eurostat: Übersterblichkeit erreicht +16%, bisher höchster Wert für 2022

Die Statistikbehörde der EU ver­öf­fent­lich­te am 16.9. die­se Information:

»Die Übersterblichkeit in der EU ist im Juli 2022 auf +16 % gestie­gen, gegen­über +7 % im Juni und Mai. Dies war der bis­her höchs­te Wert im Jahr 2022 und bedeu­tet rund 53 000 zusätz­li­che Todesfälle im Juli die­ses Jahres im Vergleich zu den monat­li­chen Durchschnittswerten für 2016–2019. „euro­stat: Übersterblichkeit erreicht +16%, bis­her höchs­ter Wert für 2022“ weiterlesen

20 Mal mehr Tote als 2020. Hatten wir in diesem Jahr den tödlichsten Sommer der Pandemie?

Klingt wie vom Schwurbelkanal, ist aber t‑online.de am 27.8. Eigentlich soll mit dem Beitrag davor gewarnt wer­den, Omikron zu unter­schät­zen. Denn es gebe auch viel mehr "Corona-Infizierte", wes­halb im Verhältnis "im Juli 2022 rund 0,11 Prozent der Infizierten an Covid-19" gestor­ben seien.

In Wirklichkeit sind es noch weni­ger (Schwurbelargument):

»Unter den Verstorbenen sei­en jedoch auch vie­le Menschen, die zwar an der Omikron-Variante erkrankt waren, aber aus ande­ren Gründen ver­sto­ben [sic] sei­en, sagt Christian Karagiannidis, Mitglied der Corona-Expertenrats der Bundesregierung und Intensivmediziner, in einem Bericht des "Tagesspiegels".«

Dann wird es verückt: „20 Mal mehr Tote als 2020. Hatten wir in die­sem Jahr den töd­lichs­ten Sommer der Pandemie?“ weiterlesen

Zwölf der 166 obduzierten Personen verstarben tatsächlich an Covid-19

»Im Brandenburgischen Institut für Rechtsmedizin wur­den seit Ausbruch der Pandemie bis Anfang August 2022 ins­ge­samt 166 Verstorbene im Kontext mit Covid-19 obdu­ziert, haupt­säch­lich um die Todesursache zu klä­ren. Die Obduktionen wur­den durch die Staatsanwaltschaften ange­ord­net, eine Obduktion erfolg­te in pri­va­tem Auftrag. Das Ergebnis: Zwölf der obdu­zier­ten Personen ver­star­ben tat­säch­lich an Covid-19.«

Diese Information ist zu lesen auf tages​spie​gel​.de in einem Artikel, der erstaun­li­cher­wei­se die Überschrift trägt "Gestorben an und nicht mit Corona: Virus in Brandenburg meis­tens Todesursache". Denn das behaup­tet das Gesundheitsministerium "der Statistik zufol­ge": „Zwölf der 166 obdu­zier­ten Personen ver­star­ben tat­säch­lich an Covid-19“ weiterlesen

Übersterblichkeit: Rätselhafte Todesfälle in Europa

Unter die­sem Titel ist auf welt​.de (Bezahlschranke) am 7.9. zu lesen:

»Spani­en, Portugal, Großbritannien und auch Deutschland – seit April ist die Sterberate in Europa unge­wöhn­lich stark ange­stie­gen, durch­schnitt­lich um elf Prozent. Besorgniserregend an die­ser Sterbewelle ist, dass sie nicht unmit­tel­bar mit der Pandemie zu tun haben kann.

In Spanien mach­ten sich die Experten zuerst auf die Suche nach einer Erklärung. Dort fal­len die Todeszahlen beson­ders dras­tisch aus dem Rahmen. Spanien hat­te im Juli 2022 fast 10.000 mehr Tote regis­triert als im glei­chen Monat 2019. In Deutschland fiel die sprung­haft hoch­ge­schnell­te Todesrate zwar deut­lich, aber nicht so dra­ma­tisch aus. „Übersterblichkeit: Rätselhafte Todesfälle in Europa“ weiterlesen

Vorsicht bei Statistiken zu Übersterblichkeit

Auf info​sper​ber​.ch ist am 1.9. unter dem Titel "Covid-Übersterblichkeit: fast 20-fache Unterschiede" dar­ge­stellt, wel­che Fallstricke bei der Interpretation von Statistiken zu beach­ten sind:

»Welches Land hat die Pandemie am bes­ten gemeis­tert? In die­sem unse­li­gen «Wettbewerb» zitie­ren Medien gern Studien zur Übersterblichkeit. 

Dabei schät­zen die Wissenschaftler, wie vie­le Menschen wäh­rend der Pandemie ihr Leben ver­lo­ren, ver­gli­chen mit nicht-pan­de­mi­schen Zeiten. «Die Übersterblichkeit war [weltweit—Anm. d. Red.] im Schnitt 13 Prozent über Norm», berich­te­te bei­spiels­wei­se SRF im Mai über einen Ländervergleich der WHO 1. In die­ser Studie schnitt Schweden klar bes­ser ab als Deutschland. «Ist Deutschland Corona-Spitze? Ja, bei der Übersterblichkeit», spot­te­te dar­auf­hin «Die Weltwoche«.

Beim genaue­ren Betrachten sol­cher Vergleiche kom­men jedoch Zweifel auf. Man soll­te Berechnungen zur Übersterblichkeit «mit gros­ser Vorsicht» betrach­ten, rät der Nobelpreisträger für Chemie 2013, Michael Levitt, in der Fachzeitschrift «Environmental Research«. Zusammen mit Kollegen ver­glich er dort vier Studien zur Übersterblichkeit in ver­schie­de­nen Ländern, die in den Medien gros­se Resonanz fan­den, und hat auch selbst ent­spre­chen­de Berechnungen angestellt.

Mal ster­ben mehr Menschen als erwar­tet, mal sind es weni­ger als vor der Pandemie

Die Ergebnisse der vier Studien klaf­fen – etwa für Norwegen oder Luxemburg – um das 19-fache aus­ein­an­der. In Japan zum Beispiel star­ben je nach Studie in den Jahren 2020 und 2021 ent­we­der rund 19’500 Personen weni­ger als sonst üblich – oder aber 111’000 Personen mehr, als auf­grund der Erfahrung zu erwar­ten gewe­sen wären. 

Je nach poli­ti­scher Absicht ist es also ein leich­tes, das eige­ne Land in bes­se­rem oder schlech­te­rem Licht erschei­nen zu las­sen, indem man die eine oder die ande­re Studie her­an­zieht. Alle die­se Studien wur­den von Experten begut­ach­tet und gut­ge­heis­sen…«

Zur Illustration wird die­se Tabelle angeführt:

Auch am Beispiel der Übersterblichkeit bei Kindern wird dar­ge­stellt, wie unter­schied­li­che Ansätze zu sehr ver­schie­de­nen Ergebnissen füh­ren können.

Sterbefallzahlen im Juli 2022 um 12 % über dem mittleren Wert der Vorjahre

So ist eine "Pressemitteilung Nr. 343 vom 9. August 2022" des Statistischen Bundesamts über­schrie­ben. Ich bin kein Freund von Spekulationen. Deshalb bin ich skep­tisch auch bei die­ser Erklärung:

»WIESBADEN – Im Juli 2022 sind in Deutschland nach einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 85 285 Menschen gestor­ben. Diese Zahl liegt 12 % oder 9 130 Fälle über dem mitt­le­ren Wert (Median) der Jahre 2018 bis 2021 für die­sen Monat. Wie bereits im Juni waren die Sterbefallzahlen dabei vor allem in Phasen sehr hoher Temperaturen erhöht. In den Kalenderwochen 28 bis 30, also vom 11. bis 31. Juli, lagen die Sterbefälle mit +16 %, +24 % und +14 % deut­lich über den Vergleichswerten. Dass im Zuge von Hitzewellen die Sterbefallzahlen anstei­gen, ist ein bekann­ter Effekt, der bereits in den Vorjahren beob­ach­tet wur­de. In die­sem Jahr sind jedoch bereits bis Ende Juli außer­ge­wöhn­lich vie­le Wochen von die­sem Effekt betrof­fen.« „Sterbefallzahlen im Juli 2022 um 12 % über dem mitt­le­ren Wert der Vorjahre“ weiterlesen

WHO-Studie zur Corona-Übersterblichkeit nutzt störanfällige Methode

Im bis­lang nicht quer­den­ke­risch in Erscheinung getre­te­nen Medium "Der Maschinenbau" ist unter die­sem Titel am 15.6. zu lesen:

»… ‚Die‘ Übersterblichkeit gibt es nicht

Grundsätzlich ver­steht man unter dem Begriff ‚Übersterblichkeit‘ die Differenz zwi­schen den tat­säch­lich beob­ach­te­ten Todesfällen und der Anzahl, die sta­tis­tisch gese­hen zu erwar­ten gewe­sen wäre. Wie vie­le Menschen tat­säch­lich ster­ben, wird in einem Land mit guter Bevölkerungsstatistik wie Deutschland recht genau erfasst. Für die Berechnung der erwar­te­ten Todesfälle gibt es aber meh­re­re gän­gi­ge Verfahren, die jeweils zu einer etwas ande­ren Übersterblichkeit füh­ren. „WHO-Studie zur Corona-Übersterblichkeit nutzt stör­an­fäl­li­ge Methode“ weiterlesen

WHO-Statistik widerlegt Lauterbach

Tatsächlich trifft zu, was am 9.5. unter dem Titel "Corona-Zeugnis der WHO: So schlecht ist Deutschland durch die Pandemie gekom­men" auf bild​.de zu lesen ist:

»Deutschlands Pandemie-Politik war im welt­wei­ten Vergleich zwar streng, aber nicht beson­ders erfolgreich.

Das zeigt eine welt­wei­te Auswertung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Übersterblichkeit. Demnach sind in Deutschland pro 100 000 Einwohner 116 Menschen mehr gestor­ben als erwar­tet (im Vergleich zur sta­tis­tisch erwar­te­ten Sterblichkeit).

Unsere Nachbarn Dänemark (32), Schweiz (47), Frankreich (63), Österreich (66), Belgien (77) und die Niederlanden (85) – sie alle hat­ten 2020 und 2021 eine deut­lich gerin­ge­re Übersterblichkeit… „WHO-Statistik wider­legt Lauterbach“ weiterlesen