Nie mehr feiern

Die Narren in Düsseldorf haben ihren ver­leg­ten Karnelvalszug bereits abge­sagt, die in München grü­beln noch. Das ist mer​kur​.de am 5.4. zu ent­neh­men. "Dabei ste­hen nicht nur mora­li­sche Bedenken im Vordergrund – wie die von OB Reiter auf­ge­wor­fe­ne Frage, wie kann man ein fröh­li­ches Fest pla­nen kann, wäh­rend in der Ukraine Menschen ster­ben." Den Spaßbremsen, die zwei Jahre lang weit­ge­hend ver­hin­dert haben, daß Menschen sich ins Gesicht schau­en oder gar ein Lächeln zei­gen, ist kein Argument zu blöde.

Sterben nicht jeden Tag irgend­wo Menschen? Haben wir uns an den Tod hun­gern­der Kinder nicht längst gewöhnt, deren Zahl weit über der der Opfer im Ukraine-Krieg liegt? Die ver­lo­ge­ne Betroffenheit läßt sich belie­big fort­set­zen: Darf man fei­ern, solan­ge ein ein­zi­ger Arktisgletscher schmilzt? Solange es Verkehrstote gibt? Solange Tiere unter bru­ta­len Verhältnissen gehal­ten wer­den? Solange Mädchen beschnit­ten und fremd aus­se­hen­de Menschen gejagt werden?

Geht es nicht viel mehr erneut dar­um, Menschen in Angst und Schrecken zu hal­ten, ihnen Lebensfreude zu steh­len, damit sie nicht ins Nachdenken gera­ten? Stünde gemein­sa­mer Frohsinn der anhal­ten­den Erzählung im Wege, daß wir alle eine Gefahr für­ein­an­der seien?

Natürlich spielt auch wie­der viel Geld eine Rolle. Die Entscheidung in Düsseldorf wur­de getrof­fen, weil der WDR sich wei­ger­te, für die Fernsehübertragung zu zah­len ("Es ster­ben Menschen"). Schuld in bei­den Fällen ist irgend­wie immer Putin:

»Die Gaspreise sind explo­diert, man braucht zusätz­li­ches Personal für Corona-Kontrollen – aber es wer­den wahr­schein­lich weni­ger Besucher kommen.

Das bedeu­tet: Sollte die Wiesn heu­er statt­fin­den, wer­den die Preise deut­lich anzie­hen. Bis zu 14,50 Euro pro Mass sind nicht mehr unrea­lis­tisch, wie ein Gastronom unse­rer Zeitung ver­rät. „Das muss ich kal­ku­lie­ren, um die Kosten zu decken.“ Vielleicht kämen nur vier statt sechs Millionen Besucher, weil die Einlasskontrollen abschre­ckend wir­ken. Überlegungen wie die­se trei­ben den Bierpreis nach oben. Auch bei Oktoberfest-Experten im Münchner Rathaus gilt ein Preis von 14 Euro pro Mass mitt­ler­wei­le als rea­lis­tisch.«
Das zeigt auf, daß es neben der Spaltung an der Frage von Masken und "Impfung" eine viel älte­re und wirk­mäch­ti­ge­re gibt. Ausgrenzung aus sozia­len Gründen, genau­er wegen Armut, hat eine lan­ge Tradition.

12 Antworten auf „Nie mehr feiern“

  1. Ja der Reiter. War der schon mal beim Klausi in Davos? Falls nicht, der wür­de gut pas­sen. Ein Mitläufer/Täter vor dem Herrn. Und die 14, 15 oder 20 Teuros für die 3/4 ein­ge­schenk­te Mass aus der Wiesn kön­nen die Vollhonks ger­ne zah­len. Da neh­me ich mir lie­ber ne Kiste vom regio­na­len wesent­lich bes­ser schme­cken­den Bier und genie­ße die auf mei­ner Terrasse ohne Idioten-Terror. Aber gut, dass die Aussies und Kiwis noch kom­men wer­den, die Coronazis ver­ste­hen sich ja blind inter­na­tio­nal. Die Italiener (2. Wochenende) wür­den ger­ne kom­men, sind aber zu schwach wegen dem täg­li­chen Anstehen an der Tafel. Und den Rest macht der künst­lich hoch­ge­push­te Spritpreis. Dann lie­ber mit dem Radl nach Jesolo.
    Letzte Woche war ich drei Tage in der bay­ri­schen Landeshauptstadt, genau eine Person in der Tram ohne Maulkorb. Wird jetzt nicht viel anders sein. Sollen sie alle am Gesslerlappen ……(Zensur).

  2. "…man braucht zusätz­li­ches Personal für Corona-Kontrollen"

    Ich dach­te, die Maßnahmen sind auf­ge­ho­ben? Was soll denn wei­ter­hin kon­trol­liert wer­den? OK, bei uns in der Firma gilt auch wei­ter­hin FFP2 auf unbe­stimm­te Zeit, aber in der Öffentlichkeit soll­te doch alles auf­ge­ho­ben sein.

  3. Tja, die Pseudo-Moralisten geben ein­fach kei­ne Ruhe. Die Frage "Kann man…" ist nichts als eine schlech­te Tarnung für "Ich will nicht dass ihr das wollt, und weil ihr das wollt seid ihr böse!" Gestellt wird die­se Frage meis­tens von Leuten, die im Leben nichts aus­zu­hal­ten hat­ten oder haben werden. 

    Es gehört zum Leben, dass es hin und wie­der auch mal berg­ab geht, und bei knapp 8 Milliarden Menschen auf die­sem Planeten und höchst unter­schied­li­chen Lebensbedingungen ist das "berg­ab" häu­fig lebensbedrohlich.
    Wer schlech­te Situationen irgend­wo auf der Welt als Ausrede her­an­zieht stellt kei­ne mora­li­sche Frage, son­dern ist ein igno­ran­ter und gefähr­li­cher (hier pas­send erschei­nen­des Substantiv einsetzen).
    Ein schlech­ter Geschäftsmann ist man dann oben­drein. Wenn ich nicht mal in der Lage bin, eines der größ­ten Volksfeste der Welt so zu gestal­ten, dass mög­lichst vie­le Leute kom­men kön­nen und ich trotz­dem aus­rei­chend Erträge erwirt­schaf­te, dann soll­te ich nicht in der frei­en Wirtschaft arbeiten.

  4. In Deutschland ster­ben unge­fähr 2 600 Menschen pro Tag. 2019 wur­den 55 Kinder im Straßenverkehr umge­bracht, was mehr als die zehn­fa­che Rate der an COVID-19 gestor­be­nen Kinder zwi­schen den Jahr 2020/2021 ist.

  5. Im obi­gen Text hat sich ein Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen:

    Natürlich geht spielt auch wie­der viel Geld eine Rolle

  6. Eine ande­re Erzählung beschwört auf­kei­men­de Gewalt, sobald der Staat die­se nicht mit eige­ner Gewalt unter­drückt. Stünde gemein­sa­mer Frohsinn der anhal­ten­den Erzählung im Wege, daß wir alle eine Gefahr für­ein­an­der seien?

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