"Schnelltest-Karussell läuft immer schneller"

»800 Arbeits­stun­den pro Monat
Die Durch­füh­rung von Coro­na-Schnell­tests belas­tet Ber­lins Pfle­ge­kräf­te«

lau­tet die Über­schrift eines Arti­kels auf tages​spie​gel​.de. Offen­sicht­lich sol­len mit Tests, die noch weni­ger aus­sa­gen als ein PCR-Test, die "Fall­zah­len" nach oben getrie­ben werden.

»… Mit den Tests sol­len vor allem die Pfle­ge­kräf­te und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge regel­mä­ßig auf eine Infek­ti­on mit dem Virus geprüft wer­den, wenn dort noch kein bestä­tig­ter Infek­ti­ons­fall vor­liegt. Zudem sol­len Besu­cher der Hei­me getes­tet wer­den, bevor sie die Ein­rich­tun­gen betreten.

Seit­dem läuft das Schnell­test-Karus­sell in Ber­lin immer schnel­ler. Bis zum ver­gan­ge­nen Diens­tag sei­en 556.500 Anti­gen­schnell­tests an Pfle­ge­hei­me ver­teilt wor­den, teil­te die Senats­ge­sund­heits­ver­wal­tung mit. 

„Damit haben alle sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen eine Grund­aus­stat­tung an Test­kits erhal­ten.“ Eini­ge Pfle­ge­hei­me hät­ten auf eine Belie­fe­rung durch die Senats­ver­wal­tung ver­zich­tet und sich die Tests selbst beschafft…

Jeder Test nimmt 20 Minu­ten Arbeits­zeit in Anspruch
Die Rechen­grö­ße, mit der der Bedarf an Schnell­tests kal­ku­liert wird, liegt in Pfle­ge­hei­men bei 20 Tests pro Bewoh­ner und Monat. Bei ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten ist die­se Zahl halb so hoch. Die Test­an­zahl wird dann in der Ein­rich­tung für Per­so­nal, Bewoh­ner und Besu­cher aufgeteilt…

Die höhe­re Arbeits­be­las­tung des Per­so­nals wer­de damit aber nicht abge­deckt, sagen Kri­ti­ker vor allem aus der Pfle­ge­bran­che. Dazu gehört zum Bei­spiel der Vor­stands­vor­sit­zen­de von Kori­an Deutsch­land, Arno Schwa­lie. Kori­an ist mit rund 250 Ein­rich­tun­gen der größ­te pri­va­te Betrei­ber von Pfle­ge­hei­men in Deutsch­land, dar­un­ter befin­den sich sie­ben Hei­me in Berlin.

Jeder ein­zel­ne Test neh­me inklu­si­ve Vor­be­rei­tung, Durch­füh­rung und Nach­be­rei­tung rund 20 Minu­ten Arbeits­zeit in Anspruch, sagt Schwa­lie. Bei einer Ein­rich­tung mit 120 Plät­zen, die monat­lich also 2400 Tests durch­füh­ren könn­te, sind das rein rech­ne­risch 800 Arbeits­stun­den pro Monat.

Lan­ge War­te­zei­ten, Ein­schrän­kun­gen bei Besuchen
Seit Mona­ten arbei­te­ten vie­le Pfle­ge­kräf­te an der Gren­ze ihrer Belast­bar­keit, sagt Schwa­lie. „Der aktu­el­le Pfle­ge­schlüs­sel sieht den signi­fi­kan­ten Coro­na-beding­ten Mehr­auf­wand zeit­lich nicht vor.“ Dies wer­de zu län­ge­ren War­te­zei­ten bis hin zu Ein­schrän­kun­gen bei den Besuchs­zei­ten führen.

Zudem muss das Per­so­nal für den Test, der per Rachen­ab­strich erfolgt, geschult wer­den. Das bin­det wei­te­re Kapa­zi­tä­ten, vor allem der hoch­qua­li­fi­zier­ten Pfle­ge­fach­kräf­te, die eine drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung haben. Die soge­nann­ten Pfle­ge­as­sis­ten­ten mit ihrer ein­jäh­ri­gen Aus­bil­dung dür­fen den Test bis­her nicht durch­füh­ren.

Das wie­der­um bringt vor allem ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te in die Bre­douil­le, die nur Pfle­ge­as­sis­ten­ten beschäf­ti­gen. Denn einer­seits sind sie laut Test­ver­ord­nung dazu ver­pflich­tet, das Per­so­nal und die betreu­ten Pfle­ge­be­dürf­ti­gen regel­mä­ßig zu tes­ten, kön­nen die Tests aber selbst nicht durch­füh­ren.«

Standards abgesenkt, Pflicht zu FFP2-Masken auch bei negativem Test gefordert

Gut, daß wir das neue "Bevöl­ke­rungs­schutz­ge­setz" haben, das die Regel außer Kraft setzt:

»Die­se Kri­tik kann man offen­bar auch im Senat nach­voll­zie­hen. „Durch das neue Bevöl­ke­rungs­schutz­ge­setz soll eine Aus­wei­tung auf die Anwen­dung durch ent­spre­chend ein­ge­wie­se­ne Pfle­ge­hilfs­kräf­te erfol­gen“, teil die Senats­ver­wal­tung mit. Das begrü­ße man sehr.

Schnell­tests sind weni­ger genau, als Labortests
Die Schnell­tests sind für den Nach­weis einer Coro­na-Infek­ti­on weni­ger zuver­läs­sig als die übli­cher­wei­se dafür ver­wen­de­ten PCR-Tests, die im Labor aus­ge­wer­tet wer­den. Des­halb muss ein posi­ti­ver Schnell­test per PCR-Test bestä­tigt wer­den. Exper­ten for­dern, dass aus die­sem Grund selbst bei einem nega­ti­ven Schnell­test in der Alten­pfle­ge wei­ter­hin FFP2-Mas­ken getra­gen werden.

Die Senats­ver­wal­tung für Gesund­heit plant des­halb, wie berich­tet, die Ber­li­ner Pfle­ge­hei­me mit einer grö­ße­ren Anzahl kos­ten­lo­ser FFP2-Mas­ken zu unter­stüt­zen. Die­se Mas­ken bie­ten eine deut­li­che höhe­re Fil­ter­wir­kung gegen­über aus­ge­at­me­ten Aero­sol­tröpf­chen, die Coro­na­vi­ren ent­hal­ten kön­nen, als die nor­ma­le soge­nann­te Mund-Nasen-Bedeckung.

Man wer­de ab Don­ners­tag allen Ber­li­ner Pfle­ge­ein­rich­tun­gen eine „kos­ten­freie Tran­che“ der Mas­ken zur Ver­fü­gung stel­len, teil­te die Gesund­heits­ver­wal­tung mit. Jede Ein­rich­tung soll rund 200 Stück erhal­ten. Das wären allein bei den rund 300 Lang­zeit­pfle­ge­ein­rich­tun­gen in der Stadt ins­ge­samt 60.000 FFP2-Masken.

Seit Beginn der Pan­de­mie habe die Senats­ge­sund­heits­ver­wal­tung rund 584.000 kos­ten­lo­se FFP2-Mas­ken an Senats- und Bezirks­ver­wal­tun­gen, Behör­den, Gesund­heits­äm­ter und Heb­am­men ver­teilt. Den Löwen­an­teil davon erhielt mit rund 445.000 Mas­ken die Senats­in­nen­ver­wal­tung.«

(Her­vor­he­bun­gen nicht im Original.)

3 Antworten auf „"Schnelltest-Karussell läuft immer schneller"“

  1. Die Tests wer­den doch sicher am WE nicht aus­ge­setzt, also x 30T. !
    120 Plät­ze x 30Tage=> 3600 Tests
    3600 x 20min. = 72000min : 60= 1200 Std.
    Ergo wür­den in die­ser Ein­rich­tung 1200 Über­stun­den auf­lau­fen bei wegen der falsch-posi­ti­ven "Tes­to­ma­nia" zusätz­lich redu­zier­tem Pflegepersonal!
    Ein ver­hee­ren­der, künst­lich erzeug­ter Not­stand, um die wackeln­de "Pan­de­mie"- Sto­ry wei­ter auf­recht zu erhalten!

  2. Mei­ne Frau vor­hin zu mir: "Auf der Säug­lings­sta­ti­on sind 8 Schwes­tern und 1 Arzt in Quarantäne."
    Ich: "Und die sind auch alle krank?"
    Sie: "Nein, niemand."
    Ich: "Die Mensch­heit ist ein­fach kom­plett verblödet."

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