Reichste Frau Deutschlands will mit "impact investing" "ökonomische Wirkungstreffer landen"

Der Artikel des "Tagesspiegels" unter dem Titel "BMW-Erbin und „Möglichmacherin“: Wie Susanne Klatten die deut­sche Start-up-Szene erobert" vom 1.8. (Bezahlschranke) bie­tet die Gelegenheit, noch ein­mal auf den Quandt-Clan hinzuweisen.

plus.tagesspiegel.de (1.8.)

Der Artikel besteht über­wie­gend aus Floskeln und Lobhudelei wie:

»Die reichs­te Frau Deutschlands woll­te immer mehr sein als nur ein Spross der Quandt-Dynastie. Die Rolle ihres Lebens scheint sie in der Unterstützung jun­ger Firmen gefun­den zu haben…

In der Öffentlichkeit mag sie für man­che noch immer wahl­wei­se als „BMW-Erbin“, „Quandt-Tochter“ oder „reichs­te Frau Deutschlands“ fir­mie­ren. In ihrem Selbstverständnis ist sie durch ihr Start-up-Engagement zu dem gewor­den, was sie schon immer sein woll­te: „Unternehmerin“.

Das Herzstück von Klattens Engagement ist das Gründerzentrum UnternehmerTUM an der Technischen Universität München (TUM), das sie vor 20 Jahren maß­geb­lich mit­in­iti­iert und mit­fi­nan­ziert hat und bis heu­te eng beglei­tet. Die Frau aus der vier­ten Generation der Quandt-Wirtschaftsdynastie spricht bei UnternehmerTUM gern auch von „ihrem Start-up“ – und das mit einem gewis­sen Stolz…

Auch die Bus- und Zugplattform Flix ent­stammt dem Dunstkreis der TU München, von den Wagniskapitalgebern wur­de Flixmobility in der jüngs­ten Finanzierungsrunde auf knapp drei Milliarden Euro taxiert…

Klatten setzt auf „impact inves­ting“. Sie will, das ist sie dem Vermächtnis ihrer Dynastie schul­dig, öko­no­mi­sche Wirkungstreffer lan­den. Das gelingt durchaus…

Die Unternehmensgründung an der TU München

… Tausende Studierende [kom­men] jedes Jahr mit ihren Fragen rund um Unternehmensgründung und Start-up-Pläne zur UnternehmerTUM. 350 Mitarbeiter bie­ten ein viel­fäl­ti­ges Programm mit Seminaren und Vorlesungen.

Es gibt den Inkubator „Xpreneurs“, in dem Start-ups gegrün­det wer­den, ein Digital Hub Mobility, eine „appliedAI Initiative“ für Künstliche Intelligenz und, beson­ders unge­wöhn­lich: eine eige­ne Hightech-Werkstatt. Im TUM Maker Space in Garching sowie im „Munich Urban Colab“ im Münchener Stadtteil Schwabing bas­teln Jungunternehmer Prototypen und Kleinserien…

Insgesamt gelang es Start-ups aus der UnternehmerTUM 2021, 3,5 Milliarden Euro an Wagniskapital einzusammeln…Ein Teil der Investitionen in München geht auch auf den eng mit dem Gründerzentrum ver­bun­de­nen Wagniskapitalgeber UVC Partners zurück, in den auch Susanne Klatten selbst inves­tiert ist…

So erreicht Susanne Klatten mit ihren gro­ßen, wenn auch in der Höhe unbe­kann­ten Investitionen in die UnternehmerTUM viel mehr… Das Münchner Gründerzentrum agiert inzwi­schen auch als digi­ta­ler Aufbauhelfer für Städte, Konzerne und Mittelständler, ver­knüpft Wissenschaft mit Wirtschaft.

Klatten hat mehr als UnternehmerTUM

Zugleich ist UnternehmerTUM nur ein klei­ner Teil von Klattens Wirkungsfeld. Es umfasst die extrem wert­vol­le 21-Prozent-Beteiligung an BMW, bei der sie sich eng mit ihrem Bruder Stefan Quandt abstimmt, der gut 25 Prozent hält. Hinzu kommt die 2006 gegrün­de­te Beteiligungsholding Skion (Umsatz 2020: 2,8 Milliarden Euro) mit dem fami­liä­ren Altbesitz Altana, aber auch mit Wasser-Recycling-Spezialfirmen sowie etli­chen Beteiligungen, maß­geb­lich etwa an SGL Carbon sowie an der inno­va­ti­ven israe­li­schen Digitaldruckfirma Landa.

Und schließ­lich sind da noch die von 2016 an auf­ge­zo­ge­ne Initiative „Skala“ für 93 gemein­nüt­zi­ge Organisationen, ihre Stiftung „Kunst und Natur“ rund ums ober­baye­ri­sche Hofgut Nantesbuch sowie ihr jüngs­tes Engagement beim neu­en „Legacy Landscape Fund“, der 30 beson­ders arten­rei­che Landschaften der Welt schüt­zen will. Mit gro­ßen Parteispenden hat Klatten in der Vergangenheit meist die CDU, aber auch die FDP unter­stützt.«

Für Klatten wird es sich bei die­ser Unterstützung so ver­hal­ten wie bei ihren ande­ren Investitionen: »Sie wirkt auch dar­auf hin, dass Innovationen durch Start-ups aus dem TUM-Ökosystem wie­der in eta­blier­te Unternehmen fließen.«

"Emanzipation von Lasten der Vergangenheit"

»Die aus­ge­bil­de­te Werbekauffrau mit Betriebswirtschaftsstudium gilt als äußerst dis­zi­pli­nier­te Arbeiterin. Ob Susanne Klatten sich oder ande­ren dadurch etwas bewei­sen will, lässt sich nur mut­ma­ßen. Bekannt ist, dass sie und ihr jün­ge­rer Bruder Stefan, 56, vom Vater Herbert Quandt (1910–1982) akri­bisch und mit gro­ßer Strenge auf die gesell­schaft­li­che Rolle als Unternehmerin und Unternehmer vor­be­rei­tet wurden…

Ihr unter­neh­me­ri­sches Leben ist auch eine fort­ge­setz­te Emanzipation von Lasten der Vergangenheit, etwa rund um die NS-Verstrickungen des Vaters und des Großvaters.

Die gro­ße Vision jetzt ist Europa…«

Mir scheint es min­des­tens so wich­tig zu sein, sich mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des deut­schen Großkapitals zu beschäf­ti­gen wie mit ver­meint­li­chen Verschwörungen anglo­ame­ri­ka­ni­scher Eliten gegen das deut­sche Volk.

Unter den zahl­rei­chen Artikeln dazu (https://www.corodok.de/?s=quandt) sei­en hier die­se erwähnt:

Wer sind denn die­se Quandts?

Drosten, Grimme-Preis und die Quandts

Stiftung Charité – fest in der Hand der Wirtschaft

15 Antworten auf „Reichste Frau Deutschlands will mit "impact investing" "ökonomische Wirkungstreffer landen"“

  1. BMW mag im Vordergrund immer gese­hen wer­den. Das Vermögen der Frau Klatten beruht aber auch ganz wesent­lich auf der Altana Chemie/ Pharmazie. Der Pharmateil brach­te Milliarden ein bei sei­nem Verkauf. Unnötig zu erwäh­nen, dass wesent­li­che Teile aus Arisierungen stammen.

    Alles so gründerhaft!

  2. "Der Artikel besteht über­wie­gend aus Floskeln und Lobhudelei"
    Wahrscheinlich hat die Abteilung 'Hofberichterstattung+Monarchen-Kniefall' (der BUNTEN?) mit einem erfah­re­nen Speichellecker aus­ge­hol­fen. Übrigens wäre eine Familie wie die der Klattens im Königreich Großbritannien schon längst in den Adelsstand erho­ben wor­den und zwar 'with a vengeance'.

  3. Immer wie­der schön, wenn irgend­wel­che Schreiberlinge o.ä. sich
    bei Mitgliedern der Hai Society (oder was sie dafür hal­ten) ein­schlei­men und katz­bu­ckeln. Und dann natür­lich aus Frust und
    Neid nach all dem tre­ten, was sie für min­der­wer­tig halten.
    'Der Untertan' lässt grüßen.
    Eine sol­che Erbärmlichkeit ekelt mich ein­fach nur an.

  4. US- und deut­sche Wirtschafts-"Elite" haben eine gemein­sa­me Geschichte,

    z.B. so
    https://www.linkedin.com/pulse/americans-who-funded-hitler-nazis-german-economic-miracle-eger
    "Zweitens wur­den die Darlehen Deutschland zwar offi­zi­ell gewährt, um die Zahlung von Reparationen zu gewähr­leis­ten, in Wirklichkeit dien­ten sie jedoch der Wiederherstellung des mili­tä­risch-indus­tri­el­len Potenzials des Landes. Tatsächlich zahl­ten die Deutschen die Kredite mit Anteilen an deut­schen Unternehmen zurück, so dass sich ame­ri­ka­ni­sches Kapital aktiv in die deut­sche Wirtschaft inte­grie­ren konn­te. Insgesamt belie­fen sich die aus­län­di­schen Investitionen in die deut­sche Industrie zwi­schen 1924 und 1929 auf fast 63 Milliarden Goldmark (davon ent­fie­len 30 Milliarden auf die Kredite), und 10 Milliarden wur­den als Reparationszahlungen geleis­tet. Amerikanische Bankiers – vor allem J.P. Morgan – stell­ten sieb­zig Prozent der deut­schen Finanzerträge zur Verfügung. Infolgedessen war die deut­sche Industrie bereits 1929 die zweit­größ­te der Welt, befand sich aber zu einem gro­ßen Teil in den Händen der füh­ren­den ame­ri­ka­ni­schen Finanz- und Industriekonzerne. So stand I.G. Farben, das Unternehmen, das zum wich­tigs­ten Bestandteil der deut­schen Kriegsmaschinerie wur­de, unter der Kontrolle von Rockefellers Standard Oil, als es 1930 45 Prozent von Hitlers Wahlkampf finan­zier­te. Über General Electric kon­trol­lier­te J.P. Morgan die deut­sche Radio- und Elektroindustrie in Form von AEG und Siemens (1933 besaß General Electric einen Anteil von 30 Prozent an AEG). Über das Telekommunikationsunternehmen ITT kon­trol­lier­te er 40 Prozent des deut­schen Telefonnetzes und 30 Prozent des Flugzeugherstellers Focke-Wulf. Opel wur­de von General Motors, dem Unternehmen der Familie Dupont, über­nom­men. Henry Ford hielt 100 Prozent der Anteile an Volkswagen. 1926 ent­stand mit der Beteiligung der Rockefeller-Bank, Dillon Reed und Co. das zweit­größ­te Industriemonopol – die
    das Metallurgieunternehmen Vereinigte Stahlwerke von Thyssen, Flick, Wolf, Fegler, etc.
    Die ame­ri­ka­ni­sche Zusammenarbeit mit dem mili­tä­risch-indus­tri­el­len Komplex in Deutschland wur­de so inten­siv und weit­rei­chend, dass bis 1933 ame­ri­ka­ni­sches Kapital in Schlüsselsektoren der deut­schen Industrie und sogar in Großbanken wie die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die Donat Bank usw. gelang­te. (Übersetzt mit DeepL)"

    oder so
    https://cges.georgetown.edu/research/event-programming/quandt/

    Wir erle­ben ein Replay.

    1. @b.m.buerger: Meiner Meinung nach beschreibt Starikov im gro­ßen und gan­zen zutref­fend die Beteiligungen von US-Firmen an der Finanzierung des deut­schen Faschismus (bei eini­gen Ausführungen habe ich Fragezeichen). Hier drückt sich die berech­tig­te Erwartung aus, die NSDAP möge auf­räu­men mit einer unzu­frie­de­nen und in Teilen rebel­li­schen Arbeiterbewegung, beglei­tet von der Hoffnung, Militarisierung und Kriegsvorbereitung wür­den sich nach Osten gegen den gemein­sa­men Feind "Bolschewismus" wen­den. Umgekehrt waren es teil­wei­se die glei­chen US-Konzerne, die nach dem Krieg die poli­ti­sche und geheim­dienst­li­che Unterstützung der alten Nazis wie der neu­en Regierungen dank­bar nutz­ten, um in ihren süd­ame­ri­ka­ni­schen "Hinterhöfen" zu put­schen und zu mor­den. Diese gemein­sa­me Traditionslinie des Kapitals fand sich eben­so in den Völkermorden in Indochina wie in der Förderung der süd­afri­ka­ni­schen Apartheid-Staaten. 

      Meine Fragezeichen bezie­hen sich neben ein­zel­nen Angaben, die mir unrich­tig zu sein schei­nen, auf die Delegation jeg­li­cher Verantwortung an die "Bank of England" und das "Federal Reserve System of the United States". Das wird erkenn­bar an der Zeitschiene, die etwa aus führt: "1924–1929 – Erlangung der Kontrolle über das Finanzsystem und Finanzierung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Bewegung. 1929–1933 – Anstiftung und Auslösung einer tie­fen Wirtschaftskrise, die den Aufstieg der Nazis an die Macht sicher­te." Und so wird denn auch geschlos­sen: »Heute, da die glo­ba­le Finanzelite einen Plan für die "Große Depression Teil II" mit dem anschlie­ßen­den Übergang zu einer "neu­en Weltordnung" in Angriff genom­men hat, ist es uner­läss­lich, ihre Schlüsselrolle bei der Organisation von Verbrechen gegen die Menschheit in der Vergangenheit zu erken­nen.«

      Ich sehe die­se Äußerungen im Kontext einer rus­si­schen Propaganda, die eige­ne impe­ria­lis­ti­sche Ambitionen als Verteidigung gegen anglo-ame­ri­ka­ni­sche "Eliten" und ihre "neue Weltordnung" aus­gibt. Sprachlich wie fak­tisch nähert man sich dabei kon­ser­va­ti­ven und reak­tio­nä­ren Kreisen im Westen.Die Entlastung des deut­schen Faschismus durch die Zuweisung einer "Schlüsselrolle bei der Organisation von Verbrechen gegen die Menschheit in der Vergangenheit" an die USA folgt die­ser Orientierung. Putins Antifaschismus ist so glaub­wür­dig wie der Rockefellers. Daß er in der rus­si­schen Bevölkerung viel tie­fer ver­an­kert ist als sonst­wo auf der Welt, ist ein ande­res Thema.

      1. @aa: "impe­ria­lis­tisch" in "rus­si­sche Propaganda, die eige­ne impe­ria­lis­ti­sche Ambitionen.." wür­de ich als sehr dis­kus­si­ons­wür­dig anse­hen. Kapitalistische Konkurrenz – klar. Imperialismus als Politik und Methode hat öko­no­mi­sche Gründe, die beim rus­si­schen Kapitalismus nach­zu­wei­sen wären. Geht es hier aktu­ell nicht eher um Selbstbehauptung des rus­si­schen Kapitalismus gegen­über einer ein­ge­for­der­ten Unterwerfung unter den ster­ben­den impe­ria­lis­ti­schen US- und "Wertewesten"-Verbund?
        Wäre doch mal ne "echt lin­ke" Diskussion wert.

        1. @Skeptiker999: Ja. Ich muß mich des­halb dis­zi­pli­nie­ren, zu die­sem Thema kei­ne Beiträge zu brin­gen. Auf Kommentare will ich auch dazu hin und wie­der reagieren.

        2. @Skeptiker999:

          Davor kann ich nur war­nen. Nämlich das "Imperium-USA" als sich im Untergang befind­lich zu bezeich­nen. Dieses "Imperium" ist dadurch ent­stan­den, dass es unter­schätzt wurde.
          Wie man her­aus­fand war es an sei­ner "Unterschätzung" welt­weit ursäch­lich nicht ganz unbe­tei­ligt. Diese Leute beherr­schen nicht bloss Mathematik, sie wen­den sie auch an, was wich­ti­ger ist als toll­kühns­te Zahlenakrobatik dar­bie­ten zu kön­nen. Das ver­ste­hen vie­le Menschen nicht richtig.
          Während die Einen auf ihre Dichter und Denker hin­wei­sen und sich in Wirklichkeit sel­ber damit mei­nen wol­len, haben ande­re schon deren Errungenschaften unspek­ta­ku­lär in die Praxis umgesetzt.

          " … Man tut gar nichts! Ein System dass auf einem Fehler beruht erle­digt sich von selbst. .…"
          Zitat aus: (wenn jemand Gangsterfilme mag)
          https://www.youtube.com/watch?v=qdX4KALZPw4
          Quelle: youtube.com; lei­der nur in eng­lish, dafür aber ganz

      2. Tja. Dass die Art, wie man Geschichte erzählt, und was man weg­lässt, poli­ti­sche Konsequenzen hat, ist klar. 

        Eigentlich ist Geschichte eine Rückwärtserzählung, mit der sich aktu­el­le poli­ti­sche Strömungen ver­su­chen zu legitimieren.

        Was die US-Förderung der Militarisierung Deutschlands angeht dürf­te eine zen­tra­le Figur der hier gewe­sen sein:
        https://www.dhm.de/lemo/Biografie/hjalmar-schacht

        AA: "Ich sehe die­se Äußerungen im Kontext einer rus­si­schen Propaganda, die eige­ne impe­ria­lis­ti­sche Ambitionen als Verteidigung gegen anglo-ame­ri­ka­ni­sche "Eliten" und ihre "neue Weltordnung" ausgibt."

        Sagen wir mal so: Historisch und öko­no­misch (Rohstoffe) hat Russland guten Grund anzu­neh­men, dass es sich ver­tei­di­gen muss. 

        Unsere "Elite" ist klar trans­at­lan­tisch und ist das seit 1900 auch immer gewe­sen. Was hier in der Politik gera­de pas­siert, wird in den USA ent­schie­den. Etwas ande­res sehe ich nicht.

        Da wo gera­de gekämpft wird, waren wir im letz­ten Jahrhundert auch schon zwei­mal. Und das mit der Aufrüstung und den Kriegskrediten "gegen Russland" ist jetzt das drit­te Mal. Das mit der "Befreiung von rus­si­schem Imperialismus", das hat­ten wir auch schon. Ich habe das Gefühl, die haben das im Auswärtigen Amt seit Jahrhunderten in den Schubladen lie­gen und packen das dann aus, bevor sie selbst nach­den­ken müssen.

        http://ag-friedensforschung.de/themen/1wk/ukraine.html
        "Zum Teil noch radi­ka­ler for­mu­liert waren die Kriegszieldenkschriften des Alldeutschen Verbandes und von Organisationen und Repräsentanten der deut­schen Industrie, dar­un­ter von August Thyssen, Walther Rathenau, Alfred Hugenberg und Gustav Stresemann. Im Laufe der Jahre gerie­ten die Zielsetzungen für den Osten Europas immer maß­lo­ser und bil­de­ten eines der bevor­zug­ten Themen in den Debatten über die anzu­stre­ben­den Kriegsziele. Die Kernfrage lau­te­te: Was bedeu­te­te es kon­kret, Rußlands Herrschaft »über die Vasallenvölker« zu bre­chen? Die ter­ri­to­ria­le Einverleibung eines Teils des Zarenreiches, z. B. des Baltikums und der Ukraine, in das Deutsche Kaiserreich bzw. die mit ihm ver­bün­de­te Habsburgermonarchie? Die Schaffung eines selb­stän­di­gen, aber von den Mittelmächten poli­tisch und wirt­schaft­lich abhän­gi­gen Polen? Wie soll­ten sich der­ar­ti­ge direk­te Annexionen bzw. die Schaffung von »Einflußzonen« (infor­mal empi­re) in das Konzept zur Herstellung eines von Deutschland domi­nier­ten »Mitteleuropa« einordnen?

        Im Zentrum der­ar­ti­ger Überlegungen stand bald die Ukraine, sowohl aus öko­no­mi­schen als auch aus poli­tisch-mili­tär­stra­te­gi­schen Gründen. Bereits am 10. Dezember 1887 hat­te ein jun­ger Diplomat, kein ande­rer als der damals in St. Petersburg als Botschaftsrat amtie­ren­de spä­te­re Staatssekretär und Reichskanzler Bernhard von Bülow, in einem Bericht an das Auswärtige Amt fol­gen­de Gedanken for­mu­liert: »Wir müs­sen even­tu­ell dem Russen so viel Blut abzap­fen, daß der­sel­be sich nicht erleich­tert fühlt, son­dern 25 Jahre außer­stan­de ist, auf den Beinen zu ste­hen. Wir müs­sen die wirt­schaft­li­chen Hilfsquellen Rußlands für lan­ge hin­aus durch Verwüstung sei­ner Schwarzerd-Gouvernements, Bombardierung sei­ner Küstenstädte, mög­lichs­te Zerstörung sei­ner Industrie und sei­nes Handels zuschüt­ten. Wir müß­ten end­lich Rußland von jenen bei­den Meeren, der Ostsee und dem Schwarzen Meer, abdrän­gen, auf denen sei­ne Weltstellung beruht.« Und 1897 schrieb Paul Rohrbach, einer der füh­ren­den außen­po­li­ti­schen Publizisten sei­ner Zeit, in sei­nem Artikel »Durch die Ukraine« leit­mo­ti­visch: »Wenn der Tag kommt, wo Rußland das Schicksal her­aus­for­dert, dann, ja dann könn­te Rußland zer­trüm­mert wer­den. Wer Kiew hat, kann Rußland zwingen!« "

        Das mit der "Neuen Weltordnung" ist übri­gens kei­ne Verschwörungstheorie, auch nicht "rus­si­sche Propaganda" , son­dern stammt aus einer Rede von George W Busch am 11.9.1990
        https://archive.org/details/bush-toward-a-new-world-order-1990/page/n1/mode/2up

        Hier eine Interpretation, die die ame­ri­ka­ni­sche Sicht gut erklärt über­setzt mit DeepL
        "Nach der erfolg­rei­chen Niederlage der ira­ki­schen Streitkräfte in Kuwait hielt Bush eine wich­ti­ge Rede, die die Außenpolitik der USA für die kom­men­den Jahre bestim­men soll­te. In die­ser Rede behaup­te­te er, dass eine "neue Welt in Sicht" sei, eine Welt, die die Art und Weise, wie der Globus funk­tio­niert, defi­nie­ren wür­de. Bush nann­te dies die "Neue Weltordnung". Manchen mag dies wie ein omi­nö­ser Begriff erschei­nen, der mit Illuminaten-Verschwörungstheorien und hege­mo­nia­len Tendenzen in Verbindung gebracht wird. Bush wies jedoch auf die Fähigkeit der USA hin, neue Ideale in der gan­zen Welt zu verbreiten. …
        Bei der Neuen Weltordnung ging es nicht um die Vorherrschaft der USA über die Welt. Es ging dar­um, eine libe­ra­le Weltordnung ein­zu­füh­ren, die Frieden, Einheit und Moral för­dern wür­de. Von Clinton bis Obama bestimm­te die­se Sichtweise der Außenpolitik die ame­ri­ka­ni­sche Außenpolitik. Heute argu­men­tie­ren vie­le, dass Trump die­se Sichtweise in Frage gestellt hat und behaup­ten, dass Trump das Ende die­ser "Neuen Weltordnung" mar­kiert. Ob die "Neue Weltordnung" eine erfolg­rei­che Außenpolitik war oder ob der Präsident sie abge­schafft hat, steht sicher­lich zur Debatte. "

        Es war der Beginn von Wesley Clark's 7 Länder in 5 Jahren: "Iraq, and then Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan and, finis­hing off, Iran."

        Und der Plünderung Russlands (und Osteuropas) durch eige­ne "Eliten" und west­li­ches Kapital., mit dem Ergebnis, dass dort Hunger herrschte.

        1. b.m.buerger

          Vorsicht:

          "Eigentlich ist Geschichte eine Rückwärtserzählung, mit der sich aktu­el­le poli­ti­sche Strömungen ver­su­chen zu legitimieren."

          Das Gegenteil ist "Geschichte". Sie nen­nen es so und das ent­spricht der irre­füh­ren­den Kennzeichnung durch die Genannten.

          Sie haben Atheisten in christ­li­chen Parteien, Faschisten in sozia­len und Umweltzerstörer in grü­nen usw.
          Man muss erken­nen inwie­fern man die Einem auf­er­leg­te Sprache zweck­dien­lich ver­wen­det. Sonst "arbei­tet" man gegen das eigent­li­che Interesse.

          Wenn die Nazis behaup­te­ten die Deutschen sei­en die "Germanen", dann ist das nicht his­to­risch bzw. geschicht­lich. Geschichtlich wäre her­aus­zu­fin­den war­um Einer einen Zusammenhang ver­wen­det. Das Beispiel ist viel­eicht schlecht gewählt, viel­eicht aber auch beson­ders gut, weil gera­de das Wissen um "die Germanen" his­to­risch sehr ein­sei­tig belegt, im Wesentlichen sogar nur prä­his­to­risch zu ergrün­den ist.

          Die Lüge, wel­che im Kern Wahrheiten ent­hält, ist die effek­tivs­te im Betrug. Denn wenn kein Gewinn in Aussicht steht, lohnt sich der Aufbau eines "Narratives" nicht. Es ist schlicht­weg mit "Arbeit" verbunden.

          Das Narrativ wir Deutschen sei­en die Germanen wur­de also auf­wen­dig ver­brei­tet und warf den "Unwahrheitlern" und Propagandisten gewal­ti­ge Gewinne ab. Von denen ihre Nachfahren übri­gens (Bezug), wie wir sehen kön­nen, heu­te noch profitieren.

  5. Hab im ers­ten Moment gedacht: das könn­te sie selbst geschrie­ben haben,Bis mir klar wur­de ,dass man gar nicht so tief in den eigen Arsch krie­chen kann, wie es die­ser Text ver­mu­ten lässt.

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