Aldi-Selbsttest: "Schummeln denkbar einfach"

Was die "Deutsche ApothekerZeitung" am 9.3. unter dem Titel "Zertifikat selbst ohne Test?" schreibt, hat auch etwas mit der läs­ti­gen Konkurrenz der Discounter zu tun. Trotzdem will das Do-it-yourself-Verfahren gefallen:

»Seit dem ver­gan­ge­nen Samstag bie­tet der Discounter-Riese „Aldi“ Corona-Selbsttests an. Und auch wenn seit dem gest­ri­gen Montag eini­ge Lockerungen der Corona-Maßnahmen gel­ten, die ein Testkonzept vor­aus­set­zen, sind die Selbsttests bis­lang noch kein akzep­tier­tes Mittel. Sie sol­len aus­schließ­lich für den pri­va­ten Bereich ein­ge­setzt wer­den. Zurecht? Ein frei zugäng­li­cher QR-Code auf der Verpackung des Aldi-Tests lässt Böses befürchten…

Wo die Schnelltests eigent­lich die Pandemiebekämpfung unter­stüt­zen sol­len, machen sie es Schummlern denk­bar ein­fach. Auf der Verpackung des Aesku Antigen-Selbsttests ist ein QR-Code abge­bil­det mit dem Hinweis „Bitte scan­ne mich“. So gelangt man auf eine Unterseite von „ichtestemichselbst.de“ und kann sich dort selbst ein Zertifikat aus­stel­len – aller­dings auch ohne je im Besitz einer Packung gewe­sen zu sein oder einen Test durch­ge­führt zu haben. Es reicht, den QR-Code auf einem Foto von einer Packung ein­zu­scan­nen und schon kann man sich belie­big vie­le nega­ti­ve Testergebnisse beschei­ni­gen. Das funk­tio­niert wie folgt. Auf der über den QR-Code erreich­ba­ren Seite von „ichtestemichselbst.de“ müs­sen die Kund:innen zwei Fragen beant­wor­ten. Die ers­te Frage lau­tet: „War der Test posi­tiv?“ Klickt man auf „Ja“, wird man auf­ge­for­dert, umge­hend einen Arzt auf­zu­su­chen. Man kann jedoch pro­blem­los zurück­ge­hen und sich ument­schei­den. Klickt man „Nein“ an, gelangt man zur zwei­ten Frage. Diese lau­tet: „Haben Sie den Test eigen­stän­dig durch­ge­führt“. Die Antwort scheint hier aber kei­nen Einfluss auf das wei­te­re Verfahren zu haben. Man gelangt dann auf die nächs­te Seite, auf der sich das „Testzertifikat“ her­un­ter­la­den lässt. „Sichern Sie jetzt Ihr Testzertifikat zur Legitimierung in Geschäften für die nächs­ten sechs Stunden“, heißt es auf der Seite. Um sich bei einem Dritten zu legi­ti­mie­ren, soll man hier eine Führerschein- oder Personalausweisnummer ein­ge­ben. Es reicht jedoch aus, einen Fantasienamen oder die Ziffern 1234567 ein­zu­ge­ben. Man kann sich auf die­se Art und Weise belie­big vie­le nega­ti­ve Testzertifikate bescheinigen…«

Von der Webseite des Herstellers:

https://ichtestemichselbst.de/category/allgemein/

Zertifikat für Jens Spahn

Auch apotheke-adhoc.de hat es ausprobiert:

»Bei der Eingabe der Personalausweis- oder Führerscheinnummer gibt es kei­ne wei­te­ren Vorgaben, bei der Menge der Zertifikate eben­so wenig. Direkt hin­ter­ein­an­der haben wir im Test sie­ben Zertifikate für ech­te und Fantasienummern erstellt – und eins für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Auch wenn es in der Praxis kei­ner­lei Einsatzmöglichkeiten für den Aesku-Zertifikat geben mag, allein die Optionen der Erstellung gren­zen an Irreführung.

Auf der Internetseite heißt es, dass die „Selbsttest App als Eintrittskarte“ gel­te. Sie stel­le nach erfolg­tem nega­ti­ven Test auf dem Smartphone ein Zertifikat zur Verfügung, „aus dem die Testung, ihr Zeitpunkt und die Dauer der Gültigkeit ersicht­lich sind“. Damit soll der Zutritt zu fol­gen­den „Events“ mög­lich sein: Restaurant/Biergarten, Konzert/Theater, Sportveranstaltungen, Friseur, Einkaufen, Nagelstudius, Fahrschulen, Kino und Kosmetik. Persönliche Daten wür­den nicht erho­ben.«

16 Antworten auf „Aldi-Selbsttest: "Schummeln denkbar einfach"“

  1. Bin mal gespannt wie lan­ge man die­ses Kasperletheater am Leben erhält.
    Es scheint doch in der 2. oder 3. Reihe ein IQ Test zu sein.

  2. "Man kann sich auf die­se Art und Weise belie­big vie­le nega­ti­ve Testzertifikate bescheinigen…"
    Wow, Hammer.
    Oder noch bes­ser. Ich schrei­be mir ein­fach mein eige­nes Testzertifikat. Dazu brau­che ich nur ein Schreibprogramm, etwas Fantasie (oder Suche im Web, wie sol­che Testzertifikate aus­se­hen) und einen Drucker.

    Würde ich regel­mä­ßi­ge Testbestätigungen für ein Altenheim brau­chen, hät­te ich die­sen Test viel­leicht ein­mal gemacht. Danach die Bestätigung ein­ge­scannt und für mei­ne Zwecke mani­pu­liert (Datum, usw.). Das merkt niemand.

  3. …ich kanns nicht lassen:
    Eigentlich ist mein gesetz­li­cher Auftrag die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.
    …Paragraph 1 Apothekengesetz oder wars das Apothekergesetz? …egal
    Damit bin ich aus­rei­chend beschäftigt. 

    Maskenwahn und Testerei wur­de uns von Jensi auf­ge­drückt. Okay, wir wur­den gut bezahlt, aber auch das war Jensis Idee. 

    (Und wie stellt man sich das vor, 83 000 000 Millionen Tests pro Woche, wer soll das wann wo womit machen?)

    Apotheke = regio­nal ange­sie­del­ter Betrieb, Steuerzahler im Ort per Gewerbesteuer und in Land und Bund, Arbeitsplätze, 

    Discounter = Großkonzern, Gewerbesteuer irgend­wo, ande­re Steuern eben­so fraglich.

  4. "Die Schnelltests sol­len ein Baustein sein, um mehr Normalität und Kontakte zu ermög­li­chen, ehe jedem Bürger ein Impfangebot gemacht wer­den kann. "

    Was ist bescheu­er­ter ("nor­ma­ler"):
    ‑einen Test machen, der sechs Stunden "Fahrkarte" (so im Artikel) für eine "kör­per­na­he Dienstleistung" ist,

    oder

    -einen Test FAKEN,
    der sechs Stunden "Fahrkarte" ist für Friseur/Kosmetiker/Fusspflege?

    Scheiss auf eure Normalität, ich hätt gern eine ein­fa­che Fahrt raus aus der Idiotie, bitte!

  5. Die grund­sätz­li­che Frage stellt sich mir, seit­dem es Zugang zu Tests gibt:
    Wer um Himmels Willen geht ohne gesetz­li­che Vorgaben oder Symptome über­haupt frei­wil­lig zum Testen bzw tes­tet sich selbst und gibt da auch noch Geld dafür aus?
    Man ist doch frü­her auch nicht ein­fach so zum Arzt gegan­gen und hat ihn auf­ge­for­dert, mal nach­zu­se­hen, ob man gesund ist?
    Wobei man damals nur höchst sel­ten Gefahr lief, sofort dem Gesundheitsamt gemel­det und in Quarantäne geschickt zu wer­den – mit allen beruf­li­chen und pri­va­ten Folgen.
    Von der "Nebenwirkung", mal schnell die Inzidenzwerte nach oben zu trei­ben mal ganz abgesehen.
    Es ist mir unbegreiflich.

  6. Typisch Dänemark! Keine Ahnung von Pharmakovigilanz, Public Heath und Epidemiologie!
    Oder irre mich da?

    "Dänemark setzt laut Ministerium Impfungen mit AstraZeneca aus

    Dänemark will vor­erst nicht mehr mit dem Vakzin von AstraZeneca imp­fen. Das teil­te Gesundheitsminister Magnus Heunicke mit. Der Grund sei­en Hinweise, dass es nach Impfungen zu Blutgerinnseln gekom­men sei. Ob ein Zusammenhang mit dem Impfstoff bestehe, sei nicht nach­ge­wie­sen, trotz­dem müs­se die däni­schen Regierung vor­sichts­hal­ber schnell handeln.

    Der Impfstopp wur­de vor­erst für 14 Tage ver­hängt, hieß es von däni­schen Behörden. Die euro­päi­schen Arzneimittelbehörden hät­ten vor dem Hintergrund eine Untersuchung des Impfstoffes eingeleitet."

    https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-donnerstag-193.html

  7. Niemand wird schum­meln bei einem Selbsttest!
    Außer Karl Lauterbach käme nie­mand auf einen sol­chen Gedanken.
    Deshalb sei die Frage erlaubt: hat Karl Lauterbach das rich­ti­ge Menschenbild?

    Frank Plasberg macht es richtig:
    Ich mach das öfter zuhau­se, weil ich bin gar nicht in der Redaktion.
    Ich hab's heu­te Morgen gemacht. Da sehe ich da zwei Striche und dann sag' ich doch nicht, blöd, ich hab' heu­te Abend Sendung. Meine Frau? … ist halt Risiko … mein Sohn? … ist halt Risiko. Hauptsache ich mache mei­ne Sendung.
    Das macht doch keiner.

    Ausschnitt [40:06 ]aus Hart aber Fair vom 01.03.2021:
    https://youtu.be/W0iaCRWpctg?t=2406

  8. Das mit den Zertifikaten ist wahr­schein­lich eine ganz, ganz schlech­te Idee!
    Warum?
    Man erin­ne­re sich: bei den Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstrationen hat die Polizei alle Atteste, die beschei­nigt haben, dass der Besitzer von der Maskentragepflicht befreit ist, kas­siert und ein Bußgeldverfahren eingeleitet.
    Warum soll­te dies bei die­sen Zertifikaten nicht auch so geschehen?
    Jeder, der mit einem Schnelltest-Zertifikat erwischt wird, ist ein poten­ti­el­ler Verbrecher/Mörder.
    Niedrige Beweggründe. Tatwerkzeug Corona.
    Bald sit­zen Millionen Selbsttester im Knast!

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