Sieben-Tage-Inzidenz entkoppelt sich zunehmend von der eigentlichen gesundheitlichen Lage in der Pandemie

Science Media Center Germany, eine von der Pharmaindustrie abhän­gi­ge Organisation (s. Wir lie­ben Aufklärung.), wur­de hier in meh­re­ren Beiträgen als bis­lang völ­lig kri­tik­lo­se Plattform dar­ge­stellt. Am 20.4. gab es dort hin­ge­gen eine Diskussionsrunde, die die­sem Bild nicht ent­spricht. Von vier ein­ge­la­de­nen ExpertInnen war es allein Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Wissenschaftlicher Leiter des DIVI Intensivregisters, der in sei­ner medi­al bekann­ten alar­mis­ti­schen Stimmung ver­blieb. Das Thema lau­te­te "„Aktuelle Belastung des Gesundheitssystems und künf­ti­ge Beurteilung der Situation durch neue Indikatoren" und behan­del­te vor allem die Fragwürdigkeit von Inzidenzwerten.

Eingangs infor­mier­te Prof. Dr. Uta Gaidys Professorin für Pflegewissenschaft an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), Hamburg, und Mitglied des Wissenschaftsrats der Bundesregierung und der Länder, über eine nie­der­schmet­tern­de Studie zu den Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals ein Jahr nach Beginn von Corona:

»Insgesamt haben wir ja 3687 Pflegende und 834 Intensivpflegende in den drei Wellen befragt… Wir [sehen] jetzt aber gera­de auch in der drit­ten Welle eine unglaub­lich hohe Belastung, weil es ein­fach kei­ne Ruhepausen für die Pflegenden gibt, sowohl kei­ne Pausen inner­halb der Dienste als eben auch kei­ne Pausen, wenn der Dienst vor­bei ist. 

Und wir sehen aus unse­ren Daten, dass alle Pflegenden sagen, in allen Bereichen, in der zwei­ten und auch in der drit­ten Welle, die Belastung ist gestie­gen, sagen 80 Prozent der Pflegenden. Das haben in der ers­ten Welle nur 25 Prozent der Pflegenden gesagt. Wir inter­pre­tie­ren das so, dass in der ers­ten Welle elek­ti­ve Eingriffe sehr stark zurück­ge­fah­ren wur­den, was jetzt eben nicht mehr pas­siert. Deswegen sehen wir in allen Bereichen eine unglaub­lich hohe Arbeitsbelastung. Die Intensivpflegenden, auf die wir jetzt sehr stark den Fokus haben, die haben eine Belastung in der unmit­tel­ba­ren Versorgung der COVID-Patienten. Andere Pflegende in den ambu­lan­ten Pflegediensten, aber auch in den Pflegeheimen spü­ren eine Belastung auf eine ande­re Art und Weise… In der zwei­ten Welle haben 75 Prozent der Intensivpflegenden gesagt, dass sie Einbußen in der Versorgungsqualität sehen, und zwar in der pfle­ge­ri­schen Versorgungsqualität. Und das sagen in der drit­ten Welle 84 Prozent. Das ist schon ein Unterschied. Und die Einbußen in der pfle­ge­ri­schen Versorgungsqualität bezie­hen sich bei­spiels­wei­se auf pfle­ge­ri­sche Tätigkeiten wie Lagerung, Mundpflege, Delirprophylaxe, also ori­gi­när pfle­ge­ri­sche Tätigkeiten. Aber die haben einen Impact auf das Outcome der Patienten, auf das unmit­tel­ba­re Überleben der Patienten.«

Na ja, so spricht man offen­bar in Fachkreisen.

Karagiannidis lügt über seine eigenen Zahlen

»Und um das auch mal in eine Relation zu set­zen, weil man immer nur die­se hohe Zahl hört, wir hät­ten ja 25.000 bis 30.000 Intensivbetten. Ich glau­be, das ist eine ziem­li­che Überschätzung.«

Die heu­ti­gen Daten des DIVI nen­nen 34.041 Intensivbetten, von denen 21.072 belegt sind. Auf 5.037 Betten lie­gen "COVID-19-Fälle".

»Und Sie sehen jeden Tag bei uns im DIVI-Intensivregister in dem Report, dass wir 56 Prozent inva­siv Beatmete haben. Dazu kommt aber, dass wir auch noch einen sub­stan­zi­el­len Teil von Patienten haben, die eine Maskentherapie haben, die­se nicht­in­va­si­ve Beatmung. Die ist min­des­tens genau­so per­so­nal­auf­wen­dig. Frau Gaidys wird das bestä­ti­gen. Das ist ein­fach etwas, was die Pflege enorm belas­tet. Das heißt, von die­sen 5000 Patienten sind 75 Prozent beatmet. Und wir haben uns jetzt noch mal sehr gut die Daten auch aus den ver­gan­ge­nen Jahren ange­guckt. Und es ist grund­sätz­lich in der deut­schen Intensivmedizin so, dass übers Jahr hin­weg so 8000 bis 10.000 – 2018 in der Spitze mit der Influenzawelle 12.000 – beatme­te Patienten haben. Und wenn wir jetzt plötz­lich 4000, 4500, 5000 Beatmete haben, dann sind das schon 50 Prozent von dem, was wir sonst so übers Jahr hin­weg in Deutschland haben. Das heißt, die­se Zahl ist eigent­lich viel, viel höher und viel dra­ma­ti­scher, als wir das emp­fin­den von der Intensivbetten­belegung her.«

Gibt es Belege für die­se Behauptung? Karagiannidis lie­fert sie nicht.

Sieben-Tage-Inzidenz entkoppelt sich zunehmend von der eigentlichen gesundheitlichen Lage in der Pandemie

Prof. Dr. Gérard Krause ist Leiter der Abteilung Epidemiologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Braunschweig. Er sagt:

»Tatsächlich ist die Inzidenz ein wich­ti­ger Wert, aber nur ein Wert zur Bewertung der Pandemie. Die Pandemie ist viel­schich­tig, sie hat vie­le Teilaspekte. Ich ver­glei­che das eigent­lich zuneh­mend ger­ne mit dem Wetter. Das ist auch viel­schich­tig. Das benö­tigt auch sehr, sehr vie­le Messwerte, um es zu berech­nen und sogar viel­leicht vor­her­zu­sa­gen, und ins­be­son­de­re auch Experten, die die­se Messwerte inter­pre­tie­ren und aus­wer­ten. Und inso­fern ist die ein­fa­che Antwort: Wir brau­chen meh­re­re Indikatoren, um das Bild sach­ge­recht abzu­bil­den und auch unse­re Maßnahmen sach­ge­recht zu begrün­den oder auch fokus­siert zu gestal­ten. Wenn man nun gezwun­gen ist, sich auf nur einen Messwert zu beschrän­ken – und das scheint so zu sein –, dann wäre die Zahl der Neuaufnahmen auf Intensivstationen das, was der Situation am ehes­ten gerecht wird, weil sie zum einen die zeit­li­che Dynamik abbil­det, hin­rei­chend gut, auch ziem­lich zeit­nah, nicht ganz so zeit­nah wie die Inzidenz, aber weil sie vor allen Dingen auch ein guter Proxy ist, ein guter Indikator für die Krankheitsschwere. Das war eigent­lich schon immer so, Sie haben es ja schon erwähnt, aber jetzt wird die Sache noch wich­ti­ger, weil sich jetzt die Sieben-Tage-Inzidenz zuneh­mend von der eigent­li­chen gesund­heit­li­chen Lage in der Pandemie ent­kop­pelt. Und wir kön­nen das auch jetzt schon beob­ach­ten. Es sind zwei Faktoren, die dazu bei­tra­gen – und bei­de Faktoren sind erwünscht übri­gens. Zum einen die Zunahme der Testaktivitäten, ins­be­son­de­re in Bevölkerungsgruppen, die gemein­hin nicht oder nicht schwer an einer Infektion erkran­ken, also vor allen Dingen Schulen. Das führt zu einer mas­si­ven Steigerung der Fallmeldungen, die aber nicht pro­por­tio­nal ist zu einer Steigerung der Krankheitslast. Zum ande­ren auch die Impfung. In dem Maße, indem es uns wirk­lich gelingt gera­de auch die Zielgruppen prio­ri­tär zu imp­fen, wird die Krankheitslast run­ter­ge­hen – hof­fent­lich. Gleichzeitig wird aber die Zahl der Infektionen nicht in dem­sel­ben Maße run­ter­ge­hen wie die Erkrankungen. Das heißt, Infektionen wer­den wei­ter­hin fest­ge­stellt und gemes­sen wer­den. Die gesund­heit­li­che Belastung wird aber hof­fent­lich run­ter­ge­hen. Das heißt, wir haben zwei erwünsch­te Effekte, die in Bezug auf den Indikator, näm­lich die Sieben-TageInzidenz, deut­lich machen, dass die­se kein guter Orientierungspunkt mehr ist für die Lage der Pandemie… Wenn wir nur einen Wert neh­men sol­len oder müs­sen oder dür­fen, dann soll­te es aus mei­ner Sicht nach aktu­el­lem Stand die Sieben-Tages-Neuaufnahmenzahl auf Intensivstation sein. Und dann ist noch ein wich­ti­ges Detail zu ergän­zen: Diese Zahl soll­te ers­tens auch wie die ande­ren Indikatoren nach Alter, viel­leicht auch nach Geschlecht stra­ti­fi­ziert wer­den und beob­ach­tet wer­den, idea­ler­wei­se auch nach Bevölkerungs‑, nach Berufsgruppen und ande­ren soziodemo­graphischen Eigenschaften. Aber ganz wich­tig ist: Geografisch soll­te es bezo­gen wer­den auf den Herkunftsort der Patienten und nicht auf den Standort der Intensivstation…«

Daten des RKI werden ignoriert

»Auch jetzt schon hat ja das Robert-Koch-Institut in sei­nen täg­li­chen Berichten eine gan­ze Menge an Details, die es jeden Morgen berich­tet. Nur lei­der wer­den die nicht berück­sich­tigt bei der Entscheidungsfindung. Und ich fürch­te, dass wenn jetzt auch noch gesetz­lich gekop­pelt wird, ver­pflich­tend gekop­pelt wird, dass ein ein­zi­ger Wert die Bemessungs­grundlage für das Handeln ist, dann wird die­ses Problem noch grö­ßer werden…

In Bezug auf das Impfen möch­te ich nicht falsch ver­stan­den wer­den, möch­te ich eher noch beto­nen, dass die kürz­lich immer lau­ter wer­den­den Stimmen, man möge doch die Priorisierungsliste wie­der ver­wer­fen und das alles nicht so streng neh­men, dass ich da ganz ande­rer Meinung bin. Ich bin der Meinung, solan­ge wir es noch nicht geschafft haben, dass wir alle über 80-Jährigen, die eine Impfung wol­len, auch geimpft haben, und dass wir alle, die mit ent­spre­chen­den Vorerkrankungen auch geimpft haben, die eine woll­ten – und das ist noch nicht der Fall, und wir sind offen­bar noch weit davon ent­fernt –, dann soll­ten wir wirk­lich auch noch nicht anfan­gen zu dis­ku­tie­ren, dass wir die Priorisierungreihenfolge ver­wäs­sern oder auf­lö­sen, bloß weil es dann so schön ein­fach wird. Man kann dann schon schön die Impfstatistiken fri­sie­ren und nach oben bringen.«

Karagiannidis: Kein Bettenabbau. Gaidys: 40.000 Pflegestellen eingespart

»Christian Karagiannidis Darf ich da noch mal ein­grei­fen, weil das ärgert mich kolos­sal. Dieses Wort "Bettenabbau". Ich sag Ihnen, da trei­ben Sie mei­nen Blutdruck auf 200 hoch mit. Und das kommt auch aus poli­ti­schen Ecken, wo es wirk­lich nicht rich­tig ist. Wir bau­en in Deutschland kei­ne Betten bewusst ab. Ja, jede Klinik wür­de Pflegepersonal ein­stel­len. Wir haben es ein­fach nicht. Und ich will das auch mal so klar und deut­lich sagen. Da gibt's kei­nen bewuss­ten Abbau, son­dern wir kön­nen nur das betrei­ben, wofür wir Personal haben. 

Uta Gaidys Dazu muss ich jetzt auch noch mal was sagen? In den 2000er Jahren wur­den 40 000 Pflegeplätze, also Pflegestellen ein­ge­spart. Wir sind jetzt auf einem Weg …Wir haben das nie wie­der ganz kom­pen­sie­ren kön­nen. Jetzt sind zwar Bemühungen, die Menschen wie­der in die Pflege zu holen, aber wir haben es nicht kom­pen­siert. Es sind ein­fach Fehler gemacht wor­den in der Zeit der DRG-Umstellung, und die Auswirkungen sehen wir heute. 

Christian Karagiannidis 100 Prozent bei Ihnen. Aber im Jahr 2020 baut kei­ner mehr aktiv Intensivbetten ab. Weil das kam sehr viel auch aus eini­gen poli­ti­schen Ecken. Und das kann man wirk­lich ganz klar sagen, jede Klinik will ein­stel­len. Ich gebe Ihnen völ­lig recht. Die Fehler lie­gen wei­ter zurück, ganz klar.«

Altersstruktur? Okay, wissen wir einfach nicht. Oder doch?

»Moderatorin Vielen Dank. Ich habe noch eine Frage, viel­leicht auch an Hern Karagiannidis. Wie hat sich im Zuge der Impfung der Altersschnitt auf den Intensivstationen ver­än­dert? Also da hört man immer, das ist jetzt so qua­si das Paradox, was dadurch aus­ge­löst wird. Irgendwie haben ja gar nicht so hohe Zahlen, aber die lie­gen ein­fach nur super lang, des­we­gen sper­ren sie qua­si Betten für wei­te­re Intensivpatienten, die wir in den ers­ten Wellen hät­ten schnel­ler ent­we­der ver­sor­gen kön­nen oder weil sie ein­fach so schnell gestor­ben sind. Und wie hat sich dann des­halb auch die Mortalität geän­dert? Und wel­che guten Daten gibt es eigent­lich zur Liegedauer? Also gibt es da irgend­wel­che Datengrundlagen? 

Christian Karagiannidis Also die Antwort ist sehr ein­fach und sehr schnell: Die Daten haben wir nicht. Vor allem haben wir sie nicht real time zur Verfügung. Wir haben sehr gute Daten aus dem Jahr 2020, jetzt auch noch mal auf­ge­ar­bei­tet. (Für) das gan­ze Jahr 2020 wis­sen wir genau die Alterszusammensetzung, genau die Liegezeiten. Wir haben aber zu B.1.1.7 zu wenig Real-Time-Information…

Moderatorin Okay, wis­sen wir ein­fach nicht. Aber sol­che Faktoren wer­den ja wich­tig, um die zum Beispiel auch in die Berechnung der Grenzwerte mit ein­zu­be­zie­hen, Herr Küchenhoff, oder nicht? Weil die Dauer ist ja ein ganz wich­ti­ges Kriterium oder Parameter für Ihre Berechnung. 

Helmut Küchenhoff [Professor am Institut für Statistik und Leiter des Statistischen Beratungslabors, LudwigMaximilians-Universität München (LMU), München] Ja, genau. Das ist der zen­tra­le Parameter. Und es ist rela­tiv ein­fach. Das ist die Anzahl der Neuaufnahmen mal der mitt­le­ren Liegedauer, das ist die Belegung. Also das ist eine ganz ein­fa­che Rechnung. Und wenn sich die Liegedauer ver­dop­pelt, dann ver­dop­pelt sich halt auch die Belegung. Das ist sozu­sa­gen auch intui­tiv rela­tiv klar…«

Ach, da möchte ich mich eigentlich ungern zu äußern

»Moderatorin Herr Krause, ich hab noch eine Frage an Sie. Und zwar: Wie offen erle­ben Sie denn jetzt die EntscheidungsträgerInnen in Politik und Verwaltung für die Einführung sol­cher bes­ser begrün­de­ten Indikatoren. Also für das jet­zi­ge Gesetz, das sieht ja nicht so gut aus, muss ich sagen. Aber haben wir da eine Chance, dass wir das irgend­wie hin­krie­gen, auch so in einer lang­fris­ti­gen Beobachtung der Pandemie? 

Gérard Krause Ach, da möch­te ich mich eigent­lich ungern zu äußern, muss ich sagen. Ich erle­be das sehr unter­schied­lich. Es gibt auf allen Ebenen der Politik Abgeordnete, ein­zel­ne Minister, Ministerinnen (mit) sehr inter­es­sier­te Rückfragen, auch Verständnis. Und das kann ich bestä­ti­gen. Ich habe auch das Gefühl, dass sich vie­le Regierende wirk­lich Gedanken machen und das auch alles sehr ernst neh­men. Aber par­al­lel, und das ist irgend­wie fast kon­trär dazu, habe ich auch das Gefühl, dass sich in die­ser gan­zen Dynamik wenig bewegt. Und wie das zustan­de kommt, das ist irgend­wie ein Widerspruch, das kann ich nicht erklä­ren.«

Das Video, auf dem die­ses Transkript beruht, ist hier zu sehen.

(Hervorhebungen nicht im Original.)

7 Antworten auf „Sieben-Tage-Inzidenz entkoppelt sich zunehmend von der eigentlichen gesundheitlichen Lage in der Pandemie“

  1. "Am 20.4. gab es dort hin­ge­gen eine Diskussionsrunde, die die­sem Bild nicht ent­spricht. Von vier ein­ge­la­de­nen ExpertInnen war es allein Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Wissenschaftlicher Leiter des DIVI Intensivregisters, der in sei­ner medi­al bekann­ten alar­mis­ti­schen Stimmung ver­blieb. Das Thema lau­te­te "„Aktuelle Belastung des Gesundheitssystems und künf­ti­ge Beurteilung der Situation durch neue Indikatoren" und behan­del­te vor allem die Fragwürdigkeit von Inzidenzwerten."

    Ja ok es tut sich was, aber das hier ist irre:
    >>In Bezug auf das Impfen möch­te ich nicht falsch ver­stan­den wer­den, möch­te ich eher noch beto­nen, dass die kürz­lich immer lau­ter wer­den­den Stimmen, man möge doch die Priorisierungsliste wie­der ver­wer­fen und das alles nicht so streng neh­men, dass ich da ganz ande­rer Meinung bin. Ich bin der Meinung, solan­ge wir es noch nicht geschafft haben, dass wir alle über 80-Jährigen, die eine Impfung wol­len, auch geimpft haben, und dass wir alle, die mit ent­spre­chen­den Vorerkrankungen auch geimpft haben, die eine woll­ten – und das ist noch nicht der Fall, und wir sind offen­bar noch weit davon ent­fernt –, dann soll­ten wir wirk­lich auch noch nicht anfan­gen zu dis­ku­tie­ren, dass wir die Priorisierungreihenfolge ver­wäs­sern oder auf­lö­sen, bloß weil es dann so schön ein­fach wird. Man kann dann schon schön die Impfstatistiken fri­sie­ren und nach oben bringen.«

    ich lese da nur raus : bevor wir nicht alle 80 jäh­ri­gen geimpft haben, kön­nen wir nicht zur nächs­ten Altersgruppe gehen.
    Man kann dann schon schön die Impfstatistiken fri­sie­ren und nach oben bringen.

    Also was tut sich da?

  2. Einmal abge­se­hen davon, dass die "7‑Tage-Inzidenz" nichts mit der Inzidenz zu tun hat, die bekannt­lich die Zahl der Erkrankten meint, nicht die der "Infizierten" – also PCR-Test-Positiven bezeich­net -, war die schon immer von der sehr fle­xi­blen Auslastung des KH-Systems ent­kop­pelt. Dieses wie­der­um war nie in Gefahr jen­seits sei­ner Belastungsgrenze zu gelan­gen, wie die gleich­blei­ben­de Auslastung der betreib­ba­ren Intensivbetten, bei gleich­zei­ti­gem Rückbau der Kapazitäten, zeigt. Was wur­de eigent­lich aus den ande­ren Spaß-Parametern Verdopplungszahl (alle 10 bzw. 14 Tage) und R‑Zahl? Wäre der Betrug damit zu durch­sich­tig gewesen?

  3. Natürlich sind da Kapazitäten abge­baut wor­den und natür­lich war das bewußt! Wo soll denn das gan­ze Personal hin sein, sind die jetzt alle in Rente gegan­gen, alles Jahrgang 1956 oder wie? Oder arbei­ten die jetzt alle in der Gastronomie, wegen des brei­ten Jobangebots, der guten Arbeitsbedingungen und der hohen Löhne da? Die Kapazitäten wer­den den gesetz­li­chen Vorgaben angepaßt, um die Einnahmesituation zu opti­mie­ren und auch ansons­ten ist die Belegung der Intensivstationen gut steu­er­bar und wird selbst­ver­ständ­lich auch gesteu­ert, wes­halb der Indikator auch kein all­zu guter ist und dann muß man natür­lich sagen, daß es klar ist, daß, wenn ich Covid-Patienten qua­si wie Ebola-Patienten behan­deln muß, das eine erhöh­te Belastung bei der Pflege ver­ur­sacht, aber wenn ich mir ins Knie schie­ße, muß ich mich halt nicht wun­dern, wenn ich nicht lau­fen kann!

  4. "Christian Karagiannidis [00:31:08]
    (…) Setzen wir das mal in den his­to­ri­schen Kontext. 2018, kön­nen sich vie­le dar­an erin­nern, hat­ten eine sehr star­ke Grippewelle. Da lag die hal­be Republik gefühlt flach. Und da war es so nach unse­ren Auswertungen, dass wir in der Spitze etwas über 3000 Intensivpatienten gleich­zei­tig hat­ten, bei einer Gesamtbettenzahl, die unge­fähr so bei 30.000 lag. Das heißt zehn Prozent die­ser Betten waren belegt, und die Krankenhäuser waren rich­tig voll damit. Und die Bevölkerung hat es gemerkt, dass vie­le krank gewor­den sind in die­sem Winter 2018. Und wenn wir jetzt über 30 Prozent spre­chen, sind wir sowie­so schon weit über dem, was wir jemals in der Intensivmedizin hatten."

    Sagt der "DIVI-Modellierer".
    Neben der groß­zü­gi­gen Zahlenjonglage: 5000 von (heu­te) 26794 sind nun­mal kei­ne 30% und nicht­mal 20%. (aber wir "spre­chen" über die 30% ja nur).
    Und 2018, als man "in der Spitze" 3000 Intensivbetten "gleich­zei­tig
    (voll) hat­te"? zähl­te man "nur" die "Beatmeten"? wur­den ALLE Intensivpatienten auch auf den damals "wüten­den" Influenza-Erreger getes­tet? Musste "man" Schutzkleidung tra­gen? waren PatientInnenbesuche mög­lich? (könn­te das zu schnel­le­rer Genesung bei­getra­gen haben …?).

    Was er natür­lich nicht berück­sich­ti­gen kann (bzw. wenn, dann "leug­net") ist dies: https://www.aafp.org/afp/2000/1215/p2649.html
    eini­ge "Symptome" kom­men mir bekannt vor.

    Ein Blick über die Grenzen (um die sich ja ein Virus, "mit dem man nicht ver­han­deln kann" nicht schert) wäre sicher hilf­rei­cher, als sich auf ein selbst­ge­strick­tes DIVI-Register (gelie­fert wie ‑von wem?- bestellt?) zu ver­las­sen (des­sen Aufbau und ein­ge­bau­te Disclaimer, z.B. bzgl. "Mehrfachzählungen mög­lich" allein schon Anlass zu größ­ter Skepsis geben).
    Vor allem in Länder, die mit "Schw" anfangen.
    Aber was küm­mert dies schon das "Science Media Center"?

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