"Zahlen verwirren auch". Eine Bildbetrachtung

»Eine Epidemie bedeu­tet stän­di­ge Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bie­ten Orientierung, aber sie ver­wir­ren auch. Ein Wert allei­ne wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends – für Deutschland und die Welt.«

Das lesen wir am 13.1. auf deutschlandfunk.de. Dort sehen wir auch die­se Grafik. Was will sie uns sagen?

https://www.deutschlandfunk.de/coronavirus-in-zahlen-was-die-neuinfektionen-fuer-die.2897.de.html?dram:article_id=472799

Zunächst ein­mal, was sie uns sagen soll:

»Auf den ers­ten Blick wirkt die Kurve bei den posi­ti­ven Testergebnisse auf SARS-CoV‑2 erfreu­lich… Aber die­ser posi­ti­ve Trend dürf­te weni­ger den tat­säch­li­chen Verlauf der Epidemie wider­spie­geln, als den Rückgang der Tests über die Feiertage um mehr als 40 Prozent.«

Die Feiertage wer­den wohl bis Ostern als Argument vor­hal­ten müs­sen. Bestätigt wird auch: Wenn es weni­ger Tests gibt, ent­ste­hen auch weni­ger "Fälle". Würden tat­säch­lich Erkrankte in Arztpraxen und Kliniken gezählt, wäre das also ziel­füh­ren­der. Ungeachtet der Logik muß aber gel­ten: "Umso wich­ti­ger, dass die Impfungen in Deutschland und der gan­zen EU begon­nen haben".

Was zeigt die Grafik aber wirklich?

Mit der "Fernsehansprache Merkel" und "Bundesweiten Kontakt­beschränkungen" stei­gen die Fallzahlen. Obwohl getes­tet wird wie ver­rückt, sin­ken sie sehr bald wieder.

Die Öffnung der Gastronomie hat eben­so­we­nig Auswirkungen wie das "Ende der Corona-Grenzkontrollen" – trotz Panikmache wegen der Reiserückkehrer, wor­an auch der "Verpflichtende Test für Rückkehrer aus Risikogebieten" nichts ändert. Auch der Schulbeginn kann die Zahlen nicht hochtreiben.

Erst mit einer ver­än­der­ten Teststrategie im Herbst kommt es wie­der zu einem Anstieg der "Fälle". Die Lockdown-Varianten ändern dar­an nichts. Eine modi­fi­zier­te Fall-Definition des RKI bringt nach Weihnachten eine Abwärtsbewegung. Vollends sinn­frei soll mit der Markierung des Impfbeginns sug­ge­riert wer­den, er habe irgend­ei­nen Einfluß auf das "Infektionsgeschehen" – wobei bekannt­lich schon das Wort irre­füh­rend ist.

Vor allem aber ist zu sehen: Die Zahlen der Toten, die "an oder mit" Corona ver­stor­ben sein sol­len, ist nach wie vor in die­ser Grafik kaum darstellbar.

Gegen Fakten hilft nur der Glaube

Trotzig wird wiederholt:

»Seit den Weihnachtstagen fal­len die Kurven prak­tisch über­all in Deutschland, aber das liegt wie erwähnt vor allem an der gerin­ge­ren Testaktivität. Wenn man die­se Tage nicht mit­be­trach­tet [so im Original, AA] , bleibt als wich­tigs­te Erkenntnis: Keine Region kann sich vor SARS-CoV‑2 in Sicherheit wie­gen.,, In vie­len zwi­schen­zeit­lich beson­ders betrof­fe­nen Großstädten sind die Zahlen gefal­len. Sie stei­gen dann aber wie­der an. Sobald die Bevölkerung bei der Kontaktereduzierung [so im Original, AA] nach­lässt, brei­tet sich das Virus erneut aus. Entscheidend sind nicht nur die Strategien im Umgang mit der Epidemie, son­dern vor allem auch deren Akzeptanz…

Die Schulen und Kitas sind weit­ge­hend geschlos­sen, des­halb spie­len sie aktu­ell kei­ne Rolle. Dass in der Statistik der öffent­li­che Nahverkehr oder Restaurants oder Hotels kaum auf­tau­chen, heißt nicht, dass sie kei­ne Rolle spie­len. Die Mathematikern Christina Pagel vom University College London schließt aus dem Vergleich ver­schie­de­ner euro­päi­scher Lockdown-Strategien, dass gera­de das Schließen von Restaurants und Bars einen wich­ti­gen Einfluss hat­te. Andere aktu­el­le Studien bewer­ten dage­gen Schulschließungen als beson­ders wirk­sam. Insgesamt gibt es noch kei­ne ein­heit­li­che Bewertung durch die Wissenschaft… 

Die Politik ver­sucht über den har­ten Lockdown die Zahl der Kontakte zu sen­ken. Aber auch jede und jeder Einzelne soll­te an der AHA+L‑Regel fest­hal­ten: Alltagsmaske, Hygiene, Abstand – und in Innenräumen viel lüften.«

Und Modellierungswahn

» Der Saarbrücker Pharmakologe Thorsten Lehr rech­net erst für Mitte Januar mit lang­sam sin­ken­den Todeszahlen

Der Mann kommt von der Universität des Saarlandes. Im Mai war auf bild.de zu lesen:

»Saarbrücken – Die simu­lier­te Kurve zeigt ein Horror-Szenario fürs Saarland: 60 000 Corona-Tote bis August!

Nur die rigo­ro­sen Maßnahmen, das neu­ar­ti­ge Virus (Covid-19) ein­zu­däm­men, hät­ten das ver­hin­dert. Davon ist Professor Thorsten Lehr vom Lehrstuhl für Klinische Pharmazie über­zeugt. Er beruft sich dabei auf ein Simulationsprogramm („Cosim“), das er mit einer Arbeitsgruppe an der Saar-Uni ent­wi­ckelt hat.

„Hätte man nach Ausbruch der Corona-Pandemie über­haupt kei­ne Maßnahmen ergrif­fen, hät­te man bereits im April 25 000 Intensiv-Betten mehr benö­tigt als vor­han­den“, sagt Lehr gegen­über BILD. „Allein im Saarland hät­ten dann 17 000 Beatmungsplätze gefehlt.“«

Siehe dazu Modellierer leben auch nicht von der Hand in den Mund.

4 Antworten auf „"Zahlen verwirren auch". Eine Bildbetrachtung“

    1. @Günter Adams
      Wusste gar nicht, dass es da so eine Art Ringrichter und Rausschmeißer im Auftrag der Bundesregierung gibt, der das gan­ze dann abwürgt, wenn die "Fach-Journalistin" oder bes­ser "die Kettenhündin" Ihre Tage hat. Auch das sehr aufschlußreich…;-)

  1. Es ist doch glas­klar zu erken­nen: Auslöser war Merkel mit ihrer Ansprache. Möge sie sich unter vie­len ser­vi­len Verbeugungen und Entschuldigungen zurück­zie­hen. Oder sich ein Beispiel an Asien, spe­zi­ell Japan neh­men wie man sol­chen Sachen ehren­voll regelt…

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