In Dissen und Coesfeld gleicher Subunternehmer – Politik vertagt das Thema

Schon wie­der gibt es eine Corona-Masseininfektion bei einer Großschlachterei. Erneut läßt sich fest­stel­len: Während ein "nor­ma­ler Bundesbürger" wenig Gelegenheit fin­det, sich anzu­ste­cken, gilt das für die ost­eu­ro­päi­schen Arbeiter nicht. Die Fleischkonzerne waschen ihre Hände in Unschuld und schie­ben die Schuld auf Subunternehmen. Als könn­ten sie ihre Profite nicht nur des­halb so hoch­schrau­ben, weil ihnen die moder­nen Sklavenhändler bil­li­ges Menschenmaterial überlassen.

Aktuell sind im nie­der­säch­si­schen Dissen beim Konzern Westcrown 92 Arbeiter betrof­fen. Der Subunternehmer ist der glei­che wie der bei Westfleisch in Coesfeld.
»Im Umgang mit den Betroffenen und sei­nen wei­te­ren Mitarbeitern befol­ge Westcrown die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, so das Unternehmen.«

berich­tet der NDR. Das mag sogar sein, erin­nert den­noch fatal an die Rechtfertigung von Unternehmen in der Nazi-Zeit, Zwangsarbeiter sei­en ihnen doch von der SS zuge­wie­sen worden.

Bleibt zu hof­fen, daß wenigs­tens die­ser Plan umge­setzt wird:

»Die posi­tiv getes­te­ten Mitarbeiter und deren Kontaktpersonen sind der­weil in zwei­wö­chi­ge Quarantäne geschickt wor­den. Infizierte, die nicht in ihrer Unterkunft iso­liert wer­den kön­nen, sol­len laut Ministerin Reimann im Landkreis Osnabrück in Gemeinschaftsunterkünften unter­ge­bracht wer­den. Die nega­tiv Getesteten sol­len in Einzelzimmer kommen.«

Derweil ver­tagt die Politik ver­schärf­te Maßnahmen:

»Die infi­zier­ten Mitarbeiter in Dissen kom­men vor­wie­gend aus Polen und Rumänien. Viele von ihnen waren in Sammelunterkünften unter­ge­bracht. Auch wenn sie dort mitt­ler­wei­le in Einzelzimmern leb­ten, gebe es über die Gemeinschaftsküchen und die sani­tä­ren Anlagen eine hohe Infektionsgefahr, äußer­te der Sprecher des Landkreises Osnabrück.

An die­sem Montag woll­te das Corona-Kabinett in Berlin eigent­lich über ver­schärf­te Auflagen für die Fleischindustrie bera­ten, ins­be­son­de­re was die Arbeitsbedingungen, Werkverträge und Subunternehmen betrifft. Das Thema wur­de jedoch von der Tagesordnung gestri­chen und auf­grund wei­te­ren Beratungsbedarfs auf Mittwoch ver­scho­ben.« Link

Bisher ver­hallt der Aufruf der Gewerkschaft:

»Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) appel­lier­te ange­sichts der Situation an die Bundesregierung, eine "grund­le­gen­de Reform" der Fleischindustrie auf den Weg zu brin­gen. Es müs­se neue Gesetze und "glas­kla­re Regeln" für die Branche geben, sag­te NGG-Vizechef Freddy Adjan den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dazu gehö­re vor allem das Verbot von Werkverträgen im Kernbereich der Unternehmen..« Link

Die Süddeutsche Zeitung ergänzt:

»Die Fleischindustrie setzt, wie ande­re Branchen auch, in star­kem Maße auf ost­eu­ro­päi­sche Werkvertragsarbeiter. Politiker, Gewerkschafter und Kirchen kri­ti­sie­ren seit Jahren viel­fach schlech­te Arbeits- und Wohnbedingungen die­ser Menschen. In NRW über­prüf­te die Arbeitsschutzverwaltung des Landes im ver­gan­ge­nen Jahr die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. 30 Betriebe mit rund 90 Werkvertragsfirmen und rund 17 000 Beschäftigten wur­den kon­trol­liert. In 85 Prozent der Betriebe wur­den dem­zu­fol­ge teils gra­vie­ren­de Arbeitsschutzmängel fest­ge­stellt, trotz einer seit 2015 gel­ten­den Selbstverpflichtungserklärung der Branche…

Der agrar­po­li­ti­sche Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, sprach sich für eine Transparenzoffensive und einen Gesellschaftsvertrag ent­lang der gesam­ten Wertschöpfungskette aus.«

So labert jemand, dem die Lage der Arbeiter am Arsch vorbeigeht.

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