 2001 wur­de die­se gemein­sa­me Arbeit publiziert:

»Drosten C, Seifried E, Roth WK. TaqMan 5'-nuclease human immun­ode­fi­ci­en­cy virus type 1 PCR assay with pha­ge-packa­ged com­pe­ti­ti­ve inter­nal con­trol for high-through­put blood donor screening.
J Clin Microbiol 2001;39(12):4302–8.«

Der eben­falls an den Arbeiten betei­lig­te Seifried ist Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts. Er hat sich übri­gens 1989 habilitiert.

Im Beitrag Drosten-Dissertation unter Verschluß? wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, daß im Jahr 2000 der Forschungspreis "Sicherheit von Blutpräparaten durch PCR-Testung"

»…an die Forschergruppe Prof. Dr. med. Willi Kurt Roth, Dr. rer. nat. Marijke Weber und Prof. Dr. med. Erhard Seifried, DRK-Blutspendedienst Hessen, Institut für Transfusionsmedizin in Frankfurt am Main, in Anerkennung ihrer Arbeit mit dem Titel "Feasibility and effi­cacy of rou­ti­ne PCR scree­ning of blood dona­ti­ons for hepa­ti­tis C virus, hepa­ti­tis B virus and HIV‑1 in a blood-bank setting"…«

ver­lie­hen wurde.

Wie aus­führ­li­cher in Drosten-Dissertation: Ein Zwischenstand und neue Fragen gezeigt, stellt sich hier die Frage, wor­in die von der Promotionsordnung gefor­der­te "selb­stän­di­ge Leistung des/der Doktorand/in" bestand. Wenn es jemals mög­lich sein wird, die Doktorarbeit zu lesen, könn­te die Frage beant­wor­tet werden.


Es gibt noch eine Reihe ande­rer unter­schied­li­cher Nuancen in den bei­den Sprachversionen, die hier aber weni­ger von Interesse sind.

Update 13:22:

Doktorvater Roth "hat den deutschen Markt aufgerollt"

So berich­te­te es die FAZ am 29.10.2012. Danach scheint es, als habe Prof. Roth die Erfolgskurve von Drosten und sei­nem kom­mer­zi­el­len Begleiter Landt ana­ly­siert und bei­der jewei­li­ge Qualitäten für sich nut­zen können.

»Die im Jahr 2005 gegrün­de­te "Gesellschaft zur Forschung, Entwicklung und Distribution von Diagnostika im Blutspendewesen mbH" ist nach eige­ner Auskunft in Deutschland der Marktführer für ver­gleich­ba­re Laborleistungen [Virentests bei Blutspenden, AA] – und Krankheiten wie das West-Nil-Virus oder auch das Dengue-Fieber sind in Roths Augen folg­lich nicht nur eine Bedrohung, son­dern poten­ti­el­le Geschäftsfelder. "Das ist wie David gegen Goliath", beschreibt Roth den Wettbewerb in der Branche. "Wir sind den Großen bis­her immer einen Schritt vor­aus gewe­sen."«

Deutlich ist die Parallele zum Landtschen Narrativ:

»Das im Frankfurter Innovationszentrum behei­ma­te­te Unternehmen… tes­tet…  jede zwei­te der rund 5 Millionen im Jahr abge­ge­be­nen Blutspenden. Aus dem Umsatz, den Roth auf 5 Millionen Euro bezif­fert, lässt sich der Stückpreis für den von GFE ver­trie­be­nen Test ablei­ten, mit dem die Blutkonserven in einem Durchgang auf sechs ver­schie­de­ne Viren unter­sucht wer­den, unter ihnen die Hepatitis- und Aids-Erreger. "Sechs Viren mit einem Test, das bekom­men unse­re Wettbewerber erst nächs­tes Jahr hin", sagt Roth.

Zum Vorausdenker ist der gebür­ti­ge Pfälzer ver­mut­lich schon wäh­rend sei­nes Medizinstudiums in München gewor­den. Die Berufswahl – Arzt oder Wissenschaftler – sei ihm nicht leicht­ge­fal­len, berich­tet er. Dann aber habe er sich für die Wissenschaft ent­schie­den, weil deren Fortschritt einer grö­ße­ren Zahl von Menschen zugu­te­kom­me, als ein prak­ti­zie­ren­der Arzt je errei­chen kön­ne.«

Gelddruckmaschine mit öffentlichen Mitteln

»1997 nahm Roth eine Stelle als Berater beim Frankfurter Blutspendedienst an, einem der größ­ten in Deutschland. Wiederum acht Jahre spä­ter wech­sel­te er mit der GFE-Gründung kom­plett aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Auf gut 10 Millionen Euro ver­an­schlagt Roth die Anlaufinvestitionen, die in den ers­ten fünf Jahren seit der Gründung zu stem­men waren. Getragen haben die­se Kosten die drei Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes, die als Gesellschafter fir­mie­ren und bis­lang zugleich die Abnehmer des Tests sind. Der ers­te Gewinn von etwa 100000 Euro war 2011 zu ver­zeich­nen. Inzwischen ist die Technik – das Unternehmen stellt die benö­tig­ten Reagenzien zusam­men und mon­tiert die Maschinen, auf denen der Test durch­ge­führt wird – nach Roths Einschätzung aus­ge­reift genug für die Expansion ins Ausland. Seit dem ver­gan­ge­nen Jahr ist zudem der Patentschutz abge­lau­fen, den Roche und Novartis im Ausland zuvor auf wich­ti­ge Teile des Verfahrens genossen…

"Eine Umsatzverdoppelung bin­nen eines Jahres hal­te ich im nächs­ten Schritt durch­aus für mög­lich." Dank kräf­ti­ger Skaleneffekte wür­de der Gewinn dann über­pro­por­tio­nal zuneh­men, ver­spricht sich Roth.

Mit den Blutspendediensten im Rücken sei er eigent­lich kein klas­si­scher Gründer, sagt er. Doch zu sehr unter den Scheffel will er sein Licht auch nicht stel­len: Riskant sei der Schritt durch­aus gewe­sen, betont er. "Einen Plan B hat­te ich bei der Gründung nicht…"«

Für das Geschäftsjahr 2018 wies das Unternehmen laut bundesanzeiger.de eine Bilanzsumme von 4.995.114,29 Euro aus. In die­sem Jahr ende­te die GF-Tätigkeit von Roth.

(Hervorhebungen nicht in den Originalen.)

Eine Antwort auf „Drosten und die Übersetzungen – Doktorvater profitiert“

  1. Auch eine inter­es­san­te Person aus dem Umfeld von Drosten
    Stephan Günther.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_G%C3%BCnther
    Die mage­re Wikipedia stellt 2 Quellen.
    Einmal sei­ne Arbeitsgruppe , in was ?
    Forschungsgruppen > Molekularbiologie und Immunologie > Abteilung Virologie
    Sieht man sich das Foto an, denkt man nicht an Virologen.
    Dann gibt es einen Artikel bei labor and more von Stephan Günther.
    Auf dem Bild dort ist eine ande­re Person abgebildet.
    Dann gibt es noch die­ses Video bei you­tube mit dem merk­wür­di­gen Prof.
    https://www.youtube.com/watch?v=QR7LS_NllG8

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