Fake und Wahrheit IV

Fake ist:
Zum 1.5. wer­den in Berlin Schwimmbäder wie­der geöff­net, zunächst aber ohne Wasser.

Wahrheit ist:
"Reinickendorf macht Spielplätze ab 30. April wie­der auf…
Das Abstandsgebot von 1,5 m ist ein­zu­hal­ten – bei Kindern und Begleitpersonen." Link
Nach der glei­chen Quelle ist auf Spielplätzen in Pankow "eine Person pro 20 Quadratmeter Nettospielfläche" zugelassen.

"Mutiert die taz zum Regierungsblatt?"

So geben zwei taz-Redakteure Fragen von LeserInnen der Zeitung wieder.

"Manche Leser:innen geben uns in die­sen Tagen ein irri­tier­tes Feedback. Sie sehen unse­re Berichterstattung über das Virus und die rigi­den Maßnahmen der Bundesregierung kri­tisch. Ein häu­fi­ger Kritikpunkt lau­tet, wir sei­en zu „regie­rungs­nah“, zu dicht „am Mainstream“ und täten kri­ti­sche Stimmen, die es wag­ten, den Regierungskurs zu hin­ter­fra­gen, als Verschwörungstheorien ab."

Sie wür­den die Frage nicht stel­len, hät­ten sie nicht auch eine Antwort:

"Kritik aus Prinzip ist nicht mehr als eine Pose. Gute Argumente eines Gegenübers zu igno­rie­ren, weil er auf der ver­meint­lich fal­schen Seite steht, ist Ideologie.

Jenseits der Tatsache, dass wir das Coronavirus eben­so wie alle rele­van­ten Wissenschaftler:innen und alle seriö­sen Medien sehr ernst neh­men, hal­ten wir den Vorwurf, die taz sei zum „Regierungsblatt“ mutiert, für nicht haltbar…

Menschen, die Fakten offen­sicht­lich igno­rie­ren, zu lebens­ge­fähr­li­chem Verhalten auf­ru­fen und absur­de Verschwörungstheorien ver­brei­ten wol­len, wird die taz kein Forum bie­ten." Link

Das kann zum Teufelskreis wer­den. Wer zugleich defi­niert, was Verschwörungstheorien sind und sich dann dage­gen wehrt, sie zu ver­öf­fent­li­chen, steht immer auf der siche­ren Seite. Das war mit Gottesurteilen im Mittelalter schon so.

Erneut Tausende auf Demo in Israel

Das Land mit einem in vie­len Punkten rigi­de­ren Corona-Regime als Deutschland gönnt sich die Ausübung demo­kra­ti­scher Grundrechte auch in Zeiten der Pandemie.

"Tausende Israelis haben am Samstagabend nach Medienberichten in Tel Aviv gegen die Politik von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu demons­triert. Die Menschen ver­sam­mel­ten sich auf dem zen­tra­len Rabin-Platz und hiel­ten dabei wegen der Corona-Krise einen Sicherheitsabstand von zwei Metern. Ein Polizeisprecher sprach von meh­re­ren Hundert Teilnehmern, Medien dage­gen von Tausenden. Die Bewegung „Schwarze Flaggen“ warnt vor einer Erosion der Demokratie unter Netanjahu." Link

Bei uns kön­nen poli­ti­sche Gruppen die­ses Recht erst nach kraft­rau­ben­den Ausnahmeantragsverfahren und oft erst nach Bemühung von Gerichten aus­üben. Daß die dabei zustan­de­kom­men­den Veranstaltungen von 10–50 "Stellvertreter-Demonstrierenden" tat­säch­lich den Geist des Grundgesetzes wider­spie­geln, kann bezwei­felt werden.

"Morddrohungen gegen Virologe Christian Drosten"

So beti­telt die Zeit einen Artikel am 27.4. Der Inhalt ist erschre­ckend genug, da muß man sich nicht über gram­ma­ti­ka­li­sche Schlamperei aufregen.

'Für vie­le Deutsche sei er "der Böse, der die Wirtschaft lahm­le­ge", sag­te der Berliner Wissenschaftler in einem Interview der bri­ti­schen Zeitung The Guardian. Er lei­te die Drohungen an die Polizei wei­ter. Nachts wach hiel­ten ihn aller­dings viel­mehr die E‑Mails von Eltern, die ihm von ihren Sorgen vor der Zukunft berichteten.'

Link zum Guardian-Interview

"Das Virus trifft alle gleichermaßen – alt und jung, arm und reich"

Schon im eige­nen Land sehen wir, daß die Auswirkungen des Virus in erheb­li­chem Maße unter­schied­lich sind, abhän­gig vor allem von der sozia­len Situation der ein­zel­nen Menschen.

Harvard-Ökonom Dani Rodrik rich­tet den Blick auf die Weltwirschaft und stellt fest:

"Ich glau­be, die rei­chen Länder wer­den sich schnel­ler erho­len als die Entwicklungsländer, weil die Letzteren nicht die finan­zi­el­len Mittel haben, um ange­mes­sen auf die Pandemie zu reagie­ren. Was in Europa und in den Vereinigten Staaten an Einkommens- und Arbeitsmarkthilfen mobi­li­siert wur­de, ist außer­ge­wöhn­lich. Die rei­chen Länder kön­nen sich die­sen Luxus leis­ten und auch mit Hilfe der Geldpolitik prak­tisch unbe­grenz­te Hilfen bereit­s­stel­len. Andere nicht. „"Das Virus trifft alle glei­cher­ma­ßen – alt und jung, arm und reich"“ weiterlesen

Dialektik mit Känguru

Unter die­sem Titel beschreibt FAZ-Autorin Bettina Weiguny am 26.4. Aspekte des Corona-Lebens unter Einfluß ihres Marc-Uwe Kling lesen­den 13-jäh­ri­gen Sohnes.

Sie notiert die gegen­wär­ti­gen dia­lek­ti­schen Maßnahmen:

"1. Im Prinzip dür­fen wir alle das Haus nicht ver­las­sen, aber wenn wir es tun, ist es auch okay.

2. Masken sind nutz­los, aber wir soll­ten sie trotz­dem tra­gen, weil sie helfen.

3. Alle Läden sind geschlos­sen, außer denen, die geöff­net haben…

5. Es gibt kei­nen Engpass bei Lebensmitteln, nur Dinge, die feh­len oder der­zeit nicht da sind…

7. Wir kön­nen ver­schie­de­ne Symptome haben, wenn wir krank sind, aber auch ohne Symptome krank sein, Symptome haben, ohne krank zu sein, anste­ckend sein ohne Symptome und vice versa.

8. Sollten wir krank gewe­sen sein, kön­nen wir spä­ter wie­der erkran­ken, dazwi­schen aber sind wir immun. Vielleicht sogar gesund. Wer weiß das schon."

Nun doch Autopsien

Wie in vie­len ande­ren Fällen hat das Robert-Koch-Institut sei­ne Meinung auch zur Frage von Autopsien bei Corona-Verdacht geändert.

Gutwillige kön­nen das Einsicht nen­nen und Reaktion auf neue Erkenntnisse. Skeptiker ver­wei­sen eher dar­auf, daß die RKI-Chefs sich eher media­lem Druck anpas­sen. Das Institut beruft sich in der Maskenfrage (wochen­lang lehn­te es eine Verpflichtung zum Tragen ab) genau­so wenig auf neue Erkenntnisse wie in der der Autopsien. Hier war ein­fach das Unverständnis aus der Fachwelt über­mäch­tig geworden:

"Der Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP) und die Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP) for­dern mög­lichst zahl­rei­che Obduktionen von Corona-Verstorbenen. Sie wider­spre­chen damit der Empfehlung des Robert Koch Instituts, in die­sen Fällen inne­re Leichenschauen zu ver­mei­den. Im Gegenteil sei es not­wen­dig, wei­te­re Erkenntnisse über die Erkrankung und deren oft erstaun­lich ful­mi­nan­ten Verlauf zu gewin­nen und offe­ne Fragen zu beant­wor­ten." Link
„Nun doch Autopsien“ weiterlesen

Dummheit in linken Medien – eine Fortsetzung

Das Versagen wei­ter Teile der orga­ni­sier­ten Linken bei der Verteidigung demo­kra­ti­scher Rechte wie dem, sich zu poli­ti­schen Demonstrationen zu ver­sam­meln, führt zu immer wüs­te­ren Verleumdungen der Menschen, die sich die­se Rechte nicht neh­men lassen.

Nur weni­ge klei­ne­re lin­ke Gruppen orga­ni­sie­ren in die­sen Tagen Aktionen, an denen sich Menschen betei­li­gen kön­nen und die rech­ten Rattenfängern kei­ne Anschlußmöglichkeiten bie­ten. So etwa zur Solidarität mit den Flüchtlingen in euro­päi­schen Lagern oder gegen die immer unzu­mut­ba­re­ren Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Pflege und ande­ren Gesundheitseinrichtungen.

Der "lin­ke Mainstream" aus taz, ND und jun­ger Welt über­schlägt sich statt des­sen mit Diffamierungen. Jüngstes Beispiel ist ein Artikel in der heu­ti­gen jW, der allein an sei­ner Wortwahl erken­nen läßt, daß Mindestregeln des Journalismus kei­ne Rolle spie­len: „Dummheit in lin­ken Medien – eine Fortsetzung“ weiterlesen

FAZ-Redakteur radikalisiert sich

In einem Artikel der FAZ Sonntagszeitung vom 26.4., der bemer­kens­wer­ter­wei­se auf der Webseite der Zeitung nicht zu fin­den ist, setzt sich der Autor Thilo Komma-Pöllath mit der Corona-Erkrankung sei­nes 85-jäh­ri­gen demen­ten Vaters auseinander.

Er ver­sucht zu ver­ste­hen, war­um sein Vater trotz eines seit dem 18. März gel­ten­den Kontaktverbots infi­ziert wer­den konn­te. Er kon­tak­tiert den Stationsleiter des Pflegeheims.

"Am Tag es posi­ti­ven Testergebnisses hat­te er umge­hend mei­ne Mutter infor­miert. Neben mei­nem Vater sei­en neun wei­te­re Patienten erkrankt, so der Leiter zu mei­ner Mutter. Als ich dem Stationsleiter auf den Kopf zusa­ge, dass das Virus ja nur über die Pflegekräfte oder das Küchenpersonal in das Heim ein­ge­schleppt wor­den sein konn­te, wie­der­holt er nur, dass man die Infektionskette nich nach­voll­zie­hen kön­ne. Wie vie­le Pflegekräfte erkrankt sei­en? Dazu kön­ne er nichts sagen. Ob denn die Pflegekräfte alle zwei Tage, wie von Experten gefor­dert, auf das Virus regel­ge­tes­tet wer­den? Jetzt end­lich ein Antwort: 'Leider nein, regel­mä­ßi­ge Tests gibt es nicht.' Vom ört­li­chen Gesundheitsamt bekom­me man nicht genü­gend Tests zur Verfügung gestellt… „FAZ-Redakteur radi­ka­li­siert sich“ weiterlesen

Grafiken, die nichts beweisen

Vier Grafiken aus dem glei­chen Zahlenmaterial. Sie zei­gen, daß ein und die­sel­ben Zahlen ganz unter­schied­lich dar­ge­stellt und inter­pre­tiert wer­den können.

In der esten Sicht sind wir im Ranking ganz gut, aber auch die USA lie­gen noch vor San Marino.

Wie sieht es mit der nächs­ten Korrelation aus? Deutschland ein­sa­me Klasse, weit abge­schla­gen etwa Vatikanstadt – aber nur, weil es dort bis heu­te kei­ne Toten gibt. Selbst der mick­ri­ge Wert für die USA besagt: Die Zahl der Genesenen ist dop­pelt so hoch wie die der Todesfälle.

Ein völ­lig ande­res Bild ergibt sich, wenn man die Zahl der Fälle pro einer Million Einwohner betrach­tet. Da ste­hen wir ganz gut da, aber längst nicht so gut wie Kuba oder Japan. Selbst die USA wir­ken mode­rat, wäh­rend ein­sa­mer Spitzenreiter San Marino ist.

Quellen Stand 28.4. 00:13 Uhr

Wenn berück­sich­tigt wird, daß Daten in den ver­schie­de­nen Ländern sehr unter­schied­lich erho­ben wer­den, die Johns-Hopkins-Universität als Urheberin des Zahlenmaterials umstrit­ten ist und es erheb­li­che Tagesschwankungen gibt, dann soll­te uns dies vor­sich­tig machen bei der Akzeptanz der uns rund um die Uhr prä­sen­tier­ten ver­meint­lich objek­ti­ven Statistiken.