So kann's gehen

2014 war die Wissenschaftswelt fast noch in Ordnung. Fälscher und Hochstapler wurden erwischt und bestraft. zeit.de hat einen Fall in seinem Archiv:

»Dieser Mann hat der Wissenschaft die Smarties geklaut
... Als Diederik Stapel, nachdem er in seinem Leben ziemlich viel Mist gebaut hatte, auf den Friedhöfen von Tilburg neue Gräber aushob, hatte er endlich keine Angst mehr. Keine Angst vor dem Tod. Keine Angst vor den Lebenden, die ihm unangenehme Fragen stellen könnten. Keine Angst, dass alles auffliegen und die Universität ihn rauswerfen würde. Das hatte er nun hinter sich, im Herbst 2013, genauso wie die Psychotherapie und den Ärger mit dem Staatsanwalt. Drei Wochen gemeinnützige Arbeit lautete der Deal mit der Justiz. Tiefer sinken als beim Gräber ausheben konnte er zu Lebzeiten nicht mehr...

Früher riefen Journalisten bei Diederik Stapel an, um über seine Forschung zu berichten. Super Schlagzeilen waren das:

Menschen äußern sich rassistischer, wenn sie sich in einer vermüllten Umgebung aufhalten (erforscht während eines Streiks der Müllabfuhr in Utrecht, publiziert in Science). Oder: Der Anblick eines saftigen Steaks macht Versuchspersonen aggressiver (die Nachricht wurde von Vegetariern gefeiert). Oder: Frauen, die Schönheitsprodukte in der Werbung sehen, fühlen sich hässlicher (dankbar aufgegriffen von Modejournalistinnen). Die New York Times, die Neue Zürcher Zeitung, Spiegel Online und auch ZEIT Wissen schrieben über Stapels Experimente. Dass viele seiner Studien gefälscht waren, blieb jahrelang sein schmutziges Geheimnis.
Für die Wissenschaft ist der Fall Stapel eine Riesenblamage. Wie kann es sein, dass Dutzende Mitarbeiter, Doktoranden, Fachzeitschriften und Kollegen nichts von dem Betrug gemerkt haben? In aller Welt beraten Ethikkommissionen nun, wie man solche Skandale in Zukunft verhindern kann...

Von seiner Doktorarbeit in Amsterdam über seine erste Professur an der Universität Groningen bis zu seiner Entlassung als Dekan an der Universität Tilburg hat Stapel Daten erfunden und manipuliert. Die Betrügereien flogen auf, als drei Mitarbeiter Verdacht schöpften und sich einem Professor anvertrauten, der wiederum den Rektor der Universität Tilburg alarmierte. Drei Kommissionen an den Universitäten Amsterdam, Groningen und Tilburg untersuchten den Fall. Sie sichteten 137 Veröffentlichungen, an denen Stapel beteiligt war. In 25 konnten sie Manipulation nachweisen, in 30 waren Daten sogar frei erfunden worden. Auch 10 von 18 Doktorarbeiten, die er betreut hatte, enthielten fiktive Daten.

Nun kamen die Journalisten wieder zu ihm, aber diesmal schlichen sie um sein Haus und klopften an die Fenster: "Hallo! Ich kann Sie sehen, Professor. Ich weiß, dass Sie da sind. Hallo?" Viele Niederländer erkennen ihn heute auf der Straße. "Een stapeltje doen" ist zum Synonym geworden für hochstapeln (das Wort gibt es im Niederländischen nicht). «

Eine Antwort auf „So kann's gehen“

  1. Ein Wissenschafts-Relotius.

    Man nennt sowas auch _Hochstapler_ .

    Aber so ein Hochstapler braucht immer ein pas­sen­des Umfeld. Menschen, die ger­ne das Zeug glau­ben wol­len – oder zu ihren Zwecken nut­zen wol­len. Letzere pas­sen auf immer genug Distanz ein­zu­hal­ten um spä­ter die Hände in Unschuld waschen zu können.

    Die vie­len Förderer von Hr. Drosten schi­cken auch immer Büttel und Bauern nach vorn.

    Drosten wird spä­ter, wenn er Glück hat, schlicht ver­ges­sen wer­den – oder er wird einen gewal­ti­gen Absturz hin­le­gen. Seine Gönner und Förderer wer­den so oder so wei­ter in Amt, Würden, Position, Vermögen und Machtstellung bleiben.

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