Krankenhausschließungen: Der Irrsinn geht weiter

Wer geglaubt hat­te, in Zeiten von Corona sei die Debatte um den "Expertenrat" von Bertelsmann & Co., mas­sen­haft Krankenhäuser zu schlie­ßen, been­det, irrt gewaltig.

Das Prinzip, mit dem die Politik dabei vor­geht, wur­de schon 2015 von Prof. h.c. Dr. med. Almut Tempka, Oberärztin am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Berliner Charité, beschrieben:

"Die Idee sei dabei gewe­sen, die ver­meint­lich schlecht funk­tio­nie­ren­den Krankenhäuser durch eine Unterfinanzierung in die Insolvenz zu trei­ben – ohne dass die Politik selbst Kliniken schlie­ßen muss." Link

Ein aktu­el­ler Fall von vielen:

'Nürnberger Theresien-Krankenhaus wirft Spahn Wortbruch vor

Das St. Theresien-Krankenhaus in Nürnberg erhebt schwe­re Vorwürfe gegen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Es bestehe der Verdacht, dass er durch sein Verhalten in der Corona-Krise die Schließung klei­ner Kliniken betreibt.

In den ver­gan­ge­nen Wochen habe die Klinik auf­grund des poli­ti­schen Auftrags ihre Versorgungsstrukturen nahe­zu kom­plett auf die Versorgung von Covid-19-Patienten aus­ge­rich­tet. Spahn habe aller­dings sein Wort nicht gehal­ten, wonach die dar­aus ent­ste­hen­den Kosten und Einnahmeverluste ange­mes­sen ver­gü­tet, bezie­hungs­wei­se aus­ge­gli­chen wer­den sollten.

Fallpauschalen „ein schlech­ter Witz“

Nun bestehe die Befürchtung, dass Spahn die Coronakrise nutzt, um klei­ne­re Krankenhäuser aus der Krankenhauslandschaft zu ent­fer­nen, heißt es in einer Mitteilung des Theresien-Krankenhauses. Dieses Ziel habe Spahn mehr­mals in der Vergangenheit for­mu­liert. Die Geschäftsführerin des Theresien-Krankenhauses, Regina Steenbeek-Schacht, wen­det sich nun in einem offe­nen Brief an Spahn. Darin macht sie gel­tend, dass ihre Klinik sofort nach dem Aufruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel Operationen abge­sagt und Intensivpflegeplätze für Corona-Patienten ein­ge­rich­tet habe. Die Fallpauschale von 50 Euro, die die Klinik der­zeit für den zusätz­li­chen Aufwand erhal­te, sei­en aber ein „schlech­ter Witz“. Dies ent­spre­che gera­de dem Wert von acht FFP-2-Schutzmasken…' Link

Auf einen beson­de­ren Skandal weist die Geschäftsführerin zudem hin:

"Wir sind ein frei­gemein­nüt­zi­ges Haus und somit von einer mög­li­chen KfW-Förderung abge­schnit­ten." Link

Hier nur eini­ge Schlagzeilen zu aktu­el­len Krankenhausschließungen:

"Coronakrise – Geplante Klinik-Schließung im Saarland sorgt für Irritationen" Link

"Krankenhaus steht mit­ten in der Krise vor Schließung
Klinikum Havelberg in Sachsen-Anhalt soll zum Seniorenheim wer­den" Link

"Schwerin (dpa/mv) – Bei der geplan­ten Übernahme des Mediclin-Krankenhauses Crivitz durch den Landkreis Ludwigslust-Parchim dringt die Linke auf den Erhalt der Geburtenstation…
Mediclin will die Geburtenstation bis spä­tes­tens Ende Juni schlie­ßen. Der Mutterkonzern Asklepios will die Gynäkologie und Geburtshilfe an sei­nem Krankenhaus im rund 20 Kilometer ent­fern­ten Parchim kon­zen­trie­ren. Dagegen gibt es Protest in der Bevölkerung. Am Freitag demons­trier­ten eini­ge Vertreter vor der Staatskanzlei in Schwerin. [Geht doch!] (Dieser Link wur­de inzwi­schen entfernt.)

Mosbach: "Die Entwicklungen der Corona-Krise mit­samt per­so­nel­len Engpässen haben die vom Kreistag im Januar mehr­heit­lich gou­tier­te Planung for­ciert. Seit Montag wird nun also die Geburtshilfe-Station nach und nach geräumt, die gynä­ko­lo­gi­sche Abteilung besteht zumin­dest noch bis ein­schließ­lich 30. April." Link

Wie gut, daß sich AktivistInnen auch zur Zeit nicht das Recht neh­men las­sen, zu demons­trie­ren (s. Bild):

'Mit einer Aktion erin­ner­te Attac Dortmund am Dienstagvormittag an die Aktualität ihres Mottos "Die Welt ist kei­ne Ware". "In Zeiten wie die­sen, wo die Grenzen unse­res Wirtschaftssystems beson­ders deut­lich wer­den, vie­le in ihrer Existenz bedroht sind, Armut sich wei­ter aus­brei­tet und das öffent­li­che Leben weit­ge­hend dar­nie­der liegt, kann poli­ti­sche Friedhofsruhe nicht die ers­te Bürgerpflicht sein.", erklärt attac-Dortmund.' Link

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