Entspannt in der S‑Bahn

Schönes Wetter, Freunde tref­fen war heu­te ange­sagt. Dazu muß­ten wir eine hal­be Stunde mit S- und U‑Bahn fah­ren. Aus Prinzip und weil die schwü­le Luft dazu ein­lud, haben wir das jeweils ohne Gesichtsverhüllung absolviert.

Was soll ich sagen? Es hat buch­stäb­lich kein Mensch davon Notiz genom­men. Selbst das in den letz­ten Tagen beob­acht­ba­re auf­mun­tern­de Zunicken der – weni­gen – Leute ohne "MNS" blieb aus. Von den Vermummten trug auch nur ein Teil FFP‑2, und von vor­schrifts­mä­ßi­gem Bedecken von Mund und Nase konn­te durch­aus nicht immer die Rede sein.

5 Antworten auf „Entspannt in der S‑Bahn“

  1. Und wenn einer fragt, fei­ert man nur den Sieg von Eintracht Frankfurt mit.
    Aber die Affenpocken wer­den uns bald alle dahin­raf­fen, versprochen.
    Es gab nur noch kei­ne Studie aus Harvard, die das in einem Modell dar­ge­stellt hat.

  2. @AA
    Kann ich so bestä­ti­gen. Ich muss­te die­se Woche auch zwei Stunden mit der Bahn fah­ren und trug statt FFP2 eine OP-Maske, so gut wie die gan­ze Zeit unter dem Kinn hän­gend. Beim Ausstieg- und Einstieg setz­te ich die Maske auf, weil ich das als Situationen ein­schät­ze, wo sich eini­ge durch Gruppenzugehörigkeit muti­ger füh­len könn­ten und weil man da tat­säch­lich sehr nah anein­an­der­steht. Da woll­te ich Diskussionen ver­mei­den und zog den Spuckschutz über den Mund (nicht jedoch die Nase).
    Hätte mich jemand auf mei­nem Sitzplatz ange­spro­chen, war­um ich die Maske nicht über Mund und Nase tra­ge, hät­te ich gesagt, dass 1,5 m Abstand zu ande­ren Menschen sind und ob er/sie dafür ver­ant­wort­lich sein will, wenn ich einen Kreislaufzusammenbruch bekom­me. Da der Zug nur rela­tiv sel­ten gehal­ten hat, war die Wahrscheinlichkeit, raus­ge­wor­fen zu wer­den vom Personal auch rela­tiv gering. Wäre dies der Fall gewe­sen, hät­te ich die nächs­te Bahn genom­men, da ich auch kei­ne kon­kre­ten Termine hat­te. Bei ande­ren Fahrten wür­de das mög­li­cher­wei­se anders aussehen.

    Von den Fahrgästen hat aber auch in mei­nem Fall nie­mand etwas gesagt und bei mir im Zug waren alle (!!!), wirk­lich alle bei über 25 Grad mit FFP2 mas­kiert. Vielen hat man ange­se­hen, dass sie ermat­tet waren von der Hitze, aber sie tru­gen brav die Masken. Die meis­ten nah­men mich aber über­haupt nicht wahr und gesagt hat erst Recht nie­mand etwas. 

    Ich wer­de ver­su­chen, in den nächs­ten Monaten (falls ich noch ein­mal in sol­che Situationen kom­me, wo Maskenpflicht per Hausrecht gilt) die Situation aus­zu­rei­zen. Je nach­dem, wie gut ich selbst drauf bin, Maske unter die Nase, Maske unters Kinn, OP-Maske statt FFP2, Maske ganz weg­las­sen und Diskussionen mit Geschäften füh­ren, dass ich bei Maskenpflicht lie­ber im Internet ein­kau­fe. Letzteres (das mit den Diskussionen) schaf­fe ich lei­der nur ganz selten. 

    Für mich war die Bahnfahrt auch eine inter­es­san­te Erfahrung, dass vie­le Schranken nur im eige­nen Kopf bestehen. Ich bin nicht so unfrei. Ich hal­te die Grundrechte und die Menschenwürde für unver­äu­ßer­lich. Ich ver­sto­ße zwar damit gegen die Hausrecht-Regel, emp­fin­de dabei aber kei­ner­lei Schuld, weil ich die Regel für wider­sin­nig und gesund­heits­ge­fähr­dend ein­stu­fe und weil die­se Regelung rück­bli­ckend (falls noch­mal unab­hän­gig und mensch­lich geur­teilt wird) zu 100% kei­nen Bestand haben dürf­te. Es ist also in solch einer Situation irgend­wo auch mei­ne eige­ne Pflicht, dass ich mir die Grundrechte und Menschenwürde zurück­ho­le, die mir das Grundgesetz gewähr­leis­tet. Es kos­te­te mich anfangs sehr viel Überwindung, denn es ist ja in uns Deutschen sehr tief ein­ge­prü­gelt, dass Regeln und Gesetze wich­tig sind (und in vie­len Fällen sind sie das auch). Eigenständig zu ent­schei­den (ent­ge­gen den gan­zen Drohungen, Unsolidaritäts-Beleidigungen und Fehlinformationen), dass eine sol­che Regelung nicht mit der Menschenwürde und dem Grundgesetz ver­ein­bar ist und dann auch noch die Konsequenzen im Alltag zu gehen (und dabei die eige­nen Ängste vor dem sozia­len Ausschluss und unfai­rer Behandlung auf sich zu neh­men), ist über­haupt nicht ein­fach. Viele schaf­fen das nicht, sen­ken lie­ber den Kopf, las­sen die Menschenwürde und Grundrechte fal­len und trot­ten mit der Masse.
    Von daher ist es eine inter­es­san­te Erfahrung wie schmal der Grat ist zwi­schen "hier stehst du rich­tig" und "hier bist du Mensch". Es ist ja nicht wie frü­her eine Mauer, bei deren Übertritt man t**gesch*** wird, auch ist man nicht in wirk­li­chen Ketten, es fin­det viel im eige­nen Kopf statt. Man kann am eige­nen Leib erle­ben, wie man sich durch Hörigkeit selbst ver­sklavt und wie es mög­lich ist, durch eige­ne Entscheidungen zu ver­su­chen, aus der Versklavung raus­zu­kom­men. Natürlich muss ich die Konsequenzen der Gesellschaft dafür ein­kal­ku­lie­ren. Man hät­te mich hoch­kant aus dem Zug wer­fen kön­nen. Jugendliche hät­ten auf mich los­ge­hen und mich mit Flaschen ver­prü­geln kön­nen. Man hät­te mich beschä­men, beschimp­fen und als Solidaritätsschädling bezeich­nen kön­nen. Ich habe es aber in Kauf genom­men, weil ich es mir schul­dig war, mich nicht zwei Stunden selbst wie ein Unmensch zu behan­deln, aus Gründen die voll­kom­men wider­sin­nig sind. Ich bin ein Mensch und die Menschenwürde gilt auch für mich. Wenn einem jemand die­se Würde neh­men will, hal­te ich es für legi­tim, sich die Menschenwürde zurück­zu­ho­len, auch wenn man dabei gegen die 'Gesetze' ver­stößt, die momen­tan gelten.
    Vielleicht war es in die­sem Zug Glück, in einem ande­ren Zug erleb­te ich schon einen kom­plett fasch*** Schaffner, der per Zugdurchsage sogar das Essen und Trinken ver­bot (O‑Ton-Durchsage: "Ihr Wunsch nach einem Bissen vom Brot oder einem Schluck aus der Wasserflasche ent­bin­det Sie nicht von der Maskenpflicht"). Aber man muss es wohl immer wie­der ris­kie­ren, sonst wer­den wir nie­mals zur Menschenwürde zurück­kom­men. Wir müs­sen sie uns wie­der zurück­er­obern. Ich hof­fe, dass nicht zu vie­le Menschen ihr Leben dafür las­sen müs­sen. Die Menschenwürde ist unan­tast­bar!!! Und das gilt für alle Zeit!

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