Bergamo – Tod mit Ansage (und eine merkwürdige Charité-Studie)

Am 28.5. erin­ner­te die Tages­schau an die Bil­der, die unser alle Ver­hal­ten zur Coro­na geprägt haben. Sie stam­men aus der Stadt Nem­bro in Ber­ga­mo. Aus dem Bericht geht auch her­vor: Der mas­sen­haf­te Tod hat­te min­des­tens zwei Ursa­chen, das Virus und die jah­re­lan­ge kri­mi­nel­le Gesund­heits­po­li­tik der dort regie­ren­den Rechten.

»Es waren Bil­der wie im Krieg: Mili­tär­trans­por­ter vol­ler Sär­ge, Inten­siv­sta­tio­nen, auf denen Ärz­te ent­schei­den muss­ten, wer stirbt…

Die Stadt mit 11.500 Ein­woh­nern in der Pro­vinz Ber­ga­mo gilt als ein Epi­zen­trum der Coro­na-Kri­se in Norditalien…

Sal­va­to­re Maz­zo­la trägt wie alle in Nem­bro eine Mas­ke. Nur die Trä­nen in sei­nen Augen ver­ra­ten, was er in den ver­gan­ge­nen Wochen durch­ge­macht hat. "Mein Vater ist gestor­ben. Nach neun Tagen. Wir haben um Hil­fe gebe­ten. Aber nie­mand kam." Der Bäcker und Café-Betrei­ber ist wütend. Wie konn­te es dazu kom­men, dass sein Vater neun Tage auf eine Behand­lung war­ten muss­te – bis sei­ne Lun­ge irrepa­ra­bel beschä­digt war? War­um kam kein Arzt recht­zei­tig zu ihm nach Hau­se? "Unser Gesund­heits­sys­tem ist zusam­men­ge­bro­chen", sagt er. "Der Feh­ler war, dass sie den Leu­ten erst ganz am Ende gehol­fen haben – als sie schon gar kei­ne Luft mehr beka­men und die Lun­gen schwer ange­grif­fen waren."…

"Zwei Lek­tio­nen müs­sen gelernt wer­den: Das Per­so­nal in Kran­ken­häu­sern, in Pfle­ge­hei­men und Haus­arzt­pra­xen hät­te durch­ge­tes­tet und die asym­pto­ma­tisch Posi­ti­ven hät­ten sofort iso­liert wer­den müs­sen." Doch das geschah zunächst nicht. "Die­se Tat­sa­che und die am Anfang feh­len­de Schutz­klei­dung führ­ten zu ihrem Tod", schrei­ben auch drei Ärz­te des Kran­ken­hau­ses Papa Gio­van­ni XXIII in Ber­ga­mo in einer Untersuchung.«

Es folgt eine merk­wür­dig inter­pre­tier­te Stu­die der Cha­ri­té, auf die unten näher ein­ge­gan­gen wird und nach der es in der Les­art der Tages­schau wesent­lich mehr Opfer gab als bis­her bekannt. Hier nur der Hin­weis, daß der Haupt­au­tor Mar­co Pic­cin­in­ni Ende 2019 Mit­ver­fas­ser einer von der Bill & Melin­da Gates Stif­tung finan­zier­ten Stu­die über das ita­lie­ni­sche Gesund­heits­sys­tem war. Link und Link.

»Zahl­rei­che Ursa­chen für die Katastrophe
War­um ist die Zahl der Toten hier so exor­bi­tant hoch? Der Lei­ter des Alten­heims, Vale­rio Pol­lo­ni, macht dafür unter ande­rem eine Fehl­ent­schei­dung der Regio­nal­re­gie­rung ver­ant­wort­lich: Weil vie­le der Pati­en­ten mit abklin­gen­den mil­den Sym­pto­men anfangs in Alten- und Pfle­ge­hei­men unter­ge­bracht wur­den, habe sich das Virus unter Hoch­ri­si­ko­grup­pen schnell ver­brei­ten kön­nen. Pol­lo­nis Vor­gän­ger hat­te sich gewei­gert, die­se Ent­schei­dung in sei­nem Heim umzu­set­zen. Von den 87 Bewoh­nern star­ben den­noch 37. Der frü­he­re lang­jäh­ri­ge Direk­tor der Ein­rich­tung und ein Arzt der Ein­rich­tung erla­gen dem Virus.

Nach Ansicht des Bür­ger­meis­ters von Nem­bro ist auch die ver­spä­te­te Schlie­ßung sei­ner Regi­on für die hohen Todes­zah­len ver­ant­wort­lich. "Jeden Abend in der ers­ten März­wo­che wäre der rich­ti­ge Zeit­punkt gewe­sen. Aber wir haben nichts gehört. Ich rief die Prä­fek­tur in Ber­ga­mo an, und sie sag­ten, sie war­te­ten auf Anwei­sun­gen aus Mai­land oder Rom. Die 'rote Zone' hät­te aus­ge­ru­fen wer­den müs­sen, sobald unser Natio­na­les Gesund­heits­in­sti­tut das Risi­ko einer Aus­brei­tung fest­ge­stellt hat­te." Eine Moni­tor-Anfra­ge an die Regio­nal­re­gie­rung dazu blieb unbeantwortet…

Nach­bar­pro­vin­zen nah­men kei­ne Pati­en­ten auf
Man hät­te Ber­ga­mo ganz leicht ent­las­ten kön­nen, sagt Riz­zi. Im benach­bar­ten Vene­ti­en sei­en vie­le Inten­siv­bet­ten frei gewe­sen. "Selbst in der schlimms­ten Pha­se war es sehr schwer, dort einen Platz für unse­re Pati­en­ten zu fin­den." Da habe sicher, mut­maßt Riz­zi, die Angst der Nach­barn eine Rol­le gespielt, die sich vor einem ähn­li­chen Not­stand fürch­te­ten – und sich abschotteten.«

Da es sich hier um die Tages­schau han­delt, kann die Infor­ma­ti­on nicht ein­fach ste­hen­blei­ben (schließ­lich war der Bericht fäl­schend über­schrie­ben mit "Noch mehr Todes­op­fer in Nord­ita­li­en?" – sie­he dazu unten). Sie muß in Meinung(smache) über­setzt wer­den, und das geht so:

»"Das ist kei­ne nor­ma­le Grippe"
Clau­dio Can­cel­li, Bür­ger­meis­ter von Nem­bro, meint: "Das ist kei­ne nor­ma­le Grip­pe, kei­ne sai­so­na­le Erkran­kung gewe­sen." Can­cel­li ist stu­dier­ter Phy­si­ker… Kei­ne Regi­on in Euro­pa wur­de so früh und so hef­tig vom Coro­na­vi­rus getrof­fen wie die Lom­bar­dei. Mehr als 15.000 Men­schen sind hier schon gestor­ben. Nem­bros Bür­ger­meis­ter Can­cel­li appel­liert des­halb an die Deut­schen vor­sich­tig zu sein. "Man darf das Virus nicht unter­schät­zen und zu spät reagie­ren, sonst pas­sie­ren sol­che Dra­men, wie sie uns pas­siert sind."«

Eine dras­ti­sche­re Schil­de­rung der gesund­heits­po­li­ti­schen Lage bot n‑tv am 23.5.:

»Nur ein Bei­spiel für das Miss­ma­nage­ment in den Lega-geführ­ten Regio­nen: In Mai­land kennt jeder den Fall der gro­ßen Senio­ren­re­si­denz "Pio Alber­go Tri­vul­zio", in die man noch Anfang März auf Anord­nung von Regio­nal­funk­tio­nä­ren "leich­te" Covid-19 Fäl­le ver­legt hat­te. Als der zustän­di­ge Heim­arzt dage­gen pro­tes­tier­te und dem Pfle­ge­per­so­nal Schutz­be­klei­dung ver­ord­ne­te, wur­de er frist­los ent­las­sen, weil er angeb­lich "Panik stif­te­te". Heu­te weiß man, dass fast die Hälf­te der Opfer­zahl in der Regi­on in den Alten­hei­men und Resi­den­zen ver­mel­det wurde.

Auch drei Mona­te nach Beginn der Seu­che wer­den Infek­ti­ons­ket­ten nicht ordent­lich nach­ver­folgt, müs­sen Ange­hö­ri­ge eines Covid-19-Opfers – wie in Ber­ga­mo öffent­lich gewor­den – 500 Euro Gebüh­ren zah­len, um sich tes­ten zu lassen.

Fast jede Fami­lie in der Lom­bar­dei hat ein Opfer der Seu­che zu bekla­gen; Tote oder Über­le­ben­de, die nun schwer­krank Pfle­ge brau­chen. Jeder Vier­te als "geheilt" von der Inten­siv­sta­ti­on ent­las­se­ne Covid-19 Pati­ent muss in die Dia­ly­se, weil die Nie­ren ver­sagt haben. Die Lun­gen sind bei vie­len dau­er­haft geschä­digt. Als "geheilt" ent­las­sen zu sein, ist bei die­ser Seu­che nicht gleich­be­deu­tend mit gesund sein. Auf Ange­hö­ri­ge und das Gesund­heits­we­sen kommt eine Nach­wel­le Zehn­tau­sen­der Schwer­be­hin­der­ter zu…

Zu Beginn der Kri­se aber woll­te sich nie­mand den Ver­hält­nis­sen in der Lom­bar­dei befas­sen. Der ers­te Ver­dacht, den rechts­na­tio­na­le Medi­en wie "Libe­ro", "Il Giorn­a­le", aber auch das Staats­fern­se­hen Rai gleich zu Anfang März streu­ten, stell­te die "Mus­ter­re­gi­on Ita­li­ens", mit dem mus­ter­gül­ti­gen Gesund­heits­sys­tem", "von der gan­zen Welt bewun­dert", als Opfer des Aus­lands dar…

In den Pro­ben von 800 Blut­spen­dern in Mai­land fand man nun übri­gens bei 4 Pro­zent die­ser gesun­den Spen­der bereits im Janu­ar 2020 Anti­kör­per auf das Virus. Das Virus war also bereits Anfang Janu­ar in der Stadt, zwei Mona­te bevor es zum gro­ßen Aus­bruch gekom­men ist…

Kli­ni­ken als Virenschleudern
Wahr ist dage­gen, dass das ver­meint­lich groß­ar­ti­ge Gesund­heits­sys­tem der Lom­bar­dei für den Pan­de­mie-Fall kom­plett falsch auf­ge­stellt ist, wie es 13 Not­ärz­te des Kran­ken­hau­ses "Papst Johan­nes XXIII" von Ber­ga­mo in einem offe­nen Brief schon im März schrie­ben. "Allein­ge­las­sen", gezwun­gen, Pati­en­ten "nur noch pal­lia­tiv behan­deln zu kön­nen", "kei­nen Platz auch für Schwer­kran­ke mehr": Der Zusam­men­bruch des angeb­lich so vor­bild­li­chen Sys­tems, trotz des über­mensch­li­chen Ein­sat­zes von Ärz­ten und Pfle­ge­per­so­nal, so schrei­ben die 13 Not­ärz­te, lie­ge am Sys­tem selbst.

Die Kata­stro­phe war eben nicht der von Fon­ta­na genann­te "Tsu­na­mi", die Was­ser­wel­le nach einem Erd­be­ben unter dem Meer, son­dern die Fol­ge men­schen­ge­mach­ter Fehl­auf­stel­lung. Der Kern des Pro­blems: Das Gesund­heits­sys­tem ganz Ita­li­ens ist "Kran­ken­haus-zen­triert", ganz beson­ders in der Lom­bar­dei. Jede Art von Dia­gnos­tik, alle Spe­zia­lis­ten, arbei­ten nur in Groß­kran­ken­häu­sern. In rie­si­gen War­te­sä­len war­tet man stun­den­lang auf den Ter­min, muss zuerst die Zuzah­lung leis­ten, pro Arzt­be­such auch schon ein­mal 150 Euro, um dann wie­der in lan­gen Kor­ri­do­ren, immer dicht an dicht gedrängt, vor dem Arzt­zim­mer zu war­ten. Das Kran­ken­haus als idea­le Viren­schleu­der. Tat­säch­lich kam es zu den ers­ten Mas­sen­an­ste­ckun­gen in drei Kran­ken­häu­sern der Lom­bar­dei: in Nem­bro, Alza­no Lom­bar­do und Codogno.

Allein gelas­se­ne Hausärzte
"In die­ser Kri­se räch­te es sich, dass man uns Haus­ärz­te, die Ver­sor­gung vor Ort, sträf­lich ver­nach­läs­sigt hat", meint der Prä­si­dent der Haus­ärz­te von Ber­ga­mo, Gui­do Mari­no­ni. "Wir Haus­ärz­te sind aus dem Gesund­heits­sys­tem her­aus­ge­fal­len, allein gelas­sen wor­den. Wir wur­den zu Pati­en­ten geru­fen, die schwers­te Atem­pro­ble­me hat­ten, aber wir hat­ten kei­ne Schutz­aus­rüs­tun­gen. Wir bet­tel­ten in der Regi­on um Mas­ken, nichts kam. Wir haben uns im Bau­markt Schutz­mas­ken gekauft, aber das hat bei vie­len mei­ner Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen nicht gereicht. Von den 630 Haus­ärz­ten von Ber­ga­mo Stadt und Kreis haben sich 150 mit dem Virus infi­ziert und 28 sind gestorben."

Es gibt eine direk­te Bezie­hung zwi­schen der Ver­fasst­heit des lom­bar­di­schen Gesund­heits­sys­tems zu Beginn der Pan­de­mie und der Regio­nal­re­gie­rung. Weni­ge Tage vor dem Virus-Aus­bruch sag­te der stell­ver­tre­ten­de Lega-Vor­sit­zen­de Gian­car­lo Gior­get­ti, man kön­ne auf die Haus­ärz­te ("medi­ci di fami­glia") ver­zich­ten, sie sei­en über­flüs­sig. Die Regi­on setzt mehr als jede ande­re auf weni­ge gro­ße, die Leis­tun­gen kon­zen­trie­ren­de öffent­li­che Kli­ni­ken sowie auf pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­te Häu­ser, die sich auf finan­zi­ell attrak­ti­ve Behand­lun­gen des Leis­tungs­ka­ta­logs konzentrieren.

Dass es auch anders geht, beweist die Nach­bar­re­gi­on Vene­ti­en: auch sie unter Lei­tung eines Lega-Poli­ti­kers, Luca Zaia. Der aber von Anfang von einem bekann­ten Viro­lo­gen, Andrea Cri­san­ti, bera­ten wur­de, mas­sen­haft tes­ten ließ und vor allem in der "roten Zone" von Vo Eug­a­neo 43 Pro­zent der asym­pto­ma­ti­schen Trä­ger ent­de­cken konn­te. Ein Sys­tem ganz kon­zen­triert auf Haus­ärz­te, mit "nur" 1841 offi­zi­ell gezähl­ten Covid-19-Opfern. Im Ver­gleich zum Lega-Par­tei­freund Fon­ta­na aus der Lom­bar­dei steht Zaia heu­te blen­dend da: Kei­ne neu­en Infek­tio­nen mehr im Vene­to, aber am Don­ners­tag 316 Neu­in­fek­tio­nen in der Lom­bar­dei und 65 Tote.

Pri­va­ti­sie­rung allenthalben
Von den 114 Mil­li­ar­den Euro öffent­li­chen Mit­teln, die der staat­li­che, regio­nal orga­ni­sier­te Gesund­heits­dienst pro Jahr aus­gibt, geht die Hälf­te an pri­va­te, gewinn­ori­en­tier­te Kran­ken­häu­ser. Deren Leis­tun­gen aber kon­zen­trie­ren sich auf teu­er abzu­rech­nen­de Ein­zel­leis­tun­gen, sehr viel weni­ger auf die all­ge­mei­ne Gesund­heits­vor­sor­ge, schon gar nicht auf Not­fall­me­di­zin. Von den 5060 Inten­siv­bet­ten in ganz Ita­li­en zu Jah­res­be­ginn gab es weni­ger als 100 in den Privatkliniken.

Die öffent­li­chen Kran­ken­häu­ser sind die ers­ten Anlauf­stel­len für alle Kran­ken, egal ob anste­ckend, oder nicht. Die Ver­nach­läs­si­gung der Ver­sor­gung vor Ort, der Haus­ärz­te, der Man­gel an dezen­tra­ler Fach­arzt­ver­sor­gung, die Kon­zen­tra­ti­on auf Groß­kran­ken­häu­ser hat aber auch, das ist eine gerichts­fes­te Tat­sa­che, ihren Grund in mas­si­ver Kor­rup­ti­on. In den Groß­kran­ken­häu­sern wer­den gro­ße Auf­trä­ge ver­ge­ben, weni­ge Per­so­nen ver­schie­ben da Rie­sen­sum­men. Kein Kor­rup­ti­ons­skan­dal in der öffent­li­chen Ver­wal­tung Ita­li­ens ohne Krankenhaus-Beteiligung.

Im Febru­ar 2019 trat der lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent der Regi­on Lom­bar­dei, Rober­to For­mi­go­ni, nach fast zwei Jahr­zehn­ten im Amt eine fünf­jäh­ri­ge Haft­stra­fe an. Er hat­te sich bestechen las­sen, um die pri­va­te Kli­nik­grup­pe Mau­ge­ri-San Raf­fae­le zu begünstigen.

Zei­tun­gen wie "Libe­ro", die im Besitz von ande­ren pri­va­ten Kli­nik­be­trei­bern wie der Fami­lie Ange­luc­ci sind, ste­hen nun in vor­ders­ter Front, um wei­ter­hin die "Errun­gen­schaf­ten" der lom­bar­di­schen Medi­zin zu ver­tei­di­gen. Der Häft­ling For­mi­go­ni wird dort inter­viewt und preist "sein" Gesund­heits­we­sen als exzel­lent. So erweist sich das Gefäng­nis womög­lich als Glücks­fall für For­mi­go­ni, bewahrt es ihn doch vor einer direk­ten Begeg­nung mit Nut­zern sei­nes ach so "exzel­len­ten" Gesundheitssystems.«

Wochen­lang gal­ten der­ar­ti­ge Infor­ma­tio­nen als Fake News von Coro­na-Leug­nern oder Rela­ti­vie­rern. Als eine Aus­nah­me kann der kaum beach­te­te Bericht der Süd­deut­schen Zei­tung von Ende März gel­ten. Dort war damals schon zu lesen:

»Offen­bar hat sich die Epi­de­mie aber schon zuvor über eini­ge Zeit hin­weg ausgebreitet.

"Die Sache gibt es seit Anfang des Jah­res – oder sogar seit Weihnachten"
Don Matteo betont, dass er kein Arzt sei – und dass er des­halb nicht zu weit gehen möch­te. Der Vikar von Nem­bro beschränkt sich des­halb dar­auf, die Fak­ten zu schil­dern, die in sei­ner Gemein­de für so viel Ver­wüs­tung gesorgt haben.

"Wir glau­ben", sagt er, "dass es die­se Sache seit Anfang des Jah­res oder sogar seit Weih­nach­ten gibt, ohne dass sie iden­ti­fi­ziert wur­de. Zunächst hat­te das Pfle­ge­heim in Nem­bro eine wach­sen­de Zahl von anoma­len Todes­fäl­len: Im Janu­ar star­ben zwan­zig Men­schen an einer Lun­gen­ent­zün­dung. Im gesam­ten letz­ten Jahr gab es dort nur sie­ben Todes­fäl­le. Und so schwoll die Zahl der Beer­di­gun­gen Woche für Woche an, und alle spra­chen von die­ser schwe­ren Lun­gen­ent­zün­dung. Vor dem Kar­ne­val lag die hal­be Stadt mit Fie­ber im Bett. Ich erin­ne­re mich, dass wir, wäh­rend wir dis­ku­tier­ten, ob wir die Fei­er­lich­kei­ten und die Para­de mit den Kin­dern abhal­ten soll­ten, den 'Haus­auf­ga­ben­raum' schlie­ßen muss­ten. Denn die meis­ten Frei­wil­li­gen, die die Kin­der beauf­sich­tig­ten, waren krank. Aber vom Coro­na­vi­rus war damals in Ita­li­en kei­ne Rede. Wer weiß, wie vie­le von uns schon krank waren und dann wie­der gesund wurden."

Don Matteo küm­mert sich nor­ma­ler­wei­se um die jün­ge­ren Mit­glie­der der Gemein­de. "Nach und nach", berich­tet er, "kam alles zum Still­stand. Wir began­nen, die Mes­se aus­zu­set­zen. Aber wir küm­mer­ten uns so lan­ge wie mög­lich um die Kran­ken, tra­fen ihre Fami­li­en, denn man kann ihnen den Trost nicht ver­wei­gern. Wir ver­such­ten, so viel Vor­sicht wie mög­lich wal­ten zu las­sen, aber heu­te bin ich der ein­zi­ge Pries­ter, der noch gesund ist; die ande­ren haben alle Fie­ber. Don Giu­sep­pe ist im Kran­ken­haus, und auch Don Anto­nio, der Pfar­rer, war krank. Jetzt ist er wie­der gesund. Dann began­nen wir mit den ers­ten Beer­di­gun­gen derer, die vom Coro­na­vi­rus befal­len wur­den. Nur die engs­te Fami­lie war anwe­send. In der ers­ten März­wo­che begru­ben wir 14 Per­so­nen, wäh­rend es nor­ma­ler­wei­se nur zwei sind."


Zur Stu­die der Cha­ri­té. Merk­wür­dig ist zunächst, daß die Tages­schau am 28.5. dar­auf Bezug nimmt. Sie war bereits am 15.5. bekannt gemacht wor­den. Der Ver­dacht liegt nahe, sie konn­te zu oben genann­ter Mei­nungs­ma­che beitragen.

Was sind die Kern­aus­sa­gen der Stu­die? Und wie wer­den sie prä­sen­tiert? Seri­ös in der Süd­deut­schen Zei­tung:

»Stu­die ana­ly­siert Coro­na­vi­rus-Aus­bruch in Nembro
Am 21. Febru­ar wur­de der ers­te Fall in der Stadt bestä­tigt, schnell folg­ten wei­te­re Infek­tio­nen. Mit­te April war der Aus­bruch end­lich abge­flaut. Bis dahin muss­te die Stadt 166 Men­schen zu Gra­be tra­gen. 151 von ihnen waren allein im März gestor­ben, wie Public-Health-For­scher aus Mai­land und Ber­lin im Bri­tish Medi­cal Jour­nal ana­ly­sier­ten. Damit star­ben in einem ein­zi­gen Monat mehr Men­schen als sonst in einem gesam­ten Jahr, es waren fast elf­mal so vie­le wie im März 2019.

Etwa die Hälf­te der Gestor­be­nen hat­te eine bestä­tig­te Covid-19-Dia­gno­se. Die For­scher schlie­ßen nicht aus, dass auch ein Teil der ande­ren mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert war, aber nicht erfasst wur­de, weil es zwi­schen­zeit­lich an Kapa­zi­tä­ten für die Ent­nah­me und Aus­wer­tung der Tests man­gel­te. Mög­lich ist aber auch, dass Men­schen an den indi­rek­ten Fol­gen der Pan­de­mie gestor­ben sind. Die Kli­ni­ken der Regi­on waren über­füllt, Schutz­aus­rüs­tung wur­de knapp, Ange­stell­te infi­zier­ten sich und fie­len in der Kran­ken­ver­sor­gung aus, Ärz­te und Pfle­ge­kräf­te stan­den unter enor­mem Druck.

Es ist denk­bar, dass in die­ser Situa­ti­on nicht mehr alle Pati­en­ten opti­mal ver­sorgt wer­den konn­ten. Man­che Kran­ke könn­ten den Kli­ni­ken auch aus Angst fern­ge­blie­ben sein…«

Oder wie auf www​.gesund​heits​stadt​-ber​lin​.de, wohin der diri­gie­ren­de Arm des Insti­tuts eher gelangt.

»Cha­ri­té Stu­die: Mehr Pan­de­mie-Tote in Nord­ita­li­en als gemeldet
Allein im März gab es in einem nord­ita­lie­ni­schen Ort mehr Tote als im gesam­ten ver­gan­ge­nen Jahr. Nur rund die Hälf­te der jetzt Ver­stor­be­nen war jedoch als COVID-19-Todes­fall gemel­det. Wis­sen­schaft­ler der Cha­ri­té haben die­se Dis­kre­panz auf­ge­deckt und schlie­ßen dar­aus, dass die Pan­de­mie weit mehr Men­schen­le­ben for­dert als offi­zi­ell bekannt.«

So sehen Fake News aus. Details wer­den aus dem Zusam­men­hang geris­sen und zu einer neu­en Bot­schaft ver­mengt. Die Stu­die stellt nicht etwa fest, es gebe mehr Tote als gemel­det. Sie beschäf­tigt sich viel­mehr damit, daß ledig­lich die Hälf­te als Coro­na-Tote gilt.

Im Arti­kel wird obi­ge Nach­richt sogleich mit ande­ren Wor­ten wie­der­holt und ergänzt:

»Dabei waren in dem 11.500 Ein­woh­ner-Städt­chen allein im März mehr Men­schen gestor­ben als im gesam­ten ver­gan­ge­nen Jahr und elf Mal so vie­le wie im März des Vor­jah­res. Das fan­den Wis­sen­schaft­ler der Cha­ri­té in einer Stu­die her­aus, deren Ergeb­nis­se nun im Fach­ma­ga­zin "The BMJ" ver­öf­fent­licht wurden.«

Damit es hän­gen bleibt, wird noch zwei Mal wie­der­holt, daß im März elf Mal so vie­le Tote wie üblich star­ben. Ver­blüf­fend dann die Zusam­men­fas­sung des Charité-Experten:

»„Die­se sehr mas­si­ve Erhö­hung der Ster­be­ra­te im März 2020 kön­nen wir vor dem Hin­ter­grund der sonst sehr sta­bi­len Gesamt­sterb­lich­keit in Nem­bro nur als Fol­ge der Coro­na­vi­rus-Pan­de­mie wer­ten“, sagt Mar­co Pic­cin­in­ni, Wis­sen­schaft­ler am IPH und Erst­au­tor der Studie.«

Es folgt die erneu­te Benen­nung der Zahl der Toten und die Frage

»Wie erklärt sich die­se Dis­kre­panz? Die Wis­sen­schaft­ler ver­mu­ten zum einen, dass nicht alle Coro­na­vi­rus-Infi­zier­ten iden­ti­fi­ziert wur­den – etwa weil das Test­ma­te­ri­al knapp war und nicht alle Ver­dachts­fäl­le labor­dia­gnos­tisch getes­tet wur­den. Ein zwei­ter Grund könn­te dar­in lie­gen, dass Men­schen mit ande­ren Erkran­kun­gen schlech­te­ren Zugang zur Kran­ken­ver­sor­gung hat­ten: ent­we­der weil die Kapa­zi­tät des Gesund­heits­sys­tems schon durch COVID-19-Fäl­le aus­ge­schöpft war oder weil sie aus Sor­ge vor einer Infek­ti­on das Kran­ken­haus nicht auf­su­chen wollten.«


Fra­gen sind ange­bracht, dies­mal an die von der Cha­ri­té ver­öf­fent­lich­te Mit­tei­lung.

1. Was ist der Zweck der Stu­die? Ver­mut­lich gibt die Schluß­be­mer­kung die Antwort:

»„Für eine prä­zi­se Abschät­zung der gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie dür­fen wir also nicht aus­schließ­lich auf die bestä­tig­ten COVID-19-Ster­be­zah­len schau­en“, betont Prof. Kurth. „Um vor Ort die gel­ten­den Ein­däm­mungs­maß­nah­men bes­ser an die Situa­ti­on anpas­sen zu kön­nen, soll­ten zusätz­lich aktu­el­le Daten zur regio­na­len Gesamt­sterb­lich­keit berück­sich­tigt wer­den. Lei­der sind Daten zur Gesamt­sterb­lich­keit nicht über­all zeit­nah abruf­bar. Ich begrü­ße, dass vor­läu­fi­ge Daten für Deutsch­land seit Kur­zem zur Ver­fü­gung stehen.“«

Man kann das so lesen: Um an den Ein­däm­mungs­maß­nah­men fest­hal­ten zu kön­nen, rei­chen die Coro­na-Toten nicht mehr aus. Jeden­falls ist in der Stu­die nichts von einer Hil­fe­stel­lung für das ita­lie­ni­sche Gesund­heits­sys­tem in der Regi­on zu finden.

2. Wie sau­ber sind die Zah­len? Wir fin­den in zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Absät­zen die­se Anga­ben: Es "star­ben in den drei­ein­halb Mona­ten zwi­schen dem 1. Janu­ar 2020 und 11. April 2020 in Nem­bro 194 Per­so­nen" und "Von den wäh­rend der Infek­ti­ons­wel­le (Ende Febru­ar bis Anfang April) gestor­be­nen 166 Men­schen waren aber nur 85 posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet und offi­zi­ell als COVID-19-Todes­fäl­le gemel­det wor­den." War­um wird ein­mal als Aus­gangs­ba­sis der 1.1., ein ande­res Mal Ende Febru­ar ver­wen­det? Und wie ver­tra­gen sich die Daten mit der Infor­ma­ti­on am Schluß der Mit­tei­lung, wonach es zwi­schen dem 8. März und dem 16. April 85 Tote gab? Zu der Zeit war die Stadt eine "Rote Zone", die weder ver­las­sen noch betre­ten wer­den durf­te. Wenn somit vom 1.1. bis zum 11.4. 194 Men­schen star­ben, davon zwi­schen dem 8.3 und dem 16.4 "nur" 85 – wie sind dann die 109 Ver­stor­be­nen vor die­ser Zeit zu erklären?

Für das Wei­te­re ist ein Blick in die Ori­gi­nal­ver­öf­fent­li­chung im Bri­tish Medi­cal Jour­nal nötig. (Über­set­zung aus dem Eng­li­schen mit Hil­fe von trans​la​te​.goog​le​.com)

3. Wie ver­trägt sich fol­gen­de Aus­sa­ge mit den u.a. oben zitier­ten Medi­en­be­rich­ten? (Viel­leicht eine dum­me Fra­ge ange­sichts der oben genann­ten BMGS-Connection)

»Das Gesund­heits­sys­tem in der Lom­bar­dei ist durch hohe Stan­dards und aus­rei­chen­de Res­sour­cen gekenn­zeich­net. Mehr als 200 akkre­di­tier­te Kran­ken­häu­ser beschäf­ti­gen etwa 130 000 qua­li­fi­zier­te Gesund­heits­ar­bei­ter. In die­ser Regi­on betrug die Kapa­zi­tät der Inten­siv­sta­tio­nen vor der Pan­de­mie etwa 720 Bet­ten (nor­ma­ler­wei­se mit einer Aus­las­tung von 85–90% im Winter).«

4. Bewegt sich der Umfang der genutz­ten Schät­zun­gen in einem gesi­cher­ten Bereich?

Man­gels aus­rei­chen­der Daten »haben wir die Anzahl der Ein­woh­ner über den gesam­ten Unter­su­chungs­zeit­raum (1. Janu­ar 2012 bis 11. April 2020) geschätzt… Wir haben auch die monat­li­chen Sterb­lich­keits­ra­ten unter dem hypo­the­ti­schen Sze­na­rio eines star­ken Rück­gangs der bei­tra­gen­den Per­so­nen­jah­re in den letz­ten Mona­ten des Stu­di­en­zeit­raums geschätzt… Wir haben monat­lich alle Ursa­chens­terb­lich­keits­ra­ten berech­net, indem wir die Anzahl der Todes­fäl­le durch die geschätz­te Anzahl der Per­so­nen­jah­re divi­diert haben.«

5. Bemer­kens­wert im Zusam­men­hang mit den sei­ner­zei­ti­gen Hor­ror­be­rich­ten über ster­ben­de jun­ge Men­schen auf den Inten­siv­sta­tio­nen ist die­se Bemer­kung, die wie­der­um die Fra­ge auf­kom­men läßt, wel­chen Anteil das Virus hat­te und wel­chen der kata­stro­pha­le Umgang mit alten Menschen:

»Von den 161 Men­schen, die in die­sem Zeit­raum star­ben, war kei­ner 14 Jah­re oder jün­ger und 14 (8,7%) waren zwi­schen 15 und 64 Jah­re alt.«

6. Auf­hor­chen läßt die­se Feststellung:

»Die Quel­le für bestä­tig­te Todes­fäl­le durch Covid-19 ist nicht offi­zi­ell und ent­hält nicht das Todes­da­tum, son­dern das Datum, an dem das Labor die bio­lo­gi­sche Pro­be erhal­ten hat. Dies bedeu­tet, dass die Anzahl der in unse­rer Stu­die gemel­de­ten bestä­tig­ten Covid-19-Todes­fäl­le wahr­schein­lich gering­fü­gig höher ist als die offi­zi­el­le Anzahl im glei­chen Zeit­raum, da wir die Todes­fäl­le der­je­ni­gen ein­be­zo­gen haben, die mög­li­cher­wei­se nach dem 11. April gestor­ben sind (obwohl ihre Stich­pro­be frü­her an das Labor gesen­det wur­de). Dar­über hin­aus wis­sen wir, dass die­se ver­stor­be­nen Per­so­nen posi­tiv auf Covid-19 getes­tet wur­den, aber wir kön­nen nicht abso­lut sicher sein, ob die Krank­heit eine Todes­ur­sa­che war. Dies bedeu­tet, dass der Unter­schied zwi­schen Covid-19-spe­zi­fi­schen Todes­fäl­len und der Zunah­me aller Todes­fäl­le noch extre­mer sein könnte.«

7. Die For­scher kom­men zu mög­li­chen Erklä­run­gen, die vor allem dem Gesund­heits­sys­tem eine mise­ra­ble Zen­sur ausstellen:

»Ers­tens wer­den Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19 im All­ge­mei­nen als sol­che gezählt, wenn Men­schen posi­tiv auf die Krank­heit getes­tet wer­den. Ange­sichts der höhe­ren Todes­ra­te von Covid-19 bei älte­ren Men­schen mit Kom­or­bi­di­tä­ten sowie des Man­gels an Gesund­heits­res­sour­cen wur­den vie­le, die tat­säch­lich an Covid-19 star­ben, wahr­schein­lich nie getes­tet. Daher wur­de die Todes­ur­sa­che bei die­sen Men­schen falsch klas­si­fi­ziert. Zum Bei­spiel ver­hin­der­te ein Man­gel an Tests die Beur­tei­lung von Covid-19 bei Men­schen mit Sym­pto­men und bestä­tig­ten Kon­tak­ten in Nembro.

Eine zwei­te Erklä­rung für die Nicht­über­ein­stim­mung zwi­schen die­sen bei­den Todes­ra­ten könn­te in der Grup­pe lie­gen, die kein Covid-19, aber ande­re schwer­wie­gen­de Erkran­kun­gen hat­te und an Ursa­chen starb, die indi­rekt mit Covid-19 zusam­men­hän­gen. Wäh­rend die­ses Zeit­raums hat­te die­se Grup­pe mög­li­cher­wei­se einen ein­ge­schränk­ten Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung auf­grund von Kapa­zi­täts­eng­päs­sen, begrenz­ten Human­res­sour­cen für einen so gro­ßen Pati­en­ten­zu­strom (10% der Pati­en­ten mit bestä­tig­tem Covid-19 in Ita­li­en arbei­te­ten im Gesund­heits­we­sen) oder der Angst, ein Kran­ken­haus wäh­rend der Pan­de­mie auf­zu­su­chen. In Nem­bro waren Anzei­chen für eine Belas­tung des Gesund­heits­sys­tems und logis­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen erkenn­bar. In einem kürz­lich erschie­ne­nen Arti­kel wer­den die Her­aus­for­de­run­gen und Schwie­rig­kei­ten des Gesund­heits­sys­tems der Pro­vinz beschrie­ben, selbst grund­le­gen­de Gesund­heits­dienst­leis­tun­gen zu erbringen.

Drit­tens könn­te die bekann­te Ver­zö­ge­rung zwi­schen der Ver­wal­tung und Ver­ar­bei­tung des Tests und der Ver­füg­bar­keit von Ergeb­nis­sen, ins­be­son­de­re in über­las­te­ten Umge­bun­gen, die­sen Unter­schied ver­schärft haben.«

»Unse­re Ergeb­nis­se beschrei­ben die Aus­wir­kun­gen der Covid-19-Pan­de­mie auf die Gesund­heit einer klei­nen Gemein­de. In grö­ße­rem Maß­stab wäre die Fol­ge eines unkon­trol­lier­ten SARS-CoV-2-Aus­bruchs in Ita­li­en der Zusam­men­bruch des Gesund­heits­sys­tems, was sich wie­der­um erheb­lich nega­tiv auf die Gesund­heit der gesam­ten Bevöl­ke­rung aus­wir­ken wür­de. Wir beto­nen, dass Leta­li­täts­ma­ße kaum nur als Merk­ma­le der Krank­heit zu inter­pre­tie­ren sind, son­dern auch von der stän­di­gen Ver­füg­bar­keit und Qua­li­tät der Ver­sor­gung abhän­gen. Die Fol­gen einer Pan­de­mie beschrän­ken sich nicht nur auf Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19, son­dern tra­gen auf indi­rek­te Wei­se zu den poten­zi­ell ver­meid­ba­ren Todes­fäl­len bei, die auf die extre­me Tria­ge begrenz­ter Res­sour­cen in Kri­sen­si­tua­tio­nen zurück­zu­füh­ren sind.

Obwohl das ita­lie­ni­sche Gesund­heits­sys­tem im letz­ten Jahr­zehnt durch eine erheb­li­che Kür­zung der öffent­li­chen Mit­tel geschwächt wur­de, ist die Gesamt­leis­tung des ita­lie­ni­schen Gesund­heits­sys­tems im inter­na­tio­na­len Ver­gleich immer noch hoch. Ange­sichts der bei­spiel­lo­sen Her­aus­for­de­rung durch covid-19 sind die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger jedoch nur mit der Fähig­keit aus­ge­stat­tet , sozia­le Distan­zie­rungs­maß­nah­men ein­zu­füh­ren, um die Aus­brei­tung des Virus zu ver­lang­sa­men, schutz­be­dürf­ti­ge Grup­pen zu schüt­zen und gleich­zei­tig das Gesund­heits­sys­tem zu stär­ken, um eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung für alle Pati­en­ten sicherzustellen.«

Bemer­kens­wer­ter­wei­se kom­men die­se poli­ti­schen Aus­wer­tung in den Medi­en eher am Ran­de vor.

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