100. Geburtstag von Erich Fried

Die taz bringt es fer­tig, dazu heu­te die Überschrift "Der unver­söhn­li­che Philanthrop" zu ver­fas­sen. Im Artikel dazu erklärt der deut­sche Privatdozent für "lite­ra­ri­schen Antisemitismus", daß die Kritik des lin­ken jüdi­schen Schriftstellers an Israel "plum­pe Täter-Opfer-Umkehr" sei.

In die­sen Zeiten klin­gen eini­ge Texte des Lyrikers ziem­lich aktu­ell. Eine gute Übersicht fin­det man (zu lesen und zu hören) auf https://www.deutschelyrik.de/fried.html.

»Aber viel­leicht

Meine gro­ßen Worte
wer­den mich nicht vor dem Tod schützen
und mei­ne klei­nen Worte
wer­den mich nicht vor dem Tod schützen
über­haupt kein Wort
und auch nicht das Schweigen zwischen
den gro­ßen und klei­nen Worten
wird mich vor dem Tod schützen

Aber viel­leicht
wer­den einige
von die­sen Worten
und viel­leicht
beson­ders die kleineren
oder auch nur das Schweigen
zwi­schen den Worten
eini­ge vor dem Tod schützen
wenn ich tot bin


Den Herrschenden

Hat es euch Herz und Augen ausgebrannt?
Sind nicht mehr zehn Gerechte in dem Land?
Ihr seid nicht tie­risch, denn so schlägt kein Tier.
Keins eurer Opfer ist so tot wie ihr.


Die Feinde

Die schon vom Leben zerrissen
immer noch Sorge tragen
kei­ne Antwort zu wissen
auf unge­frag­te Fragen

und die den Rest ihres Lebens
damit ver­brin­gen
ihr unge­leb­tes Leben
zu besin­gen

Die viel­leicht auch bereit sind
ihr Leben dafür zu geben
nicht sehen zu müssen
wofür und woge­gen sie leben

und die doch auf Morgen hoffen
ohne Wissen von Heute und Gestern
allen Lügen und Täuschungen offen
die sind mei­ne Brüder und Schwestern


Die Gewalt

Die Gewalt fängt nicht an,
wenn einer einen erwürgt.
Sie fängt an, wenn einer sagt:
„Ich lie­be dich:
du gehörst mir!“

Die Gewalt fängt nicht an,
wenn Kranke getö­tet werden.
Sie fängt an, wenn einer sagt:
„Du bist krank:
Du musst tun, was ich sage!“

Die Gewalt fängt an,
wenn Eltern
ihre folg­sa­men Kinder beherrschen,
und wenn Päpste und Lehrer und Eltern
Selbstbeherrschung ver­lan­gen.

Die Gewalt herrscht dort wo der Staat sagt:
„Um die Gewalt zu bekämpfen
darf es kei­ne Gewalt mehr geben
außer mei­ner Gewalt!“

Die Gewalt herrscht
wo irgend­wer oder irgend etwas
zu hoch ist oder zu heilig,
um noch kri­ti­siert zu werden.

Oder wo die Kritik nichts tun darf,
son­dern nur reden,
und die Heiligen und die Hohen
mehr tun dür­fen als reden.

Die Gewalt herrscht dort wo es heißt:
„Du darfst Gewalt anwenden!“
Aber auch dort wo es heißt:
„Du darfst kei­ne Gewalt anwenden!“

Die Gewalt herrscht dort,
wo sie ihre Gegner einsperrt
und sie verleumdet
als Anstifter zur Gewalt.

Das Grundgesetz der Gewalt
lau­tet: „Recht ist, was wir tun.
Und was die ande­ren tun,
das ist Gewalt!“.

Die Gewalt kann man viel­leicht nie
mit Gewalt überwinden,
aber auch nicht immer
ohne Gewalt.«

Alles kein Thema für die taz.

18 Antworten auf „100. Geburtstag von Erich Fried“

  1. Dann wie­der

    Was kei­ner
    geglaubt haben wird

    was kei­ner
    gewußt haben konnte

    was kei­ner
    geahnt haben durfte

    das wird dann wieder
    das gewe­sen sein

    was kei­ner
    gewollt haben wollte
    (Erich Fried)

    Sehr aktu­ell, die­ses Fried Gedicht,
    entnommen
    "Gegen Entfremdung"
    Gespräche über Erich Fried
    Moshe Zuckermann
    Susann Witt-Stahl

  2. In a sho­cking inci­dent, COVID-19 swab sticks packed in unhy­gie­nic con­di­ti­ons in Ulhasnagar slum

    In einem scho­ckie­ren­den Vorfall, COVID-19 Tupfer-Sticks in unhy­gie­ni­schen Bedingungen in Ulhasnagar Slum verpackt

    https://youtu.be/I4s5-V5r0Z0

    ".. Anfang die­ser Woche tauch­te ein Video in den sozia­len Medien auf, das zeig­te, dass Tupferstäbchen in einem Slum in Sant Dnyaneshwar Nagar in Ulhasnagar ver­packt wur­den, sag­te ein Beamter.

    Daraufhin besuch­ten Beamte der Food and Drug Administration (FDA), der ört­li­chen Stadtverwaltung und der Polizei den Slum und stell­ten am Mittwoch in eini­gen Haushalten Pakete mit Tupferstäbchen sicher, sag­te er. .."

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kos­ten­lo­se Version)

    https://www.afternoonvoice.com/in-a-shocking-incident-covid-19-swab-sticks-packed-in-unhygienic-conditions-in-ulhasnagar-slum.html

    Weltweite Arbeitsteilung auch in Zeiten der Corona. Man ist "scho­ckiert" über den "Vorfall", jaja, selbstverständlich.

  3. "Die Gewalt kann man viel­leicht nie
    mit Gewalt überwinden,
    aber auch nicht immer
    ohne Gewalt.«

    Gegen die­se Psychopathen, mit denen wir es jetzt zu tun haben, wird es nicht ohne Gewalt gehen.

  4. Die Ursachen von Kriegen, Gewalt und Terror sind ein­zig und allein im Privateigentum an Produktionsmitteln begrün­det. DAS hat die Geschichte bewie­sen, nichts Anderes.

  5. These reports indi­ca­te dama­ge to almost every sys­tem in the human body. Our ana­ly­sis found a rela­tively high rate of heart-rela­ted injuries.

    26% of all car­diac events occur­red in young peop­le up to the age of 40, with the most com­mon dia­gno­sis in the­se cases being Myositis or Pericarditis.

    Also, a high rate of mas­si­ve vagi­nal blee­ding, neu­ro­lo­gi­cal dama­ge, and dama­ge to the skeletal and skin sys­tems has been observed.

    https://greatgameindia.com/israel-report-pfizer-vaccine-side-effects/

  6. Misstrauen gegen Impfhersteller kommt nicht von ungefähr

    "..Zusammen mit dem eme­ri­tier­ten Professor Leemon McHenry von der California State University ent­larv­te jetzt Jureidini fol­gen­de Tricks des Pharmakonzerns GSK:

    GSK ver­glich Paroxetin mit einem ver­gleich­ba­ren Arzneimittel, das den Testteilnehmenden jedoch in zu hoher Dosierung ver­ab­reicht wur­de, was zu mehr Nebenwirkungen führ­te. So mach­te das neue Mittel Paroxetin im Vergleich eine gute Figur.
    Bereits die GSK-Studie ergab bei Paroxetin als schwer­wie­gen­de Nebenwirkung ein sui­zi­da­les Verhalten. Dieses wur­de aber nicht beim Namen genannt, son­dern unter dem Begriff «emo­tio­na­le Labilität» verniedlicht.
    Schwere Nebenwirkungen wur­den ein­fach in unter­schied­li­che Nebenwirkungen auf­ge­teilt, so dass die ein­zel­nen als «sel­ten» ein­ge­stuft wer­den konn­ten oder gar nicht erwähnt wurden. .."

    https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/misstrauen-gegen-impfhersteller-kommt-nicht-von-ungefaehr/

  7. Vielen Dank für die­se schö­nen Gedichte – Erich Fried gehört ein­deu­tig zu mei­nen (weni­gen) Lieblingsdichtern!

    Erich Fried: Höre, Israel!

    Als wir ver­folgt wurden,
    war ich einer von euch.
    Wie kann ich das bleiben,
    wenn ihr Verfolger werdet?

    Eure Sehnsucht war,
    wie die ande­ren Völker zu werden
    die euch mordeten.
    Nun seid ihr gewor­den wie sie.

    Ihr habt überlebt
    die zu euch grau­sam waren.
    Lebt ihre Grausamkeit
    in euch jetzt weiter?

    Den Geschlagenen habt ihr befohlen:
    "Zieht eure Schuhe aus".
    Wie den Sündenbock habt ihr sie
    in die Wüste getrieben

    in die gro­ße Moschee des Todes
    deren Sandalen Sand sind
    doch sie nah­men die Sünde nicht an
    die ihr ihnen auf­le­gen wolltet.

    Der Eindruck der nack­ten Füße
    im Wüstensand
    über­dau­ert die Spuren
    eurer Bomben und Panzer.

    Erich Fried, der nach dem deut­schen Einmarsch in Wien 1938 selbst als Jude ver­folgt wur­de, kri­ti­siert das, was Juden in Israel den Palästinensern und ande­ren Arabern antun.
    Kritik an Israel wird in Deutschland aber sehr schnell als Antisemitismus interpretiert.

  8. Auf der ande­ren Seite konn­te Fried sehr unver­söhn­lich sein, wenn er Ungerechtigkeiten anpran­gern woll­te. Seine für west­deut­sche Linke seit den 1970er Jahren nicht eben unty­pi­sche Empathie für die Palästinenser ging sogar so weit, dem Staat Israel sei­ne Existenzberechtigung abzu­spre­chen und das demo­kra­ti­sche Land mit dem „Dritten Reich“ gleich­zu­set­zen. In einem nach sei­nem Tod in der taz ver­öf­fent­lich­ten Interview erklär­te Fried, er glau­be, dass „ein Staat Israel, der Bürger ver­schie­de­ner Rechtsstufen pos­tu­liert, eben­so­we­nig Daseinberechtigung hat wie das Dritte Reich“.

    In den Gedichten „Höre, Israel!“ und „Ein Jude an die zio­nis­ti­schen Kämpfer“ betrieb Fried plum­pe Täter-Opfer-Umkehr und dämo­ni­sier­te die Israelis kur­zer­hand als „neue Gestapo“, „neue Wehrmacht“, „neue SA und SS“ und als „Hakenkreuzlehrlinge“.

    Auch die­se „Israelkritik“ macht Frieds Fall frap­pie­rend aktu­ell – wenn auch auf pro­ble­ma­ti­sche Weise. Dennoch mach­te sich die­ser Dichter um die deut­sche Erinnerungskultur ver­dient. Er schrieb gegen die Verleugnung der Verbrechen des Nationalsozialismus an. Es wäre falsch, Bizarrerien und Irrwege wie Frieds Freundschaft zu Kühnen oder sei­nen rabia­ten Antizionismus zum Anlass zu neh­men, sein Werk in Bausch und Bogen zu ver­dam­men. Frieds 100. Geburtstag soll­te Anlass sein, sein Werk kri­tisch neu zu lesen. So urteil­te auch schon Reich-Ranicki: „Der Name Erich Fried wird nicht in Vergessenheit gera­ten, darf nicht in Vergessenheit geraten.“

    Quelle: https://taz.de/100-Geburtstag-von-Erich-Fried/!5769489/

    1. @Nobody: Ein post­hu­mes Interview, das er lei­der nicht mehr bewer­ten konn­te… Freundlich, daß der deut­sche Tugendwächter dem Juden attes­tiert, "den­noch" sich "um die deut­sche Erinnerungskultur ver­dient" gemacht hat. Geradezu per­fi­de ist es, Fried eine "Freundschaft zu Kühnen" anzu­dich­ten, bloß weil er es fer­tig­brach­te, mit die­sem beken­nen­den Neonazi in ein Gespräch zu treten.

  9. Die Pandemie ist wie ein Testlauf, eine Einübung des Umdenkens. Wir erle­ben die Corona-Krise auch als Erfahrung eines har­ten Eingriffs in unse­re Freiheitsrechte, gera­de dar­in ist sie eine Art Vorbote für Einschränkungen und einen Verzicht, die nötig sein wer­den. Das Medium des Rechts, das Urteil des Verfassungsgerichts vor weni­gen Tagen zeigt es, wird hier eine wesent­li­che Rolle spie­len – und ein bis­her lei­ten­des Freiheitsverständnis wohl zur Ablösung bringen."

    https://www.zeit.de/kultur/2021–04/wolfram-eilenberger-corona-krise-philosophie-kapitalismus-hoffnung-entwurzelung

  10. Ich bin Erich Fried per­sön­lich begeg­net und ich habe ihn in Aktion erle­ben dürfen.
    Fried war es immer wich­tig zwi­schen Mensch (Subjekt)
    und Wesen (Objekt) zu unterscheiden.

    Also, was macht aus einem Menschen ein Wesen ?
    Antwort:
    Das Milieu, ab der Geburt, also sei­ne Objektivierung bis
    ca. dem 21. Lebensjahr.
    Die Leistung dagegen:
    Ein Subjekt zu blei­ben, trotz aller Objektivierung.
    Danach geht der Einzelne als Subjekt oder als Objekt durch sein Leben, so Fried.

  11. Und noch´n Gedicht :
    REALITÄTSPRINZIP
    Die Menschen lieben
    das heißt die Wirklichkeit hassen
    Wer lie­ben kann
    der kann alles lieben
    nur sie nicht

    Die Wahrheit lieben ?
    Vielleicht.
    Erkennen kann Lieben sein.
    Aber nicht die Wirklichkeit:
    Die Wirklichkeit ist nicht die Wahrheit

    Was wäre das
    für eine Welt
    wenn die Wirklichkeit
    die­se Wirklichkeit rund um uns
    auch die Wahrheit wäre ?
    Die Welt vor dieser
    Wirklichkeit ret­ten wollen.
    Die Welt wie sie sein könn­te lieben:
    Die Wirklichkeit aberkennen
    Erich Fried

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