Embedded Journalism in der "Süddeutschen Zeitung"

sueddeutsche.de (15.5.)

Kriegsberichterstatter haben Siege zu mel­den. Eine Schlacht scheint in Ebersberg geschla­gen. Stundenlang stan­den Menschen Schlange, um 1.000 Dosen AstraZeneca in den Oberarm zu bekom­men. Das soll sen­sa­tio­nell klin­gen, aber ist es das? Bundesweit düm­pelt die Impfquote nach wie vor, die Impfbereitschaft sinkt wie­der (s. Impfbereitschaft sinkt wei­ter. Impfquote mise­ra­bel). Noch nicht ein­mal die Häfte der erwach­se­nen Bevölkerung ist bereit, sich auf jeden Fall "imp­fen" zu las­sen. Wenn nun von mehr als 12.000 EinwohnerInnen Ebersberg sich 1.000 sprit­zen las­sen, dann liegt noch ein wei­ter Weg vor den PropagandistInnen. (Update s.u.: Es sind gar nicht alles EinwohnerInnen.) Vorerst ver­su­chen sie es so:

»"Das fin­de ich echt geil", so der Bürgermeister. Das Engagement von allen Unterstützern und Ehrenamtlichen an die­sem Tag bezeich­net er als "sen­sa­tio­nell". Gleich in den frü­hen Morgenstunden mach­te er sich auf den Weg und schau­te sich die Situation vor Ort an. "Das ist doch echt mal eine Leistung, was dort auf die Beine gestellt wur­de!" Klar habe es ein biss­chen Verkehrschaos gege­ben, zu Beginn der Aktion hät­ten die Leute zum Teil eini­ge Wartestunden in Kauf neh­men müs­sen, aber für Proske ist das eine Nebensache. "Die Leute sind so der­ma­ßen gut auf­ge­legt, weil sie end­lich ihre Impfung bekommen!"…

Einer von ihnen ist Ilario Defendi. [Den Namen kann man sich nicht aus­den­ken – AA] Der 50-Jährige kam um halb neun zum Volksfestplatz. Seit drei Stunden steht er an, als er sagt: "Ich habe das so erwar­tet."… Ist der Samstag also ein klei­ner Festtag für die bei­den? "Ja, schon." Und selbst mit Maske ist dem Mann die Freude im Gesicht anzusehen.

Einem Fest scheint die Impf-Sonderaktion bei allen Beteiligten gleichzukommen…«


»Embedded Journalism

Die soge­nann­ten Embedded Journalists – zu deutsch “ein­ge­bet­te­te Journalisten” – tau­chen erst­mals 2003 im Zusammenhang mit dem Irakkrieg auf. Damals band die US-ame­ri­ka­ni­sche Regierung Journalisten in ihre mili­tä­ri­schen Einheiten ein, die als Zivilisten unter der Kontrolle der US-Army über die Kriegshandlungen berich­ten soll­ten. Die USA trug damit der öffent­li­chen Kritik in den Medien Rechnung, die ihr die feh­len­de Berichterstattung über den Krieg am Golf und in Afghanistan ein­ge­tra­gen hat­te. Die Journalisten im Irakkrieg waren zwar for­mal unab­hän­gig, muss­ten sich jedoch dem mili­tä­ri­schen Regelkatalog für sol­che Kriegseinsätze unter­wer­fen. Voraussetzung für die Integration der Journalisten war eine spe­zi­el­le Vorbereitung auf ihre Tätigkeit im Kriegsgebiet. Sie muss­ten vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit eine Art Bootcamp durch­lau­fen, das sie phy­sisch und psy­chisch für den Alltag in der Militäreinheit rüs­te­te.«
https://www.deutschejournalistenakademie.de/journalismus-lexikon/embedded-journalism/

Update:

Ein Leser hat wei­te­re Infos gefun­den. merkur.de berich­tet Widersprüchliches:

»Update, 12.12 Uhr: Es zeich­net sich ab, dass die Impfaktion in Ebersberg ein bemer­kens­wer­ter Erfolg wird: Insgesamt annä­hernd 4000Astrazeneca-Dosen konn­ten Hausärzte und das Landratsamt bereit­stel­len. Gleichzeitig wer­den die Schlangen kür­zer, unser Reporter vor Ort schätzt die Wartezeit mitt­ler­wei­le auf unter eine Stunde.

Update 14.21 Uhr: Der Ansturm auf die Ebersberger Impfaktion scheint abzu­eb­ben. Wie das Impfzentrum mit­teilt, gibt es momen­tan kei­ne Wartezeit mehr für die Impfung. Bis 20 Uhr lau­fe die Aktion noch wei­ter, Kurzentschlossene kön­nen ohne Anmeldung oder Nachweis einer Priorisierung geimpft wer­den. Genug Impfstoff sei vorhanden.

Update 18.07 Uhr: Noch immer ste­hen die Impfwilligen in Ebersberg Schlange. „Der Impfstoff geht uns nicht aus“, erneu­ert Krisenstabs-Chefin Brigitte Keller ihr Versprechen. Die Initiatoren bit­ten aber, sich nach 19.30 Uhr nicht mehr in die Warteschlange ein­zu­rei­hen – geplan­tes Ende der Impfaktion ist 20 Uhr.«

Am Interessantesten ist aller­dings dies:

»Update, 11.18 Uhr: Wie vor Ort zu erfah­ren war, haben die Impfwilligen sogar in der Nähe des Volksfestplatzes über­nach­tet – Vertreter der Stadt haben gar Wohnwagen mit Kennzeichen aus Nordrhein-Westfalen gesich­tet. Prinzipiell kön­ne sich bei der Corona-Impf-Aktion heu­te in Ebersberg jeder imp­fen las­sen, auch Menschen, die kei­nen Wohnsitz im Landkreis hät­ten.«

8 Antworten auf „Embedded Journalism in der "Süddeutschen Zeitung"“

  1. Kein Wunder dass das flutscht, da ist ja geschei­te Liam und mänätscht den Laden.
    Der quetscht alles raus, auch aus den AZ Ampullen.
    Das KH Ebersberg muss dann mal nach­zie­hen, in ein paar Monaten 🙂

  2. Kann nicht so arg gewe­sen sein
    https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/ebersberg-ort28611/ebersberg-riesen-ansturm-corona-impf-aktion-astrazeneca-impfung-volksfestplatz-90577815.html
    "Der Andrang auf die heu­ti­ge Impfaktion am Ebersberger Volksfestplatz war anfangs gewal­tig. Nun zeich­net sich ab: Es ist genug Impfstoff da. Kurzentschlossene lädt das Landratsamt aus­drück­lich ein, noch vorbeizukommen.

    Der Andrang auf die heu­ti­ge Impf-Aktion am Ebersberger Volksfestplatz war zunächst gewaltig.
    Die Behörden sagen: Es ist genug Impfstoff da.
    Kurzentschlossene kön­nen vor­bei­kom­men, um 20 Uhr endet die Aktion.

    Update 18.07 Uhr: Noch immer ste­hen die Impfwilligen in Ebersberg Schlange. „Der Impfstoff geht uns nicht aus“, erneu­ert Krisenstabs-Chefin Brigitte Keller ihr Versprechen. Die Initiatoren bit­ten aber, sich nach 19.30 Uhr nicht mehr in die Warteschlange ein­zu­rei­hen – geplan­tes Ende der Impfaktion ist 20 Uhr."

    1. Ich will gar nicht wis­sen, wie vie­le von "uns" dar­un­ter sind. 🙁

      Kapiert es end­lich: Sobald sich die Mehrheit hat "imp­fen" las­sen, wird es eine "Impfpflicht" geben. Erst indi­rekt, dann direkt. Daher muss man jeden, der sich die­se Gülle sprit­zen lässt, als Kollaborateur betrachten.

      Sie sprin­gen genau so übers Stöckchen, wie es geplant wur­de. Dressierbare Affen sind nicht so däm­lich wie der Homo Demens.

  3. Mich wür­de inter­es­sie­ren wie sich die Impfhelfer füh­len wenn sie in ein paar Monaten erle­ben wie­vie­le Menschen sie tot oder zu lebens­lan­gen Krüppeln gespritzt haben.

    1. Die krie­gen doch gar nicht mit, wen sie alles tot oder krank gespritzt haben, weil es nicht ihre Patienten sind; ich schät­ze im Impfzentrum bleibt einem nach so einem lan­gen Tag des mecha­ni­schen "Durchimpfens" kaum jemand im Gedächtnis. Außer er/sie kippt gleich an Ort und Stelle um.

  4. mein Favorit für den nächs­ten Grimmepreis:
    "selbst mit Maske ist dem Mann die Freude im Gesicht anzusehen".

    Aber sind nicht alle "embed­ded"? SportjournalistInnen, die sich nicht ent­blö­den mit Schnabelmasken und Teleskopmikros in lee­ren Stadien auf 10 Meter Entfernung zu inter­view­en, oder die Kameras geschickt auf die ein­sam auf der Tribüne sit­zen­den, eben­so mas­kier­ten Funktionäre zu richten. 

    (Immerhin dür­fen die Kicker inzwi­schen wie­der gemein­sam jubeln, ohne dass ihnen man­geln­de Empathie für die "Corona-Opfer" unter­stellt wird). 

    Was macht(e) man nicht alles, um das Volk zu unter­hal­ten, zu "erzie­hen", ein paar Millionarios die Berufsausübung zu ermög­li­chen, die man weni­ger Betuchten vor­ent­hält? (weil wohl von Letzteren kei­ne adäqua­te Gegenleistung in Form von Ablenkung und/oder Propaganda zu erwar­ten ist)

  5. Drängeln für die Teilnahme am Russisch-Roulette.

    Aber was ich auf dem Bild sehe, ist ein­deu­tig eine unan­ge­mel­de­te Versammlung von gewalt­be­frei­ten Maskenverweigerern.

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