Ärztepräsident: «Krankenhäuser müssen dem Patienten dienen, nicht dem Profit»

Nach einem dpa-Bericht vom 5.8. erklär­te der Chef der Bundesärztekammer:

»"Ein Abbau der Ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten, den uns immer wie­der ver­schie­de­ne poli­tik­be­ra­ten­de Stif­tun­gen emp­feh­len, hät­te bei uns im März und April zu glei­chen Ver­hält­nis­sen geführt wie in Spa­ni­en und Ita­li­en." Die Coro­na-Kri­se habe aber gezeigt, dass Deutsch­land im inter­na­tio­na­len Ver­gleich gut auf­ge­stellt sei.

"Wir haben das schaf­fen kön­nen, weil wir uns in den letz­ten Jah­ren gegen die wei­te­re Kom­mer­zia­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen gestemmt haben, weil wir Kli­ni­ken als Ein­rich­tung der Daseins­vor­sor­ge sehen und nicht als Indus­trie­be­trie­be", sag­te Reinhardt. 

"Wir haben schnell die not­wen­di­gen Kapa­zi­tä­ten im Kran­ken­haus auf­ge­baut. Und unser Sys­tem flä­chen­de­cken­der ambu­lan­ter ärzt­li­cher Ver­sor­gung hat uns vor einer Über­in­an­spruch­nah­me der Kran­ken­häu­ser bewahrt."

Im Som­mer ver­gan­ge­nen Jah­res hat­te eine Stu­die im Auf­trag der Ber­tels­mann Stif­tung für Auf­se­hen gesorgt – dem­nach könn­te die Pati­en­ten­ver­sor­gung durch die Schlie­ßung von mehr als jedem zwei­ten Kran­ken­haus erheb­lich ver­bes­sert wer­den. Die ver­blei­ben­den Häu­ser könn­ten deut­lich mehr Per­so­nal und eine bes­se­re Aus­stat­tung erhalten.

Rein­hardt sag­te, es sei anzu­er­ken­nen, dass es einen gro­ßen Reform­stau gebe. "Wir brau­chen vor allem eine neue Ver­gü­tungs­sys­te­ma­tik, die nicht mehr aus­schließ­lich auf wirt­schaft­li­che Effi­zi­enz aus­ge­rich­tet ist." Auch die Kran­ken­haus­land­schaft sei neu zu orga­ni­sie­ren. "Auf dem Land brau­chen wir wei­ter­hin flä­chen­de­ckend eine sta­tio­nä­re Ver­sor­gung, bei der Not­fäl­le schnell und gut behan­delt wer­den kön­nen. Aber wenn es medi­zi­nisch sinn­voll ist, vor allem in urba­nen Gebie­ten, dann müs­sen auch Stand­or­te zusam­men­ge­legt wer­den können."

Dies bedeu­te, Syn­er­gie­ef­fek­te zu nut­zen, um den Arbeits­druck auf Ärz­te und Pfle­ge­per­so­nal zu redu­zie­ren. "Nur bit­te dis­ku­tie­ren wir nicht über Ein­spa­rung beim Per­so­nal, nicht bei dem Behand­lungs­be­darf der zweit­äl­tes­ten Gesell­schaft der Welt, nicht bei unse­rem Ärz­te- und Pfle­ge­man­gel", mahn­te Rein­hardt. "Im Gegen­teil, wir brau­chen mehr pfle­ge­ri­sche Stel­len, gleich­zei­tig aber darf kei­ne ein­zi­ge ärzt­li­che Stel­le ver­lo­ren gehen." Er ver­wies zudem dar­auf, dass die Län­der Inves­ti­ti­ons­ver­pflich­tun­gen für die Kli­ni­ken von inzwi­schen etwa 30 Mil­li­ar­den Euro in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren nicht nach­kä­men.«

Die Initia­ti­ve "Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand" erklär­te am 12.8.:

»Wir haben nicht zu vie­le Kli­ni­ken und Bet­ten, son­dern hat­ten zu vie­le Schlie­ßun­gen. Und wir haben zu wenig Per­so­nal. Schuld ist eine grund­ver­kehr­te Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung, die nun im Coro­na­jahr kra­chend gegen die Wand gefah­ren ist. Zeit für einen Neu­start! Kran­ken­häu­ser sind Daseins­vor­sor­ge, kein Geschäfts­mo­dell. Schluss mit Kran­ken­haus­schlie­ßun­gen und deren finan­zi­el­ler För­de­rung

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