Polizeiwillkür in Berlin. Erfahrungsbericht einer Festgenommenen

»Samstag 19.12.2020, Festnahme auf dem Alexanderplatz, Berlin.

Seit September füh­re ich in Berlin als Versammlungsleiterin ange­mel­de­te Proteste für unser Grundgesetz durch, für den sofor­ti­gen Stopp der unver­hält­nis­mä­ßi­gen Coronamaßnahmen der Regierung, für Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie:
Am 11.9., 18.9., 3.10. am Großen Stern an der Siegessäule.
Am 9.10., 16.10., 22.10. in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße.
Am 31.10., 4.11., 14.11. ,21.11., 28.11., 5.12., 12.12. auf dem Alexanderplatz.

Stets ver­lie­fen die Versammlungen abso­lut fried­lich, es gab kei­ner­lei Vorkommnisse, kei­ne Störungen, nie kam es zu einer Auflösung sei­tens der Polizei.
Da bei Demonstrationen auf dem Alexanderplatz bereits mas­si­ve Polizeigewalt herrsch­te, eine gene­rel­le Maskenpflicht auf dem Platz ein­ge­führt wur­de, Abfertigungsgassen zur Kontrolle der Atteste ein­ge­rich­tet wur­den, um erken­nungs­dienst­li­che Maßnahmen durch­zu­füh­ren, haben wir ein stren­ges Hygienekonzept ange­bo­ten, um die Polizeibeamten zu entspannen. 

Die gesam­te Demonstrationsfläche wur­de mit Flatterband mar­kiert, um einen guten Überblick über die Teilnehmerzahl und deren Abstände zu ermög­li­chen, auf der Bodenfläche wur­den mit Kreide Quadrate auf­ge­zeich­net, für jeden ange­mel­de­ten Teilnehmer eine Einzelfläche von 1,5 x 1,5 m. (200 Felder). Das Sichtbarmachen der Auflagen dien­te aber auch zur eige­nen Dokumentation, wel­che Maßnahmen im Jahr 2020 abver­langt wer­den, damit eine Demonstration nicht auf­ge­löst wird. ,Bei jeder Versammlung wur­de vor­ab mein ärzt­li­ches Attest kon­trol­liert und geneh­migt, dass ich ohne Maske die Versammlung durch­füh­ren darf.

Am 19.12. beab­sich­tig­te ich, mei­ne 8. Versammlung auf dem Alexanderplatz durch­zu­füh­ren. Dieses Mal wur­de mein Attest mit Originalstempel und Originalunterschrift ein­be­hal­ten mit dem Vorwurf, es wür­de sich um eine Fälschung han­deln. Die Begründung „aus medi­zi­ni­schen Gründen“ sei ver­däch­tig und gel­te laut den jüngs­ten Verordnungen nicht mehr. Wie genau der Wortlaut sei, wo das stün­de, ob man mir das digi­tal oder in schrift­li­cher Form zei­gen kön­ne, wur­de nicht beantwortet.
Ich habe mei­nem zustän­di­gen Verbindungsmann Herrn M. (voll­stän­di­ger Name bekannt) und dem Beamten Nr. 63954 sach­lich und aus­führ­lich unter Anwesenheit von den Zeugen Herrn Christian Reuter und Herrn Rainer Kunze erklärt, dass mein Attest seit September 2020 als Versammlungsleiterin von ins­ge­samt 13 Demonstrationen immer als gül­tig aner­kannt wur­de und den Grund für das ärzt­li­che Attest erläu­tert: Mein 9–jähriger Sohn ist an einem Gehirntumor erkrankt, im letzt­end­li­chen Todeskampf mit Schaum vor dem Mund erstickt.
Dem dienst­ha­ben­den Beamten haben die­se bei­den Gründe nicht ausgereicht.
Der Verdacht auf Betrug blieb auf­recht erhalten.

Anschließend folg­te ein Gespräch mit dem Polizeiführer des Gesamteinsatzes Herrn R. mit der Dienstnr. 00806. Auch ihm erklär­te ich im Beisein von mei­nen o.g. Zeugen, dass mein Attest seit Monaten und nun bereits 7 Wochen in Folge auf dem Alexanderplatz sach­ge­recht von sei­nen Kollegen kon­trol­liert und stets akzep­tiert wur­de. Ich frag­te ihn, ob er sich nicht tele­fo­nisch bei sei­nen Kollegen erkun­di­gen kön­ne. Dies ver­nein­te er.
Mir wur­de von den Beamten eine Strafe und ein Platzverweis ange­droht, soll­te ich kei­ne Maske auf­set­zen. Wir einig­ten uns in Anwesenheit des Beamten Herrn M., Herrn L. vom Abschnitt 57, der uns bereits von ver­gan­ge­nen Versammlungen kann­te und Herrn R. (00806) dar­auf, dass ich die Versammlung durch­füh­ren darf, wenn ich wäh­rend der Versammlung Mund und Nase mit mei­nem Schal bedecke.

Ich folg­te den Anweisungen, dreh­te mich um und woll­te zur Versammlungsfläche zurück­ge­hen. Da stell­te sich mir eine Polizeibeamtin in den Weg (abra­sier­te, graue Seitenhaare, Deckhaar zum Zopf gebun­den – Foto ist vor­han­den, die Nr. wur­de mir nicht mit­ge­teilt) um mich zu beleh­ren, wie ich den Schal kor­rekt in mei­nem Gesicht zu tra­gen habe. Ich wies sie dar­auf hin, dass mein Verbindungsmann Herr M., der neben mir stand, mich wäh­rend der Versammlung jeder­zeit erin­nern und ermah­nen dür­fe, soll­te mein Schal nicht ord­nungs­ge­mäß sit­zen. Ich teil­te ihr auch mit, dass soeben alle Auflagen bereits mit ihren höher­ran­gi­gen Dienstkollegen bespro­chen und abge­seg­net wur­den, ob sie das nicht mit­be­kom­men habe, sie stand ja direkt hin­ter mir. Ich bat sie, mich bit­te end­lich mit den Vorbereitungen der Versammlung fort­fah­ren zu las­sen. Daraufhin sprang sie plötz­lich und ohne Vorwarnung auf mich zu und rief: „So, Schluß jetzt, wir neh­men sie in Gewahrsam!“ Reflexartig hob ich mei­ne Hände und rief: „Nein, las­sen sie mich!“ Die Beamtin und 2 wei­te­re Kollegen pack­ten mich und schmis­sen mich in einen Transporter. Zeugen des Vorgangs sind Herr Rainer Kunze und Herr Dietmar Lucas. Die Beamten Herr M., Herr R. und Herr L., die sich in unmit­tel­ba­rer Nähe befan­den, schrit­ten nicht ein.

2 Beamtinnen kamen mit in den Transporter rein, die Tür wur­de von außen zuge­scho­ben, die Beamtin mit den abra­sier­ten Schläfen box­te mich in den Oberkörper und gemein­sam drück­ten sie mich dann mit mas­si­ver Gewalt in die klei­ne Zelle, die höchs­tens 0,50 x 0,50 cm Fläche maß. Ich wein­te und fleh­te sie an, dass ich Platzangst habe und Panik bekom­me. Sie reagier­ten nicht dar­auf. Meine Frage, wohin ich gebracht wer­den sol­le, wur­de mir auch nicht beant­wor­tet. Einen Anwalt durf­te ich auch nicht anrufen.
Der Beamte Nr. 63954, der mein Attest beschlag­nahmt hat­te, kam in den Transporter, die zwei Beamtinnen gin­gen raus. Ich war mit ihm allein und fleh­te ihn an, dass ich unter Platzangst lei­de, ich erklär­te ihm, dass ich seit dem Tod mei­nes Kindes unter schlimms­ten Alpträumen lei­de und mich Angstattacken befal­len. Noch wäh­rend ich rede­te, schloß er das klei­ne Schiebefenster in der Zellentür mit den Worten „Ich will jetzt nicht mehr mit ihnen reden“, so daß ich wäh­rend der gesam­ten Fahrt in kom­plet­ter Dunkelheit ohne Frischluftzufuhr ver­har­ren mußte.
Während der Fahrt über­gab ich mich mehr­mals, mach­te mir vor Angst in die Hosen und hat­te Aussetzer mei­nes Bewußtseins.

Wie mir spä­ter mit­ge­teilt wur­de, brach­ten sie mich zur „Gefangenen-Sammelstelle“.
Ich wur­de aus der Transporterzelle her­aus­ge­holt und von einer Beamtin gestützt in die Polizeidienststelle geführt. Sie for­der­te mich auf, mich in eine Ecke zu stel­len. Ich bat sie um Wasser, sie gab mir keins, obwohl eine Flasche neben ihr auf dem Tisch stand. Stattdessen for­der­te sie mich auf, mei­ne Hände, die eis­kalt waren, aus den Taschen mei­nes Mantels zu neh­men. Nach einer lan­gen Zeit des In-der-Ecke-ste­hens wur­de ich auf­ge­for­dert, mich in einem Durchgangsraum erneut in die Ecke zu stel­len, mei­ne Taschen zu lee­ren, mei­nen Mantel, Schal und mei­ne Mütze abzu­ge­ben. Von einer 2. Beamtin wur­de ich von oben bis unten abge­tas­tet, auch im Intimbereich und auf­ge­for­dert, mei­ne Schuhe aus­zu­zie­hen. Von mei­nem Mantel wur­den die Anstecker „Demokratie“ und „Friedensengel“ entfernt.

Beide Beamtinnen über­ga­ben mich anschlie­ßend an 2 wei­te­re Beamte, die mich in eine Einzelzelle brach­ten. Dort muss­te ich eine lan­ge Zeit aus­har­ren, bis mich schließ­lich ein wei­te­rer Beamter (57762) abhol­te. Er hat­te den Auftrag, die erken­nungs­dienst­li­che Behandlung durch­zu­füh­ren. Mir wur­den von bei­den Händen die Fingerabdrücke abge­nom­men, mei­ne Größe und mein Gewicht wur­den gemes­sen. Von mei­nem Gesicht wur­den aus 5 Perspektiven Fotos gemacht, anschlie­ßend muss­te ich mich an die Wand stel­len und ein Ganzkörperfoto wur­de geschossen.
Zwischendurch durf­te ich Wasser trin­ken und auf die Toilette gehen. Klopapier war nicht vor­han­den. Gegen 17 Uhr wur­de ich entlassen.

Ich beab­sich­ti­ge wegen fal­scher Verdächtigung, Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zufügung von Schmerzen und psy­chi­scher Folter, poli­zei­li­cher Willkür eine Strafanzeige ein­zu­rei­chen.«

Quelle: rationalgalerie.de. Die Frau kann nur eine Nazisse sein:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=WST5nXMxACk

11 Antworten auf „Polizeiwillkür in Berlin. Erfahrungsbericht einer Festgenommenen“

  1. Unfassbar, was heu­te mög­lich ist.

    Sicher wird die­ser Vorgang in unse­rem öffent­lich unrecht­li­chen Rundfunk ein­ge­hend unter­sucht wer­den, damit die Verantwortlichen sich einem Gericht stel­len müssen.
    Natürlich mit Unterstützung aller ande­ren hoch geschätz­ten Qualitätsmedien.

  2. Was ist das nur für eine kran­ke ver­rück­te Welt gewor­den. Ich bin erschüt­tert und wütend über die Willkür, die in die­sem Land, gera­de statt findet.

  3. Ein Fall für Den Haag?

    Sarah Luzia Hassel-Reusing, Menschenrechtsverteidigerin im Sinne der UN-Resolution 53/144, berei­tet wegen der Corona-Massnahmen eine Strafanzeige zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vor. Unterstützt wird sie von ihrem Ehemann Volker Reusing und dem Corona-Aussschuss. Sarah Luzia Hassel-Reusing bit­tet um Zeugenaussagen für den Gang nach Den Haag.
    Das Formular, das als Anleitung hin­sicht­lich der for­mel­len Erfordernisse der Zeugenaussagen dient, ist hier zu fin­den: https://2020news.de/aufruf-zur-zeugenaussage-fur-den-haag-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit/

  4. Ziehe ihnen eine Uniform an und sie wer­den zu Hyänen.
    Deutschland, du wider­wär­ti­ges Stück Scheiße! (sor­ry für die Verallgemeinerung, aber es reicht!)

    Was die Diskussion im Fernsehen angeht… ver­gesst das doch end­lich! Das wür­de nach der "Voroufakis-Methode" von vor­ne bis hin­ten mani­pu­liert und wäre somit kon­tra­pro­duk­tiv. Oder glaubt ihr viel­leicht, das fän­de ohne mode­ra­ti­ven Hof- bzw. Konzernnarr statt?

  5. Reitschuster hat es auch getroffen:

    "Nach 16 Jahren Russland ist man hart im Nehmen, was die Polizei angeht. Was ich heu­te im Herzen Berlins am S‑Bahnhof Jannowitzbrücke auf dem Weg zum Schweigemarsch gegen die Corona-Maßnahmen erlebt habe, hat mich den­noch so erschüt­tert, dass jetzt noch mei­ne Knie weich sind. Immer, wenn man denkt, es kön­ne eigent­lich kaum noch schlim­mer kom­men, wird man in die­sen Tagen vom Gegenteil über­zeugt. Was die Bundespolizei da mit mir mach­te, hät­te ich noch heu­te Mittag für unmög­lich gehalten."
    https://reitschuster.de/post/polizei-mit-faeusten-gegen-die-pressefreiheit/

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