Ein Maskenball

So lau­tet der Titel einer 1859 urauf­ge­führ­ten Oper von Giu­sep­pe Ver­di mit dem Ori­gi­nal­ti­tel "Un bal­lo in masche­ra". Das Aus­gangs­ma­te­ri­al war laut Wiki­pe­dia :

»Am 16. März 1792 wur­de der [schwe­di­sche] König auf einem Mas­ken­ball in der Stock­hol­mer Oper vor den Augen der Ball­ge­sell­schaft vom mas­kier­ten Gra­fen Johann Jakob Anckar­ström ange­schos­sen und starb knapp zwei Wochen spä­ter an einer Blutvergiftung…

Für Nea­pel war es ein revo­lu­tio­nä­rer Stoff, denn man konn­te sich in Nea­pel noch gut an das vier Jah­re zuvor ver­üb­te Atten­tat gegen den König von Nea­pel erin­nern. Am 13. Janu­ar 1858 hat­te Graf Feli­ce Orsi­ni ein Atten­tat auf Kai­ser Napo­lé­on III. von Frank­reich ver­übt. So war es ver­ständ­lich, dass die Zen­sur die Oper ablehnte.

Die Zen­sur schrieb die Oper total um, nann­te sie Ade­lia degli Adi­ma­ri und Ver­di muss­te prak­tisch jede Sze­ne vor der Zen­sur recht­fer­ti­gen. Da sich das Volk und eini­ge Per­sön­lich­kei­ten Nea­pels hin­ter Ver­di stell­ten, kam es zu Tumul­ten. Es gab Demons­tra­tio­nen gegen die Regie­rung und für die künst­le­ri­sche Frei­heit eines Komponisten. 

Schließ­lich ent­ließ der König Ver­di aus sei­nem Kon­trakt. Die­ser ver­ließ die Stadt und woll­te nie wie­der eine Oper für Nea­pel schreiben.

Das Tea­t­ro Apol­lo in Rom bot Ver­di an, sei­ne neue Oper dort auf­zu­füh­ren, doch auch dort mach­te die päpst­li­che Zen­sur zunächst Pro­ble­me. Sie war unter der Bedin­gung ein­ver­stan­den, dass die Hand­lung nach Bos­ton ver­legt wer­de und eini­ge Per­so­nen umbe­nannt wür­den, vor allem die Adli­gen. Musik und Text wur­den bei­be­hal­ten. Der Titel des Stü­ckes wur­de umbe­nannt in Un bal­lo in maschera.

Am 17. Febru­ar 1859 fand die Urauf­füh­rung der Oper statt. Sie wur­de zu einem Tri­umph, nicht nur für Ver­di, son­dern auch für den Frei­heits­kampf der Ita­lie­ner. Der Name Ver­di wur­de per­so­ni­fi­ziert in Vitto­rio Ema­nue­le Re d’Italia.

Am 7. Sep­tem­ber 1860 stürz­te in Nea­pel der ver­hass­te bour­bo­ni­sche Thron. Eine der ers­ten Opern, die im befrei­ten Nea­pel auf­ge­führt wur­den, war Un bal­lo in masche­ra.«


Am 20. Sep­tem­ber 2020 muß­te eine Auf­füh­rung im Opern­haus Tea­t­ro Real in Madrid abge­bro­chen werden:

»Die Auf­füh­rung von Giu­sep­pe Ver­dis "Un bal­lo in masche­ra" (Ein Mas­ken­ball) war von Zuschau­ern aus Pro­test dage­gen, dass sie ihrer Ansicht nach zu eng bei­ein­an­der saßen, durch per­ma­nen­tes Klat­schen und Zwi­schen­ru­fe gestört wor­den, wie in Web­vi­de­os zu sehen war. Die Auf­füh­rung wur­de dar­auf­hin abge­bro­chen. Die Pro­tes­te kamen von den hin­ters­ten und damit preis­wer­tes­ten Zuschau­er­rän­gen. In den Vide­os war zu sehen, dass dort fast jeder Sitz besetzt war. In den vor­de­ren teu­re­ren Rei­hen waren hin­ge­gen vie­le Sit­ze leer.«

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