Wie war das noch… mit Kerngesunden in der Meldestatistik, Herr Drosten?

Aufsehenerregendes teilt Christian Drosten in einem Interview mit wiwo​.de mit. Es steht unter der Überschrift "'Der Körper wird stän­dig von Viren ange­grif­fen'". Dort ist zu lesen*:

»… Als in Bergamo… plötz­lich eine gan­ze Reihe von Corona-Fällen auf­tauch­ten, ent­schie­den die dor­ti­gen Ärzte, alle Patienten und das kom­plet­te Krankenhaus­personal auf den Erreger zu tes­ten. Und dazu wähl­ten sie eine hoch­emp­find­li­che Methode aus, die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

[Wiwo;] Klingt modern und zeitgemäß.

Ja, aber die Methode ist so emp­find­lich, dass sie ein ein­zel­nes Erbmolekül die­ses Virus nach­wei­sen kann. 

Wenn ein sol­cher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötz­lich ein Corona-Fall. Wo zuvor Todkranke gemel­det wur­den, sind nun plötz­lich mil­de Fälle und Menschen, die eigent­lich kern­ge­sund sind, in der Meldestatistik ent­hal­ten. Auch so lie­ße sich die Explosion der Fallzahlen in Italien erklä­ren. Dazu kommt, dass die Medien vor Ort die Sache unglaub­lich hoch gekocht haben.

[Wiwo;] Sie mei­nen, dass die Medien einen Einfluss auf die Meldezahlen haben?

In der Region gibt es kaum noch ein anders Thema in den TV-Nachrichten oder Tageszeitungen. Und auch Ärzte in Krankenhäusern sind Konsumenten die­ser Nachrichten. Die über­le­gen sich dann eben­falls, dass sie mal ein Auge auf die­se bis­her auch inItalien sehr sel­te­ne Erkrankung wer­fen müss­ten. Die Medizin ist nicht frei von Modewellen.

… Das ist hier­zu­lan­de nicht anders. Berichten "Bild" oder die Abendnachrichten über einen Ausbruch eines bestimm­ten Virus, steigt die Zahl der Laboruntersuchungen deut­lich an. Einfach, weil auch Ärzte dann sen­si­bi­li­siert sind und gezielt Ausschau hal­ten nach den Erregern, über die berich­tet wird.

[Wiwo;] Was wäre Ihrer Meinung nach zu tun?

Es wäre sehr hilf­reich, wenn die Behörden in Italien wie­der dazu über­ge­hen wür­de, die bis­he­ri­ge Definitionen der Krankheit ein­zu­hal­ten. Denn was zunächst inter­es­siert, sind die ech­ten Fälle. Ob sym­ptom­lo­se oder mild infi­zier­te Krankenhausmitarbeiter wirk­lich Virusträger sind, hal­te ich für frag­lich. Noch frag­li­cher ist, ob sie das Virus an ande­re wei­ter­ge­ben kön­nen. Das Beraterteam des neu­en Gesundheitsministers soll­te stär­ker zwi­schen medi­zi­nisch not­wen­di­ger Diagnostik und wis­sen­schaft­li­chem Interesse unterscheiden.

[Wiwo;] Kann die WHO da nicht steu­ernd eingreifen?

Die WHO kann nur Empfehlungen zur Fallmeldung geben, aber die sind nicht rechts­ver­bind­lich. Im Falle von Sars hat­te sie damals zum Beispiel nur sol­che Fälle zur Meldung emp­foh­len, in denen ein Antikörpertest posi­tiv war.

[Wiwo;] Und was heißt das?

Unser Körper wird ja stän­dig von Viren und Bakterien ange­grif­fen. Sie schei­tern aber oft­mals schon an Barrieren wie der Haut oder den Schleimhäuten in Nase und Rachen. Dort wer­den sie erfolg­reich abwehrt, bevor sie Unheil anrich­ten kön­nen. Nur gegen sol­che Krankheitserreger, die unse­ren Körper ernst­haft befal­len, ent­wi­ckelt die Immunabwehr auch Antikörper. Wenn Antikörper da sind, bedeu­tet das, der Mensch hat tat­säch­lich eine Infektion gehabt. Ein sol­cher Antikörpertest wür­de die Unterscheidung zwi­schen wis­sen­schaft­lich inter­es­san­ten und medi­zi­nisch rele­van­ten Fällen sehr erleich­tern.«


* Ich geste­he: Das Interview wur­de im Jahr 2014 geführt. Im Originaltext ste­hen statt Bergamo Dschidda, statt Corona Mers und anstel­le von Italien Saudi-Arabien. Der Beitrag wur­de hier schon ein­mal am 30.9. ver­öf­fent­licht. Aber man ver­gißt ja so schnell…

(Hervorhebungen nicht in den Originalen.)

11 Antworten auf „Wie war das noch… mit Kerngesunden in der Meldestatistik, Herr Drosten?“

  1. Das ist oll, ging damals durch all mei­ne Quellen. Was ist pas­siert, dass das jetzt wie­der als Neuigkeit prä­sen­tiert wer­den kann?

    1. @Rossi: Wie im Beitrag ver­merkt, wur­de das schon im September hier ver­öf­fent­licht. Erstens wer­den es trotz­dem nicht alle ken­nen und zwei­tens kön­nen wir von der "ande­ren Seite" ler­nen, wie wirk­sam Wiederholungen sind. Bei uns sind es nur kei­ne Fake News.

      1. Ja gut, das Wiederholungsargument hat mich über­zeugt. Es hat­te mich nur ein wenig gewun­dert, weil das für mich damals durch alle Kanäle ging und ich daher sicher­lich ein wenig zu pau­schal davon aus­ge­gan­gen bin, dass das jeder schon mit­be­kom­men haben müsste.

  2. Die Zeiten ändern sich halt. Und wenn auf ein­mal für einen ori­gi­na­len Nichtskönner (bit­te duck­duck­go­en- „Kranplätze müs­sen ver­dich­tet sein!“) und Scharlatan Ruhm und Rubel mög­lich sind, dann nimmt man das halt mit.

    Aber selbst wenn das mor­gen von Kleber, Slomka & Co. berich­tet wer­den würde…..schliefen die hyp­no­ti­sier­ten weiter.

    Hier noch der link: https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​C​c​l​l​1​m​K​k​_3w

    —> „die Leute kom­men ein­fach ihrer Arbeit nicht nach.“ Passt auch irgendwie….

  3. Grusel, das lässt die ver­schwö­re­ri­sche Schlußfolgerung zu, das der heu­ti­ge Drosten nur eine Mutation sein kann. Wurde er zwi­schen­durch Event gesteu­ert aus­ge­tauscht? Ist er ein Klon? Wieviele Drostens lau­fen wirk­lich rum? Trifft dies auf die ande­ren Protagonisten auch zu (z.B. K. Lauterbach)?

  4. Trotzdem immer wie­der schön zu lesen. Vielleicht ver­to­ne ich das als "spre­chen­der Nußknacker". Zusammen mit dem letz­ten Podcast. Auch wenn man der Realsatire kaum noch etwas hin­zu­fü­gen kann.

  5. Aber man ver­gißt ja so schnell…
    Da muß ich aber ganz ent­schie­den wider­spre­chen. Diese Aussage von Osten wer­de ich nie ver­ges­sen und ihm ewig vorhalten.

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