JuristInnen kritisieren geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes

Viel dar­über war in den Medi­en bis­her nicht zu erfah­ren über die heu­ti­ge Anhö­rung von Sach­ver­stän­di­gen im Gesund­heits­aus­schuß des Bundestags.

Am aus­führ­lichs­ten war noch ein Gespräch mit Dr. Andrea Kieß­ling von der Ruhr Uni­ver­si­tät Bochum im Deutsch­land­funk, das hier ange­hört wer­den kann. Sie berich­tet, daß alle sechs Sach­ver­stän­di­gen Beden­ken äußer­ten und geht davon aus, daß das Gesetz vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lan­det, falls es so beschlos­sen wer­den sollte.

Eine dpa-Mel­dung wird gebracht von wall​street​-online​.de und finanz​nach​rich​ten​.de (!). Dar­in ist zu lesen:

»Juris­ten kri­ti­sie­ren geplan­te Ände­rung des Infektionsschutzgesetzes
BERLIN (dpa-AFX) – Juris­ten haben die von der Bun­des­re­gie­rung geplan­ten Ände­run­gen des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes als unge­eig­net ver­wor­fen. Kon­kret ging es bei einer Anhö­rung im Gesund­heits­aus­schuss des Bun­des­tags am Don­ners­tag um den neu­en Para­gra­fen 28a, der in das Gesetz ein­ge­fügt wer­den soll, um von Exe­ku­ti­ve ange­ord­ne­te Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­de­mie rechts­si­cher zu machen.

Die­ser Para­graf "genügt den Vor­ga­ben von Par­la­ments­vor­be­halt und Bestimmt­heits­grund­satz nicht", heißt es in der schrift­li­chen Stel­lung­nah­me der Juris­tin Andrea Kieß­ling von der Ruhr Uni­ver­si­tät Bochum. "In die­ser Form wer­den die Gerich­te die Vor­schrift höchst­wahr­schein­lich nicht als Rechts­grund­la­ge für die Coro­na-Schutz­maß­nah­men akzeptieren.

In der Stel­lung­nah­me von Prof. Anika Klaf­ki von der Uni Jena heißt es, Para­graf 28a die­ne dazu, die erheb­li­chen Grund­rechts­ein­grif­fe im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie auf eine hin­rei­chend bestimm­te Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge zu stel­len. Dies sei sehr zu begrü­ßen. "Lei­der bleibt der Geset­zes­ent­wurf weit hin­ter die­ser ambi­tio­nier­ten Ziel­vor­ga­be zurück", so die Rechts­wis­sen­schaft­le­rin. "Von einem Beschluss der Rege­lung in sei­ner der­zei­ti­gen Fas­sung wird abge­ra­ten. Statt­des­sen bedarf es einer sorg­sa­me­ren und aus­führ­li­che­ren Rege­lung der infek­ti­ons­schutz­recht­li­chen Bekämpfungsmaßnahmen."

Para­graf 28a ent­hält einen lan­gen Maß­nah­men­ka­ta­log wie Mas­ken­pflicht, Kon­takt­be­schrän­kun­gen, Schlie­ßung von Frei­zeit­ein­rich­tun­gen, Rei­se­be­schrän­kun­gen oder Ver­an­stal­tungs­ver­bo­te. Es han­delt sich im wesent­li­chen um die Maß­nah­men, die wäh­rend des gro­ßen Lock­downs im Früh­jahr ergrif­fen wur­den und viel­fach nun auch wäh­rend des Teil-Lock­downs im Novem­ber gel­ten. "Schwer­wie­gen­de Schutz­maß­nah­men kom­men ins­be­son­de­re bei Über­schrei­tung eines Schwel­len­wer­tes von über 50 Neu­in­fek­tio­nen je 100 000 Ein­woh­ner inner­halb von sie­ben Tagen in Betracht", heißt es dar­in. Ab einem 35er Wert kämen "stark ein­schrän­ken­de Schutz­maß­nah­men" in Betracht.

Die FDP im Bun­des­tag hat­te die Norm von Anfang an als "Fei­gen­blatt" kri­ti­siert. Ihr Ers­ter Par­la­men­ta­ri­scher Geschäfts­füh­rer Mar­co Busch­mann sag­te nun der dpa, die Coro­na-Maß­nah­men bedürf­ten drin­gend einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen gesetz­li­chen Grund­la­ge. "Der Vor­schlag eines neu­en Para­gra­fen 28a erfüllt die­se Anfor­de­rung nicht." Die juris­ti­schen Sach­ver­stän­di­gen sei­en fast ein­hel­lig der Auf­fas­sung gewe­sen, dass die Norm hand­werk­lich schlecht gemacht oder sogar ver­fas­sungs­wid­rig sei. "Die gro­ße Koali­ti­on muss drin­gend nach­bes­sern", for­der­te Buschmann./sk/DP/zb«

Update: Aus­führ­li­cher wird aus den schrift­li­chen Stel­lung­nah­men zitiert auf lto​.de.

3 Antworten auf „JuristInnen kritisieren geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes“

  1. Eines muss man unse­ren Herr­schen­den zuge­ste­hen – cle­ver gemacht. Kei­ner bekommt es mit, und wenn der Wahn­sinn nicht mehr (nur) in Ver­ord­nun­gen steht, son­dern GESETZ ist, kön­nen die Psy­chos noch här­ter durch­grei­fen. Als nächs­tes wer­den Demons­tra­tio­nen und Wider­spruch jeg­li­cher Art gesetz­lich unter­sagt und fer­tig ist die DDR 2.0
    Zeit, um die­sem frü­her so schö­nen Land den Rücken zu kehren.
    Deutsch­land hat fer­tig – herz­li­chen Dank an unse­re Betrü­ger in Ber­lin und München.

  2. Mit dem Ein­griff der Jus­tiz in den Wahn­sinn ist kaum mehr zu rechnen:
    https://​www​.bun​des​ver​fas​sungs​ge​richt​.de/​S​h​a​r​e​d​D​o​c​s​/​E​n​t​s​c​h​e​i​d​u​n​g​e​n​/​D​E​/​2​0​2​0​/​1​1​/​r​k​2​0​2​0​1​1​1​1​_​1​b​v​r​2​5​3​0​2​0​.​h​tml

    Pein­lich: die kri­tik­lo­se Über­nah­me der RKI-Legen­de (als ob es sich um unvor­ein­ge­nom­me­ne Sach­ver­stän­di­ge handle!) .
    "(…) Dafür spre­chen ange­sichts der Gefah­ren, die ein unge­hin­der­tes Infek­ti­ons­ge­sche­hen für Leib und Leben der Men­schen und die Leis­tungs­fä­hig­keit des Gesund­heits­sys­tems mit sich brin­gen kann, gute Grün­de. Ob die­se letzt­lich genü­gen, um den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen stand­zu­hal­ten, bedarf jedoch ein­ge­hen­der Prüfung."
    Die­se "Prü­fung" wird wohl lan­ge genug dau­ern um alle Ärsche zu ret­ten, die der­zeit unge­straft wei­ter dilettieren.

  3. Deut­scher Ethikrat
    Big Data und Gesund­heit – Daten­sou­ve­rä­ni­tät als infor­ma­tio­nel­le Freiheitsgestaltung
    Stellungnahme
    30. Novem­ber 2017 

    https://​www​.ethik​rat​.org/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​P​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​e​n​/​S​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​n​/​d​e​u​t​s​c​h​/​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​b​i​g​-​d​a​t​a​-​u​n​d​-​g​e​s​u​n​d​h​e​i​t​.​pdf

    Arbeits­recht­ler zu Impf­ver­ord­nung – Arbeit­ge­ber kann "pan­de­mie­kon­for­mes Ver­hal­ten" verlangen 

    Kann ein Betrieb Mit­ar­bei­ter zur Coro­na-Imp­fung ver­pflich­ten? Es gibt kei­ne gesetz­li­che Impf­pflicht, stellt der Bon­ner Arbeits­recht­ler Gre­gor Thü­sing im Dlf klar. Aber ein Arbeit­ge­ber darf sehr wohl Kon­se­quen­zen zie­hen, wenn ein Mit­ar­bei­ter durch Impf­ver­wei­ge­rung sei­ner Arbeit nicht nach­ge­hen kön­ne. Gre­gor Thü­sing im Gespräch mit Bir­gid Becker 

    https://​beta​.ard​au​dio​thek​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​-​u​n​d​-​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​/​i​m​p​f​v​e​r​o​r​d​n​u​n​g​-​s​t​e​h​t​-​a​r​b​e​i​t​s​r​e​c​h​t​l​i​c​h​e​-​f​r​a​g​e​n​-​a​n​-​d​e​n​-​g​r​e​g​o​r​-​t​h​u​e​s​i​n​g​/​8​4​4​2​5​182

    ( Prof. Dr. Gre­gor Thü­sing ist Direk­tor des Insti­tuts für Arbeits­recht und Recht der sozia­len Sicher­heit der Uni­ver­si­tät Bonn und gilt als einer der füh­ren­den deut­schen Arbeitsrechtler. ) 

    Arbeits­recht­ler Gre­gor Thü­sing erläu­tert im Inter­view, war­um er eine Impf­pflicht für Pfle­ger für legi­tim, aber trotz­dem unwahr­schein­lich hält. 

    cice​ro​.de/​i​n​n​e​n​p​o​l​i​t​i​k​/​a​r​b​e​i​t​s​r​e​c​h​t​l​e​r​-​t​h​u​e​s​i​n​g​-​i​m​p​f​p​f​l​i​c​h​t​-​p​f​l​e​g​e​r​-​s​o​e​der

    Prof. Dr. Gre­gor Thü­sing LL.M. (Har­vard)
    Mit­ar­bei­ter ( unter anderem )
    Dr. Yan­nik Beden, M.A.
    Dr. Mai­ke Flink
    Dr. Mela­nie Jänsch 

    https://​www​.jura​.uni​-bonn​.de/​l​e​h​r​s​t​u​h​l​-​p​r​o​f​-​d​r​-​t​h​u​e​s​i​n​g​/​m​i​t​a​r​b​e​i​t​er/

    Jur​a​Ex​amen​.info
    Ver­tre­tungs­be­rech­tig­ter Vorstand
    Yan­nik Beden, M.A. (Vor­sit­zen­der), Mai­ke Flink, Mela­nie Jänsch 

    http://​www​.jur​a​ex​amen​.info/​i​m​p​r​e​s​s​um/

    Jur​a​Ex​amen​.info
    Suchbegriff
    Corona 

    http://​www​.jur​a​ex​amen​.info/​?​s​=​C​o​r​o​n​a​&​s​e​a​r​c​h​s​u​b​m​i​t​.​x​=​0​&​s​e​a​r​c​h​s​u​b​m​i​t​.​y=0

    Des Schutz­be­reich von Art. 13 Abs. 1 GG ver­dient ange­sichts der jüngs­ten Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung einer wei­te­ren Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus nähe­re Aufmerksamkeit. 

    Es stellt sich zunächst die Fra­ge, ob es über­haupt zuläs­sig ist, wenn die Län­der zur Bekämp­fung der Pan­de­mie „in die Woh­nung hin­ein­re­gie­ren“. So ver­bie­tet bei­spiels­wei­se die Ham­bur­gi­sche SARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO in ihrem § 4a Abs. 2 die Zusam­men­kunft von mehr als zehn Per­so­nen im pri­va­ten Wohn­raum. Wenn aber ein Bür­ger das Recht hat, vom Staat in sei­nen eige­nen vier Wän­den in Ruhe gelas­sen zu wer­den, stellt dann nicht ein Ver­bot des Zusam­men­kom­mens in sei­ner Pri­vat­woh­nung eine recht­fer­ti­gungs­be­dürf­ti­ge Ver­kür­zung des Gewähr­leis­tungs­ge­halts von Art. 13 Abs. 1 GG dar? 

    http://​www​.jur​a​ex​amen​.info/​d​e​r​-​s​c​h​u​t​z​b​e​r​e​i​c​h​-​v​o​n​-​a​r​t​-​1​3​-​a​b​s​-​1​-​g​g​-​i​m​-​s​p​i​e​g​e​l​-​d​e​r​-​c​o​r​o​n​a​-​k​r​i​se/

    ,

    12.07.2021 WeLT 

    ( Von Chris­ti­ne Haas, Redak­teu­rin Wirt­schaft und Finanzen ) 

    Impf­zwang für Leh­rer und Erzie­her? „Mit der Ver­fas­sung wäre das ver­ein­bar“

    Für Leh­rer und Erzie­her müs­se es eine Impf­pflicht geben, for­dert ein Mit­glied des Deut­schen Ethik­rats. Grund­sätz­lich wäre der Zwang für bestimm­te Beschäf­tig­te denk­bar, im Aus­land gibt es bereits Beispiele. 

    Im Kampf um eine höhe­re Coro­na-Impf­quo­te wird die For­de­rung nach einem Zwang für bestimm­te Berufs­grup­pen lau­ter. „Wir brau­chen eine Impf­pflicht für das Per­so­nal in Kitas und Schu­len“, sag­te Wolf­ram Henn, Mit­glied des Deut­schen Ethik­rats. Doch ist eine sol­che Pflicht für Arbeit­neh­mer über­haupt durch­setz­bar? „Mit der Ver­fas­sung wäre das ver­ein­bar, solan­ge der Gesetz­ge­ber ziel­ge­nau arbei­tet und die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wahrt“, sagt der Bon­ner Pro­fes­sor für Arbeits­recht Gre­gor Thü­sing. Als Königs­weg sieht er eine Impf­pflicht aller­dings nicht. 

    welt​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​p​l​u​s​2​3​2​4​5​0​3​8​9​/​I​m​p​f​z​w​a​n​g​-​f​u​e​r​-​L​e​h​r​e​r​-​u​n​d​-​E​r​z​i​e​h​e​r​-​W​a​e​r​e​-​m​i​t​-​V​e​r​f​a​s​s​u​n​g​-​v​e​r​e​i​n​b​a​r​.​h​tml

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