Fake News und Übersetzungen: Wie man im Chaos der (wahren oder falschen) Informationen den Unterschied erkennt

Unter die­sem Titel wird auf childrenshealthdefense.eu am 10.8. ein Artikel ver­öf­fent­licht, der mich dar­in bestä­tigt, gewis­sen schreie­ri­schen Meldungen gegen­über skep­tisch zu sein. Es heißt dort:

»In den letz­ten zwei Jahren haben mich vie­le Freunde und Unterstützer in vie­len ver­schie­de­nen Sprachen kon­tak­tiert, in denen sie mich frag­ten: „Ist das wahr?“. In der Regel ging es um Artikel mit Sensationstiteln, die eine gro­ße Behauptung auf­stel­len, etwas, das die Situation sofort ver­än­dern wür­de. Ich bin mir sicher, dass jeder schon mal einen [sic] der fol­gen­den Schlagzeilen gele­sen hat:

1. „Sieg! Kennedy gewinnt gro­ßes Verfahren vor Oberstem Gerichtshof der USA, hebt all­ge­mei­ne Impfpflicht auf.“

2. „Robert Kennedy, Dolores Cahill und Reiner Fuellmich kla­gen Bill Gates, den Papst und Königin Elisabeth II. wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Obersten Gerichtshof in Kanada an.“

3. „Nobelpreisträger Luc Montagnier sagt, dass alle geimpf­ten Menschen inner­halb von zwei Jahren ster­ben werden“

4. „Der Impfstoff von Pfizer besteht zu 99 % aus Graphenoxid und ist toxisch“.

5. „Eilmeldung! ‚Nürnberg 2.0‘ gegen die Verantwortlichen beginnt am 3. Juli mit Reiner Fuellmich und mehr als 10 000 Gesundheitsexperten und 1000 Anwälten aus aller Welt“.

Es kann ver­lo­ckend sein, die­se sen­sa­tio­nel­len „Nachrichten“ sofort wei­ter­zu­lei­ten, weil sie an unse­re Emotionen appel­lie­ren und eher dazu geeig­net sind, schnel­le Reaktionen aus­zu­lö­sen. Es ist jedoch not­wen­dig, sich die Mühe zu machen, die Qualität der Nachricht zu über­prü­fen, da sie sonst „nach hin­ten los­ge­hen“ und unser Netzwerk lächer­lich machen kann. Es gibt eini­ge Tipps, die man für eine ers­te schnel­le Qualitätsprüfung sofort anwen­den soll­te, doch manch­mal stößt die per­sön­li­che Recherche an ihre Grenzen, vor allem, wenn spe­zi­el­le Kenntnisse in einem bestimm­ten Bereich, eine bestimm­te Terminologie oder eine ande­re Sprache erfor­der­lich sind. Was die fünf oben genann­ten „Sensationsmeldungen“ betrifft, so müs­sen Fakten und Behauptungen über Robert F. Kennedy, Jr. auf Englisch über­prüft wer­den, die Sitzungen von Reiner Fuellmich sind oft auf Deutsch, die meis­ten Erklärungen von Luc Montagnier sind auf Französisch und der Originalartikel über Graphen von la Quinta Columna ist auf Spanisch. Ganz zu schwei­gen von allem, was man ger­ne auf Chinesisch lesen wür­de und müss­te…«

Es wer­den »3 Tipps für einen ers­ten „Check“« auf­ge­führt:

»1. Was ist das Datum des Artikels?
Eine „Eilmeldung“ kann zwei Jahre alt sein. Seitdem kann viel pas­siert sein, aber es könn­te sich immer noch loh­nen, die Information wei­ter­zu­ge­ben, wenn ein Thema auf neu­es Interesse stößt. Bevor Sie die Nachricht wei­ter­schi­cken, soll­ten Sie also einen Kommentar zum Datum hin­zu­fü­gen und erläu­tern, war­um sie immer noch rele­vant ist.

2. Enthält der Beitrag, Artikel oder das Video einen Link, der auf die Originalquelle verweist?
Die Links müs­sen über­prüft wer­den! Wenn es sich um eine berühm­te Person wie Kennedy oder Reiner Fuellmich han­delt, über­prü­fen Sie deren eige­ne Medien (The Defender für Kennedy, Oval Media für Fuellmich). Logischerweise wer­den alle rele­van­ten Nachrichten von Robert F. Kennedy, Jr. und den Anwälten, die bei Children’s Health Defense oder in Zusammenarbeit mit ihnen arbei­ten, auf der Website und in The Defender veröffentlicht.

Das Gleiche gilt für ande­re Anwälte oder Wissenschaftler. Am bes­ten sucht man nach einer Website oder einem Kanal/Blog die­ser Leute.

Ein Artikel, in dem es um Wissenschaft geht, soll­te einen Link zu einer wis­sen­schaft­li­chen Zeitschrift ent­hal­ten. Das bedeu­tet nicht, dass es sich um gute Wissenschaft han­delt, aber es ist ein ers­ter Schritt bei der Recherche. Wird in dem Artikel auf ande­re wis­sen­schaft­li­che Arbeiten ver­wie­sen, stammt er von einer ech­ten Universität oder einem wis­sen­schaft­li­chen Institut? Dies sind wich­ti­ge Hinweise.

3. Wie glaub­wür­dig sind die Autoren der Nachricht und die dar­in erwähn­ten Personen?
Achten Sie immer auf die Glaubwürdigkeit des Verfassers der Nachricht und der Personen, die in ihr erwähnt wer­den. Verfügen die Personen, deren Meinungen und Arbeiten geteilt wer­den, über beson­de­re Erfahrungen oder Kenntnisse in dem dis­ku­tier­ten Bereich? Haben sie Interessenskonflikte?

Stellt der Autor soli­de Links zur Verfügung, um den Inhalt zu unter­mau­ern, so dass die Leser selbst auf die Dokumente zugrei­fen kön­nen? Überraschenderweise ver­nach­läs­si­gen die Mainstream-Medien dies oft und zitie­ren nur Presseagenturen als ein­zi­ge Informationsquelle.

Viele ech­te Reporter und Analysten haben die alten Mainstream-Medien ver­las­sen und unab­hän­gi­ge Online-Nachrichtenkanäle gegrün­det oder sich ihnen ange­schlos­sen. Es lohnt sich, die­se regel­mä­ßig zu besu­chen, um zu sehen, ob sie die Informationen, die Sie über­prü­fen müs­sen, bestä­ti­gen oder dis­ku­tie­ren… Das Abonnieren eini­ger guter Newsfeeds oder Newsletter soll­te dies erleich­tern.…«

Weiter wird das Problem der Übersetzungen the­ma­ti­siert und geschlußfolgert:

»In einer Zeit, in der Fakten allein stän­dig umstrit­ten sind, sind veri­fi­zier­te Nachrichten und genaue Übersetzungen der Schlüssel, um die Menschen zusam­men­zu­brin­gen und eine ech­te Zusammenarbeit zu ermöglichen…«

Update: Danke für den Hinweis, daß in einer frü­he­ren Textversion im ers­ten Satz Mißverständliches stand.

12 Antworten auf „Fake News und Übersetzungen: Wie man im Chaos der (wahren oder falschen) Informationen den Unterschied erkennt“

  1. Es wird immer wich­ti­ger, die­se Grundvoraussetzungen für die ver­trau­ens­wür­di­ge Recherche zu betonen.
    Dem möch­te ich noch ein Video aus den 'guten alten' ÖRR-Zeiten bei­fü­gen, als man sich dort noch trau­te. Vom SWR gesen­det vor etwa 10 Jahren, und es geht zwar um die Grippe, aber in eini­gen Abschnitten könn­te man den Namen glatt austauschen.
    https://www.youtube.com/watch?v=joX88h0tWR8
    Noch frü­her hat­te es schon gewis­se Ähnlichkeiten zur heu­ti­gen Situation die Objektivität der Berichterstattung betref­fend. Von 1961, auch SWR:
    https://www.ardmediathek.de/video/swr-retro-abendschau/grippeimpfung/swrfernsehen-de/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExOTU2MjQ/

  2. Danke, guter Hinweis. Wichtig auch die Kritik am Vorgehen der "Faktenchecker", das von der Autorin Senta Depuydt anhand eini­ger Beispiele ana­ly­siert wird:

    "Wie kann man pein­li­che Wahrheiten in 'Fake News' ver­wan­deln? Ganz ein­fach, indem man die ursprüng­li­che Information der Nachricht leicht ver­än­dert und dann ihre Verbreitung ver­stärkt, um die ech­te Information zu ver­de­cken, bis die Änderungen schließ­lich wider­legt wer­den, die zuerst ein­ge­führt wur­den. Irreführende Titel, ver­misch­te Elemente und über­trie­be­ne Behauptungen sind der ein­fachs­te Weg, um 'wah­re Fakten' in 'Unwahrheiten' zu verwandeln."

    Genauso läuft das: Zuerst for­mu­liert irgend­ein bezahl­ter Idiot ein schreie­ri­sches, völ­lig über­trie­be­nes Mem und anschlie­ßend brin­gen "Faktenchecker" eine Strohmann-Argumentation dagegen. 

    Das ist auch der Trick der betrü­ge­ri­schen Verschwörungsleugner: Sie sche­ren alle Verschwörungsthesen über einen Kamm, rea­lis­ti­sche Verschwörungsthesen wer­den so auf eine Stufe mit wil­den Phantasien gestellt, letz­te­re wer­den lächer­lich gemacht und dem rea­lis­ti­schen Verdacht wird nicht mehr nachgegangen.

  3. der mich in mei­ner Zurückhaltung bestä­tigt, gewis­sen schreie­ri­schen Meldungen gegen­über skep­tisch zu sein.

    Bestätigungen sind immer nett für's EGO, aber stimmt die Grammatik: Sie sind zurück­hal­tend gegen­über der eige­nen Skepsis gewor­den? (Das wäre aus mei­ner Sicht ein Fortschritt bezo­gen auf ideo­lo­gi­sches Festhalten, aber ich hal­te es für unwahrscheinlich).

    Manchmal, meis­tens sogar, fin­det man im Schlamm die Perlen, beim Spielen mit den Schmuddelkindern.

  4. Mehr als sich mühen geht aber auch nicht. Woher soll ich als dümms­ter anzu­neh­men­der user wis­sen, ob nicht ein Datum/Name/Titel/Link nicht doch eine gut pro­du­zier­te Fake-Nummer ist?

    So als Vermutung: Beim Beobachten des Zusammenspiels zwi­schen Qualitätsmedien und Fictionscheggern gab es gele­gent­lich Nachrichten, von denen kaum jemand Kentnis zu haben schien. Lediglich die Reaktion auf die Reaktion auf die Reaktion gab der Nachricht Substanz. Ist sowas nun ehr­li­cher Fake oder gefak­te Ehrlichkeit?

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