Hamburgs Corona-Inzidenz: Warum der RKI- Wert keinen Wert hat

abendblatt.de erklärt am 29.4 (Bezahlschranke), war­um anders als in Berlin (dort haben die eige­nen Zahlen kei­nen Wert, son­dern nur die des RKI) in Hamburg so ver­fah­ren wird:

»Hamburg. Am Mittwochmorgen hät­te in Hamburg theo­re­tisch Grund zum Jubeln bestan­den: Denn als das Robert-Koch-Institut (RKI) des Bundes um 8.30 Uhr die neu­es­ten Corona-Fallzahlen für das gan­ze Land ver­öf­fent­lich­te, wur­de für die Hansestadt ein Inzidenzwert von 95 aus­ge­wie­sen – sat­te zehn Punkte weni­ger als am Vortag. Damit hat­te Hamburg nicht nur wei­ter­hin den zweit­bes­ten Wert nach Schleswig-Holstein (70) und stand erheb­lich bes­ser da als der Rest der Republik – deutsch­land­weit liegt der Wert bei 161 –, son­dern rutsch­te auch erst­mals seit Mitte März unter 100.

Und das bedeu­tet: Wenn die­ser Zustand fünf Tage lang anhält, könn­te die Stadt nach den Regeln der Bundes-Notbremse Lockerungen vor­neh­men, etwa wei­te­re Jahrgänge zurück in die Schulen holen oder dem Einzelhandel wenigs­tens wie­der „Click & Meet“, also Shoppen mit vor­he­ri­ger Terminbuchung, erlauben.

Warum zeigt die Hamburger Corona-Inzidenz andere Werte?

Doch dazu wird es vor­erst nicht kom­men. Denn der Hamburger Senat legt für sei­ne Entscheidungen nicht die RKI-Zahlen zugrun­de, son­dern sei­ne „eige­nen“, also jene, die die Sozialbehörde jeden Tag um 12 Uhr ver­öf­fent­licht. Die gin­gen am Mittwoch zwar auch zurück – 319 Neu-Infektionen waren 81 weni­ger als vor einer Woche. Doch die Inzidenz, die die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner bin­nen sie­ben Tagen angibt, sank „nur“ von 114,3 auf 110.

Doch wie kom­men RKI und die Stadt über­haupt auf unter­schied­li­che Werte? Die Wahrheit ist: Wirklich stich­hal­tig lässt sich das nicht erklä­ren. Grundsätzlich ist der Ablauf so: PCR-Tests wer­den in meh­re­ren Laboren ana­ly­siert und die Ergebnisse in das Meldesystem Demis ein­ge­pflegt. Die Hamburger Gesundheitsämter grei­fen dort auf die Daten zu und prü­fen etwa, ob ein posi­tiv Getesteter auch wirk­lich in Hamburg wohnt (was manch­mal nicht der Fall ist) oder ob er schon im System vor­han­den ist. Dann mel­den sie die­se „qua­li­täts­ge­si­cher­ten“ Daten an die Sozialbehörde, die sie wie­der­um sam­melt, ver­öf­fent­licht und ans RKI meldet…

Das Institut ver­öf­fent­lich zwar immer erst am Folgetag die aus den Ländern über­mit­tel­ten Daten. Das wür­de also erklä­ren, war­um der RKI-Wert dem „Hamburger“ Wert immer etwas hin­ter­her­hinkt. Tatsächlich hinkt er aber nicht nur hin­ter­her, son­dern er weicht fast immer mehr oder weni­ger ab – mal leicht nach oben, aktu­ell halt stark nach unten. Als mög­li­che Erklärung gilt noch, dass es mit­un­ter zu Nachmeldungen von Laborergebnissen kommt oder aus ande­ren Bundesländern oder gar aus dem Ausland ein posi­ti­ver Test eines Hamburger Bürgers gemel­det wird – das erfolgt dann nicht immer über Demis und kann zu Verwirrung füh­ren…«

Verwirrung also vom Feinsten. Dabei ist noch nicht ein­mal die Rede davon, daß eine der­ar­ti­ge "Inzidenz" als Grundlage für Ausgangsbeschränkungen und Anderes völ­lig unge­eig­net ist.

7 Antworten auf „Hamburgs Corona-Inzidenz: Warum der RKI- Wert keinen Wert hat“

  1. Bei soviel Unsicherheiten in der Datengewinnung, ange­fan­gen bei den weder stan­dar­di­sier­ten noch vali­den Tests, den kürz­lich ange­ord­ne­ten, über­flüs­si­gen Testungen an Schulen (-wo die nied­ri­ge Prävalenz zu exor­bi­tant höhe­ren Falschpositiv- Quoten führt) bis hin zu über­trie­be­nen Modellierungen, kann man davon über­haupt nichts mehr ernst neh­men oder für glaub­wür­dig halten.

  2. Und doch wird der absurd- tota­li­tä­re Wahnsinn immer noch von Gerichten für legal befun­den. Dabei kann es sich eigent­lich nur um völ­li­gen Realitätsverlust handeln.

  3. Andere Länder ande­re Sitten!

    "Die Sieben-Tage-Inzidenz hat das Robert-Koch-Insitut ( RKI ) am Donnerstag für Münster mit 91,3 ange­ge­ben. Am Donnerstag hat­te der Wert noch bei 93 gele­gen. Seit Einführung der Corona-Notbremse des Bundes sind die Zahlen des RKI und nicht mehr des Landeszentrums für Gesundheit (LZG) maß­geb­lich. Die Inzidenzen von RKI und LZG kön­nen sich unter­schei­den, da beim RKI kei­ne nach­träg­li­chen Korrekturen vor­ge­nom­men werden."
    https://www.wn.de/Muenster/4411671-Pandemie-630-Corona-Infizierte-aktuell-in-Muenster

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