Bonn eröffnet Karneval. Gesungen werden darf nicht. Geschunkelt auch nicht

Ganz in zeit­ge­nös­si­scher Verkleidung schrei­ten Prinz, Bauer und Jungfrau zur Tat.

ga.de (18.10.)

Damit sie den Muff unter den Talaren nicht rie­chen müs­sen, hat sich das Dreigestirn form­schö­ne Filz-Faschings-Pavian-Masken der 2. Generation ange­legt. Das när­ri­sche Fußvolk war gehal­ten, den Mief unge­schützt zu ertra­gen. Der Bauer trägt den zere­mo­ni­el­len Zauberstab zum Verscheuchen von Inzidenzen, wäh­rend Prinz Magnifizenz eine form­schö­ne Genesigungsplakette vor sich her trägt.

Das beson­de­re Highlight der Karnevalseröffnung war die schel­mi­sche Darstellung des Narrenspiels als "Eröffnung des Akademischen Jahres". Prinz Magnifizenz trat auf als "Professor Hoch":

»Die offi­zi­el­le Eröffnung des Akademischen Jahres am ver­gan­ge­nen Montag fand am gest­ri­gen Nachmittag aller­dings als hybri­de Veranstaltung statt. Dieses Konzept, so bestä­tigt es Uni-Rektor Professor Michael Hoch in sei­ner Begrüßungsrede, hat sich offen­bar bewährt.

Außerdem ist die Pandemie noch nicht vor­bei; aus die­sem Grund durf­ten der Internationale Chor der Universität und die Camerata Musicale auch nicht live auf­tre­ten, son­dern ledig­lich mit einem Musik­video für ein wenig Auf­lockerung sorgen.

Inhaltlich stand dage­gen in wei­ten Teilen nicht das Corona-Virus im Zentrum des Fest­aktes, son­dern das deut­sche Wissenschaftssystem in Zeiten glo­ba­ler Umbrüche – und die Katastrophe im Ahrtal, die auch vie­le Universitäts-Mitglieder betrof­fen hat.

Bereits Professor Hoch lenk­te den Blick auch auf die Exzellenzstrategie der Universität. „Es muss für uns auch wei­ter dar­um gehen, die Universität fit zu machen für den inter­na­tio­na­len Wettbewerb um die klügs­ten Köpfe“, sag­te er…

Ganz gemäß der Tradition run­de­ten schließ­lich Proklamationen und die Verleihung inter­na­tio­na­ler Auszeichnungen den Festakt ab.«
ga.de (18.10.)

neumeyer-abzeichen.de

13 Antworten auf „Bonn eröffnet Karneval. Gesungen werden darf nicht. Geschunkelt auch nicht“

    1. @Zapata Gag: In Bayern muss man da noch per­sön­lich hin – da hilft auch Corona nicht! Das Beste dar­an ist, dass die Standesbeamtin einem dann den gan­zen Text noch ein­mal vor­liest, bevor man unter­schrei­ben darf und eine Bescheinigung erhält.

      1. @Anybody: Falls das nicht ver­ständ­lich war: man kann in Bayern sei­nen Kirchenaustritt nicht über ein Online-Formular erklä­ren, son­dern muss per­sön­lich ins Standesamt des Wohnortes gehen.

  1. Sehr lus­tig, vie­len Dank, aa. Als Angehöriger einer ande­ren "Exzellenzuniversität" habe ich das Possenspiel wie­der­erkannt. So ist sie, die deut­sche Bildungselite.

  2. "die Universität fit zu machen für den inter­na­tio­na­len Wettbewerb um die klügs­ten Köpfe"
    Schon jetzt gran­di­os gescheitert…
    Was wird wohl pas­sie­ren, wenn der­einst das gan­ze Leben vor ihrem
    inne­ren Auge abläuft ?
    "Ah ja, die Szene damals in der Aula, dar­auf bin ich ganz besonders
    stolz…"

  3. Ein drei­fa­ches "HOCH , HOCH , HOCH , " auf Professor Hoch .
    Ein wei­te­res, aus tiefs­ter Seele jubeln­des "HOCH" auf das "DEUTSCHE WISSENSCHAFTSSYSTEM" und auf den Deutschen Schäferhund in Zeiten der Lügenpolitik,und ein ganz beson­de­res" HOCH" auf die dazu­ge­hö­ren­den Filzmasken und die Farbe der die Protagonisten "ein­hül­len­den Maskeradenkostüme".
    In Ergebenheit, eine auf­ge­klär­te , quer­den­ken­de "Närrin"; immer wie­der gerne!

  4. "Karneval" (Carrus nava­lis – Schiffskarren des Bakchos / Dionysos) ist zele­brier­te Verwahrlosung. cf. das Benehmen wie Tiere (cf. Bacchus selbst, die um sei­nen Schiffskarren tan­zen­den "gei­len Böcke", die Mänaden etc. bei den Bacchanalien). Die dor­ti­ge Tiermaskerade war sym­pto­ma­tisch: Masken ent­hem­men, weil man sich "ver­steckt" hat. Und genau die­se Enthemmung ist ein wesent­li­cher Aspekt der Corona-Maske.
    Ich habe in die­sen zwei Jahren nie­mals eine Maske getra­gen. Allerdings zei­ge ich mein Gesicht ohne­hin auch im Internet und nen­ne mei­nen rich­ti­gen Namen. Das ist ein Gebot des Anstandes und Respekts für den Nächsten sowie des Verantwortungsbewusstseins auch bei Online-Aktivitäten.

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