Das RKI macht die Welle (Nr. 2)

Zur Zeit wird getes­tet auf Teufel komm raus. Unzweifelhaft besteht das Ziel dar­in, eine zwei­te Welle her­bei­zu­de­fi­nie­ren. Ein Mittel dabei sind die an Hütchenspiele erin­nern­den offi­zi­el­len Zahlen. Aktuell ist tagesschau.de besorgt über 9.903 "aktu­ell Infizierte". Wie kom­men die zustan­de?

Man nimmt die Zahl von 215.891 "bestä­tig­ten Infektionen", zieht davon die von 9.196 Toten und die von 196.792 "gene­se­nen Patienten" ab.

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Spahn: Viel testen ist schlecht, deshalb jetzt viel testen!

Wie sein Co-Darsteller C. Drosten ver­kün­det der Gesundheitsminister sei­ne Erkenntnisse stets mit dem Brustton der Überzeugung. Auch dann, wenn die­se kurz zuvor geäu­ßer­ten wider­spre­chen.

So hat­te er am 9.6. ver­fügt, Corona-Tests deut­lich aus­zu­wei­ten. Begründet wur­de das mit dem rät­sel­haf­ten Satz "Es ist viel teu­rer, zu wenig zu tes­ten, als zu viel zu tes­ten."

Fünf Tage spä­ter schrieb presse.online:

»Spahn- Durch zu vie­le Tests mehr falsch-posi­ti­ve Fälle als Echte
Berlin- Selbst der Regierung scheint inzwi­schen klar gewor­den zu sein, dass die epi­de­mi­sche Lage natio­na­ler Tragweite nicht mehr besteht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt mas­sen­haf­te Coronavirus Tests ab.

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Konjunktivitis der Medien – explosive Studie aus Italien

Bisher galt in den gro­ßen Medien die Regel: Tatsachen wer­den ver­kün­det von Prof. Drosten und dem RKI. Abweichungen davon wer­den einem Faktencheck unter­zo­gen, der Regel 1 zur Grundlage hat.

Eine drit­te Variante ist zur Zeit ver­brei­tet. Sie besteht dar­in, unleug­ba­re Fakten in den Konjunktiv zu set­zen. Aktuelles Beispiel ist eine reprä­sen­ta­ti­ve Studie, die immer­hin vom ita­lie­ni­schen Gesundheitsministerium ver­öf­fent­licht wur­de. Wenn über­haupt kurz dar­über berich­tet wird, dann so: "Zahl der Corona-Infizierten in Italien wohl deut­lich höher" (tagesschau.de), "Coronavirus in Italien womög­lich stär­ker ver­brei­tet als ver­mu­tet" (SZ), "Studie: Zahl der Corona-Infizierten in Italien wohl deut­lich höher" (Handelsblatt).

Das liegt dar­an, daß hier reich­lich Sprengstoff vor­han­den ist.

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Gesundheitsminister kennt Corona-Zahlen nicht – kreative Statistik

In der Osnabrücker Zeitung vom 23.7. ist zu lesen:

»Laumann: 2119 Corona-Fälle im Zusammenhang mit Ausbruch bei Tönnies
Laut NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ste­hen mehr als 2000 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit dem Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück. Der CDU-Politiker sag­te im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Nach aktu­el­lem Stand ord­nen die zustän­di­gen Behörden dem Ausbruch bei Tönnies bis­lang ins­ge­samt 2119 Fälle zu." Bei wei­te­ren 67 Fällen gel­te ein Zusammenhang als mög­lich. "Von den sicher dem Ausbruch zuzu­ord­nen­den Fällen sind mei­ner Kenntnis nach ins­ge­samt 41 Personen sta­tio­när ver­sorgt wor­den. Verstorben ist bis­her offen­bar zum Glück nie­mand", sag­te Laumann. «

Seiner Kenntnis hät­te gut­ge­tan, sich mit den offi­zi­el­len Zahlen des Kreises Gütersloh ver­traut zu machen. Eine Pressemitteilung eben­falls vom 23.7. teilt mit:

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„1. Mai darf nicht zum Ischgl von Berlin werden“ (III)

Vor 4 Tagen war hier die Frage zu lesen, wie sich denn tau­sen­de unge­schütz­te PolizistInnen und tau­sen­de Feiernde und Demonstrierende am 1. Mai in Berlin auf die Infektionsrate aus­ge­wirkt haben. Siehe „1. Mai darf nicht zum Ischgl von Berlin wer­den“ (II).

Damals, am 18.5. , war das der Stand:

»In Berlin gibt es der­zeit 6474 bestä­tig­te Fälle des neu­ar­ti­gen Coronavirus…
Im Krankenhaus iso­liert und behan­delt wer­den 211 Personen, davon wer­den 71 inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt. . 182 an dem neu­ar­ti­gen Coronavirus erkrank­te Patient*innen sind bis­lang ver­stor­ben… Der Altersmedian der Verstorbenen liegt bei 81 Jahren.«

Der heu­ti­ge Stand ist die­ser:

»In Berlin gibt es der­zeit 6611 bestä­tig­te Fälle des neu­ar­ti­gen Coronavirus…
Im Krankenhaus iso­liert und behan­delt wer­den 167 Personen, davon wer­den 59 inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt. Alle ande­ren Personen sind häus­lich iso­liert. 190 an dem neu­ar­ti­gen Coronavirus erkrank­te Patient*innen sind bis­lang ver­stor­ben… Der Altersmedian der Verstorbenen liegt bei 81 Jahren.«

„1. Mai darf nicht zum Ischgl von Berlin werden“ (II)

So tön­te Berlins Innensenator Geisel vor 3 Wochen und schuf damit ein von Medien jeg­li­cher Art begie­rig auf­ge­grif­fe­nes Mantra.

Bei einem "Karfreitag darf nicht das Sassnitz von Paris wer­den" hät­te ver­mut­lich JedeR sich gefragt: "Was nimmt der Mann?".

Wie wäre es heu­te mit einem Resumee? Da waren 5.000 PolizistInnen im Einsatz, meist in engen Pulks und bis auf Fototermine ohne jeg­li­chen Mundschutz. Da waren tau­sen­de Feiernde nicht nur in Kreuzberg unter­wegs, auch sie (anders als vie­le Demonstrierende) mit einem Verhalten wie "vor Corona". Es stand also zu erwar­ten, daß es einen erheb­li­chen Anstieg der Infektionsfälle geben müs­se.

Was ist wirk­lich pas­siert? Das zei­gen die Kurven im Bild. (Sie waren lan­ge Zeit pro­mi­nent in jeden Tagesspiegel-Beitrag ein­ge­baut. Inzwischen wer­den sie eher scham­haft ver­steckt.)

Die Panikmache hat­te jedoch ihren Zweck erfüllt. Gewerkschaften wie die Partei-Linke begnüg­ten sich am 1. Mai mit "Online-Manifestationen".

Perverserweise müs­sen die Geisels und die Medien-Querfront-MacherInnen nun beten, daß sich in den letz­ten Wochen die zehn­tau­sen­den Demonstrierenden infi­ziert haben. Kluge Menschen müs­sen hof­fen, ihnen blieb das erspart.

Schweden: Einschätzung wird realistischer

Heute ist auf merkur.de eine unge­wohnt sach­li­che Einschätzung der Entwicklung in Schweden zu lesen:

'Corona in Schweden: Vorteile des umstrit­te­nen Sonderwegs im Vergleich zu Deutschland – sowie die Nachteile

3175 Menschen sind in Schweden bis­her an den Folgen einer Sars-CoV-2-Infektion gestor­ben (Johns-Hopkins-Universität, Stand 9. Mai, 12.48 Uhr). Im Schnitt sind das 310 Todesopfer pro Million Einwohner. In Deutschland beträgt die Zahl ledig­lich 90,5. Im Vergleich zu den Pandemie-geschüt­tel­ten Lockdown-Ländern wie Italien (500) oder Spanien (560) steht Schweden jedoch gut da. „Die Pandemie ebbt all­mäh­lich ab“, erklär­te Tegnell Anfang Mai dem schwe­di­schen Sender SVT.
Zugleich sind die Nebenwirkungen der Pandemie-Maßnahmen nied­ri­ger als in ande­ren Ländern. So sind die bis­her in Deutschland noch wenig the­ma­ti­sier­ten Folgen häus­li­cher Gewalt oder Selbsttötungen im Rahmen des Lockdown auf­grund der libe­ra­len Maßnahmen in Schweden gerin­ger. In Anbetracht der strik­ten Maßnahmen ande­rer euro­päi­scher Länder muss sich Schweden auch kaum mit Grundrechtsverletzungen aus­ein­an­der­set­zen.'

Siehe auch Die schlim­men Schweden, WHO lobt Schweden, Schweden: Reproduktionszahl unter 1, Tagesspiegel ganz vorn bei hohen Zahlen

Tagesspiegel ganz vorn bei hohen Zahlen

Der Tagesspiegel ver­öf­fent­licht seit gerau­mer Zeit Zahlen zu Corona, die er mit­tels "Schwarmintelligenz Dutzender Freiwilliger" zusam­men­stellt. Damit gelingt es ihm, die frag­wür­di­gen Zahlen der pri­va­ten Johns-Hopkins-Universität noch zu top­pen.

So wer­den in der gezeig­ten Grafik die Todesfälle in Deutschland mit 7.382 ange­ge­ben, die JHU kommt auf 7.342, das RKI auf 7.119. Gilt hier die Hoffnung, je höher die Zahlen, des­to höher die Auflage?

Schweden, das wider­bors­ti­ge Land ohne Lockdown, liegt zwar bei Toten pro 100.000 Einw. deut­lich über den Werten von Dänemark und Deutschland, ist aber bei wei­tem nicht Spitzenreiter.

Die Medienwelt soll­te sich den Rat von Prof. Schmidt-Chanasit zu Herzen neh­men: "Zu behaup­ten, das Land macht es bes­ser, jenes Land macht es bes­ser, das Land macht es schlech­ter – das wird man ganz am Ende wis­sen, weil man dann eben schlau­er ist. Aber jetzt zu sagen, das ist der bes­te Weg oder jenes, das wäre, glau­be ich, zu früh.“ (s. Zwei Richtungen in der Wissenschaft)

Zwei Richtungen in der Wissenschaft

In einem Podcast des rbb (nicht mehr online) beschreibt Prof. Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung zwei Richtungen in der wis­sen­schaft­li­chen Diskussion um Corona.

Es scheint, daß eine davon sehr viel lau­ter ist.

„Die eine Richtung sagt, wir müs­sen ver­su­chen, das Virus aus­zu­trock­nen. Ich kann das aus epi­de­mio­lo­gi­scher Sicht natür­lich theo­re­tisch nach­voll­zie­hen.

Die ande­re Seite sagt, wir soll­ten ver­su­chen, die Infektionszahlen so nied­rig zu hal­ten, daß es zu kei­ner Überlastung des Gesundheitssystems kommt. Das heißt, daß man natür­lich sich öff­net und daß es eben auch zu Infektionen kommt. Das sind die bei­den Richtungen. Ich hal­te die zwei­te Richtung für rea­lis­ti­scher. Die ers­te mag theo­re­tisch rich­tig sein, nur sie ist rea­li­täts­fern. Es ist eine Pandemie, wir kön­nen uns qua­si nicht ein­schlie­ßen in einer Glaskugel und die nächs­ten Jahre sozu­sa­gen ver­su­chen, hier nichts rein­zu­las­sen…

[Es ist] ein­fach zu sagen, hät­ten wir jetzt die­sen Lockdown inten­si­viert und noch eben wei­te­re Wochen so durch­ge­hal­ten, dann hät­ten wir es geschafft. Das ist ja erst mal eine Behauptung. Niemand weiß, ob das über­haupt so mög­lich wäre und dann auch so gekom­men wäre. Insofern ist das immer eine Position, die sich natür­lich leicht ein­neh­men läßt, weil man sie nicht über­prü­fen kann. Insofern bin ich da eher, glau­be ich, auf der Linie, daß wir hier ein­fach mit der Realität umge­hen müs­sen, mit dem Virus leben, so weit, wie es geht, die schäd­li­chen Folgen mini­mie­ren für die Menschen, die eben da wirk­lich gefähr­det sind…

Ob es unbe­dingt einen Jojo-Effekt geben wird, das bleibt abzu­war­ten. Wie gesagt, noch mal: Niemand weiß, was hier sozu­sa­gen das bes­te Vorgehen ist, wel­che Lockerungen dazu füh­ren wer­den, daß Infektionszahlen anstei­gen oder eben nicht anstei­gen. Also wer das behaup­tet, muß man ganz klar sagen, der lügt. Es gibt kei­ne Plaupause. Darum sehen wir eben auch unter­schied­li­che Strategien in den Ländern, in Schweden, in Österreich bei uns. Und das ist auch rich­tig so. Also zu behaup­ten, das Land macht es bes­ser, jenes Land macht es bes­ser, das Land macht es schlech­ter – das wird man ganz am Ende wis­sen, weil man dann eben schlau­er ist. Aber jetzt zu sagen, das ist der bes­te Weg oder jenes, das wäre, glau­be ich, zu früh.“