In Bayreuth trifft Habeck die Wut von mehr als nur ein paar Schreihälsen

So ist (hin­ter der Bezahlschranke) am 29.7. ein Artikel auf welt.de über­schrie­ben, aus dem die­ser Ausschnitt eines Videos stammt. Habeck bie­tet den "Dialog" an mit den Menschen hin­ter Absperrgittern:

»Als Robert Habeck die klei­ne Bühne auf dem Ehrenhof in der Bayreuther Innenstadt am Donnerstagabend erklimmt, bricht vor den Absperrgittern ohren­be­täu­ben­des Pfeifen und Tröten los. Es wird gebuht, mehr als hun­dert Menschen skan­die­ren „Hau-ab!“. Viele haben Plakate dabei, auf denen der Wirtschafts- und Klimaminister als „Kriegstreiber“ beschimpft wird…

Er versucht es auf typische Habeck-Art

Man merkt dem Minister an, dass auch ihn die Vehemenz und Lautstärke des Protests am Anfang über­rascht. Er ver­sucht es auf typi­sche Habeck-Art, bie­tet das Gespräch an, for­dert zum Dialog auf, doch er dringt nicht durch. „Halten wir den Raum der Demokratie offen, auch gegen die Lautstärke“, appel­liert er, doch es geht in „Lügner“- und „Hau-ab“-Rufen unter. Er redet trotz­dem wei­ter über den Ukraine-Krieg, über Energie und Gas, über Corona, den Klimawandel, dar­über, dass die Deutschen wie­der ler­nen müss­ten, mit Krisen umzu­ge­hen und mit ihnen zu leben…

Es klingt fast ein wenig als spre­che er sich selbst Mut zu, als Habeck gegen den Lärm der Demonstranten behaup­tet: „Wir sind – und das unter­schei­det uns in Europa – bis auf weni­ge Menschen ein star­kes Land mit einer star­ken demo­kra­ti­schen Mitte, wir sind in der Lage mit der Kraft der Argumente zu einer Einigung zu fin­den.“ Seine Stimme, noch ange­schla­gen von der Corona-Infektion, bricht. „Die brei­te Mehrheit der Bevölkerung steht ent­schlos­sen und geschlos­sen“, sagt Habeck…

Längst nicht mehr nur ein paar Schreihälse

Doch die Fragestunde, die dann folgt, zeigt, dass es längst nicht mehr nur um ein paar Schreihälse geht, die hin­ter der Absperrung ste­hen. Auch die Menschen direkt vor der Bühne, sind kei­nes­wegs alle zufrie­den mit Habecks Politik…

Dann greift Jürgen Schaffer nach dem Mikrofon, er ver­sucht, die auf­ge­brach­ten Demonstranten erst zu beru­hi­gen: „Ich bin einer von euch“, sagt er, doch die Pfiffe gehen wei­ter. Schaffer sei kein Spinner, kein Querdenker, er wür­de nie die AfD wäh­len, beteu­ert er. „Aber ich habe ein Riesenproblem, ich habe seit 1992 ein klei­nes Ladengeschäft und ich wer­de nächs­tes Jahr nicht mehr exis­tent sein.“ Er ver­kauft tro­pi­sche Zierfische und Koi-Karpfen, „ich weiß nicht, ob man bei den heu­ti­gen Energiekosten noch ein Aquarium braucht“, sagt er.«

„Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass der Absatzmarkt für Zierfische in Zukunft erhalten bleibt“

»Seit der Ukrainekrieg aus­ge­bro­chen sei, wür­den die Kunden extrem spa­ren und kaum noch Geld für ihr Hobby aus­ge­ben. „Ich mach‘ pro Woche einen Tausender Minus, müss­te aber Geld zurück­le­gen, um mei­ne Energiekosten zah­len zu kön­nen“, klagt Schaffer. Die Energiewende ver­ur­sa­che stei­gen­de Kosten, er sor­ge sich davor, dass es in ganz Europa zu einem Rechtsrutsch kom­me, wenn es so wei­ter­ge­he mit der Inflation.

„Ich kann Ihnen nicht ver­spre­chen, dass der Absatzmarkt für Zierfische in Zukunft erhal­ten bleibt“, sagt Habeck. Man wer­de die Menschen nicht mit den Energiekosten allein las­sen, ver­spricht er…

Ein Solar-Unternehmer mel­det sich zu Wort und beruft sich auf Willy Brandt, man müs­se sofort wie­der die Beziehungen zu Russland inten­si­vie­ren. Kein rus­si­sches Gas mehr zu bezie­hen, sei „wirt­schafts­po­li­ti­scher Selbstmord“. Es sei „Augenwischerei“, dass man schnell auf erneu­er­ba­re Energien umstel­len könne…

Es sind kei­ne Extremisten, die sich hier zu Wort mel­den. Ein Ingenieur will wis­sen, was er sei­nem Schwiegervater sagen soll, der gera­de erst in eine neue Ölheizung inves­tiert habe. Er sei, sagt Habeck, eben falsch bera­ten worden.

Auch der Wirtschaftsminister merkt, dass er hier längst nicht jeden für sich gewin­nen kann. „Ich neh­me nicht an, dass Sie mei­ne Antworten kom­plett über­zeugt haben“, sagt Habeck zum Abschluss. Dennoch sei der Abend „bes­ser gelau­fen, als ich am Anfang gedacht habe“. Er schließt mit dem typi­schen Habeck-Pathos. „Dass Sie geblie­ben sind, trotz des Tinnitus im Ohr, damit haben Sie einen Dienst am Diskurs und an der Demokratie geleis­tet“, sagt er. Der Applaus vor der Bühne geht im Pfeifkonzert unter.«

10 Antworten auf „In Bayreuth trifft Habeck die Wut von mehr als nur ein paar Schreihälsen“

  1. Erinnert mich an die "Speaker-sze­ne" in Das Leben des Brian…doch hier spricht der Bunderwirtschaftsminister – der Executivkaschperl. Und die Bedrohung sei­ner moder­nen Ordnung ist der fehl­ge­lei­te­te Glaube, dass es kei­ne wei­te­ren Krisen geben könne…Alle reden vom Wetter – Wir machen es (CIA).

  2. „Wir sind – und das unter­schei­det uns in Europa – bis auf weni­ge Menschen ein star­kes Land mit einer star­ken demo­kra­ti­schen Mitte, wir sind in der Lage mit der Kraft der Argumente zu einer Einigung zu finden.“
    "dass die Deutschen wie­der ler­nen müss­ten, mit Krisen umzu­ge­hen und mit ihnen zu leben…"
    „Ich neh­me nicht an, dass Sie mei­ne Antworten kom­plett über­zeugt haben“.
    wo ist da die einigung?
    er sagt den leu­ten die zukunft voraus.
    die ist beschlos­se­ne sache.

  3. Deutsche Logik und wirt­schaft­li­ches Know-how im 21. Jahrhundert!

  4. So, was haben wir?
    Frankreich kauft so viel Öl wie nie von Russland.
    Spanien kauft so viel Öl und Gas wie nie u.a. von Russland. Spanien will zum „Verteiler“ in Europa wer­den (klar, wenn alle das Gas von Spanien kau­fen, kommt’s ja nicht mehr aus Russland…oder?)
    Deutschland lehnt Gas aus Russland ab und setzt auf die „Energiewende“. Vielleicht aber auch nicht. Kohlekraftwerke wer­den über­gangs­wei­se reak­ti­viert. AKWs wer­den (Stand heu­te) nach viel Hin und Her sicher am Netz bleiben.
    Hat ja schließ­lich schon Bill Gates damals im Interview mit Maischberger von sich gege­ben (sinn­ge­mäß: „wir wer­den mit unse­ren Elektroautos rum­fah­ren, die wir mit Atomstrom auf­la­den“.); und wenn Billy das sagt, dann wis­sen wir, dass das kommt. Denn wir haben ver­stan­den, wer hier das Sagen hat. In „unse­rer“ Demokratie…

  5. Habeck ist gemein­sam mit dem Rest des der­zei­ti­gen Spektrums der soge­nann­ten Parteien am Biegen der Realität. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die omi­nö­se Energiewende, die aus phy­si­ka­li­scher Betrachtung eine Art Märchen ist. Man kann sich vie­les wün­schen und vor­stel­len, aber die Gesetze der Physik hebt auch ein x‑beliebiges Regime bzw. Parteienspektrum auf die­ser Welt nicht auf. Als Stichwort reicht allein schon "Netzstabilität", ohne die es nicht geht. 

    Bei man­chen Zeitgenossen setzt sich die­se Erkenntnis nun durch, dass man ent­we­der nicht ver­stan­den hat­te, dass es eine ideo­lo­gi­sche Veranstaltung ist, oder aber dass man tat­säch­lich selbst rea­li­täts­ver­wei­gernd der "Politik" folgte. 

    Man kann zu einer tota­li­tä­en Klimawandelideologie ste­hen wie man mag, ob sie not­wen­dig ist oder nicht. Es ändert nichts an den phy­si­ka­li­schen Gesetzen. 

    So lang­sam scheint sich die Realität in zar­ten Ansätzen durch­zu­set­zen. Und da sie nicht mit der jewei­li­gen Ideologie zusam­men­passt, muss eben gelo­gen wer­den. Der Begriff des Lügenregimes hat schon sei­ne Bedeutung. Habeck macht gera­de ers­te vor­sich­ti­ge Bekanntschaft mit dem, was offen­bar befürch­tet wird unter dem Begriff "Volksaufstand". Wie gut, dass es dann wie­der hygie­ne­po­li­ti­sche Demonstratonsverbote gibt. Leider erfor­dert die deut­sche Mentalität offen­bar, immer den gan­zen Schritt in den Abgrund zu gehen. Bis zum bit­te­ren Ende.

    Es erüb­rigt sich fast zu erwäh­nen, dass natür­lich die Finanzeliten in Gestalt von Megafonds, Banken etc. und die jewei­li­ge Energiewende-Industrie präch­tig ver­die­nen bei die­ser Ideologie. Und zwar nicht nebenbei …

    1. @Clarence O’Mikron: Und wie haben die ohne "Klimawandelideologie" ihre Geschäfte gemacht? Mit "phy­si­ka­li­schen Gesetzen" haben die eher weni­ger zu tun. 

      Ideologie ist für das gro­ße Kapital nur inso­fern inter­es­sant, als sie für Geschäfte ein­setz­bar ist. Daraus umge­kehrt zu fol­gern, des­halb sei­en die Annahmen der Ideologie falsch, führt in die Irre. Jahrzehntelang hieß die Ideologie "fried­li­che Koexistenz". Daran haben sie ordent­lich ver­dient, und trotz­dem war es rich­tig. Hieße die Ideologie "allen Menschen Zugang zu sau­be­rem Wasser ver­schaf­fen", dann wäre das Ziel nicht des­halb falsch, weil damit Gewinne gemacht wür­den. Das Problem sind nicht Ideologien, son­dern ein Gewinnstreben, dem alle Bereiche des gesell­schaft­li­chen Lebens unter­ge­ord­net werden.

  6. Es gibt kei­nen Grund mehr, Politikern zuzu­hö­ren, denn man weiß, was kommt: Dummes Zeug. Am Vernünftigsten wäre es, sie allein mit ihrer Entourage von Security und Speichelleckern auf den Plätzen her­um­ste­hen zu lassen.

    1. Die frei­heit­lich demo­kra­ti­sche Grundordnung holen sie immer wie­der her­vor, seit den 60er Jahren, Notstandsgesetze und all die­se Unterdrückungs- instru­men­te fürs Volk… es hat sich nichts geän­dert, das Programm funk­tio­niert immer wieder.
      Wann wachen alle, alle "Verdammten/Verdummten" auf?? Will gar nicht wei­ter auf die­se Rede vom Märchenonkel ein­ge­hen.. für mich läuft nur noch "eve of dest­ruc­tion" & "end of the time"

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