Storyteller entlarvt "Streeck-Papier"

Immer wenn die Kids von volksverpetzer.de schäu­men, weiß man: Da läuft gera­de etwas rich­tig gut. Heute wird ihr "stell­ver­tre­ten­de Chefredakteur" auf­ge­fah­ren, um mit dem Papier von KBV, Ärzteverbänden und Virologen abzu­rech­nen. Er wird uns so vor­ge­stellt:

»… Ist beim Verbandswettbewerb der Jungen Unternehmer "Germanys Next Bundeskanzler" bis ins Finale gekom­men. Arbeitete 2 Jahre bei einer PR Agentur mit Schwerpunkt Storytelling, schreibt seit 2015 ehren­amt­lich für den Volksverpetzer und ist seit März 2020 Campaigner & stell­ver­tre­ten­der Chefredakteur. Motto: Was sagst du, wenn dich dei­ne Kinder ein­mal Fragen "Was hast du zur Lösung der Probleme bei­getra­gen?"«

Seine neu­es­te Story ist über­schrie­ben mit "INTENSIVMEDIZINER & EXPERTEN WIDERSPRECHEN: GEZIELTE PR-KAMPAGNE ZUM STREECK-PAPIER". Richtig gut kann die Ausbildung bei der PR Agentur nicht gewe­sen sein.

Derartig Plumpes hät­te kein Werbekunde bezahlt. Neben die­ser Überschrift gibt es noch zwei wei­te­re sich über­schla­gen­de: "Experten wider­spre­chen Streeck" und "Das Streeck-Papier ist eine media­le Astroturfing-Kampagne". Es soll also auch den dümms­ten LeserInnen klar wer­den, daß Gottseibeiuns STREECK hin­ter die­sem üblen Machwerk steckt. Man liest dann in ver­mut­lich kor­rek­tes­ter Schreibweise:

»Ausgerechnet am Tag, an dem über einen bun­des­wei­ten Wellenbrecher-Lockdown ent­schie­den wur­de, for­der­ten Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen um die Virologen Hendrik Streeck von der Universität Bonn und Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg eine Abkehr von der bis­he­ri­gen Pandemie-Strategie. Welch ein Timing. In einem Positionspapier (Quelle) leh­nen Streeck, sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung einen Lockdown ab und machen soge­nann­te "Gegenvorschläge”. Doch die meis­ten Epidemiolog:innen, Ökonom:innen und Virolog:innen, und auch vie­le Ärzteverbände, dar­un­ter die im Zentrum der Pandemiebekämpfung ste­hen­den Intensivmediziner:innen wider­spre­chen den im Streeck-Papier geäu­ßer­ten Positionen.

Das Positionspapier wird dar­auf­hin trotz­dem von vie­len Medien rezi­tiert. Sie stel­len es so dar, als wür­de eine Mehrzahl der "Ärzteschaft” die­ser Position fol­gen. Was abso­lut nicht der Fall ist:«

Man bemerkt die bit­te­re Enttäuschung über den Medien-Coup der Streeck-Hörigen und hört das fuß­stamp­fen­de Kita-Kind krei­schen "Ist ja gar nicht wahr!" Nicht nur Gegenvorschläge sind soge­nannt, son­dern gleich die Ärzteschaft.

Empört wer­den die irre­ge­lei­te­ten Medien zurecht­ge­wie­sen: Ein Leif Erik Sander* klärt auf:

Er beweist damit, daß er nicht lesen kann. Da steht nun mal nicht, daß "die Ärzteschaft" sich zu Wort gemel­det hät­te. Die Verbände von Allergologen, Chirurgen, Dermatologen, Kinder- und Jugendärzten… sind offen­bar kei­ne Fachgesellschaften.

»Das Boulevard-Blatt BILD titel­te "Ärzte-Aufstand gegen Merkels Lockdown-Plan!”.

Und vie­le wei­te­ren Medien fie­len auf das Framing her­ein (oder nutz­ten es bewusst), um den fal­schen Eindruck zu erwe­cken, die Lockdown-Pläne sei­en von Expert:innen mehr­heit­lich abge­lehnt, obwohl genau das Gegenteil wahr ist. RTL Online schrieb von "Top-Ärzten gegen Lockdown”, die Berliner Zeitung von "Ärzte und Virologen”, die die "Pläne der Regierung” "scharf” kri­ti­sie­ren und so wei­ter. Nirgends wird auf den ers­ten Blick sicht­bar, dass es sich ledig­lich um Streeck und eine klei­ne Minderheit handelt.«

Und dann geht's zur Sache:

»STREECKS POSITIONSPAPIER IST REINSTER CORONA-POPULISMUS GEGEN DEN WELLENBRECHER-LOCKDOWN
Durch eine Astroturfing-Kampagne (durch den Springer-Verlag) wur­de also die Meinung einer klei­nen Minderheit von Forscher:innen und Ärzt:innen in alle Schlagzeilen des Landes posi­tio­niert. Wie wir im Folgenden zei­gen, ste­hen die­se mit ihrer Meinungen in der Wissenschaftscommunity von meh­re­ren (!) Disziplinen völ­lig im Abseits. Streeck und Co. haben selbst mit ihren öffent­li­chen Äußerungen der letz­ten Wochen dazu bei­getra­gen, dass die Menschen die Pandemie nicht ernst genug genom­men haben und wir nun die Kontrolle über das Infektionsgeschehen mit einem Wellenbrecher-Lockdown zurü­ck­erlan­gen müssen.

Statt eines Wellenbrecher-Lockdowns for­dert das Papier, fol­gen­de Punkte umzusetzen:

        • eher auf Kontaktgebote statt Kontaktverbote setzen
        • auf Sonderschutz bau­en für spe­zi­el­le Gruppen wie Senioren, Pflegepersonal sowie Ärzte und Schwestern mit­tels geziel­ter Tests
        • ein spe­zi­el­les Ampel-Modell , das nicht ein­sei­tig auf die Zahl der Neuinfektionen blickt, son­dern auch die Belegung der Intensivstation-Betten, die Rate der posi­tiv Getesteten und die sta­tio­nä­re Belegung ins­ge­samt mit einbezieht

Wir gehen die­se Punkte durch, zer­le­gen sie und zei­gen euch, was Intensivmediziner:innen, ande­re Ärzteverbände, Epidemiolog:innen und Ökonom:innen tat­säch­lich ange­sichts der Pandemie-Lage in Deutschland for­dern und wie sie Streecks Positionspapier wider­spre­chen.«

Die Zerlegung möge, wer mag, selbst nach­le­sen. Die Qualität kann die­ser "Beweis" ver­an­schau­li­chen, der eine Woche vor dem Papier erschien:

»GEZIELTE, MEDIALE PR-KAMPAGNE ZUM STREECK-PAPIER
Für uns macht die­ser Vorstoß den Eindruck, als wür­de hier eine Stimmungskampagne gefah­ren wer­den, die für Uneinigkeit und Verunsicherung in der Bevölkerung sor­gen soll. Nicht nur wird eine Minderheitsmeinung in der Wissenschaft und unter Expert:innen der­art medi­al gepusht und (teil­wei­se wohl bewusst) irre­füh­rend mit Schlagzeilen ver­brei­tet, die die­sen Umstand durch das Framing verschleiern.«

* Update: Bei jenem lese­schwa­chen Leif Erik Sander han­delt es sich um Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Charité, der schon mal auch mit Christian Drosten gemein­sam publi­ziert (sie­he Lauti für Dummies).

22 Antworten auf „Storyteller entlarvt "Streeck-Papier"“

  1. Diese Volksverhetzer erfah­ren lei­der viel zu viel Aufmerksamkeit – auch hier. Eine offen­sicht­li­che­re PR-Gruppe gibt es wohl kaum. Und im PR weiß man: es gibt kei­ne gute Reklame und kei­ne schlech­te Reklame, ein­zig zählt: Aufmerksamkeit erregen.

    1. Leider erfreut sich die­se wider­wär­ti­ge Hetzseite gera­de unter jun­gen Menschen einer gro­ßen Popularität, was alle, die ECHTE Aufklärungsarbeit, wie hier, betrei­ben, vor die bekann­te Alternative stellt: igno­rie­ren, weil zu lächer­lich? Oder doch damit aus­ein­an­der­set­zen, da der Bekanntheitsgrad ohne­hin groß genug ist (wofür Google & Co. mit ihren Algorithmen flei­ßig sor­gen: goo­geln Sie mal ver­schie­de­ne kri­ti­sche Informationen zur Corona-Hysterie; ganz oben in der Liste wer­den Sie neben den übli­chen lini­en­treu­en "Faktenchecks" so gut wie immer Artikel vom Volksverhetzer fin­den) und man so zumin­dest Gegengewichte auf­baut? Wäre die Seite ein Randphänomen, wür­de ich ganz klar für Alternative 1 votie­ren. Weil man ihr mas­si­ves Hochpushen aber ohne­hin nicht ver­hin­dern kann, hal­te ich in die­sem Fall Alternative 2 für besser.

      Auf jeden Fall ken­ne ich bis­lang kein wirk­sa­me­res Mittel, den Puls inner­halb von 3 Sekunden auf 180 hoch­schnel­len zu las­sen, als den Volksverhetzer. Eine sol­che Kombination aus ideo­lo­gi­scher Verblendung und abso­lu­ter Selbstherrlichkeit ist mir tat­säch­lich noch nir­gends – und ich mei­ne: nir­gends – begegnet.

  2. Übelste Hetze.
    Und kapiert haben sie auch nichts.

    Aber wenn Merkels Fußvolk schon so pein­lich so laut wer­den muß, kann es doch nur hei­ßen, daß die Frau Angst hat, die Suppe könn­te anbren­nen. Deswegen wohl auch die Eile und der vor­ge­zo­ge­ne Lockdown…

    Stell dir nur mal vor, Angie, dein Volk will was ande­res als du. Ist das nicht ein­fach nur schreck­lich?

  3. @JW
    Den Puls beschleu­nigt es erheb­lich schnel­ler wenn man Otto Kölbl in sei­ner eige­nen Spreche liest:
    https://medium.com/@OttoKolbl/covid-19-wie-sich-deutschland-zerfleischt-und-wie-es-wieder-zusammen-finden‑k%C3%B6nnte-f26de4a47ad2
    Der hat die Knallerformulierungen im berüch­tig­ten Papier des Innenministeriums geschrie­ben. Wenn man im Gespräch mit Dritten dar­le­gen will dass die Zeugen Coronas glau­bens- und füh­rungs­sich­ti­ge Verstrahlte sind eig­net sich der bes­ser als solch ein Pimpf, der auf unge­schlach­te Weise sein Fördergeld ver­die­nen muss weil er mehr nicht kann.

  4. Danke! Daher habe ich es auch! 😉 War ein sehr anre­gen­der Thread. Der Typ ist vor­zei­ge­fä­hig gruselig.

    Off topic: heu­te wur­de bei Heise von der Forentin „KatiH“ das hier aufgetischt:
    „ Und natür­lich die Goldstandards von heute:
    https://swprs.org/fakten-zu-covid-19/
    Der Goldstandard der ille­ga­len Diffamierungsportale wohl eher.
    https://corona-transition.org/
    https://www.corodok.de/“
    Warum der Blog ein ille­ga­les Diffamierungsportal sein soll beleg­te sie aber nicht. Ich ver­mu­te sie arbei­tet für Psiram oder ist ein Fangirl von denen.

  5. Der Appell im Original ist noch hier zu finden:
    https://www.cicero.de/innenpolitik/stellungnahme-pandemie-bekaempfung-kassenaerztliche-vereinigung-hendrik-streeck

    @JW "(wofür Google & Co. mit ihren Algorithmen flei­ßig sor­gen: goo­geln Sie mal ver­schie­de­ne kri­ti­sche Informationen zur Corona-Hysterie; ganz oben in der Liste wer­den Sie neben den übli­chen lini­en­treu­en "Faktenchecks" so gut wie immer Artikel vom Volksverhetzer finden)"

    Suchen Sie zum Vergleich mal nach "heins­berg stu­die streeck"
    mit der Suchmaschine https://duckduckgo.com

    Hiermit erhält man nicht sol­che dif­fa­mie­ri­en­den Ergebnisse, son­dern fin­det zum Beispiel eine Meldung vom 23.10.2020
    https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/hendrik-streeck-corona-studie-nrw-kreis-heinsberg-immunitaet-appell-warnung-90075042.html, dass H. Streeck sei­ne Studie aus dem Frühjahr fortsetzt.

    "Hendrik Streeck führt Corona-Studie durch – drin­gen­der Appell des Virologen für das nächs­te Jahr

    Der Virologe Hendrik Streeck führt im Kreis Heinsberg (NRW) eine neue Corona-Studie durch. Es geht um eine mög­li­che Immunität für den Fall, dass es vor­erst kei­nen Impfstoff geben könnte. 


    Die Kosten von rund 800.000 Euro für die Folge-Studie über­nimmt nach Angaben der Uni Bonn das Land NRW. Sie ist als Längsschnittstudie ange­legt und umfasst einen Zeitraum bis Mai 2021. Unter ande­rem sol­len alle bereits getes­te­ten Personen im Abstand von meh­re­ren Monaten erneut unter­sucht werden."

    Mir scheint, es wur­de dar­über noch nicht berich­tet. Man soll­te es im Blick behalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.