Der Mann in Braun spricht Klartext

t‑online berich­tet heu­te nicht aus der Wolfsschanze, son­dern dem Heimatministerium in Nürberg. Alle sol­len sich wie die Pflegekräfte "klag­los weit über das erwart­ba­re Maß hin­aus ein­brin­gen".

https://www.t‑online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_89102390/markus-soeder-ueber-die-aktuelle-corona-lage-ich-vermisse-ganz-viel-.html

»Donnerstag, kurz nach halb elf im Heimatministerium in Nürnberg. Markus Söder betritt einen nüch­ter­nen Konferenzraum für das Interview mit t‑online. Am spä­ten Vorabend hat er sich noch in die Talkshow von Markus Lanz zuschal­ten las­sen, um sei­nen bis­he­ri­gen Kurs gegen die Krise zu ver­tei­di­gen. Aber jetzt sind die Infektionszahlen schon wie­der gestie­gen. Aus immer mehr Bundesländern kom­men Signale, dass es so nicht wei­ter­ge­hen kann. Dass schnell etwas gesche­hen muss. Schnell kann Söder gut. Er ist gern vorn dran. Also schnell Cola und Kaffee, und dann los:…

Welcher Moment war bis­her am ein­drück­lichs­ten für Sie?

Heute wie im Frühjahr ist der wich­tigs­te Moment des Tages ganz in der Früh. Da erhal­te ich die aktu­el­len Infektionszahlen und die Todesfälle. Das bewegt mich jeden Tag aufs Neue. Da ist es sehr auf­bau­end, immer wie­der lie­be­vol­le und net­te Briefe von Schülern sogar aus der Grundschule zu bekom­men, die sich für unse­re Arbeit bedan­ken. Das ist oft sehr rührend…

Manche Menschen sind nach all den har­ten Monaten womög­lich ein­fach erschöpft.

Viele suchen nach der Möglichkeit zu hel­fen, aber man­che auch nach einem Schlupfloch, Vorschriften zu ihren Gunsten zu inter­pre­tie­ren. Aktuell gehen zwei Viren durchs Land: Das eine ist das Coronavirus, das ande­re ist das Virus der Verunsicherung und Hetze. Letzteres ist die schlimms­te Nebenwirkung von Corona. Früher dach­te man, Verschwörungstheoretiker sei­en nur eine klei­ne Gruppe, die glaubt, die Erde sei eine Scheibe. Aber jetzt, da dies mit den soge­nann­ten "Querdenkern" schon sek­ten­ähn­li­che Strukturen annimmt, bin ich sehr dafür, dass sich der Verfassungsschutz das sehr genau anschaut. Trotzdem han­delt es sich zum Glück nur um einen sehr klei­nen Teil der Bevölkerung, der Großteil macht groß­ar­tig mit – und dafür bin ich unglaub­lich dankbar.

Es sind ja eben nicht alle Gegner der Corona-Maßnahmen "Querdenker".

Wir sit­zen als Gesellschaft in einem Boot. Und ich habe Verständnis, dass man Maßnahmen kri­tisch sieht. Viele Beschlüsse sind die Folge von Kompromissen, wie es in einer funk­tio­nie­ren­den Demokratie eben üblich ist. Aber wir brau­chen mehr geleb­te Solidarität. Nehmen Sie etwa die Pflegekräfte, die zu wenig ver­die­nen, sich in die­ser Krise aber trotz­dem klag­los weit über das erwart­ba­re Maß hin­aus ein­brin­gen – an ihnen könn­ten sich vie­le ein Beispiel nehmen…

China reagiert schon bei kleins­ten Fallzahlen mit mas­si­ven Vorbeugemaßnahmen und Zwang – das ist aber nicht unser System. Wir wol­len zei­gen, dass eine moder­ne Demokratie genau­so gut das Virus bekämp­fen kann…

Herr Söder, wir dan­ken für das Gespräch.«

7 Antworten auf „Der Mann in Braun spricht Klartext“

  1. "Trotzdem han­delt es sich zum Glück nur um einen sehr klei­nen Teil der Bevölkerung, der Großteil macht groß­ar­tig mit" 

    Ja, weil ein Großteil nicht den­ken kann und sich nur zum neu­ro­ti­schen Mitläufertum eig­net, wie wir wissen.

  2. Wir sind vie­le! Und wir wer­den immer mehr! Wir, dass sind die, die nicht ver­ges­sen haben, dass auch bei der letz­ten Grippewelle die Krankenhäuser über­las­tet waren, weil zu vie­le pri­va­ti­siert wur­den. Die Rendite muss ja stim­men, des­halb Personal gespart wer­den. Wir sind auch die, die nicht ver­ges­sen haben, was bei der Schweinegrippe los war, wie Drosten damals schon gelo­gen hat und das vie­le, die geimpft wur­den, ihr Leben lang lei­den! Und wir sind die­je­ni­gen, die euch nicht ein­fach alles glau­ben, son­dern sel­ber nach­for­schen und sel­ber denken!

  3. "Ich bin ein Kind der Siebzigerjahre und habe daher schon eini­ge Krisen und Katastrophen auf der Welt mit ange­se­hen: den Terror der RAF, das Waldsterben, dann die Katastrophe von Tschernobyl und auch die Anschläge am 11. September 2001."

    Oops da hat er wohl den Mauerfall und die Bankenkrise ver­schla­fen. Bevor jemand meckert: für Leute aus der ehe­ma­li­gen DDR war der Systemwechsel und der Anschluss an die BRD abso­lut eine Krise. Aber Maagus spricht wohl nicht für ganz Deutschland, da drroo­ben, in Nürrrnberch. Und ja, es war eine Bankenkrise, kei­ne Finanzkrise. 

    Zum Rest: heu­te salbt wie­der jemand beim ARD über die 598 Leute, die MEHR gestor­ben sei­en. Alle beten das nach. Aber es sind ja nicht mehr. 

    Menschen ster­ben: in den Vorjahren wur­den sie durch ande­re Infektionskrankheiten wie z.B. Influenza dahin­ge­rafft. Hat kei­nen gestört. Auch selbst­ge­mach­te Todesursachen (z.B. durch die Maßnahmen) sind wurscht: Hauptsache, sie ster­ben irgend­wie an und mit Corona. 

    Das Erfreuliche: Corona hat die Influenza besiegt! Nachzulesen hier:
    https://apps.who.int/flumart/Default?ReportNo=10
    Seit Woche 17. Keine Influenza mehr. Ist doch super.

    1. … na klar, wenn ich mei­nen Giersch im Garten aus­rot­te – hab ich nächs­tes Jahr über­all Brennesseln…

      (… hör ich doch lie­ber auf mit dem Ausrotten, pfleg ich doch lie­ber mei­nen Garten, dann hab ich irgend­wann auch mal wie­der Klatschmohn…)

  4. Schon für des­sen impe­ri­ale­li­ta­ris­ti­sche, abdo­lu­tis­ti­sche Sicht zu Demokratie gehört der in den Knast.

    "Wir sit­zen als Gesellschaft in einem Boot. Und ich habe Verständnis, dass man Maßnahmen kri­tisch sieht. Viele Beschlüsse sind die Folge von Kompromissen, wie es in einer funk­tio­nie­ren­den Demokratie eben üblich ist. Aber wir brau­chen mehr geleb­te Solidarität. Nehmen Sie etwa die Pflegekräfte, die zu wenig ver­die­nen, sich in die­ser Krise aber trotz­dem klag­los weit über das erwart­ba­re Maß hin­aus ein­brin­gen – an ihnen könn­ten sich vie­le ein Beispiel nehmen…"

  5. "… der Großteil macht groß­ar­tig mit."

    Hmmm, könn­te von Mao, Hitler, Stalin stammen …

    Ist es ernst­haft von einem demo­kra­tisch gesinn­ten Politiker nor­mal, so etwas hören zu müs­sen? Ach was, das mit dem "demo­kra­tisch gesinnt" war natür­lich Spaß.

    (Und bit­te: eine Demokratie ist nicht dadurch gekenn­zeich­net, dass alle in die glei­che Richtung bei allem mitmachen.)

  6. "Aber jetzt, da dies mit den soge­nann­ten "Querdenkern" schon sek­ten­ähn­li­che Strukturen annimmt, bin ich sehr dafür, dass sich der Verfassungsschutz das sehr genau anschaut."

    Sehe ich genau in die ande­re Richtung. Ich hab mich von Anfang an gefragt, wer in der Regierung oder für wel­chen Sektenführer die Regierung arbei­tet. Die reagie­ren alle so apa­thisch. Nicht mehr sie selbst. Alles aus­wen­dig gelern­tes Palaver.

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