Noch was von #allesdichtmachen-Regisseur Brüggemann

Auf sei­nem Blog stellt Brüg­ge­mann ein F.A.Q. zur Ver­fü­gung. Dort heißt es am 28.4.:

»Zur Zeit sen­den Jour­na­lis­ten mir immer wie­der Lis­ten von Fra­gen, die sich oft ähneln. Daher fas­se ich sie hier zusam­men und beant­wor­te sie nach­ein­an­der gebün­delt. Wer sie abdru­cken will, darf das unter Nen­nung der Quel­le gern tun. In den nächs­ten Tagen wer­den ver­mut­lich auch noch wel­che dazu­kom­men. Stört Euch nicht am irri­tie­ren­den Wech­sel von Sie- und Du-Form, und wer­fen Sie mir den teil­wei­se etwas inqui­si­to­ri­schen Duk­tus der Fra­gen nicht vor, denn ich habe sie nicht verfasst.

… Ich lese vie­le eng­li­sche und ame­ri­ka­ni­sche Medi­en, und im Ver­gleich erscheint mir die deut­sche Pres­se weni­ger facet­ten­reich. Die Mehr­zahl der Berich­te unter­stützt unse­re Maß­nah­men oder setzt sie ein­fach als gege­ben vor­aus. Hin­ter­fra­gung der Maß­nah­men hat weni­ger Raum, und wenn, dann meist eher in der Aus­ge­stal­tung von Detail­fra­gen. Berich­te über die Schä­den durch die Maß­nah­men sehe ich sel­ten, dann meist eher in regio­na­len Medi­en, und das steht in einem ekla­tan­ten Miß­ver­hält­nis zu anek­do­ti­schen Berich­ten aus dem Freun­des- und Fami­li­en­kreis, aus denen man hoch­rech­nen kann, dass ein gan­zes Land unter dem Lock­down ächzt. Die­se Berich­te sind außer­dem stets sach­lich-refe­rie­rend, nie emo­tio­na­li­sie­rend. Nach hoch­emo­tio­na­len Berich­ten von der Coro­na-Sta­ti­on muß ich nicht lan­ge suchen, aber den hoch­emo­tio­na­len Besuch bei fünf Fami­li­en, die Ange­hö­ri­ge wegen immer wie­der ver­scho­be­ner OPs ver­lo­ren haben, den suche ich bis heu­te. Und am lau­tes­ten ist ein stän­di­ger Strom an grel­len Panik­mel­dun­gen, die mir stets aufs neue Angst vor der nächs­ten gro­ßen Infek­ti­ons­wel­le machen, die dann doch immer etwas mil­der aus­fällt, was dann stets durch Maß­nah­men erklärt wird…

Haben Sie die Teil­neh­mer der Akti­on #alles­dicht­ma­chen über deren wah­res Ziel getäuscht?

Nein. Ziel der Initia­ti­ve „alles­dicht­ma­chen“ war, nach einem Jahr Lock­down inhalt­li­che Kri­tik mit fil­mi­schen Mit­teln zu äußern. Das habe ich den Teilnehmer:innen, mit denen ich sprach, genau so kom­mu­ni­ziert, und das war auch der Ansatz, auf den alle sich pro­blem­los eini­gen konn­ten, wobei der Grad der Kri­tik bei den Ein­zel­nen jeweils unter­schied­lich war. Und auch dar­über wur­de offen gere­det. Die Tex­te wur­den als Ange­bot kom­mu­ni­ziert, und alle waren auch ein­ge­la­den, selbst etwas zu schrei­ben. Die fer­ti­ge Sei­te wur­de allen Betei­lig­ten meh­re­re Tage vor der Ver­öf­fent­li­chung zugäng­lich gemacht und Ein­ver­ständ­nis ein­ge­holt (mit einer ein­zi­gen Aus­nah­me, was ein orga­ni­sa­to­ri­scher Feh­ler war, der mir leid tut, aller­dings lief die­ser Kon­takt nicht über mich)… 

Woher kamen Geld und Equip­ment für den Dreh?

Die Akti­on hat ein paar Euro für Kaf­fee gekos­tet und eini­ge Freund­schafts­diens­te. Equip­ment war vor­han­den und wur­de von Freun­den gelie­hen. Die der­zei­ti­gen Spe­ku­la­tio­nen über Hin­ter­män­ner und Strip­pen­zie­her sind amü­sant, len­ken aber von unse­rem Anlie­gen ab. Wir hin­ter­fra­gen mit unse­ren Mit­teln die Sinn­haf­tig­keit und Ver­hält­nis­mäs­sig­keit der Maß­nah­men. Nicht mehr und nicht weni­ger. Dafür braucht man kein Geld, son­dern Leidenschaft… 

Auf Ihrem Twit­ter-Feed tei­len Sie die Web­site der „Frei­en Lin­ken“. Wie ste­hen Sie zu der Orga­ni­sa­ti­on? Sind Sie Mit­glied oder Teil­neh­mer der Telegram-Gruppe?

Mein Herz schlägt für die gute alte lin­ke Idee der Soli­da­ri­tät. Ich frag­te mich seit einem Jahr, wo die lin­ke Kri­tik an den Coro­na-Maß­nah­men bleibt. Dann tauch­te die­se Grup­pe auf. Der Chat ist unge­heu­er aktiv, und zumin­dest mir erscheint er im Duk­tus und Inhalt wie eine lin­ke Dis­kus­si­ons­grup­pe, wobei ich natür­lich nicht aus­schlie­ßen kann, dass da auch Unhol­de oder Under­co­ver-Jour­na­lis­ten mitdiskutieren.

Wie beur­tei­len Sie sinn­ge­mä­ße Aus­sa­gen von Quer­den­ken-Grün­der Micha­el Ball­weg, der kei­ne Unter­schie­de zwi­schen rechts und links macht, solan­ge man für die „gemein­sa­me Sache“ kämpft? 

Ich wür­de gern dafür kämp­fen, dass die Kri­tik an den Coro­na-Maß­nah­men wie­der da ankommt, wo sie hin­ge­hört: In der Mit­te der Gesell­schaft. Dafür möch­te ich mich gemein­sam mit Men­schen ein­set­zen, die mir sym­pa­thisch sind. Men­schen, die ande­re Men­schen abwer­ten, aus­gren­zen und dehu­ma­ni­sie­ren, sind mir nicht sym­pa­thisch, und mit denen kämp­fe ich nicht gemeinsam.

Sym­pa­thi­sie­ren Sie mit den fried­li­chen Demons­tra­tio­nen von Quer­den­ken 711? Oder braucht es eine ande­re Alter­na­ti­ve, um den Unmut über die Poli­tik auf die Stra­ße zu tragen? 

Ich sym­pa­thi­sie­re mit jedem Men­schen in die­sem Land, der ein Leben in Frie­den, Frei­heit, Gleich­heit und Soli­da­ri­tät füh­ren will. Nach Medi­en­be­rich­ten, in denen die Teil­neh­mer die­ser Demos als selt­sa­me Trol­le dar­ge­stellt wur­den, ging ich im Som­mer 2020 mal hin, um mir das anzu­schau­en, und sah dort in auf­fäl­li­gem Kon­trast zu den Berich­ten die Mit­te der Gesell­schaft ver­sam­melt: 90% Nor­ma­los und Nor­ma­li­nas, 5% Spinner:innen, 5% obsku­re Gestal­ten, bei denen man nicht so genau sagen kann, ob sie vom Baye­ri­schen Geheim­dienst waren oder vom Park­our-Ver­ein Tem­pel­hof oder vom Mars. Ange­sichts der media­len Bericht­erstat­tung und auch des robus­ten Auf­tre­tens der Poli­zei schei­nen mir Demos aber zur Zeit nicht beson­ders sinnvoll…

Im Inter­view mit dem Fern­seh­sen­der Welt sagen Sie, man müs­se end­lich wie­der alles auf­ma­chen. Sind Sie also für eine sofor­ti­ge Been­di­gung aller Maß­nah­men inklu­si­ve Mas­ken­pflicht etc.? 

Ich bin dafür, die­se Opti­on nicht von vorn­her­ein aus dem Dis­kurs aus­zu­schlie­ßen. Ver­schie­de­ne ame­ri­ka­ni­sche Bun­des­staa­ten haben es uns ja vor­ge­macht, auch schon vor der Imp­fung. Wir kön­nen hier nur sinn­voll dis­ku­tie­ren, wenn kei­ne mög­li­che Posi­ti­on von vorn­her­ein ver­bo­ten ist. Und ich bin auf alle Fäl­le dafür, den Leu­ten wie­der mehr Ent­schei­dungs­frei­heit zu geben. Ich glau­be, dass die Men­schen gut ver­ste­hen, wie sie für sich und ande­re sor­gen kön­nen, wenn man auf sie zugeht und sie auf­klärt, anstatt mit Regeln und Zwän­gen zu arbei­ten. Nach einem Jahr Pan­de­mie sind die Leu­te bereit dafür. Wir schaf­fen das…«

36 Antworten auf „Noch was von #allesdichtmachen-Regisseur Brüggemann“

    1. Der Lie­fers wird jetzt mal ne Schicht machen, die ihm die Augen öff­net und dann wird er anfan­gen schön Wer­bung für Imp­fung und die ent­spre­chen­den digi­ta­len Nach­wei­se machen. Wetten?

      1. @Flo: Der Lie­fers wird kei­ne Schicht machen, weil der Lei­ter der ange­frag­ten Kli­nik kei­nen Sinn dar­in sieht, und kei­nen Medi­en­rum­mel will.
        Ganz im Sin­ne des ordent­li­chen KH-Betriebs, ver­ant­wor­tungs­voll, anders als der blöd­sin­ni­ge Vor­schlag, Lai­en in die Inten­siv­pfle­ge zu schicken.

      2. @ Flo
        Ich glau­be, Sie könn­ten die Wet­te gewinnen.

        https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​H​Z​P​6​C​i​J​S​N0I

        Ich bin sol­chen Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen – es waren wohl über 50 – auch wenn es Künst­ler sind – oder gera­de dar­um – die meis­ten waren es für mich nicht – sehr kri­ti­sche gegen­über eingestellt.
        Wel­che Ver­lus­te sind die­se Leu­te bereit , auf sich zu nehmen ?
        Haben sie über­haupt Ver­lus­te zu beklagen?

        Und dann bei einer May­brit Ilner auf­zu­tre­ten, die nur dum­mes Zeug von sich gibt – ich weiß nicht.
        Ein Künst­ler wäre bei ihr nicht auf­ge­tre­ten, weil die­se Frau wie ein Cha­mä­lion ist.
        Die­se jun­ge Frau mach­te dann Lie­fers noch den Vor­wurf, bei der AfD ange­kom­men zu sein. Na , gehts noch.
        Die haben genau­so­gut das Recht, ihre Mei­nung zu sagen, wie jeder ande­re auch.
        Das nennt man Demo­kra­tie. Ich muss ja nicht mit ihnen sympathesieren.
        Was dach­te sich die­se jun­ge Frau eigent­lich bei ihrer Aus­sa­ge. Hät­te die AfD jetzt gegen Lie­fers und Kol­le­gen Stim­mung machen sol­len, oder was stellt sie sich vor ?
        Lie­fers & Kol­le­gen hät­ten also etwas sagen sol­len, woge­gen die AfD gewet­tert hät­te, das wäre den Leu­ten dann recht gewe­sen und alle hät­ten geklatscht.
        Ich glau­be, ich ver­ste­he das alles nicht mehr so recht.
        Soll­te mich aus dem Ver­kehr ziehen.

    2. @ Erfurt

      War­um über­rascht mich Ihr Kom­men­tar nicht?
      Hin­ge­rotzt, ohne Erläu­te­rung, ohne auch nur eine Andeu­tung der von Ihnen gemein­ten Zusammenhänge.
      Da wird ech­te Freu­de am gleich­be­rech­tig­ten Dis­kurs sichtbar./s

  1. Die "Recht­fer­ti­gungs­or­gie" nervt einfach.

    Natür­lich muss was weg. Und zwar nicht das bis­her legi­ti­mier­te Sys­tem, son­dern die Put­schis­ten, die das Sys­tem weg­ha­ben wol­len. Und ihren Dil­len­ta­tis­mus mit Gewalt über­spie­len. Und das sind nicht die Querdenker.…

  2. Smar­ter Typ und ein Lichtblick!
    Mit der Auf­for­de­rung zur Nen­nung sei­ner Sei­te, wenn Tei­le sei­ner Aus­sa­gen rezi­tiert wer­den, hat er sich die Hoh­heit über sei­ne Aus­sa­gen bei­be­hal­ten. Nicht unwich­tig bei den Ver­bie­gungs­küns­ten der MSM.

  3. Die Quer­den­ker sind nichts ande­res als das, was wir 1989 Bür­ger­recht­ler nann­ten. Auch in deren Demos lie­fen Neo­na­zis mit, die kamen ja anschlie­ßend nicht aus dem Nichts. 

    Wir soll­ten fort­an die Quer­den­ker bezeich­nen als das, was sie sind: eben Bürgerrechtler. 

    Der Name Quer­den­ker war ent­stan­den, als wir noch nicht das gan­ze Aus­maß der glo­ba­len Ver­schwö­rung und des bru­ta­len Angriffs auf unse­ren Rechts­staat erkann­ten. Hät­ten wir das damals gleich durch­schaut, hät­ten wir uns von Anfang an als Bür­ger­recht­ler bezeichnet. 

    Wir ver­tei­di­gen das Grund­ge­setz, rufen "Frie­den, Frei­heit, Demo­kra­tie" und "Wir sind das Volk" und sin­gen "Einig­keit und Recht und Freiheit". 

    Wir sind Bür­ger­recht­ler, links, rechts, aus der Mit­te, und aus allen gesell­schaft­li­chen Schichten.

    1. @Ehrlicher Hand­wer­ker: Es sei mir gestat­tet, mich unwohl zu füh­len beim Absin­gen jeg­li­cher und nicht zuletzt die­ser Natio­nal­hym­ne. Natio­na­lis­mus ist gewiß nicht die gemein­sa­me Klam­mer von Bürgerrechtlern.

      1. Ich bin gegen jedes gemein­sa­me Sin­gen und Schunkeln.
        Sehr schnell wird dar­aus etwas gegenteiliges.
        Das geht ganz schnell.
        Aber ich bin auch dafür, dass jeder sei­ne Mei­nung sagen darf.
        Wenn das nicht mehr mög­lich ist, oder wegen sei­ner Mei­nung in die rech­te oder lin­ke Ecke gestellt wird, kann es sehr schnell pas­sie­ren, dass man nichts mehr sagt aber sich im Dunk­len etwas zusammenbraut.
        Das hat­ten wir doch schon mal.….
        „Die freie Rede birgt zwei­fel­los Gefah­ren. Doch die grö­ße­re Gefahr sind Bestre­bun­gen, sie einzuschränken…“

      2. @aa: Sind Natio­nal­hym­nen per se natio­na­lis­tisch? Wäre nicht immer zu fra­gen, aus wel­cher Moti­va­ti­on her­aus sie gesun­gen wer­den? Um ein paar Bei­spie­le zu nennen: 

        Wer heu­te "Deutsch­land, Deutsch­land über alles" singt, möch­te eine ungu­te Kon­ti­nui­tät; er ist ein Nationalist. 

        Vie­le Ame­ri­ka­ner, die heu­te die Stars and Stripes sin­gen, den­ken dabei an den ame­ri­ka­ni­schen Excep­tio­na­lism. Das ist Nationalismus. 

        Die fran­zö­si­sche Gelb­wes­te, die in Paris auf die Bar­ri­ka­den geht und die Mar­seil­lai­se singt, möch­te die Revo­lu­ti­on gegen Macron. Das ist nicht Nationalismus. 

        Die Natio­nal­hym­nen, die bei Fuss­ball-WMs gesun­gen wer­den, sind fei­er­li­che Bei­falls­be­kun­dun­gen für die jewei­li­ge Mann­schaft. Das ist nicht unbe­dingt Natio­na­lis­mus, und wenn, dann von der harm­lo­se­ren, sozu­sa­gen gesun­den Art. 

        Das eige­ne Land, das eige­ne Volk zu lie­ben, fällt zwar dem Deut­schen ver­ständ­li­cher­wei­se schwer, ist aber kein fal­sches Pathos. Wenn die Natio­nal­hym­ne nur das aus­drückt, ist sie nicht falsch. 

        Die Bay­ern sin­gen "Gott mit dir, du Land der Bayern,
        deut­sche Erde, Vater­land!" Ein schö­nes Lied für alle, die Bay­ern lie­ben. Falsch? 

        Und jetzt zu "Einig­keit und Recht und Frei­heit": Bei den Quer­denker­de­mos steht das Lied für die Lie­be zur Bun­des­re­pu­blik und zum Grund­ge­setz. Ein His­to­ri­ker hat gesagt (mir will gera­de nicht ein­fal­len wer, Du wirst es wis­sen), dass das Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik ein ein­zig­ar­ti­ger Glücks­fall der Geschich­te war. Er hat­te Recht, wenn Du mich fragst. "Einig­keit und Recht und Frei­heit" meint m. A. n. die Lie­be zu die­sem Grund­ge­setz und die­sem Staat – wie schwie­rig auch immer.

        1. @Ehrlicher Hand­wer­ker: Wie­der so ein inter­es­san­ter The­men­strang, den wir hier ver­mut­lich nicht befrie­di­gend wei­ter­füh­ren kön­nen. Des­halb nur kurz die­se Bemer­kung: Auf der zwei­ten gro­ßen Demo im August war ich kurz neben einem Pulk von Reichs­flag­gen schwen­ken­den Men­schen, bei deren Gesang von “Einig­keit und Recht und Frei­heit” ich eher nicht das von Dir genann­te Motiv erken­nen mochte.

          1. @aa: Ja, ver­ste­he, bei Reichs­flag­gen­schwen­kern dürf­te das Miss­trau­en begrün­det sein. Aber sie bil­den bei Quer­denker­de­mos eine klei­ne Min­der­heit. Brüg­ge­mann oben zu den Quer­denker­de­mos: "90% Nor­ma­los und Nor­ma­li­nas, 5% Spinner:innen, 5% obsku­re Gestal­ten, bei denen man nicht so genau sagen kann, ob sie vom Baye­ri­schen Geheim­dienst waren oder vom Park­our-Ver­ein Tem­pel­hof oder vom Mars …"

        2. "Einig­keit und Recht und Frei­heit" meint m. A. n. die Lie­be zu die­sem Grund­ge­setz und die­sem Staat "

          Sie wis­sen schon das es die Natio­nal­hym­ne vor dem Grund­ge­setz gab?Es war auch nicht der Staat gemeint son­dern das Volk.

      3. Herr Asch­mon­eit, Sie haben es immer noch nicht ver­stan­den. Ohne den Natio­nal­staat gäbe es kei­ne Bür­ger­rech­te. Lesen Sie mal bei H. Are­ndt nach. Wol­len Sie die – die Bür­ger­rech­te – , müs­sen Sie sich für Ihren Natio­nal­staat ein­set­zen. Und auch die Hym­ne mal sin­gen. Einig­keit und Recht und Frei­heit ist ein guter Text. Auch, wenn Sie es nicht begrei­fen: Natio­na­lis­mus ist eine gute Sache! Und Natio­nal­chau­vi­nis­mus, gar Volks­tü­me­lei, eine ganz ande­re. Ich erlau­be mir, Ihnen hier H. Hei­ne (Vor­wort "Deutsch­land – Ein Win­ter­mär­chen") zu zitie­ren und wei­se dar­auf hin, dass die Lin­ken – also die Doo­fen – in ihrer Ver­ach­tung des Natio­nal­staats die Bar­ba­rei bezwecken:

        » … . Seid ruhig, ich wer­de den Rhein nim­mer­mehr den Fran­zo­sen abtre­ten, schon aus dem ganz ein­fa­chen Grun­de: weil mir der Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unver­äu­ßer­li­ches Geburts­recht, ich bin des frei­en Rheins noch weit freie­rer Sohn, an sei­nem Ufer stand mei­ne Wie­ge, und ich sehe gar nicht ein, war­um der Rhein irgend­ei­nem andern gehö­ren soll als den Lan­des­kin­dern. Elsaß und Loth­rin­gen kann ich frei­lich dem deut­schen Rei­che nicht so leicht ein­ver­lei­ben, wie ihr es tut, denn die Leu­te in jenen Lan­den hän­gen fest an Frank­reich wegen der Rech­te, die sie durch die fran­zö­si­sche Staats­um­wäl­zung gewon­nen, wegen jener Gleich­heits­ge­set­ze und frei­en Insti­tu­tio­nen, die dem bür­ger­li­chen Gemü­te sehr ange­nehm sind, aber dem Magen der gro­ßen Men­ge den­noch vie­les zu wün­schen übrig­las­sen. Indes­sen, die Elsas­serr und Loth­rin­ger wer­den sich wie­der an Deutsch­land anschlie­ßen, wenn wir das voll­enden, was die Fran­zo­sen begon­nen haben, wenn wir die­se über­flü­geln in der Tat, wie wir es schon getan im Gedan­ken, wenn wir uns bis zu den letz­ten Fol­ge­run­gen des­sel­ben empor­schwin­gen, wenn wir die Dienst­bar­keit bis in ihrem letz­ten Schlupf­win­kel, dem Him­mel, zer­stö­ren, wenn wir den Gott, der auf Erden im Men­schen wohnt, aus sei­ner Ernied­ri­gung ret­ten, wenn wir die Erlö­ser Got­tes wer­den, wenn wir das arme, glü­ckent­erb­te Volk und den ver­höhn­ten Geni­us und die geschän­de­te Schön­heit wie­der in ihre Wür­de ein­set­zen, wie unse­re gro­ßen Meis­ter gesagt und gesun­gen und wie wir es wol­len, wir, die Jün­ger – ja, nicht bloß Elsass und Loth­rin­gen, son­dern ganz Frank­reich wird uns als­dann zufal­len, ganz Euro­pa, die gan­ze Welt – die gan­ze Welt wird deutsch wer­den! Von die­ser Sen­dung und Uni­ver­sal­herr­schaft Deutsch­lands träu­me ich oft, wenn ich unter Eichen wand­le. Das ist mein Patriotismus. …«

        1. @sv: Auch wenn wir es bestimmt nicht aus­dis­ku­tie­ren kön­nen – ich ver­ste­he das Argu­ment sehr wohl, hal­te es aber für falsch. Das Zitat von Hei­ne ist ein Plä­doy­er für die Revo­lu­ti­on, nicht für Natio­na­lis­mus. Es gab in der Geschich­te durch­aus Pha­sen, wo Natio­nal­staa­ten Fort­schrit­te gegen feu­da­lis­ti­sche Klein­staa­te­rei dar­stell­ten (und damit den Bedürf­nis­sen des erstar­ken­den Kapi­ta­lis­mus ent­spra­chen). Es gab natio­na­le Befrei­ungs­be­we­gun­gen gegen impe­ria­lis­ti­sche Unter­drü­ckung. Ent­wi­ckel­te kapi­ta­lis­ti­sche Natio­nal­staa­ten hat­ten dabei stets die Ten­denz, im Namen des eige­nen "Vol­kes" (was eine Ver­tu­schung sozia­ler Wider­sprü­che dar­stellt) sich gegen ande­re zu wen­den. Kolo­nia­lis­mus und Neo­ko­lo­nia­lis­mus zeu­gen davon.

          1. Sie haben recht, wir soll­ten das nicht aus­dis­ku­tie­ren, ich hiel­te Sie von Ihrer ehren­wer­ten Arbeit ab, die ich sehr schätze.

            Nur ein Wort noch: Hei­nes "Revo­lu­ti­on" (Sie) war die für den bür­ger­li­chen Natio­nal­staat, ein Staat nach dem "bür­ger­li­chen Gemü­te" (Hei­ne). Eine Umwäl­zung, die Deutsch­land offen­sicht­lich immer noch bevor­steht, inso­fern der bür­ger­li­che Natio­nal- und Rechts­staat (als ein­zi­ge his­to­ri­sche For­ma­ti­on, die die Bür­ger- und Frei­heits­rech­te kon­sti­tu­ier­te) von außen kam. In rich­tig guter "impe­ria­lis­ti­sche®" (Sie) Tra­di­ti­on. Ich kann das dum­me Links­ge­blök von "Impe­ria­lis­mus" aller­dings nicht mehr hören. Denn, Ihnen zur Kennt­nis: das, was Sie als "Kolo­nia­lis­mus" abtun, war in Wirk­lich­keit die Zivi­li­sa­ti­on, die gegen die Bar­ba­rei vor­ging. Nur ein Bei­spiel, es gilt aber für allen "Kolo­nia­lis­mus": Liby­en wür­de sich über die Wie­der­über­nah­me durch Ita­li­en sicher freu­en. Nie ging es Liby­en bes­ser als von Ita­li­en ein­ver­leib­tes Land. Und das gilt genau­so für alle ande­ren Län­der, im Wesent­li­chen sogar für Namibia.

      4. Also ich kann in "Auf­er­stan­den aus Rui­nen.." kei­nen expli­zit natio­na­lis­ti­schen Unter­ton heraushören.
        Aber Sie haben natür­lich Recht, grund­sätz­lich sind Natio­nal­hym­nen eher frag­wür­di­ge Mit­tel, um gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt zu generieren.

        1. @Gerhard Diehn: Das waren halt Kom­mu­nis­ten, die hat­ten eher wenig am Hut mit Natio­na­lis­mus. Bis 1944 galt in der Sowjet­uni­on die "Inter­na­tio­na­le" als Staats­hym­ne. Erst vor dem Hin­ter­grund des Über­falls der Nazis wur­de sie durch das "Lied vom Vater­land" ersetzt.

      5. Aber, aber Herr Asch­mon­eit es gibt doch eine so schö­ne Natio­nal­hym­ne bei der muß man sich gar nicht unwohl fühlen .… 

        Anmut spa­ret nicht noch Mühe
        Lei­den­schaft nicht noch Verstand
        Daß ein gutes Deutsch­land blühe
        Wie ein and­res gutes Land.

        Daß die Völ­ker nicht erbleichen
        Wie vor einer Räuberin
        Son­dern ihre Hän­de reichen
        Uns wie andern Völ­kern hin.

        Und nicht über und nicht unter
        Andern Völ­kern wolln wir sein
        Von der See bis zu den Alpen
        Von der Oder bis zum Rhein.

        Und weil wir dies Land verbessern
        Lie­ben und beschir­men wir's
        Und das Liebs­te mag's uns scheinen
        So wie andern Völ­kern ihrs.
        (Text: Ber­told Brecht Musik: Hans Eis­ler 1950)
        https://​www​.deut​sche​ly​rik​.de/​k​i​n​d​e​r​h​y​m​n​e​-​1​9​5​0​.​h​tml

        1. @Hier: Bezeich­nen­der­wei­se wur­de der Vor­schlag aus der DDR-Demo­kra­tie­be­we­gung nicht auf­ge­grif­fen, die­ses Stück zur Natio­nal­hym­ne zu erklä­ren. Für die Herr­schen­den war die Tra­di­ti­on von "Einig­keit und Recht und Frei­heit" wich­ti­ger, auch ohne "Deutsch­land über alles".

    2. Quer­den­ker hat­ten vor Licht­jah­ren einen beson­ders guten Ruf.
      Zu ihnen gehör­te auch Albert Ein­stein sowie vie­le ande­re Men­schen aus allen Berei­chen – wis­sen­schaft­li­chen , künst­le­ri­schen wie Mar­lon Bran­do und poli­ti­schen wie Her­bert Wehner.
      Aber lang, lang ist's her. Die­se Zeit ist end­gül­tig vorbei.

  4. Ich fin­de den Blog super, auch sei­ne locke­re, oft auch lus­ti­ge Art mit schwie­ri­gen Fra­ge­stel­lern umzu­ge­hen, gefällt mir aus­ge­spro­chen gut!
    Da der Blog Jah­re zurück geht, habe ich irgend­wann doch auf­ge­hört zu lesen, aber alles, was ich gele­sen habe, war interessant.
    Ich fin­de auch über­haupt nicht, dass er sich recht­fer­tigt – er begrün­det sei­ne Hal­tung mit einem erfri­schend kla­ren Stand­punkt – das fin­de ich sehr angenehm!

    "Es ist nicht kompliziert
    Es ist ganz ein­fach: Der Staat darf nicht eine Grup­pe von Bür­gern aktiv schä­di­gen, um eine ande­re zu schüt­zen. Er darf nicht sagen: Ich bre­che dir das Bein, damit dein Mit­mensch sich nicht den Arm bricht. Er darf auch nicht dem einen das Bein bre­chen, weil der ande­re sonst eine Krank­heit krie­gen und even­tu­ell ster­ben könn­te. Wenn der Staat das tut, dann ist die Linie zur Will­kür über­schrit­ten. Es ist also eigent­lich ganz ein­fach. " (Diet­rich Brüggemann)

    Ich freue mich immer noch sehr, dass es die­se Vide­os gab und gibt, weil das einen öffent­li­chen Dis­kurs ange­sto­ßen hat, der vor­her so undenk­bar war.

  5. Ange­nehm an Brüg­ge­mann ist, dass er sich nicht sofort distan­zie­ren muss, von QUERDENKERN etwa, was ja sonst schein­bar zum Pflicht­pro­gramm gehört. Gefällt mir.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.