Wenn ein Sozialdemokrat zum Hoff-nungsträger der Linkspartei wird

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff ist "Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei und Beauftragter der Landesregierung für jüdi­sches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus". Nun wird er gehan­delt als neu­er Generalsekretär des ZK der Linkspartei, jeden­falls hofft welt.de dar­auf. (In Wirklichkeit geht es natür­lich um den Parteivorsitz.) Hier Ausschnitte aus sei­ner Rede, mit er 2020 für Thüringen die Zustimmung für die Änderung des Infektionsschutzgesetzes begrün­de­te (ab Min. 2.30):

Die gan­ze bahn­bre­chen­de Rede gibt es auf youtube.com.


Gemeinsam mit Brigadegeneral Gunnar Brügner die Front abgeschritten

Auf sei­ner Webseite wer­den neben der gezeig­ten zwei wei­te­re Reden ver­linkt. Eine ist diese:

»Erinnerung im Bundeswehrdienstleistungszentrum in Erfurt: 64. Gründungstag der Bundeswehr am 12.11.2019

Werte Anwesende,

es ist mir eine Ehre, für die Thüringer Landesregierung heu­te hier ein Grußwort zu hal­ten. Aber es ist für mich auch kein nor­ma­ler Termin.

Ich habe in der ver­gan­ge­nen Woche am öffent­li­chen Gelöbnis in Oberhof teil­ge­nom­men, bin gemein­sam mit Brigadegeneral Gunnar Brügner die Front abgeschritten.

Als in die DDR hin­ein­ge­bo­re­nen Menschen war ich bis 1989 der fes­ten Überzeugung, als Berufssoldat 25 Jahre in der Nationalen Volksarmee die­nen zu wollen…

Durch den Umstand der spä­ten Geburt kam ich letzt­lich nicht in die Situation, die­se Überzeugung umzusetzen…

Das Ergebnis war die Entscheidung, sowohl den Wehrdienst als auch den Zivildienst zu ver­wei­gern. Eine Entscheidung, die in Vorbereitung auf den heu­ti­gen Festakt zu erneu­ter Selbstreflexion, aber auch der kri­ti­schen Reflexion eige­ner Überzeugungen führt bzw. füh­ren muss…

In Umfragen ver­traut zwi­schen mehr als zwei Dritteln und drei Viertel der Deutschen der Bundeswehr. Mehr als die Hälfte der Deutschen lehnt in Umfragen Auslandseinsätze – sei es in Afghanistan oder ande­ren Regionen – ab. Der dar­in aus­ge­drück­te Wunsch einer Armee, die aus­schließ­lich einer theo­re­ti­schen Landesverteidigung dient und ansons­ten prak­tisch wirk­sam wird bei Naturkatastrophen oder dem „schon epi­schen Kampf gegen den Borkenkäfer“, wie Brigadegeneral Gunnar Brügner es mit einem Augenzwinkern ver­gan­ge­ne Woche Donnerstag bezeich­ne­te, tritt in offen­sicht­li­che Diskrepanz zu den sicher­heits­po­li­ti­schen Umwälzungen der ver­gan­ge­nen Jahre…

Sehr geehr­te Damen und Herren,

am ver­gan­ge­nen Donnerstag haben Soldatinnen und Soldaten in Oberhof einen Eid geleis­tet mit den Worten: „Recht und Freiheit des deut­schen Volkes tap­fer zu verteidigen.“

Aus die­sem Schwur folgt dop­pel­te Verpflichtung. Der Soldatinnen und Soldaten für unse­re Gesellschaft aber auch der Gesellschaft für die Soldatinnen und Soldaten. An die­se dop­pel­te Verpflichtung zu erin­nern, sie aus­zu­fül­len sowohl in inhalt­li­cher Form als auch mate­ri­ell, wenn es um die kon­kre­ten Rahmenbedingungen des sol­da­ti­schen Alltags geht, ist Gegenstand des Erinnerns, dem die­ser heu­ti­ge Festakt gilt.

Ich dan­ke Ihnen, dass ich in die­sem Rahmen zu Ihnen spre­chen durf­te.«
staatskanzlei-thueringen.de


"Im weitesten Sinne sozialdemokratische Konzepte"

Hoff hat am 5.4. ein Dokument "Verbindende Linkspartei" vor­ge­legt. Dort zitiert er ein­gangs sei­nen Genossen Fabio de Masi:

»"Eine ratio­na­le Linke, die im wei­tes­ten Sinne sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Konzepte für Wirtschaft, Umwelt/Energiepolitik und Außenpolitik auf der Höhe der Zeit ver­kör­pert, wäre trotz der öffent­li­chen Abgesänge und der Krisen des moder­nen Finanzkapitalismus nöti­ger denn je". In die­ser Haltung unter­stüt­ze ich ihn uneingeschränkt.«

In einem ergän­zen­den Artikel "Steh auf, wenn du am Boden liegst…" meint er:

»Die Ampel-Koalition wird eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Modernisierung vor­an­trei­ben. Daran ändert auch die Entscheidung über das Bundeswehr-Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro nichts…

Wir sind weder die bes­se­re SPD, noch die grüneren Grünen. Wir sind die moder­ne sozia­lis­ti­sche Gerechtigkeitspartei. Damit tra­gen wir zu einem mehrheitsfähigen gesell­schaft­li­chen Mitte-Links- Lager bei.«

Mit einem sol­chen Professor wird die Linkspartei mit Sicherheit den Marsch in die Bedeutungslosigkeit beschleunigen.

17 Antworten auf „Wenn ein Sozialdemokrat zum Hoff-nungsträger der Linkspartei wird“

  1. Mit Sara Wagenknecht und Oskar Lafontaine, teil­wei­se auch mit Gregor Gysi, hat­te die Linke klu­ge Köpfe.
    Leider hat die Linke, gesteu­ert durch die Medien, den Bezug zu ihrer Basis, den nor­ma­len Menschen, verloren.
    Es liegt wahr­schein­lich eher an den Ergebnissen der "offi­zi­el­len" Umfragen und weni­ger am eige­nen Gespür, das sie sich selbst­ver­lo­ren in die Unbedeutsamkeit verabschieden.

    So hat es vor lan­ger Zeit auch die SPD geschafft, die arbei­ten­de­ne Masse zu vergraulen.
    Die CDU lacht sich über den abge­ge­be­nen Schwarzen Peter kaputt.

  2. In dem Zusammenhang kann man tat­säch­lich sagen, dass in der DDR mit der SEDfür die Arbeiter und Bauern mehr getan wur­de, als heu­te für die Arbeiter und Bauern durch die Parteien für die Arbeiter und Bauern getan wird.

    Heutzutage wird Parteimitgliedschaft genutzt, um das eige­ne Wohlbefinden und die eige­ne Karriere zu stärken.

  3. Bundeswehrsoldaten gelo­ben die Interessen pri­va­ter Unternehmer zu ver­tei­di­gen. NVA-Soldaten hin­ge­gen leg­ten das Gelöbnis ab, ihr Volk, ihre Heimat und ihr Vaterland zu verteidigen.

    Erkennen Sie den Unterschied!?

  4. Das empor­stre­ben­de Bürgertum hat sich in der Regel des Schosses geschämt aus dem es gekro­chen ist. 

    Diese der­zeit mei­nungs­füh­ren­den hirn­lo­sen Gesellen mit ihrem Überlegenheitskomplex und ihrem fein­ent­wi­ckel­ten Gespür für aktu­el­le Windrichtungen sind , hof­fe ich, nicht nur der Höhe- son­dern auch der Endpunkt der Entwicklung.

  5. Die soge­nann­te Linkspartei ist eine Sozialdemokratische Partei und zwar ab dem Zeitpunkt ab dem die vor­ma­li­ge SED sich 1990 von Kommunistischen Mitgliedern getrennt hat (Historiker erin­nern sich das 1946 die SED aus der Vereinigung der KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone ent­stan­den ist). 

    Die Bezeichnung SED-PDS bzw PDS deu­tet es auch an, denn "Demokratischer Sozialismus" ist ein sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Terminus und kein kom­mu­nis­ti­scher bzw Marxistisch/Leninistischer.

    Die Ausgeschlossenen grün­de­ten 1990 noch die KPD in der DDR (die nicht unter das KPD-Verbotsurteil von 1956 fällt)

    Die übrig­ge­blie­be­nen blie­ben eine Zweite SPD bzw eine Ostdeutsche und Hartz IV-Themenpartei bis der SPD-Dissident Oskar Lafontaine die Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit grün­de­te. Diese Sozialdemokratische Blutauffrischung wur­de dan­kend ange­nom­men ist aber inzwi­schen auch verbraucht. 

    Mit "Aufschwung" und "Team Sahra" wei­te­re auch par­tei­über­grei­fen­de über­grei­fen­de Auffrischung zu initia­li­sie­ren war dage­gen nicht von Erfolg gekrönt – die Linken bewei­sen täg­lich ihre Überflüssigkeit. Inzwischen haben sogar Alt-Mitglieder wie Hans Modrow, Christa Luft und Oskar Lafontaine die Partei ver­las­sen, Sahra Wagenknecht wur­de mit einem Parteiausschluß bedroht. Vielleicht soll­te man den Laden wirk­lich lang­sam zuma­chen. Damit hat auch Deutschland kei­ne Linke Partei von Bundesweiter Relevanz mehr obwohl es sie drin­gend bräuchte.

  6. Die PDS schrumpf­te in den Jahren nach der Wiedervereinigung stark, ihre Mitgliederzahl ging von 281.000 im Jahr 1990 auf 61.000 im Jahr 2004 zurück. Die Linke ent­stand 2007 durch die Vereinigung mit der WASG, die etwa 10.000 Mitglieder gezählt hat­te. Ende 2009 erreich­te die Linke einen Höchststand mit 78.000 Mitgliedern, danach ging die Zahl bis 2021 auf 61.000 zurück.
    Quelle: Wikipedia

    Wenn alle Leser und Leserinnen geschlos­sen ein­tre­ten wür­den, um im Juni an den inter­nen Neuwahlen teil­zu­neh­men, könn­te das wit­zig wer­den. Oder gäbe es for­mel­le Probleme?
    tagesschau.de: Parteitag Ende Juni: Linke wählt gesam­ten Parteivorstand neu
    https://www.tagesschau.de/inland/linke-neuwahl-parteispitze-101.html

  7. Sehr geehr­ter Herr Doktor Aschmoneit,
    hier­mit rate ich Ihnen DRINGENDST, sich aus ALLEN inter­nen Angelegenheiten der Linken SOWIE der SPD herauszuhalten !!!!
    Sie füh­ren ein inak­ti­ves Leben, abge­se­hen von die­sem – mit Blick auf die deut­sche Medienlandschaft – BEDEUTUNGSLOSEN und NIESCHENHAFTEN Blog, und haben ZU KEINER ZEIT IHR HISTORISCHES STUDIUM genutzt, um auch nur ANNÄHERUNGSWEISE poli­tisch in Deutschland Einfluss zu neh­men. Somit steht es Ihnen NICHT zu, öffent­lich poli­ti­sche Ratschläge zu geben.
    Ich dan­ke Ihnen !!!!

    1. @ Muggel:
      Was bezwe­cken Sie mit der (poli­tisch kon­no­tier­ten) (öffent­li­chen) Maßregelung des Blogbetreibers, Herrn Dr. phil. Aschmoneit?

      Ich fin­de es rich­tig und gra­de­zu not­wen­dig, die Widersprüche und den prak­ti­schen Untergang der Partei Die Linke zu thematisieren.

      Ebenso wich­tig fin­de ich es zu unter­su­chen, ob oder inwie­weit die Partei Die Linke sich sel­ber poli­tisch zer­legt und oder (in)wieweit "Kräfte" von außen hier­für eben­falls mit ver­ant­wort­lich sind, dass die Partei Die Linke prak­tisch in die poli­ti­sche Bedeutungslosigkeit zu ver­schwin­den droht.

  8. Geboren 1976 war Hoff beim Fall der Mauer etwa 13 Jahre alt und woll­te sich bis dahin unter rus­si­scher Besatzung 25 Jahre der NVA ver­pflich­ten, sein Berufsleben also dem bewaff­ne­ten Kampf für den Marxismus-Leninismus wid­men? Was war da wohl sein fami­liä­res Umfeld? In Reaktion auf das Ende der DDR hat er in den 90er-Jahren dann sowohl Wehrdienst als auch Zivildienst ver­wei­gert, mit­hin maxi­ma­le Ablehnung der "frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grundordnung" bekun­det und dies erst 2022 als Landesminister hin­ter­fragt?! Worauf hat er gleich noch mal sei­nen Amtseid geleis­tet? War der auch nur augen­zwin­kernd theo­re­tisch gemeint?

    1. @Ohne Worte: Berufsausbildung war in der DDR ein Thema was recht früh ange­gan­gen wur­de, denn grund­sätz­lich besaß jeder das Recht auf Arbeit aber nicht auf Freie Arbeitsplatzwahl. Es wur­de also geschaut wer ist für was am bes­ten geeignet.

      Da spiel­ten vie­le Dinge mit rein, und die Armee schick­te auch Berater an die Schulen um sich die Leute anzusehen. 

      Außerdem mit 13 war Hoff im Jugendweihe-Vorbereitungsjahr da wird man ihm auch alles Mögliche erzählt haben. Zudem waren Offizierstellen gut bezahlt und dem­entspre­chend attrak­tiv, Studium sogar inklusive. 

      In einem Land wie der Bundesrepublik die trotz "von Deutschen Boden darf kein Krieg aus­ge­hen" und "Friedensdividende", 1999 den ers­ten deut­schen Angriffskrieg seit 1945 gegen die Bundesrepublik Jugoslawien begon­nen hat und heu­te dem Kiewer faschis­ti­schen Regime Waffenhilfe leis­tet (unter Aufgabe der jahr­hun­der­te alten Deutsch-Russischen Freundschaft und der Ostpolitik) wür­de ich auch kei­nen Waffendienst leis­ten wollen …

  9. "Mit einem sol­chen Professor wird die Linkspartei mit Sicherheit den Marsch in die Bedeutungslosigkeit beschleunigen."
    Dieser Aussage kann ich ein­fach nur zustimmen!

    Ich wür­de ger­ne mit einem Artikel von Dr. Michael Andrick (Berliner Zeitung vom 24.8.2021) dar­auf antworten:

    "Die Einschüchterung der Intelligenz
    Unser angst­be­setz­tes Meinungsklima unter­gräbt die frei­heit­li­che Ordnung und treibt die wah­re Elite zur Abkehr von der reprä­sen­ta­ti­ven Demokratie.“

    https://corona-netzwerk.info/die-einschuechterung-der-intelligenz/

  10. Ich traue mich ja nicht, "Muggel" zu kri­ti­sie­ren, weil er oder sie so wütend ist – aber "NIESCHENHAFTEN" schreibt man nicht mit "ie".

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