„Global Health“ à la ZIG, GIZ & TIB Molbiol

„Global Health“ aka „World Health“ ist die Spielwiese der bei­den Stiftungen mit dem welt­größ­ten Engagement im medi­zi­ni­schen Bereich: Nummer eins ist die Bill and Melinda Gates Foundation BMGF, gefolgt vom Wellcome Trust. Die BMGF aus den USA exis­tiert seit 20 Jahren mit Fixierung auf Infektionskrankheiten und Impfungen, hat aber auch u.a. Mini-Atomkraftwerke, Gentechnik und Überwachungstechnologie im Programm. Der bri­ti­sche Wellcome Trust kon­zen­triert sich auf die Medizin und blickt auf eine lan­ge Kolonialgeschichte zurück. Der Mitte des 19. Jahrhunderts gebo­re­ne Firmengründer ver­such­te nicht nur, in Afrika Spuren wei­ßer Vorfahren der Menschheit zu fin­den und Darwin zu wider­le­gen, son­dern auch tau­sen­de von Afrikanern, die für ihn zu die­sem Zweck die Erde durch­gru­ben, von der Überlegenheit der Kolonialherren zu über­zeu­gen. Das von ihm gegrün­de­te Pharmaunternehmen, das jahr­zehn­te­lang Weltreisende für das Empire mit den benö­tig­ten Arzneien ver­sorg­te, wur­de Ende des ver­gan­ge­nen Jahrhunderts von GlaxoSmithKline über­nom­men. In der gemein­sa­men Arbeit der bei­den Stiftungen ver­bin­den sich Hightech-Dystopie und impe­ria­le Tradition.

„Global Health“: Die Anfänge 2018/19

Ende des ver­gan­ge­nen Jahrzehnts soll­ten und woll­ten wei­te­re, „Player“ nied­ri­ge­ren Rangs die Spielwiese betre­ten. So haben zum 10. World Health Summit im Oktober 2018 „Vertreter der Charité in Berlin und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) […] eine Vereinbarung unter­zeich­net, um die künf­ti­ge Zusammenarbeit im Bereich Global Health zu inten­si­vie­ren.“ [1] Die kolo­nia­le Tradition der LSHTM ist nicht ganz so alt wie die von Wellcome, woher ein Teil ihrer Förderung stammt, ihr Hauptgeldgeber ist aber die BMGF. [2]

Beim demons­tra­ti­ven Händeschütteln ist auf der lin­ken Seite die Berliner Charité in Form von Christian Drosten, dem Direktor des Virologischen Instituts nebst dem Dekan ver­tre­ten, wäh­rend auf der rech­ten Seite die LSHTM durch ihren Direktor Peter Piot sowie die Leiterin der frisch ein­ge­rich­te­ten Berliner LSHTM-Außenstelle Johanna Hanefeld reprä­sen­tiert wird.

Als ers­ter Schritt soll­te eine Gruppe von LSHTM-Forschern in Drostens Institut für Virologie ange­sie­delt wer­den. Dieses Institut ist auch Teil des im September 2018 gegrün­de­ten Zentrums Charité Global Health – was inhalt­lich für die glo­ba­le Gesundheit nicht wirk­lich nahe­lie­gend ist und daher ver­mut­lich ande­re Gründe hat. Drosten wur­de Wissenschaftlicher Direktor und Sprecher des Wissenschaftlichen Komitees von Charité Global Health. [3] Bereits im November 2018 mach­te er sich ans Werk: „‚Wir ver­su­chen jetzt schon, Forschungsgelder zu bean­tra­gen, damit sich das System mög­lichst bald selbst trägt‘, sagt Drosten. Gemeinsam wol­le man etwas Langfristiges mit der LSHTM auf­bau­en, die­se sei schließ­lich ein inter­na­tio­na­ler Vorreiter, für den es in ganz Deutschland kei­ne Entsprechung gebe.“ [2]

2019 waren die Vorbereitungen soweit gedie­hen, dass das Vorhaben deut­lich Fahrt auf­neh­men konnte:

Im Januar eröff­ne­te der Wellcome Trust sein Büro in Berlin: „Unser neu­er Standort in Deutschland soll es uns ermög­li­chen, mit neu­en Partnern zusam­men­ar­bei­ten und von der Expertise der Bundesregierung in den Bereichen glo­ba­le Gesundheit, Forschung, Innovation und Kultur zu ler­nen – sowie unse­re Erfahrungen ein­zu­brin­gen. Als glo­ba­le Stiftung wol­len wir Teil der span­nen­den Entwicklungen in Deutschland sein, und neue Ideen und Möglichkeiten gemein­sam mit deut­schen Partnern erschlie­ßen.“ [4]

Im Mai lud die CDU/CSU-Fraktion zum Kongress „Globale Gesundheit stär­ken – UN-Nachhaltigkeitsziel umset­zen“ u.a. mit dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO Tedros Adhanom Ghebreyesu, dem Direktor des Wellcome Trust Jeremy Farrar und Drosten. [5]

Im Juni erschien die „Erklärung des Internationalen Beratergremiums zu glo­ba­ler Gesundheit“ des Bundesgesundheitsministeriums, u.a. mit einem Vertreter der BMGF, Farrar und Drosten. [6]

Im Juli wünsch­ten die BMGF, die im Jahr zuvor ihr Berliner Büro eröff­net hat­te, und die Charité Global Health (also Drosten) mit Unterstützung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group mehr von „Deutschlands Führung bei Global Health“. [7]

Im Oktober fand der World Health Summit – mit Drosten im wis­sen­schaft­li­chen Komitee und orga­ni­siert von der Charité – in Berlin statt. Allein die Unterstützer sind beein­dru­ckend und sol­len hier nur in Auswahl wie­der­ge­ge­ben wer­den [8]:

„Global Health“: Die Fortsetzung 2020

Mit Rückendeckung durch Wirtschaft und Politik war man gut auf das neue Jahrzehnt vor­be­rei­tet. Im Februar 2020 fan­den sich die bei­den hän­de­schüt­teln­den Direktoren in Berlin zu den „Global Health“-Vorträgen von LSHTM und Charité ein, um der Frage nach­zu­ge­hen: „Sind wir auf die nächs­te Pandemie vor­be­rei­tet?“ [9]

In der Dinosaurierhalle des Berliner Naturkundemuseums und geför­dert von der BMGF und dem Wellcome Trust wur­de die Eröffnungsveranstaltung abge­hal­ten. [10] Ebenfalls im Februar wur­de die „German Alliance for Global Health Research“ gegründet:

„Das [Bundesministerium für Bildung und Forschung] BMBF för­dert die „Vernetzungsplattform Forschung für Globale Gesundheit“ („German Alliance for Global Health Research“) von 2020 bis 2026 mit mehr als 3 Millionen Euro. Darüber hin­aus stellt das Ministerium Gelder für inno­va­ti­ve und inter­dis­zi­pli­nä­re Pilot- bzw. Querschnittsprojekte der Plattform-Mitglieder und ihrer Partner zur Verfügung.“ [11]

Verwaltet wird die­se „Vernetzungsplattform“ von der Charité aus und Drosten ist Mitglied im Steering Committee. Seine Postenbeschreibung trägt aktu­ell die Bezeichnung „Leitung Stabsstelle Global Health und Direktor des Institut fürs Virologie“. [12]

Das ZIG im Zentrum

Dem Steering Committee der „German Alliance for Global Health Research“ gehört auch Johanna Hanefeld an [13], die oben genann­te und abge­bil­de­te Verbindungsfrau zwi­schen LSHTM und Charité. Im Januar 2020 kam sie zum Robert-Koch-Institut RKI, wo sie Leiterin des ZIG wur­de. Dieses Kürzel steht für das „Zentrum für Internationalen Gesundheitsschutz“ – „Global Health“ auf Beamtendeutsch –, dem mit Hanefeld über­ra­schen­der­wei­se kei­ne Medizinerin, son­dern eine Politologin vor­steht. [14]

Gegründet wur­de das ZIG Anfang 2019, der ers­te Leiter war der Mediziner Walter Biederbick mit mili­tä­ri­schem Hintergrund: „Seine neue Aufgabe sieht Biederbick als Erweiterung sei­ner bis­he­ri­gen Tätigkeit. Zuletzt lei­te­te er die Stabsstelle Globale Gesundheit und Biosicherheit im RKI, die in dem neu­en Zentrum auf­ge­gan­gen ist. In den Jahren davor war Biederbick unter ande­rem als Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr und bei der NATO im Bereich der Einsatzplanung tätig.“ [15] Zudem er gehört er zum „Transatlantischen Biosicherheits-Netzwerk“ des Katastrophen-Planspiels „Atlantischer Sturm“. [16]

Das ZIG unter­steht der Institutsleitung des RKI mit Präsident Lothar Wieler und sei­nem Stellvertreter Lars Schaade, Hanefeld als Leiterin wie­der­um unter­ste­hen die vier Einzelzentren ZIG 1 bis ZIG 4, wobei ZIG 4 „Public-Health-Laborunterstützung“ leis­ten soll:

„Um Krankheitsausbrüche rasch erken­nen und ihnen begeg­nen zu kön­nen, sind Gesundheitssysteme auf eine zuver­läs­si­ge Diagnostik angewiesen.
Aufgaben
• Aufbau und Modernisierung von Laborkapazitäten im Ausland
• Schulungen von Laborpersonal in Deutschland und vor Ort
• Entwicklung von "best prac­ti­ces" für Qualitätsmanagement und Biosicherheit
• Zusammenarbeit beim Aufbau von mobi­len Laboren im In- und Ausland
• Unterstützung der Ausbruchsbekämpfung im Ausland
• Generieren und Unterstützung von Forschungsvorhaben zur Stärkung des inter­na­tio­na­len Gesundheitsschutzes“ [17]

Geleitet wird ZIG 4 von Heinz Ellerbrok, der zusam­men mit Biederbick 2014/15 als Teil der RKI-Delegation in der Elfenbeinküste war, um Ebola zu bekämp­fen. [18]Vorher war Ellerbrok Verbundkoordinator des von 2008 bis 2011 lau­fen­den Projekts BIGRUDI („Biologische Gefahrenlagen: Risikobewertung, ultra­schnel­le Detektion und Identifizierung von bio­ter­ro­ris­tisch rele­van­ten Agenzien“) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF. Einer der Projektpartner war die Berliner Biotechnologie-Firma GenExpress Gesellschaft für Proteindesign mbH [19], zu deren Gesellschaftern Ellerbrok gehört. [20]

Im Zusammenhang mit COVID-19 ist Ellerbrok auf­grund eines mög­li­chen Interessenkonflikts ins Visier der RKI-Rechtsabteilung gera­ten. Beim Pressebriefing des RKI am 19. November 2020 ent­stand fol­gen­der Dialog zwi­schen dem fra­gen­den Journalisten und Wieler:

Frage: „Herr Wieler, ein Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses hat kürz­lich dar­ge­legt, dass das RKI, bzw. ein Abteilungs-Leiter des RKI, Dr. Heinz Ellerbrok, Gesellschafter einer Genexpress GmbH ist, die Standards für PCR-Tests lie­fert und auch für den Corona-Testproduzenten TIB Molbiol arbei­tet.
Zum einen: Können Sie die­se Verbindung bestätigen?
Zum ande­ren, ganz all­ge­mein gefragt: Bestünde ein Interessenkonflikt, wenn ein Mitarbeiter aus Ihrem Haus auf dem Feld der Corona-Tests geschäft­lich unter­wegs ist?“
Antwort: „Zunächst muss ich Ihnen geste­hen, dass ich nicht voll sprach­fä­hig bin, ich habe von dem Vorwurf gehört, aber tat­säch­lich habe ich das nicht wei­ter ver­folgt, das ver­folgt unse­re Rechtsabteilung […].
Der zwei­te Aspekt: Klar, das geht nicht. […] Wir machen nur Empfehlungen auf wis­sen­schaft­li­cher Basis. Ein sol­cher Interessenkonflikt ist nicht akzep­ta­bel und es tut mir Leid dass ich Ihnen jetzt nicht vol­le Auskunft geben kann. Aber wir sind uns des Vorwurfs bewusst, wir gehen ihm nach, aber ich habe noch nicht die Lösung dafür. Prinzipiell haben wir Compliance-Regeln, die es unmög­lich machen, dass so etwas pas­sie­ren soll­te, ganz klar.“ [21]

Weitere Nachfragen erga­ben, dass Ellerbrok 2008 das RKI von sei­ner Rolle bei GenExpress infor­miert hat, und:

„Die RKI-Sprecherin erklär­te wei­ter, Ellerbrok sei – nach­dem er das Institut über sei­ne Beteiligung infor­miert hat­te – von der Institutsleitung ange­wie­sen wor­den: Er dür­fe kei­ne vom Bundesforschungsministerium geför­der­ten Projekte lei­ten, an denen sowohl das RKI als auch sei­ne Firma betei­ligt sei­en. Außerdem dür­fe er nicht an Bestellungen mit­wir­ken, die das Institut gege­be­nen­falls bei sei­ner Firma tätige.
Weiter sag­te sie, die jüngs­te Prüfung durch die Rechtsabteilung sei abge­schlos­sen. Offenkundig hat Ellerbrok sich dem­nach regel­kon­form verhalten.
Auf die Frage, was Wieler mit den genann­ten Compliance-Regeln gemeint haben könn­te, ver­wies sie auf all­ge­mei­ne Regelungen am Institut. Das Rechtsreferat prü­fe regel­mä­ßig Verträge zu Forschungsprojekten, an denen das RKI betei­ligt ist, es gebe fest­ge­leg­te Zeichnungsprozesse, und Beschaffungen erfolg­ten stets über eine zen­tra­le Stelle.“ [20]

Man kann sich fra­gen, was mit BIGRUDI ist, aber aktu­ell ist die die weit­aus drin­gen­de­re Frage: Gibt es gar kei­ne Probleme mit der Verbindung zu GenExpress?

GIZ & TIB Molbiol

Gründer, Eigentümer und Co-Geschäftsführer von GenExpress ist Olfert Landt, der bei einer wei­te­ren Berliner Biotechnologie-Firma Gründer, Eigentümer und allei­ni­ger Geschäftsführer ist: TIB Molbiol Syntheselabor GmbH, im sel­ben Haus ansäs­sig wie GenExpress. Landt arbei­tet schon seit 2003 mit Drosten zusam­men, brach­te es aber erst in die­sem Jahr zu eini­ger Bekanntheit, als er gemein­sam mit Drosten in einem schier unglaub­li­chen Tempo das Protokoll für die COVID-19-Testung mit der PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ver­fasst hat. Dieses PCR-Protokoll wur­de im Januar von der WHO als Standard für die PCR-Testung über­nom­men, deren posi­ti­ves Ergebnis für die WHO und vie­le Länder (ein­schließ­lich Deutschland) für eine COVID-19-Diagnose aus­reicht. [22]

Für Drosten hat die­ser Umstand einen gran­dio­sen Karriere- und Prominenzschub zur Folge, wäh­rend Landt einen nie dage­we­se­nen Verkaufsschub für sei­ne Testkits ver­zeich­nen kann – auch zur Freude des Schweizer Pharmariesen Roche, für des­sen LightCycler (das Gerät, auf dem die PCR durch­ge­führt wird) der LightMix (Testkits für die PCR) von TIB Molbiol ent­wi­ckelt wur­de, den bei­de Firmen ver­trei­ben. [23] Damit ist zwar GenExpress nicht direkt an der COVID-19-Diagnostik betei­ligt, aber Olfert Landt, mit dem Ellerbrok seit über einem Jahrzehnt geschäft­lich ver­bun­den ist, durch TIB Molbiol sehr wohl.

TIB Molbiol stellt meh­re­re PCR-Testkits her, von denen die meis­ten nur für Forschungszwecke (RUO = rese­arch use only), also nicht für die Patienten-Diagnostik zuge­las­sen sind. Lediglich ein – wenig spe­zi­fi­sches – Testkit hat eine CE-Kennzeichnung [24], die aber nicht mit einer regu­lä­ren Zulassung gleich­zu­set­zen ist. Es exis­tie­ren weder Daten zur Sensitivität (Empfindlichkeit) noch zur Spezifität (Genauigkeit) die­ser Tests und so lässt sich nicht beur­tei­len, wie real die dar­aus ent­stan­de­nen Ergebnisse sind und ob sie um einen – mög­li­cher­wei­se erheb­li­chen – Faktor kor­ri­giert wer­den müss­ten. Dies betrifft vor allem die falsch-posi­ti­ven Ergebnisse, also die Spezifität. Wie, wem und wohin wer­den sol­che Tests ver­kauft? Einige Anhaltspunkte gibt es immerhin.

Die cha­rak­te­ris­ti­schen Pakete von TIB Molbiol wur­den über die „Humanitäre Luftbrücke“ der Europäischen Union an die Afrikanische Union gelie­fert und von den Africa CDC (Africa Centers for Disease Control) auf die Mitgliedsstaaten ver­teilt. Das Gesamtvolumen der ins­ge­samt drei Lieferungen an Testkits von Juli bis Oktober belief sich auf über 26 Millionen Euro, min­des­tens ein Teil davon ging offen­bar an TIB Molbiol. Außerdem berei­sen Mitarbeiter aus dem Virologischen Institut der Charité, in dem Drosten Direktor ist, vor­wie­gend latein­ame­ri­ka­ni­sche Länder und ver­tei­len dort Testkits von TIB Molbiol: in Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien. [25]

Auf Fotos aus die­sen vier Ländern konn­ten Pakete, Testkits oder Manuals von TIB Molbiol iden­ti­fi­ziert wer­den. Das waren Zufallsfunde im Internet, die kei­nes­wegs Anspruch auf Vollständigkeit erhe­ben und so lässt sich nur ver­mu­ten, dass auch in den wei­te­ren von den Charité-Virologen bereis­ten Ländern die­se Testkits ver­teilt wur­den. Dass Bolivien Testkits von TIB Molbiol bekom­men hat, ließ sich anhand des Manuals fest­stel­len [25], dort wur­den die­se Pakete prä­sen­tiert [26]:

In Mexiko [27] und in Honduras [28] gab es die­se Pakete:

Über den Inhalt sol­cher Pakete kann man auf die­ser Basis nur spe­ku­lie­ren. Laut den dazu­ge­hö­ri­gen Berichten waren es Testkits, ohne Nennung des Herstellers oder der Hersteller. Sicher ist aber, dass es um vie­le Millionen Euro öffent­li­cher Gelder geht, von denen zumin­dest ein Teil bei TIB Molbiol landet:

„Wir brin­gen erst­mal drin­gend benö­tig­te Testreagenzien mit, die wir in Deutschland ein­ge­kauft haben mit Bundesmitteln und die vor Ort die Testungen unter­stüt­zen.“ [29]

Dies ist ein Zitat von Jan Felix Drexler, der eine Arbeitsgruppe im Virologischen Institut der Charité lei­tet, Drosten ist also sein Chef. Drexler ist Teil der SEEG (Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit), die über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH agiert, die wie­der­um beim Bundesministerium für wirt­schaft­li­che Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ ange­sie­delt ist. Ständige SEEG-Mitglieder sind das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und das RKI, für COVID-19 wur­de außer­dem die Charité hin­zu­ge­zo­gen. [25]

Die SEEG mag weit­ge­hend unbe­kannt sein, setzt aber ein gewal­ti­ges Volumen um: „Nach eige­nen Angaben sei die ‚SEEG‘ nach der Weltgesundheits-orga­ni­sa­ti­on (WHO) der welt­weit zweit­größ­te Verteiler von Tests.“ [30] Sie hat die Lieferungen der Testkits von TIB Molbiol sowohl an die Afrikanische Union als auch nach Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien sowie die Lieferungen von Testkits nach Mexiko und Honduras durch­ge­führt. In die latein­ame­ri­ka­ni­schen Länder reis­ten SEEG-Delegationen mit Virologen der Charité und tra­fen sich mit dem Präsidenten (Ecuador), der Vizepräsidentin (Kolumbien) oder ande­ren hoch­ran­gi­gen Vertretern der Empfängerländer. [25]

Unter der Überschrift „Beitrag des ZIG zur inter­na­tio­na­len Bekämpfung von COVID-19“ ist zu lesen: „Anfragen für COVID-19-bezo­ge­ne Feldmissionen erreich­ten das RKI […] durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), in der Form von SEEG-Missionen oder durch bila­te­ra­le Anfragen.“ [31] Bei die­ser Zusammenarbeit von GIZ und ZIG, SEEG und Charité mit mehr oder weni­ger engen Beziehungen zu Landt und TIB Molbiol fragt man sich schon, wer „wir“ sind, die „in Deutschland ein­ge­kauft haben mit Bundesmitteln“ in Millionenhöhe.

ZIG & TIB Molbiol

Unter „People“ ist auf der Website der „German Alliance for Global Health Research“ neben Detlev Ganten, dem Gründungspräsidenten des World Health Summit, u.a. eine Mitarbeitern des von Ellerbrok gelei­te­ten ZIG 4 gelis­tet. Dies ist ihr Profilbild, auf dem die vom RKI ent­wi­ckel­ten online trai­ning tools nebst star­ter pack für die PCR ange­prie­sen wer­den [32]:

Folgt man dem ange­ge­be­nen Link zu Twitter, ist das Foto nicht nur als Ausschnitt, son­dern voll­stän­dig zu sehen und erkenn­bar wird rechts im Plastikbeutel ein Testkit von TIB Molbiol [33]:

Damit ist klar, was zum star­ter pack gehört, nun feh­len noch die online trai­ning tools, die über den Link zu errei­chen sind. Es besteht aus meh­re­ren Teilen Videomaterial, inter­es­sant ist Teil M201 „Preparation of PCR reagents“, aus dem eini­ge Standbilder fol­gen [34]:

Die Reagenzien stam­men also von TIB Molbiol und die dazu­ge­hö­ri­gen Beschreibungen gibt es nicht nur auf eng­lisch, fran­zö­sisch und spa­nisch, son­dern inzwi­schen auch auf rus­sisch. Das RKI ver­brei­tet über das ZIG dem­nach in einer gan­zen Reihe von Ländern Testkits – und min­des­tens ein Teil davon von TIB Molbiol. Dies war die Bilanz im September:

„Während der frü­hen Phase der Epidemie berei­te­te das ZIG eine Reihe bila­te­ra­ler Vor-Ort-Schulungen in Partnerländern, sowie regio­na­le Schulungen zur SARS-CoV-2-Diagnostik in Zusammenarbeit mit der WHO und dem afri­ka­ni­schen CDC (Africa-CDC) vor. Parallel dazu erhielt das ZIG Anfragen nach mate­ri­el­ler Unterstützung für die Diagnostik. […]
Seit Januar 2020 hat das ZIG über 55 Anfragen aus 32 Ländern für Laborunterstützung im Bereich der öffent­li­chen Gesundheit erhal­ten. […] In die­sem Zusammenhang ermög­lich­te das ZIG 18 Lieferungen von Diagnostik- und Verbrauchsmaterialien sowie zwei Lieferungen von Laborausrüstung an Partnerlabors (bila­te­ra­le Aktivitäten) und 20 Lieferungen von Diagnostikmaterial an Teilnehmende der Online-Schulungen. Die ers­ten Lieferungen wur­den am 15. April in die Demokratische Republik Kongo, nach Mali und Simbabwe geschickt. Im Rahmen der inter­na­tio­na­len Zusammenarbeit wähl­te Africa-CDC die teil­neh­men­den Länder aus und ermög­lich­te die Kontaktaufnahme sowie die Übersetzung der Schulungsmaterialien in zahl­rei­che Sprachen. […]
An die Stelle von Feldmissionen, die auf­grund der Reisebeschränkungen durch die Pandemie nicht oder nur sehr ein­ge­schränkt statt­fin­den konn­ten, trat ein vir­tu­el­ler Austausch mit über 80 Ländern zu tech­ni­schen Fragestellungen. Es fan­den min­des­tens fünf wöchent­li­che Telefonkonferenzen statt, u.a. mit den aus­län­di­schen Botschaftern und Botschafterinnen in Deutschland, den Gesundheitsministern und den Direktoren und Direktorinnen der natio­na­len Gesundheitseinrichtungen. Mit zahl­rei­chen Public Health-Experten aus der gan­zen Welt hat das ZIG vie­le wei­te­re Aktivitäten zum COVID-19 Erfahrungsaustausch durch­ge­führt.“ [35]

ZIG & GIZ & TIB Molbiol

Die Testkits von TIB Molbiol wer­den also unter tat­kräf­ti­ger Mithilfe der Bundesregierung in alle Welt ver­schickt. Zum bes­se­ren Überblick über den Buchstabensalat wer­den hier noch­mal die Ministerien auf­ge­führt, über die die Verteilung der Kits läuft:

Bildung und Forschung sind über das BMFT in Form der „German Alliance for Global Health Research“ ver­tre­ten, in der neben Drosten das ZIG durch die Leiterin Hanefeld und ZIG 4 durch eine Mitarbeiterin von Ellerbrok ver­tre­ten sind, wo ver­mut­lich das „ZIG-COVID-trai­nig“ ange­sie­delt ist.

Was mal „Entwicklungshilfe“ hieß und jetzt Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung genannt wird, ist über das BMZ in Form der SEEG via GIZ ver­tre­ten. Per SEEG gehen Drostens Mitarbeiter mit den Kartons vol­ler Testkits sei­nes jahr­zehn­te­lan­gen Mitstreiters Landt auf Reisen, „die wir in Deutschland ein­ge­kauft haben mit Bundesmitteln“ [29]. Eines der stän­di­gen SEEG-Mitglieder ist das RKI – wahr­schein­lich ZIG, ver­mut­lich ZIG 4, also Ellerbrok und sei­ne Mitarbeiter.

Die Gesundheit ist immer über das BMG, dem das RKI unter­stellt ist, ver­tre­ten, Ellerbroks obers­ter Chef ist also Jens Spahn.

Auch das Auswärtige Amt soll­te noch erwähnt wer­den, wenn auch nicht klar ist, um wel­che Testkits es sich handelt:
„Um das Covid-19 aus­lö­sen­de SARS-CoV-2-Virus zu dia­gnos­ti­zie­ren, wird die soge­nann­te PCR-Diagnostik ange­wandt (Polymerase-Ketten-Reaktion). Diese und ande­re Methoden sind zen­tra­le Bestandteile der Trainings, die das Robert Koch-Institut im Rahmen des Deutschen Biosicherheitsprogramms an den bei­den Partnerinstituten in den letz­ten Jahren durch­ge­führt hat. Um die bei­den suda­ne­si­schen Partnerinstitutionen in der aktu­el­len Krisensituation zu unter­stüt­zen, wur­den nun Testkits für die PCR-Diagnostik zur Verfügung gestellt. Das Paket, das vom RKI zusam­men­ge­stellt wur­de, wur­de durch die Botschaft über­ge­ben.“ [36]

Den Abschluß der sicher nicht voll­stän­di­gen Auflistung soll ein Tweet (mit Retweet des RKI) aus dem November bil­den. Er stammt von der ehe­ma­li­gen Sozialministerin Sudans, die jetzt Kommissarin für Soziales der Afrikanischen Union ist. Rechts sind in der obe­ren Reihe der stell­ver­tre­ten­de Direktor der Africa CDC und der Leiter des ZIG 2 des RKI (Evidenzbasierte Public Health) zu sehen und in der unte­ren Reihe ste­hen die Porträts von Ellerbrok und Hanefeld neben­ein­an­der. [37] „Global Health“: Business as usu­al.

Hervorhebungen in blau sind von mir

[1] Berlin und London auf dem Weg zu "Global Health" (17.10.2018)
https://www.zm-online.de/news/politik/berlin-und-london-auf-dem-weg-zu-global-health/

[2]Florian Schumann: Immer mehr Global Health in Berlin / Gesundheitsforscher aus London zie­hen um (Tagesspiegel 15.11.2018)
https://www.tagesspiegel.de/wissen/global-health-londoner-gesundheitsforscher-kommen-nach-berlin/23629494.html

[3] https://globalhealth.charite.de/ueber_die_einrichtung/team/

[4] https://wellcome.org/about-us/german-office

[5] Kongress Globale Gesundheit stär­ken – UN-Nachhaltigkeitsziel umset­zen (8. Mai 2019)
https://www.flachsbarth.info/wp-content/uploads/2019/04/190508_Einladung_Kongress_GlobaleGesundheit.pdf

[6] Erklärung des Internationalen Beratergremiums zu glo­ba­ler Gesundheit Juni 2019
https://virologie-ccm.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc05/virologie-ccm/dateien_upload/publikationen/IAB_Statement.pdf
Wer sitzt im "Internationalen Beratergremium zu glo­ba­ler Gesundheit" der Bundesregierung?
https://www.corodok.de/wer-sitzt-im-internationalen-beratergremium-zu-globaler-gesundheit-der-bundesregierung/
2019 Christian Drosten "als Wortführer der deut­schen glo­ba­len Gesundheit" ausersehen
https://www.corodok.de/christian-drosten-wortfuehrer/

[7] https://globalhealth.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/ohne_AZ/sonstige/globalhealth/Dokumente/Executive_Summary____Appendix_Charite_BMGF_Study_Germany_Global_Health.pdf
Mehr pri­va­ti­sie­ren: Studie von Charité Global Health und Bill & Melinda Gates Foundation
https://www.corodok.de/mehr-privatisierenstudie-von-charite-global-health-und-bill-melinda-gates-foundation/

[8] WORLD HEALTH SUMMIT BERLIN, GERMANY OCTOBER 27–29, 2019
https://d1wjxwc5zmlmv4.cloudfront.net/fileadmin/user_upload/downloads/2019/Berlin_October/Documents/World_Health_Summit_-_Program_2019.pdf

[9] https://twitter.com/LshtmB/status/1309818443424837634

[10] INAUGURAL EVENTPANDEMIC PREPAREDNESS: EBOLA AND THE FUTUREFebruary 12, 2020 LSHTM-CHARITÉ GLOBAL HEALTH LECTURE SERIES
https://www.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/ohne_AZ/sonstige/globalhealth/Dokumente/LSHTM-Charite_GH_Lecture_Series_-_Inaugural_Event_Feb_12_2020.pdf
Privatisierer und Coronafolgen-Leugner geben sich Stelldichein an der Charité
https://www.corodok.de/privatisierer-und-coronafolgen-leugner-geben-sich-stelldich-ein-an-der-charite/

[11] Bundesministerium für Bildung und Forschung: Gebündelte Expertise für glo­ba­le Gesundheit (31.1.2020)
https://www.bmbf.de/de/gebuendelte-expertise-fuer-globale-gesundheit-10783.html

[12] https://www.charite.de/service/person/person/address_detail/drosten‑3/

[13] https://globalhealth.de/

[14] https://uk.linkedin.com/in/johanna-hanefeld-277991a

[15] Kathrin Gießelmann: Walter Biederbick: Gesundheit im inter­na­tio­na­len Kontext stär­ken (Deutsches Ärzteblatt 2019; 116(7))
https://www.aerzteblatt.de/archiv/205579/Walter-Biederbick-Gesundheit-im-internationalen-Kontext-staerken

[16] Atlantic Storm / About the Transatlantic Biosecurity Network
https://www.centerforhealthsecurity.org/our-work/events-archive/2005_atlantic_storm/transatlantic-network.html

[17] https://www.rki.de/DE/Content/Institut/OrgEinheiten/ZIG/ZIG4/ZIG4_node.html

[18] Robert-Koch-Institut: Diagnostik in Côte d‘Ivoire
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/E/Ebola/Hilfseinsaetze_Westafrika/Posterwalk_06.pdf?__blob=publicationFile

[19] Risikobewertung, schnel­le Detektion und Identifizierung von bio­ter­ro­ris-tischen Agenzien (BiGRUDI)
https://www.sifo.de/files/CBRNE_600x800_BiGRUDI.pdf

[20] Hinnerk Feldwisch-Dentrup: Hinweis auf Interessenkonflikt bei lei­ten­dem RKI-Mitarbeiter (msn 28.11.)
https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/hinweis-auf-interessenkonflikt-bei-leitendem-rki-mitarbeiter/ar-BB1bqwUf?li=BBqg6Q9

[21] Jakob Buhre: RKI zu Interessenkonflikt Genexpress und Vergabe von FFP2-Masken
http://www.planet-interview.de/blog/rki-zu-interessenkonflikt-genexpress-und-vergabe-von-ffp2-masken/52043/

[22] SARS, COVID-19 und die Macht der Definition
https://www.corodok.de/sars-covid-definition/

[23] PCR-Technologie zwi­schen Pharmaindustrie und Virologie
https://www.corodok.de/pcr-technologie-pharmaindustrie/

[24] Bleiben Sie ent­spannt. / Mit den mole­ku­lar­dia­gnos­ti­schen Lösungen von Roche raubt Ihnen das Coronavirus nicht den Schlaf.
https://www.roche.de/res/content/11630/ubersichtsbroschure_molekulardiagnostische_losungen_coronavirus__deutsch_.pdf

[25] Entwicklungshilfe für Test-Hersteller
https://www.corodok.de/entwicklungshilfe-test-hersteller/

[26] Alemania dona a Bolivia 100.000 test PCR para dia­gnósti­co de COVID-19 (5.10.2020)
https://nomada.bo/05/10/2020/alemania-dona-a-bolivia-100–000-test-pcr-para-diagnostico-de-covid-19/

[27] Perla Pineda: Alemania dona a México 100,000 prue­bas PCR para Covid-19 (El Economista 18.8.2020)
https://www.eleconomista.com.mx/internacionales/Alemania-dona-a-Mexico-100000-pruebas-PCR-para-Covid-19–20200818-0076.html

[28] Alemania respal­da lucha de Honduras con­tra el Covid – 19 (Secretario de Relaciones Exteriores 30.10.2020)
https://sreci.hn/node/257

[29] Virologen kämp­fen gegen Corona – Deutsche Task Force in Lateinamerika (Drexler im Video)
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-entwicklungshilfe-suedamerika-peru-100.html

[30] Deutschland will mit Beatmungsgeräten in Entwicklungsländern hel­fen (Oldenburger Onlinezeitung 18.6.2020)
https://www.oldenburger-onlinezeitung.de/nachrichten/deutschland-will-mit-beatmungsgeraeten-in-entwicklungslaendern-helfen-43971.html

[31] Beitrag des ZIG zur inter­na­tio­na­len Bekämpfung von COVID-19
https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Internationales/COVID_ZIG/COVID_ZIG_node.html

[32] https://globalhealth.de/people.html

[33] https://twitter.com/globalhealth_de/status/1323565870162059264

[34] Video/Audio SARS-CoV‑2 PCR trai­ning (30.4.2020) M201 „Preparation of PCR reagents“
https://zenodo.org/record/4058349

[35] Diagnostik-Material und Training
https://www.rki.de/DE/Content/Institut/Internationales/COVID_ZIG/COVID_Diagnostik-Material_und_Training.html

[36] Hilfe in der Covid-19-Diagnostik: Deutsches Biosicherheitsprogramm in Sudan (Auswärtiges Amt 27.5.2020)
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/themen/abruestung-ruestungskontrolle/uebersicht-bcwaffen-node/biosicherheit/deutsches-biosicherheitsprogramm-sudan/2344718

[37] https://twitter.com/AmiraDSA/status/1328973861648539648

2 Antworten auf „„Global Health“ à la ZIG, GIZ & TIB Molbiol“

  1. Herr Aschmoneit,
    Respekt zu die­ser umfang­rei­chen Aufschlüsselung. Was für eine Recherchearbeit! Alles hängt irgend­wie mit Allem zusam­men. Unglaublich! "Too big to fail", könn­te man fast geneigt sein zu sagen. Diesen Sumpf tro­cken­zu­le­gen wird schwer. Aber die Hoffnung stirbt bekannt­lich zuletzt.
    Schönen Abend.

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