Konjunktivitis der Medien – explosive Studie aus Italien

Bisher galt in den gro­ßen Medien die Regel: Tatsachen wer­den ver­kün­det von Prof. Drosten und dem RKI. Abweichungen davon wer­den einem Faktencheck unter­zo­gen, der Regel 1 zur Grundlage hat.

Eine drit­te Variante ist zur Zeit ver­brei­tet. Sie besteht dar­in, unleug­ba­re Fakten in den Konjunktiv zu set­zen. Aktuelles Beispiel ist eine reprä­sen­ta­ti­ve Studie, die immer­hin vom ita­lie­ni­schen Gesundheitsministerium ver­öf­fent­licht wur­de. Wenn über­haupt kurz dar­über berich­tet wird, dann so: "Zahl der Corona-Infizierten in Italien wohl deut­lich höher" (tagesschau.de), "Coronavirus in Italien womög­lich stär­ker ver­brei­tet als ver­mu­tet" (SZ), "Studie: Zahl der Corona-Infizierten in Italien wohl deut­lich höher" (Handelsblatt).

Das liegt dar­an, daß hier reich­lich Sprengstoff vor­han­den ist.

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Tagesspiegel ganz vorn bei hohen Zahlen

Der Tagesspiegel ver­öf­fent­licht seit gerau­mer Zeit Zahlen zu Corona, die er mit­tels "Schwarmintelligenz Dutzender Freiwilliger" zusam­men­stellt. Damit gelingt es ihm, die frag­wür­di­gen Zahlen der pri­va­ten Johns-Hopkins-Universität noch zu top­pen.

So wer­den in der gezeig­ten Grafik die Todesfälle in Deutschland mit 7.382 ange­ge­ben, die JHU kommt auf 7.342, das RKI auf 7.119. Gilt hier die Hoffnung, je höher die Zahlen, des­to höher die Auflage?

Schweden, das wider­bors­ti­ge Land ohne Lockdown, liegt zwar bei Toten pro 100.000 Einw. deut­lich über den Werten von Dänemark und Deutschland, ist aber bei wei­tem nicht Spitzenreiter.

Die Medienwelt soll­te sich den Rat von Prof. Schmidt-Chanasit zu Herzen neh­men: "Zu behaup­ten, das Land macht es bes­ser, jenes Land macht es bes­ser, das Land macht es schlech­ter – das wird man ganz am Ende wis­sen, weil man dann eben schlau­er ist. Aber jetzt zu sagen, das ist der bes­te Weg oder jenes, das wäre, glau­be ich, zu früh.“ (s. Zwei Richtungen in der Wissenschaft)

Grafiken, die nichts beweisen

Vier Grafiken aus dem glei­chen Zahlenmaterial. Sie zei­gen, daß ein und die­sel­ben Zahlen ganz unter­schied­lich dar­ge­stellt und inter­pre­tiert wer­den kön­nen.

In der esten Sicht sind wir im Ranking ganz gut, aber auch die USA lie­gen noch vor San Marino.

Wie sieht es mit der nächs­ten Korrelation aus? Deutschland ein­sa­me Klasse, weit abge­schla­gen etwa Vatikanstadt – aber nur, weil es dort bis heu­te kei­ne Toten gibt. Selbst der mick­ri­ge Wert für die USA besagt: Die Zahl der Genesenen ist dop­pelt so hoch wie die der Todesfälle.

Ein völ­lig ande­res Bild ergibt sich, wenn man die Zahl der Fälle pro einer Million Einwohner betrach­tet. Da ste­hen wir ganz gut da, aber längst nicht so gut wie Kuba oder Japan. Selbst die USA wir­ken mode­rat, wäh­rend ein­sa­mer Spitzenreiter San Marino ist.

Quellen Stand 28.4. 00:13 Uhr

Wenn berück­sich­tigt wird, daß Daten in den ver­schie­de­nen Ländern sehr unter­schied­lich erho­ben wer­den, die Johns-Hopkins-Universität als Urheberin des Zahlenmaterials umstrit­ten ist und es erheb­li­che Tagesschwankungen gibt, dann soll­te uns dies vor­sich­tig machen bei der Akzeptanz der uns rund um die Uhr prä­sen­tier­ten ver­meint­lich objek­ti­ven Statistiken.

Kuba – so kann es auch gehen

Der dem kuba­ni­schen Sozialismus nicht gera­de wohl geson­ne­ne Spiegel berich­tet am 14.4.:

"Kubanische Ärzte kämp­fen in Italien und Andorra gegen das Coronavirus, Pfleger und Krankenschwestern berei­ten sich auf den Einsatz in Deutschland vor. Doch die größ­te Herausforderung war­tet in der Heimat…

Knapp 726 Menschen sind auf der Insel offi­zi­el­len Angaben zufol­ge mit dem Virus infi­ziert, 21 sind bis­lang an den Folgen von Covid-19 gestor­ben (Stand Dienstagmittag). Unter ihnen sind meh­re­re Ausländer, die das Virus ver­mut­lich ein­ge­schleppt haben. Die Regierung hat des­halb eine tota­le Einreisesperre für Touristen ver­hängt. Wer kei­nen Rückflug in sei­ne Heimat bekom­men hat, wur­de in Hotels unter Quarantäne gestellt und darf das Gelände nicht ver­las­sen, bis die Rückreise orga­ni­siert ist…

'Das kuba­ni­sche Gesundheitssystem ist auf die Coronakrise bes­ser vor­be­rei­tet als jedes ande­re in Lateinamerika, weil die Maßnahmen einer mili­tä­ri­schen Logik fol­gen', sagt Bert Hoffmann, Kuba-Experte am Giga-Institut in Berlin. Erfahrungen mit Hurrikankatastrophen und Epidemien wie dem Zikavirus hät­ten dazu bei­getra­gen, dass die Insel für die Pandemie bes­ser gewapp­net sei als vie­le Nachbarländer… „Kuba – so kann es auch gehen“ wei­ter­le­sen

Pseudo-Informationen der Johns-Hopkins-Universität

"Die Johns Hopkins Universität gibt auch einen Überblick über die Letalität, also die Wahrscheinlichkeit, an dem Coronavirus zu ster­ben, in ver­schie­de­nen Ländern. Dabei ver­weist das Institut dar­auf, dass die Kennzahl zwar eine wich­ti­ge Maßeinheit sei, um die Belastung zu mes­sen, die das Virus für die Länder bedeu­te. Über die Ursachen der unter­schied­li­chen Letalitätsraten lie­ßen sich aller­dings kei­ne gesi­cher­ten Angaben machen.

So könn­ten zum einen unter­schied­lich aus­ge­präg­te Testgewohnheiten die Rate beein­flus­sen. Zum ande­ren aber wür­den sich dar­in auch die unter­schied­li­che Demografie und Unterschiede im Gesundheitssystem und der medi­zi­ni­schen Versorgung wider­spie­geln. Dazu kämen mut­maß­lich bis­lang unbe­kann­te Faktoren.

Besonders hoch ist die Letalität laut Johns Hopkins Universität (Stand Donnerstagnachmittag) in Belgien, wo 13,2 Prozent der gemel­de­ten Corona-Infektionen töd­lich enden, in Italien (13,1 Prozent) und in Großbritannien (13,0 Prozent). In Deutschland liegt die spe­zi­fi­sche Sterberate dem­nach bei 2,8 Prozent, in den USA bei 4,5 Prozent."

(Hervorhebung nicht im Original) Link zu welt.de

Wer mit mut­maß­li­chen und unbe­kann­ten Faktoren ope­riert, begeht Panikmache.

Wer sind alle diese Experten?

Alles, was wir gera­de erle­ben, wird uns mit der Autorität von Experten begrün­det. Hoch im Kurs beson­ders die Johns-Hopkins-Universität und das Robert-Koch-Institut.

Wir haben es zu tun mit ange­se­he­nen ProfessorInnen und ande­ren WissenschaftlerInnen. Heißt das, wir kön­nen uns bedin­gungs­los auf sie ver­las­sen?

Wenn wir für einen Augenblick ver­su­chen, uns aus der Coronastarre zu lösen, kön­nen wir zurück­bli­cken. Dabei wer­den wir fest­stel­len, daß es zu jeder unsin­ni­gen oder unso­zia­len Maßnahme hono­ri­ge Experten gab, die sie uns begrün­de­ten:

    • Professorenheere wur­den auf­ge­bo­ten, uns wegen einer "Demographie-Krise" Rentenkürzungen und in der Folge teu­re Versicherungen bei Großkonzernen schmack­haft zu machen.
    • WirtschaftswissenschaftlerInnen aller Art haben uns den Untergang des Wohlstands ange­kün­digt, wenn wir einen Mindestlohn ein­füh­ren soll­ten.
    • Noch im letz­ten Jahr haben die ExpertInnen der Bertelsmann-Stiftung die Schließung fast jeden zwei­ten Krankenhauses gefor­dert.
    • Hartz IV war das Ergebnis der Expertise gut bezahl­ter AkademikerInnen.
    • 100 Lungenärzte woll­ten uns erklä­ren, daß Feinstaub eine fei­ne Sache sei.

„Wer sind alle die­se Experten?“ wei­ter­le­sen

Experten – wem soll man denn nun glauben?

Am 8.4. berich­tet die FAZ: "Nach Schätzungen des RKI sind in Deutschland bereits mehr als 33.000 Menschen wie­der von ihrer Virusinfektion gene­sen. Der Anteil der Verstorbenen liegt bei 1,6 Prozent. Insgesamt sind fast 90 Prozent der Verstorbenen 70 Jahre oder älter gewe­sen. Dagegen sind 70 Prozent aller Infizierten in Deutschland 15 und 59 Jahre alt."

Im glei­chen Artikel fin­den sich die wesent­lich höhe­ren Zahlen der Johns-Hopkins-Universität an Erkrankten und Toten und über­ra­schen­der­wei­se die "Information",  "mehr als 30.000 Menschen sei­en jedoch aber auch schon wie­der gene­sen." - welt­weit wohl­ge­merkt!

Wenn wir den Zahlen des RKI fol­gen wol­len, dann gibt es jetzt mehr Genesene in Deutschland als die JHU welt­weit zählt!

War es wirk­lich rich­tig, die­sen Experten zu trau­en?

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Update 10.4.: Der vor­letz­te Satz ist Quatsch. Die JHU scheint von 300.000 Genesenen aus­zu­ge­hen. Nun steht aber in der hier zitier­ten Quelle (faz.net) noch jetzt (10.4. 13:48) die Zahl 30.000. Was lehrt uns das? Auch die Qualitätsmedien machen Fehler – prü­fen ist immer wich­tig. Die Zahlen der JHU vom 10.4. 13:03: 361.377 Genesene.

Johns-Hopkins-Universität: USA bestens vorbereitet

Wir alle wer­den per­ma­nent mit Daten der Johns-Hopkins-Universität kon­fron­tiert. In den Mainstream-Medien gilt sie als unhin­ter­frag­ba­re Autorität in Sachen Corona.

In ihrem jähr­lich erstell­ten Global-Health-Security-Index, mit dem sie die Vorbereitungen ein­zel­ner Länder auf Gesundheitsrisiken dar­stellt, sieht sie für 2019 im Ranking von 195 Ländern auf Platz 1 die USA, auf Platz 2 Großbritannien.

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Johns-Hopkins-Universität – vernachlässigte Infos

Am 3.4.2020 war auf tagesschau.de zu lesen:

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Die Johns-Hopkins Universität ist eine pri­va­te Hochschule.

"Die dabei stets genann­te Quellenangabe Johns-Hopkins-Universität greift aller­dings zu kurz. Denn die Daten, die die Universität in einem soge­nann­ten Dashboard laut eige­nen Angaben für 180 Länder in Echtzeit publi­ziert, stam­men aus Hunderten Einzelquellen und lau­fen bei der Privatuniversität aus Baltimore ledig­lich zusam­men. Gleicht man die Daten mit denen der offi­zi­el­len deut­schen Meldestelle, dem Robert Koch-Institut ab, lie­gen die Zahlen der US-Universität teils um meh­re­re Tausend Neuinfektionen höher."

Boulevard(?)zeitung als deut­sche Quelle

"Auf ZAPP-Anfrage lässt die Universität wis­sen, dass ihre Hauptquelle – das "Worldometer" – ein auf Echtzeitstatistiken spe­zia­li­sier­ter Datendienst sei, der sich für Deutschland nahe­zu aus­schließ­lich der Daten von der "Berliner Morgenpost" bedie­ne." „Johns-Hopkins-Universität – ver­nach­läs­sig­te Infos“ wei­ter­le­sen