Corona-PR: hip, teuer, destruktiv

Am 17. Juli 2020 mel­de­te der SPIEGEL unter der Überschrift „Spahn ver­drei­ßig­facht Werbeausgaben“:

„Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) unter der Leitung von Jens Spahn (CDU) hat in der Coronakrise das Budget für Öffentlichkeitsarbeit nach eige­ner Aussage ‚deut­lich über­schrit­ten‘. Gab das Ministerium in nor­ma­len Jahren zwi­schen 900.000 und 1,3 Millionen Euro für Anzeigen und Werbespots in Massenmedien aus, waren es bis zum 30. Juni bereits rund 31,4 Millionen Euro.“ [1]

Das Geld ging an Printmedien, Plakatwerbung, TV-Kampagnen, Radiowerbung und ver­stärkt in den Online-Bereich – Kinos gin­gen leer aus, die waren ja geschlos­sen – und an eine Werbeagentur, wie eine Anfrage an das Bundesgesundheitsministerium ergab:

„Die Unterstützung bei der Konzeption und Durchführung von Kommunikationsdienstleistungen erfolgt nach Durchführung einer euro­pa­wei­ten Ausschreibung seit 1. April die­sen Jahres durch die Agentur Scholz & Friends Berlin GmbH in Berlin. Das Auftragsvolumen wur­de zum Zeitpunkt der Ausschreibung auf 22.000.000 EUR für die Dauer von 4 Jahren geschätzt.“ [2]

WPP – „ganz­heit­li­che Marketinglösungen für das Gesundheitswesen“

Die Agentur Scholz & Friends gehört zu WPP plc, einer der größ­ten PR-Firmen der Welt mit einer Reihe von ein­schlä­gi­gen Tochterunternehmen. In ihren eige­nen Worten ist WPP „ein krea­ti­ves Umwandlungsunternehmen”. [3] Nüchterner aus­ge­drückt han­delt es sich um einen

„der welt­weit größ­ten Werbe- und Marketingkonzerne. Die Unternehmensgruppe ist mit 3.000 Büros in über 100 Ländern mit einem brei­ten Spektrum an Werbe, PR, Marketing und Kommunikationsdiensten tätig. WPP bie­tet ein umfas­sen­des Angebot an Werbe- und Marketing-Dienstleistungen ein­schließ­lich glo­ba­ler, natio­na­ler und fach­spe­zi­fi­scher Werbedienstleistungen, Medien-Investmentmanagement, Verbraucherinformationen, Öffentlichkeitsarbeit, Markenentwicklung und Firmenidentitätsberatung, Direktmarketing, Verkaufsförderungsmaßnahmen und Markenbindung an. Im Weiteren wer­den ganz­heit­li­che Marketinglösungen für das Gesundheitswesen offe­riert. Zusätzlich ste­hen den Kunden mit WPP Digital digi­ta­les Marketing und Dienstleistungen sowie eine web­ba­sier­te Softwareplattform zur Verfügung. Das Unternehmen ist in Jersey regis­triert und hat seit 2013 sei­nen Hauptsitz in Großbritannien.” [4]

Im Jahr 2019 betrug der Umsatz 13,2 Milliarden bri­ti­schen Pfund [5], also fast 15 Milliarden Euro. „‚WPP ging es immer nur um die Marke WPP, nie um die Einzelmarken‘, sagt ein hoch­ran­gi­ger WPP-Manager, der sei­nen Namen nicht lesen will. Jahrelang hat­te der eins­ti­ge CEO Martin Sorrell kun­ter­bunt Firmen zusam­men­ge­kauft. […] WPP, das war und ist vor allem ein Finanzunternehmen und erst in zwei­ter Linie eine Werbeholding.“ [6] Beides ist für das Kapital unge­mein anzie­hend:

„Einen aus­ge­spro­chen respek­ta­blen Kunden haben die bei­den GroupM-Networks MEC und Mindshare noch kurz vor Weihnachten gewon­nen: Blackrock, die welt­größ­te Fondgesellschaft [sic] mit Stammsitz in New York, hat ihren glo­ba­len Media-Etat die­sen bei­den Media-Agenturen anver­traut. 2013 inves­tier­te Blackrock welt­weit immer­hin über 400 Millionen Dollar in Marketing- und Promotions-Aktivitäten. […] Die 1988 gegrün­de­te Fongesellschaft [sic] ver­wal­tet der­zeit welt­weit über 1.000 Fonds und darf sich welt­größ­ter Vermögensverwalter nen­nen.“ [7]

Es hat seit­dem eini­ge Umbenennungen der ein­zel­nen PR-Agenturen gege­ben, aber wei­ter­hin wirbt WPP für „die größ­te Schattenbank der Welt“ [8] und unter den insti­tu­tio­nel­len Hauptaktionären bei WPP ist BlackRock Inc. mit aktu­ell 7,7% der größ­te. [9]

Vor allem zwei der WPP-Tochterunternehmen haben in der Vergangenheit für eini­ges Aufsehen gesorgt: Burson-Marsteller (jetzt: BCW) – und Hill & Knowlton ( jetzt: Hill+Knowlton Strategies).

Burson Cohn & Wolfe – Meister des Astroturfing

Eine der bei­den Vorgängerfirmen von Burson Cohn & Wolfe (BCW) wur­de beson­ders für die Entwicklung spe­zi­el­ler Werbetechniken bekannt. Laut Eigendarstellung von WPP ist BCW „eine der welt­größ­ten glo­bal agie­ren­den Kommunikationsagenturen mit Rundum-Service. Seit der Gründung durch den Zusammenschluss von Burson-Marsteller und Cohn & Wolfe bie­tet BCW digi­ta­le und daten­ge­steu­er­te krea­ti­ve Inhalte und inte­grier­te Kommunikationsprogramme an, basie­rend auf bekann­ten Medien und und ver­teilt über alle Kanäle für Klienten in den Bereichen B2B [Business to Business], Kunden, Unternehmen, Krisenmanagement, CSR [Corporate Social Responsibility], Gesundheitswesen, Öffentlichkeitsarbeit und Technologiesektor.” [10]

Harold Burson, einer der Gründer von Burson-Marsteller, sah sein Werk so: „‚Der Begriff Kommunikation wur­de zum Synonym von PR, aber das erweist unse­rem Beruf einen schlech­ten Dienst, indem es ihn zur Taktik macht,' sagt er. ‚Der Begriff ‚Wahrnehmungsmanagement’ [per­cep­ti­on manage­ment] (eine Erfindung von B‑M, selbst­ver­ständ­lich) war geküns­telt. Der bes­te Begriff für unse­re Tätigkeit ist Öffentlichkeitsarbeit. Noch auf den Watergate-Tonbändern wür­de sich Nixon in eine miss­li­che Situation brin­gen und sagen: ‚Sollen wir es mit PR berei­ni­gen?’ [And yet on the Watergate tapes Nixon would get hims­elf into a situa­ti­on and say ‚shall we PR it?’] in der Bedeutung von ver­ber­gen, ver­schlei­ern, leug­nen.'“ [11]

In die­sem Zitat ent­hal­ten war einer­seits eine pas­sen­de Arbeitsbeschreibung, aber wohl auch wie­der ein PR-Trick, denn der Begriff per­cep­ti­on manage­ment gehört zum Arsenal des US-Militärs:

Wahrnehmungsmanagement Handlungen zum Transportieren und/oder Vorenthalten aus­ge­wähl­ter Informationen und Indikatoren gegen­über einem frem­dem Publikum, um sei­ne Gefühle, Motive und sein objek­ti­ves Denken zu beein­flus­sen; und gegen­über Nachrichtendiensten und der Führung auf allen Ebenen, um offi­zi­el­le Einschätzungen zu beein­flus­sen. Im Endergebnis sind Verhalten von Fremden und offi­zi­el­le Handlungen vor­teil­haft für die Ziele des Urhebers. Auf unter­schied­li­che Arten kom­bi­niert das Wahrnehmungsmanagement Wahrheitsprojektion, Sicherheit beim Einsatz, Vertuschung und Täuschung und psy­cho­lo­gi­sche Operationen." [12]

Burson-Marsteller hat Imagepflege für süd­ame­ri­ka­ni­sche Militärjunten betrie­ben, Lobbyarbeit für Gentechnik und Atomkraft gemacht und hat sich beson­de­re Verdienste im Astroturfing erwor­ben: das ist die Kreation von Pseudo-Grassroots-Bewegungen, die von der Industrie oder ande­ren Geldgebern gesteu­ert wer­den (AstroTurf ist Kunstrasen). Zur Bündelung die­ser Aktivitäten in den USA wur­de Direct Impact gegrün­det, eine „‚Grassroots-Firma’ – so nen­nen sie es sel­ber -, die auf Bestellung Bürgerinitiativen orga­ni­siert.” [13] Direct Impact gibt es immer noch: „Wir sind die inte­grier­te Agentur für Grassroots-Öffentlichkeitsarbeit [inte­gra­ted grass­roots public affairs agen­cy] von Burson Cohn & Wolfe (BCW) und arbei­ten eng mit Schwesteragenturen inner­halb des WPP-Netzwerks zusam­men.” [14]

Der Präsident von Direct Impact ist der Demokratischen Partei eng ver­bun­den. Er arbei­te­te sowohl in der Clinton- als auch der Obama-Administration in hohen Positionen und hat er an meh­re­ren Wahlkämpfen der Demokraten mit­ge­wirkt. [15] Eine euro­päi­sche Niederlassung gibt es seit 2011 in London: „‚Unsere Kunden wol­len ihre Botschaft zuneh­mend auf eine mög­lichst loka­li­sier­te Art über­brin­gen,’ sagt Matt Carter, CEO von Burson-Marsteller in Großbritannien. ‚Der Trend in Großbritannien geht in die Richtung dif­fu­ser Medienkanäle und Machtzentren. Meinungsumfragen zei­gen auch, dass den erhal­te­nen Informationen mehr ver­traut wird, je loka­ler die Quelle ist.’” [16] Der Vollständigkeit hal­ber sei erwähnt, dass Matt Carter, der inzwi­schen das von ihm gegrün­de­te Message House betreibt, 2004–2005 Generalsekretär der Labour Party war. [17]

Hill & Knowlton – PR für einen Krieg

H+K (Hill+Knowlton Strategies) wur­de beson­ders durch ein his­to­ri­sches Ereignis bekannt. Laut Eigenaussage von WPP ist die Firma „seit fast 90 Jahren im Geschäft und unse­re Weltklasse-Teams aus ver­trau­ens­wür­di­gen Beratern und krea­ti­ven Experten besit­zen einen Erfahrungsschatz, um Kunden zu hel­fen, Markenzeichen, Reputationen und das Ergebnis zu erhö­hen. […] Unsere Teams kol­la­bo­rie­ren über Zeitzonen, Sprachen und und Kulturen hin­weg, um sich in öffent­li­chen Gesprächen zu enga­gie­ren, um Kunden dabei zum hel­fen, siche­re Entscheidungen zu tref­fen und fes­seln­de Botschaften her­zu­stel­len.“ [18] Die bekann­tes­te Aktion von Hill & Knowlton, wie sie sich damals schrie­ben, war 1990 die Einflussnahme zuguns­ten Kuwaits gegen den Irak, die den Weg zum Beginn des Golfkriegs ebne­te.

„Hill & Knowlton, damals die welt­größ­te PR-Firma, dien­te als Mastermind für die Kuwait-Kampagne. Ihre Aktivitäten allein wären die größ­te aus dem Ausland finan­zier­te Kampagne gewe­sen, die jemals das Ziel hat­te, die öffent­li­che Meinung in Amerika zu mani­pu­lie­ren. Nach dem Gesetz hät­te der Foreign Agents Registration Act [FARA] die­se Propagandakampagne den Amerikanern offen­le­gen soll­ten, doch das Justizministerium ent­schied sich, ihn nicht anzu­wen­den. Neun Tage, nach­dem Saddams Armee in Kuwait ein­mar­schiert war, stimm­te die Regierung des Emirs der Finanzierung eines Vertrags zu, unter dem Hill & Knowlton die ‚Citizens for a Free Kuwait’ reprä­sen­tie­ren soll­te, eine klas­si­sche PR-Frontgruppe, um die wah­re Rolle des Regierung Kuwaits und ihrer Komplizenschaft mit der Bush-Administration zu ver­schlei­ern. […] Fast das gesam­te Budget von CFK – $10,8 Millionen – floss in Form von Gebühren an Hill & Knowlton. […]
Jack O'Dwyer hat seit über zwan­zig Jahren über das PR-Geschäft berich­tet, aber ihn hat die schnel­le und expan­si­ve Arbeit von H&K für die ‚Citizens for a Free Kuwait’ erschreckt: ‚Hill & Knowlton … hat eine Rolle in der Weltpolitik ein­ge­nom­men, die für eine PR-Firma bei­spiel­los ist. H&K hat eine atem­be­rau­ben­de Vielfalt mei­nungs­bil­den­der Mittel und Techniken ein­ge­setzt, um dabei zu hel­fen, die US-Meinung auf der Seite der Kuwaiter zu hal­ten. … Die Techniken rei­chen von voll­wer­ti­gen Pressekonferenzen mit der Präsentation von Folter und ande­ren Misshandlungen durch die Iraker bis hin zur Verteilung von zehn­tau­sen­den von ‚Free Kuwait’-T-Shirts und Autoaufklebern auf Universitätsgeländen quer durch die USA.” [19]

Vermutlich ken­nen die wenigs­ten die­se Breite und Tiefe der PR-Arbeit für den Golfkrieg, aber ein Höhepunkt könn­te den Älteren noch in Erinnerung sein, das vor dem US-Menschenrechtsausschuss statt­fand:

„Tatsächlich kam die emo­tio­nal bewe­gends­te Zeugenaussage am 10. Oktober von einem 15-jäh­ri­gen kuwai­ti­schen Mädchen, von der nur ihr Vorname Nayirah bekannt wur­de. […] Schluchzend beschrieb sie, was sie mit ihren eige­nen Augen in einem Krankenhaus in Kuwait City gese­hen hat. […] ‚Während ich da war, sah ich, wie ira­ki­sche Soldaten mit Waffen in das Krankenhaus kamen und in den Raum gin­gen, wo … Babies in Brutkästen lagen. Sie hol­ten die Babies aus den Brutkästen, nah­men die Brutkästen an sich und lie­ßen die Babies zum Sterben auf dem kal­ten Fußboden lie­gen.’
Drei Monate ver­gin­gen zwi­schen Nayirahs Zeugenaussage und dem Kriegsbeginn. Während die­ser Monate wur­de die Geschichte von den Babies in den Brutkästen immer und immer wie­der erzählt. Präsident Bush erzähl­te die Geschichte. Sie wur­de als Tatsache in einer Zeugenaussage vor dem Kongress rezi­tiert, im Fernsehen, in Radio-Talkshows und im UN-Sicherheitsrat. ‚Von allen Anschuldigungen gegen den Diktator,’ beob­ach­te­te [der Journalist John R.] MacArthur ‚hat­te kei­ne einen grö­ße­ren Einfluss auf die ame­ri­ka­ni­sche öffent­li­che Meinung […].’
Vor dem Menschenrechtsausschuss haben es Hill & Knowlton und der Kongressabgeordnete Lantos jedoch unter­las­sen zu offen­ba­ren, dass Nayirah ein Mitglied der könig­li­chen Familie Kuwaits war. Ihr Vater war tat­säch­lich Saud Nasir al-Sabah, Kuwaits Botschafter in den USA, der als Zuhörer wäh­rend der Zeugenaussage im Anhörungsraum saß. Der Ausschuss unter­ließ es auch zu offen­ba­ren, dass Lauri Fitz-Pegado, der Vizepräsident von H&K, mit Nayirah die Zeugenaussage trai­niert hat, die sogar laut Kuwaits eige­nen Untersuchungen spä­ter als Falschaussage bestä­tigt wur­de.
Wäre Nayirahs unge­heu­er­li­che Lüge damals, als sie in die Welt gesetzt wur­de, ent­larvt wor­den, hät­te das viel­leicht zumin­dest eini­ge im Kongress und den Nachrichtenmedien dazu gebracht, nüch­tern zu über­prü­fen, in wel­chem Ausmaß sie fach­kun­dig mani­pu­liert wor­den waren, um eine Militäraktion zu unter­stüt­zen. Die öffent­li­che Meinung war tief gespal­ten über Bushs Golfpolitik. […] Am 12. Januar stimm­te der US-Senat mit einer dün­nen Mehrheit von fünf Stimmen für die Unterstützung der Bush-Administration durch die Kriegserklärung. Angesichts der gerin­gen Stimmenmehrheit könn­te die Geschichte mit den aus den Brutkästen gewor­fe­nen Babies das Blatt zuguns­ten von Bush gewen­det haben.”
[19]

Hill+Knowlton – PR für eine Pandemie

Jetzt hat H+K mit der Weltgesundheitsorganisation WHO einen neu­en Kunden mit Imageproblemen, aber gro­ßen Ambitionen.

„Als Kritik und Verschwörungstheorien auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie um die Weltgesundheitsorganisation her­um­wir­bel­ten, wand­te sich die glo­ba­le Behörde für öffent­li­che Gesundheit an ein füh­ren­des Lobbyunternehmen und PR-Geschäft, um Hilfe bei der Navigation in einer Medienlandschaft vol­ler Falschinformation zu erhal­ten. […]
Hill+Knowlton akzep­tier­te, die WHO mit Berichten über die digi­ta­le Medienlandschaft, die der glo­ba­len Gesundheitsbehörde gegen­über­steht und über die Möglichkeiten einer bes­se­ren Übermittlung von Botschaften in Verbindung mit ihrer Arbeit, das Coronavirus zu schla­gen, zu ver­sor­gen. […]
Der Hill+Knowlton-Vertrag wur­de dem Justizministerium die­se Woche gemäß dem Foreign Agents Registration Act offen­ge­legt. Das Gesetz erfor­dert die Offenlegung von Lobbyarbeit und PR-Aktivitäten durch US-Firmen, die im Auftrag von aus­län­di­schen Regierungen und poli­ti­schen Einheiten arbei­ten. Es scheint das ers­te Mal zu sein, dass die WHO eine Firma für Arbeiten beauf­tragt hat, die eine Offenlegung unter dem FARA erfor­dern. [20]

Geplant waren die Vertragsdauer vom 1. Mai bis zum 15. Juni 2020 und ein Honorar von 135.000 US-Dollar – Verlängerung nicht aus­ge­schlos­sen. Phase 1 war zum Preis von 95.000 US-Dollar zu haben, Phase 2 kos­te­te 40.000 US-Dollar. Das Paket galt für „die USA, Großbritannien und vier wei­te­re Länder”, die lei­der unge­nannt blie­ben. Und das sind die Arbeitsfelder:

PHASE 1 – IDENTIFIKATION VON INFLUENCERN UND TESTUNG DER BOTSCHAFT
Grundverständnis der Influencer
Mit unse­rem glo­ba­len Analysewerkzeug Sherlock+ wird H+K Influencer iden­ti­fi­zie­ren […] und wir wer­den die füh­ren­den Stimmen in drei Kategorien unter­tei­len:
• Macro-Influencer – die­je­ni­gen mit einer gro­ßen Gefolgschaft (1Million+) wie Berühmtheiten zur grö­ße­ren Verstärkung der WHO-Botschaften
• Micro-Influencer – die­je­ni­gen mit klei­ne­ren, aber stark enga­gier­ter Gefolgschaft, die als ver­trau­ens­wür­di­ge Berater und infor­mier­te Bewerter fun­gie­ren
Unbekannte Helden – die­je­ni­gen ohne signi­fi­kan­te Gefolgschaft, die aber trotz­dem Konversationen for­men und füh­ren wie Gesundheitsexperten, die oft in Nachrichtenprogrammen erschei­nen
Wir wer­den die­je­ni­gen in Betracht zie­hen, die in den fol­gen­den Bereichen die Berichterstattung und Konversationen for­cie­ren:
Die wis­sen­schaft­li­che, medi­zi­ni­sche und Gesundheitsgemeinschaft – um sicher­zu­stel­len, dass sie den gege­be­nen Ratschlag glau­ben und sie ver­tre­ten
Medien – um sicher­zu­stel­len, dass die Artikel in einer Zeit der Sorge, die an Panik und Unsicherheit grenzt, aus­ge­wo­gen sind
Nichtregierungsorganisationen – um sicher­zu­stel­len, dass sozia­le Gruppen und loka­le Basisorganisationen die Rolle der WHO und ihre Ratschläge akzep­tie­ren
• Die infor­mier­te Öffentlichkeit – die­je­ni­gen, die alles lesen und ihre eige­nen Kanäle und Netzwerke nut­zen, um Behauptungen zu bestä­ti­gen oder zu wider­le­gen
Testung der Botschaft
Es wird ent­schei­dend sein, eine Basislinien-Messung für den öffent­li­chen Bekanntheitsgrad und die Wahrnehmung der WHO fest­zu­le­gen.
Zu die­sem Zweck schlägt H+K die Durchführung einer Online-Umfrage vor, um Bekanntheitsgrad und Wahrnehmung der WHO zu bestim­men. […]
Wir wer­den mit der WHO zusam­men­ar­bei­ten, um die Fragen zu erar­bei­ten, aber erwar­ten, dass die Untersuchung zum Inhalt haben wird:
• Bekanntheitsgrad, Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit der WHO im Vergleich zu ande­ren US-ame­ri­ka­ni­schen und inter­na­tio­na­len Gesundheitsorganisationen (z.B. CDC, Ärzte ohne Grenzen, CARE International, Weltbank [?!?], UNO)

PHASE 2 – GRUNDSTRUKTUR DES PLANS
Nach Fertigstellung der Forschung und mit vor­he­ri­ger Genehmigung der WHO wird H+K auf den Einsichten, die aus der Forschung in Phase 1 ent­stan­den sind, eine Plan-Grundstruktur ent­wi­ckeln.“ [21]

Das wird dann ver­mut­lich rich­tig teu­er. „Sherlock+” zum Herausfinden in Echtzeit, wel­cher Influencer gera­de am ein­fluss­reichs­ten ist, ist nur ein Werkzeug im digi­ta­len Arsenal von H+K, es gibt noch: „Flight School+“, „Better Impact“, „H+K Smarter“, „Made to Measure™”, „ProPEL+”, „Space+ / Space-”, „The Shanghai Addition”, „360 Reputation Monitor”, „Executive Trainig“, „Cyber+“ „Crisis Control App“, „Audience Mapping“ [22] und wohl noch eini­ges mehr.

Am glei­chen Tag, als H+K für die WHO zu arbei­ten begann, brach­te die zur WHO gehö­ri­ge Pan American Health Organization ein „Informationsblatt” her­aus: „Die Infodemie und die Fehlinformation im Kampf gegen COVID-19 ver­ste­hen” von einem Department of Evidence and Intelligence for Action in Health im Office of the Assistant Director. Darin wer­den ande­re Meinungen pau­schal für nich­tig erklärt und wei­ter heißt es: „Die WHO enga­giert sich auch bei […] Facebook, Google, Tencent, Baidu, Twitter, TikTok, Weibo, Pinterest und ande­ren – um fal­sche Botschaften her­aus­zu­fil­tern und akku­ra­te Informationen von glaub­wür­di­gen Quellen wie den Centers for Disease Control and Prevention, uns selbst und ande­ren, zu för­dern.” [23]

Es gab im Juni / Juli sogar schon die ers­te „WHO Infodemiology Conference” [24], die mit ihren bun­ten Bildchen den Eindruck macht, als sei sie das Produkt einer PR-Agentur.

Scholz & Friends – Von Kitekat zu Corona

Eine bis­lang weni­ger bekann­te WPP-Tochterfirma ist Scholz & Friends. Sie ist laut WPP „eine der füh­ren­den Agenturen in der deutsch­spra­chi­gen Welt und bie­tet alle Kommunikationsinstrumente aus einer ein­zi­gen Quelle als ‚Orchester der Ideen’. […] Die Kunden der Agentur umfas­sen DB Bahn, Müller, Opel/Vauxhall, Siemens, Tchibo, TUI, Unilever, Vodafone und Institutionen wie die die Bundesregierung und das Europäische Parlament.” [25] Die Agentur führt seit fast fünf Jahrzehnten Werbekampagnen durch: „Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch“ (1980er für Kitekat), „Dahinter steckt immer ein klu­ger Kopf“ (1990er für die FAZ) und im neu­en Jahrhundert kom­men zuneh­mend Aufträge für Regierungsprojekte dazu: „Das neue Herz Europas“ (Stuttgart 21), „Runter vom Gas“ (Bundesverkehrsministerium). [26]

Die 2020er star­te­ten rasant mit Corona. Zum 1. April begann der Vertrag, am 15. April konn­ten schon Erfolge gemel­det wer­den:

„Mit einer bun­des­wei­ten Mobilisierungs- und Informationskampagne wirbt das Bundesministerium für Gesundheit seit Ausbruch der Corona-Pandemie für die Schutzmaßnahmen und klärt die Bevölkerung auf. Die Kommunikation unter dem Hashtag #wir­b­lei­ben­zu­hau­se hat in weni­gen Tagen eine Milliardenreichweite [??] erzielt und eine bei­spiel­lo­se Unterstützung erfah­ren.
Von Günther Jauch über Udo Lindenberg bis zu Kati Witt und Matthias Schweighöfer – unzäh­li­ge pro­mi­nen­te Köpfe sind in den ver­gan­ge­nen Wochen im Rahmen von #wir­b­lei­ben­zu­hau­se zu sehen. Sie alle ver­bin­det die sym­bo­li­sche Geste für das Zuhause-Bleiben: die zu einem Dach geform­ten Hände über dem Kopf. Die Kampagne, gestar­tet in den sozia­len Medien, lös­te einen Schneeball-Effekt aus: TV-Sender nut­zen den Hashtag genau­so wie Spotify, Youtube, Instagram oder die deut­schen Zeitungsverleger mit ihrer Posteraktion ‚Wir blei­ben zuhau­se‘.“ [27]

Der CCO (Chief Content Officercon­tent bedeu­tet Inhalt) von Scholz & Friends plau­der­te am Ostseestrand aus dem Nähkästchen. Auf die Frage, ob der Lockdown ein „Mega-Schock“ für die Firma gewe­sen sei ant­wor­te­te er: „Wir waren genau­so betrof­fen und wir waren ein Stück weit vor­be­rei­tet, vor­sen­si­bi­li­siert durch unse­re Arbeit für das Gesundheitsministerium und da auch die Nähe zum Lagezentrum, dass wir natür­lich schon ein Stück weit ahn­ten, dass es jetzt auch ernst wird mit die­sen Maßnahmen.“ Der Lockdown begann am 23.3., der Vertragsbeginn war am 1.4.2020 – was hat­ten die­se Leute in der Nähe des Lagezentrums zu suchen? Weiter geht es mit dem Verständnis die­ses Großauftrags, kon­kret zum Umgang mit Andersdenkenden, hier pau­schal als Verschwörungstheoretiker bezeich­net:

„Wir sind da mas­siv von betrof­fen in den unter­schied­lichs­ten Kampagnen. Wir haben jetzt zum Beispiel eine Schnittmenge, dass wir einer­seits für das Gesundheitsministerium das Thema Corona ver­su­chen ein­zu­fan­gen und die Bevölkerung mit­zu­neh­men und da sind wir natür­lich mas­siv von Verschwörungstheoretikern umge­ben, die das Maskentragen per se für unsin­nig hal­ten oder auch Corona, eben wie du schon sagst, als von Bill Gates ein­ge­führ­ter Virus, um uns alle abhän­gig zu machen bezeich­nen. […] Wie wer­den wir sol­cher Filterbubble Herr, also wie kommt man über­haupt an die ran und wie kann man über­haupt die argu­men­ta­tiv ein­we­ben und über­zeu­gen oder wie schützt man den Raum, der noch nicht infi­ziert ist von die­sen Verschwörungstheorien mit Fakten, mit Dialogbereitschaft, mit einer wirk­lich über­zeu­gen­den Kommunikation, dass sie nicht emp­fäng­lich wer­den für die­se Verschwörungstheorien? Das ist eine Herausforderung, die wir in ganz vie­len Themenbereichen gera­de im gesell­schafts­po­li­ti­schen Raum haben und das ist noch längst nicht erklärt oder schon Standard, mit dem man dar­auf ant­wor­tet, son­dern da muss man bei jeder Thematik wie­der gucken, wo sind die Epizentren die­ser Verschwörungstheorien, krie­ge ich die ein­ge­hegt, wo muss ich auch brei­ter auf­klä­ren, um wie gesagt die Gesamtbevölkerung nicht da emp­fäng­lich für zu machen, aber da haben wir eini­ge Themen, die uns da in Atem hal­ten.“ [28]

Nachdem die­se Plauderei durch eine Einlage als Feuerspucker abge­schlos­sen wur­de, wünscht sich wohl manch einer, er wäre doch zum Zirkus gegan­gen. Stattdessen wer­den er als für den Inhalt Zuständiger und eini­ge ande­re „friends“ mit öffent­li­chen Geldern über­aus groß­zü­gig dafür bezahlt, bei der Spaltung der Gesellschaft mit­zu­wir­ken und uns alle – von uns bezahlt – für dumm zu ver­kau­fen. Wo sind denn die „Fakten“, die Dialogbereitschaft“, ganz zu schwei­gen von der “wirk­lich über­zeu­gen­den Kommunikation“ sei­tens des BMG? Die Antwort ist im Zirkelschluss eben die­se Kampagne: „Man habe in Zeiten der Pandemie auf ‚die zahl­rei­chen nicht seriö­sen und inter­es­sen­ge­lei­te­ten Informationsangebote‘ reagie­ren müs­sen, die etwa Fake News oder Verschwörungstheorien ver­brei­te­ten, teil­te das Gesundheitsministerium zur Begründung [für die PR-Ausgaben] mit.“ [1]

Am Ostseestrand erzähl­te der CCO noch von den 700 Angestellten, die als „friends“ bezeich­net wer­den. Vertraut man den Bewertungsportalen, ist deren Begeisterung über die Firma aber eher mäßig. Es sind vor allem Frauen, denen die Arbeit dort ver­lei­det wird, wie Anfang August bekannt wur­de:

„‚Die Zeit‘ hat in die­ser Woche einen Artikel ver­öf­fent­licht, der dar­legt, dass in der Agentur Scholz & Friends ein sexis­ti­sches Klima herr­schen soll. Die Redakteurin Ann-Kathrin Nezik beruft sich dabei auf Gespräche mit mehr als 25 ehe­ma­li­gen und aktu­el­len Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Agentur.
Für die Autorin ergibt sich ein kla­res Bild: Bei Scholz & Friends wür­den Frauen wie in der Serie Mad Men ent­we­der als „flei­ßi­ge Arbeitsbienen oder als attrak­ti­ve Begleiterinnen“ vor­kom­men. Auch sei­en Kolleginnen von einer Führungskraft als „Barbara“ und „Uschi“ abqua­li­fi­ziert wor­den. Schwer wiegt der Vorwurf, dass Frauen deut­lich schlech­te­re Chancen hät­ten, in der Agentur auf­zu­stei­gen. Das bis­he­ri­ge Partnerboard besteht aus neun Männern und einer Frau. Ein lei­ten­der Kreativer soll auf der Weihnachtsfeier im Jahr 2017 auf einem Podest sei­nen Penis raus­ge­holt und auf ihm Luftgitarre gespielt haben. Der Mann sei wenig spä­ter in der Agentur zum Teamleiter beför­dert wor­den. Von Online-Stalking ist eben­falls die Rede.“ [29]

Das ist ein Niveau wie in vie­len Betrieben ein­schließ­lich Betriebsfeiern, aber woan­ders wird man nicht beför­dert und die Beteiligten sind auch nicht für über­le­bens­wich­ti­ge Informationen in einer extrem schwie­ri­gen Zeit zustän­dig. Scholz & friends aber schon, laut „Beschreibung der Beschaffung“ im Vertrag umfas­sen ihre Aufgaben die „Unterstützung bei der Konzeption und Durchführung von Kommunikationsdienstleistungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit an sei­nem Dienstsitz in Berlin; u.a. Beratung, Planung Durchführung und Weiterentwicklung von Informationsmaßnahmen, Abwicklung (einschl. Überwachung) von Mediaschaltungen, Gewährleistung der Erfolgskontrolle bei den durch­ge­führ­ten Maßnahmen […]“ [30]

Cosmonauts & Kings – die Agentur liest mit

Nach dem gigan­ti­schen Erfolg von #wir­b­lei­ben­zu­hau­se ging es wei­ter:

„Nun legen Scholz & Friends und die auf auf poli­ti­sche Themen spe­zia­li­sier­te Agentur Cosmonauts & Kings nach: Das neue Youtube-Video des Bundesgesundheitsministeriums zeigt wie sich Jung und Alt die Zeit zu Hause ver­trei­ben. Glückliche statt gelang­weil­te Kinder, Omas und Opas, die mit Freude Mundschutze nähe [sic] und fröh­lich mit den Enkeln sky­pen. Heile Welt und alles frei­wil­lig. Also [sic] wol­le man sagen: Danke Corona für die­se tol­le Zeit. […]
Neben Youtube klä­ren die bei­den Agenturen auch auf Facebook, Twitter, Instagram und seit neu­es­tem auch auf LinkedIn, Whatsapp, Telegram und Tiktok auf. Auf der Webseite zusammengegencorona.de, an der auch Deepblue Networks mit­ge­wirkt hat, wer­den alle Informationen gebün­delt. Außerdem gehö­re ein per­ma­nen­tes Social-Media-Monitoring dazu, um schnell in Echtzeit auf Falschmeldungen und aktu­el­le Entwicklungen reagie­ren zu kön­nen.“ [27]

Während Deepblue Networks voll­stän­dig zu Scholz & friends und damit zu WPP gehört, wur­de mit Cosmonauts & Kings ein Subunternehmen enga­giert, das sich auf Politik und Daten spe­zia­li­siert hat. Die bis­he­ri­ge poli­ti­sche Arbeit der bei­den Gründer besteht aus Wahlkampfhilfe für Obama, einen SPD-Abgeordneten, die CDU und die Europäische Volkspartei. Über sich selbst sagen sie: „Wir sind das ers­te poli­ti­sche Tech-Startup in Berlin“ [31] und: „Cosmonauts & Kings ist ein inha­ber­ge­führ­tes Unternehmen […] mit der Vision, der füh­ren­de tech­no­lo­gi­sche und stra­te­gi­sche Dienstleister für digi­ta­le poli­ti­sche Kommunikation in Europa zu wer­den.“ [32]

„Cosmonauts & Kings will die bes­se­re Antwort lie­fern: ‚Daten in kom­mu­ni­ka­ti­ves Handeln für Politik über­set­zen‘, wie König und sein Mitgründer Juri Schnöller sagen. Weniger abs­trakt aus­ge­drückt: Alle, die ihre poli­ti­sche Botschaft ver­brei­ten und ande­re davon über­zeu­gen wol­len – Parteien, Politiker, NGOs, Lobbygruppen, Gewerkschaften, Ministerien – kön­nen sich an das Startup wen­den und bekom­men tech­ni­sche Hilfe. […] Das Ziel ist, genau die rich­ti­ge Zielgruppe online mit genau der rich­ti­gen Botschaft zu errei­chen. Targeting heißt das im Fachjargon. Cosmonauts & Kings nutzt dazu Daten und Erfahrung: Die Daten kom­men einer­seits von den Kunden des Startups, bei einer Partei kön­nen das etwa E‑Mail-Adressen von Unterstützern oder Mitgliederdatenbanken sein. Andererseits nut­zen König, Schnöller und ihre Mitarbeiter die sozia­len Netzwerke […]. Neun Mandanten habe man der­zeit, 20 sei­en es bis­her ins­ge­samt gewe­sen, dar­un­ter Parteien, Politiker und Interessensverbände. Und auch bei der Frage, wel­che Tools sie ein­set­zen und wie die Datenauswertung genau abläuft, blei­ben die Gründer vage.“ [31]

Nicht nur dem Autor des zitier­ten Artikels fällt dabei Cambridge Analytica ein, also die Firma, die 2016 Wähler klan­des­tin dazu brin­gen soll­te, mehr­heit­lich sowohl für den Brexit als auch für die Präsidentschaft Trumps zu stim­men. Dafür wur­den über Facebook ohne deren Wissen Daten von Millionen Menschen gesam­melt und dar­aus Persönlichkeitsprofile erstellt, mit denen gezielt auf sie abge­stimm­te Werbung geschal­tet wur­de. Dieses Microtargeting gab es auch im Obama-Wahlkampf, aller­dings mit Wissen und Einwilligung der Zielpersonen. Bei Cambridge Analytica wur­de die­se Manipulation beson­ders auf die letz­ten Tage vor der Abstimmung kon­zen­triert und Ängste und Schwächen durch ent­spre­chen­de Botschaften aus­ge­nutzt und ver­stärkt. Vordergründig gab es bei Cambridge Analytica erfolg­rei­che Manager und coo­le IT-Leute, im Hintergrund wur­den die Fäden von Steve Bannon und derUS-Milliardärsfamilie Mercer gezo­gen, von der auch das Geld kam. [33]

Alles in allem besteht Cosmonauts & Kings aus einer Gruppe von weni­gen Dutzend Personen, von denen zwei von Burson Cohn & Wolfe kom­men: seit Juli 2019 die „Senior-Political-Communications-Managerin“ und der seit Mai 2020 als „Head of Political Communications“ Zuständige. [34] Diesen Menschen wur­de gera­de ein enor­mer Einfluss auf unser Leben über­ge­ben:

„Die Kooperation zwi­schen den Agenturen und dem Ministerium geht über das Produzieren von Videos zum rich­ti­gen Händewaschen weit hin­aus. So hat das BMG etwa mit der Unterstützung von Agenturen ein „digi­ta­les Lagezentrum“ zur Corona-Krise ein­ge­rich­tet, das „tages­ak­tu­ell Konversationen und Medienberichte ana­ly­siert, digi­ta­le Inhalte pro­du­ziert, Zielgruppenbotschaften ent­wi­ckelt und kom­mu­ni­ka­ti­ve Strategien kon­zi­piert und aktua­li­siert.“
Das „PR-Journal“ schreibt sogar, Cosmonauts & Kings habe das Lagezentrum eta­bliert. Eine BMG-Sprecherin wider­sprach dem auf Nachfrage indi­rekt. Die Agenturen „unter­stüt­zen das BMG in der digi­ta­len Kommunikation zum Corona-Virus“, die Entscheidung über die Ausrichtung der Kommunikation lie­ge jedoch beim BMG.“ [35]

Sowohl das eine als auch das ande­re und gar bei­des zusam­men ist in höchs­tem Maße beun­ru­hi­gend.

„Die Reklame ist oft nur der Sand, den man der Wahrheit in die Augen streut“ [36]

Was hier beschrie­ben wur­de, ist nur die Spitze des Eisbergs, denn so groß­spu­rig sich PR-Agenturen auch inner­halb ihrer Fachjournale und ver­mut­lich auch ihren Kunden gegen­über geben, so sehr scheu­en sie ander­seits das Licht der Öffentlichkeit. Es ist von ihnen gewollt, dass beim „Targeting“ ihr Ziel nicht mit­be­kommt, wo die Quelle der Einflussnahme liegt, denn dann gäbe es die Chance, sich dem zu ent­zie­hen. Daher soll­te man nicht ver­ges­sen, dass die PR-Agenturen der­zeit beson­ders aktiv sind und noch akti­ver wer­den, wenn es um die „Zweite Welle“ und die Impfung geht. Es ste­hen offen­bar genug öffent­li­che Mittel zur Verfügung, dazu kom­men noch die ver­mut­lich weit­aus grö­ße­ren PR-Aktivitäten aus der Wirtschaft.

Auch wenn man sich die­ser Einflussnahme bewusst ist, ist kaum aus­zu­ma­chen, was genau von dort kommt. Erschwerend kommt hin­zu, dass das Ziel weni­ger unser Bewusstsein ist, son­dern mehr unser Unterbewusstsein, das mit Emotionen erreich­bar und für Bilder sehr emp­fäng­lich ist. Die gan­ze Gesellschaft ist dem aus­ge­setzt, vor allem die Mehrheit, die weder auf der einen noch auf der ande­ren Seite aktiv ist und die als Verschiebemasse betrach­tet wird: man ver­sucht, „die Bevölkerung mit­zu­neh­men“, will angeb­lich „brei­ter auf­klä­ren, um wie gesagt die Gesamtbevölkerung nicht da emp­fäng­lich für zu machen“ und „den Raum“ schüt­zen, „der noch nicht infi­ziert ist von die­sen Verschwörungstheorien“.

Da gibt es auf der einen Seite die­ses Bestiarium von „Verschwörungstheoretikern“ in der „Filterbubble“, voll mit „zahl­rei­chen nicht seriö­sen und inter­es­sen­ge­lei­te­ten Informationsangeboten“, „Fake News“ und „Falschinformationen“. Diesem steht auf der ande­ren Seite die Idylle „mit Fakten, mit Dialogbereitschaft, mit einer wirk­lich über­zeu­gen­den Kommunikation“ gegen­über. Das ist so wahr – also so falsch – wie die Reklame für irgend­ein Produkt und ungleich gefähr­li­cher.

Hervorhebungen in blau sind von mir

[1] Martin U. Müller: Öffentlichkeitsarbeit zur Corona-Zeit Spahn ver­drei­ßig­facht Werbeausgaben (Spiegel 17.7.2020)
https://www.spiegel.de/wirtschaft/spahn-verdreissigfacht-werbeausgaben-a-00000000–0002-0001–0000-000172071831
[2] Bundesweite Kommunikation bzgl. Corona
https://fragdenstaat.de/anfrage/bundesweite-kommunikation-bzgl-corona/
[3] https://www.wpp.com/about
[4] https://www.finanzen.net/unternehmensprofil/wpp_2012
[5] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/196547/umfrage/umsatz-der-wpp-group/
[6] Peter Hammer: Fusion J. Walter Thompson und Wunderman: Das lan­ge Sterben der JWT (26.11.2018)
https://www.wuv.de/agenturen/das_lange_sterben_der_jwt
[7] Blackrock gibt welt­wei­tes Media-Budget an die GroupM-Schwestern MEC und Mindshare (4.12.2014)
https://www.new-business.de/kommunikation/detail.php?rubric=KOMMUNIKATION&nr=664647
[8] Werner Rügemer: Die im Dunklen (derFreitag 47/2018 )
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-im-dunkeln
[9] How Much Of WPP plc (LON:WPP) Do Institutions Own? (Simply Wall St 12.8.2020)
https://simplywall.st/stocks/gb/media/lse-wpp/wpp-shares/news/how-much-of-wpp-plc-lonwpp-do-institutions-own/
[10] https://www.wpp.com/companies/bcw-burson-cohn–wolfe
[11] VIEW FROM THE TOP: ‚Do not call PR com­mu­ni­ca­ti­ons‘ – PR legend Harold Burson gives his sur­pri­sing take in the indus­try to Gidon Freeman (PR Week 19.10.2001) mit Registrierung
https://www.prweek.com/article/115869/view-top-do-not-call-pr-communications—pr-legend-harold-burson-gives-surprising-industry-gidon-freeman
[12] Joint Pub 3–13 Joint Doctrinefor InformationOperations 9.10.1998
http://web.archive.org/web/20060116135833/http://www.dtic.mil/doctrine/jel/new_pubs/jp3_13.pdf
[13] Susan Boos: Nuklearforum – Die Meistermanipulatoren (WOZ 51/2006 vom 21.12.2006)
https://www.woz.ch/0651/nuklearforum/die-meistermanipulatoren
[14] Five Things to Know About DI
http://www.directimpact.com/business-support/
[15] Twenty-Five Year Political Veteran Sam Myers, Jr. Named President of Direct Impact (busi­ness­wire 24.9.2019)
https://www.businesswire.com/news/home/20190924005903/en/Twenty-Five-Year-Political-Veteran-Sam-Myers-Jr.
[16] Burson's Direct Impact Opens First European Office (Holmes Report 1.10.2011)
https://www.provokemedia.com/latest/article/burson's‑direct-impact-opens-first-european-office
[17] https://message-house.co.uk/team
[18] https://www.wpp.com/contacts?terms=knowlton
[19] Kaptiel „How PR Sold the War in the Persian Gulf“ aus dem Buch „Toxic Sludge is good for you“ (1995) von John Stauber und Sheldon Rampton
https://www.prwatch.org/books/tsigfy10.html
Wem die­ser Aufritt nicht (mehr) bekannt sein soll­te, kann ihn sich hier anse­hen:
https://www.youtube.com/watch?v=V6f2m4n1NVo
[20] Lachlan Markay: The World Health Organization Hired a Top PR Firm to Fight COVID Smears in The U.S. (Daily Beast 17.7.2020)
https://www.thedailybeast.com/the-world-health-organization-hired-a-top-pr-firm-to-fight-covid-smears-in-the-us
[21] Exhibit A to Registration Statement …
https://efile.fara.gov/docs/3301-Exhibit-AB-20200714–38.pdf
[22] https://www.hkstrategies.com/our-expertise/products/
[23] Factsheet 5: Understanding the Infodemic and Misinformation in the Fight against COVID-19
https://iris.paho.org/bitstream/handle/10665.2/52052/Factsheet-infodemic_eng.pdf?sequence=14&isAllowed=y
[24] 1st WHO Infodemiology Conference
https://www.who.int/teams/risk-communication/infodemic-management/1st-who-infodemiology-conference
[25] https://www.wpp.com/companies/scholz–friends
[26] https://de.wikipedia.org/wiki/Scholz_%26_Friends
[27] Scholz & Friends sowie Cosmonauts & Kings betreu­en Kommunikation zu #wir­b­lei­ben­zu­hau­se (Healthcare Marketing 17.4.2020)
https://www.healthcaremarketing.eu/publicaffairs/detail.php?rubric=Politik&nr=69256
[28] Mit Kaminski auf Fehmarn: Lars-Christian Cords, Chief Content Officer Scholz & Friends
https://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/mit-kaminski-auf-fehmarn-was-scholz–friends-aus-corona-und-dem-ideenklau-shitstorm-gelernt-hat-184080
[29] Scholz & Friends und die Folgen – Schlechtes Agenturklima (7.8.2020)
https://www.pressesprecher.com/nachrichten/schlechtes-agenturklima-1265695507
[30] Ausschreibungen bzgl. der Kommunikation zu Corona/Covid-19/Sars-Cov2
https://fragdenstaat.de/anfrage/ausschreibungen-bzgl-der-kommunikation-zu-coronacovid-19sars-cov2/
[31] Timo Brücken: „Wir sind das ers­te poli­ti­sche Tech-Startup in Berlin“ (Gründerszene 8.8.2017)
https://www.gruenderszene.de/allgemein/cosmonauts-kings-startup-politik-wahlkampf-portraet
[32] https://cosmonautsandkings.com/
[33] Journalistin Carole Cadwalladr „Ich konn­te es zunächst selbst nicht glau­ben“
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/journalistin-carole-cadwalladr-ich-konnte-es-zunaechst-selbst-nicht-glauben/24105126.html
[34] https://www.politik-kommunikation.de/personalwechsel/pfadenhauer-und-hofmann-wechseln-zu-cosmonauts-kings-563902193
https://www.politik-kommunikation.de/personalwechsel/toepfer-uebernimmt-die-politische-kommunikation-fuer-cosmonauts-kings-1825885812
[35] Nina Breher: Social-Media-Kommunikation in der Coronakrise / Wenn das Gesundheitsminsterium eine Push-Nachricht schickt (Tagesspiegel 28.4.2020)
https://www.tagesspiegel.de/politik/social-media-kommunikation-in-der-coronakrise-wenn-das-gesundheitsminsterium-eine-push-nachricht-schickt/25779934.html
[36] Zitat von Unbekannt, Quelle: Fliegende Blätter, humo­ris­ti­sche deut­sche Wochenschrift, 1845–1944
https://www.aphorismen.de/zitat/137782

2 Antworten auf „Corona-PR: hip, teuer, destruktiv“

  1. Ich habe das jetzt nicht alles durch­ge­le­sen. Aber wie­viel Personal die Agentur in die Bearbeitung von "social media" und Internet steckt, wird sicher nicht auf­ge­schlüs­selt sein, oder?

    Wieviele angeb­lich Leserbriefe in Blogs und Foren, oder bei Internet-Auftritten wie die NDS, oder auch hier, sind wohl von PR-Leuten ver­fasst?

    Ja, jetzt kommt sicher wie­der einer mit "Verschwörungstheorie" um die Ecke? Ergo: noch so ein Troll.

    PR wird gemacht. PR wird bezahlt. PR kennt kei­ne Moral. PR arbei­tet mit allen Tricks. PR baut auf psy­cho­lo­gi­schen und sozio­lo­gi­schen Erkenntnissen auf. PR hat genau ein Ziel: Manipulation der Massen. Und das wich­tigs­te Werkzeug der PR (und der anti­de­mo­kra­ti­schen Macht-Politik) ist die Naivität und Unaufgeklärtheit der Massen.

    Wer das nicht­mal kapiert müss­te eigent­lich von Wahlen aus­ge­schlos­sen wer­den.

    1. Ich wüß­te auch gern mehr, aber die Branche ist hin­sicht­lich reel­ler Daten sehr ver­schlos­sen. Wer Genaueres wis­sen will, kann es mit einer Anfrage an das Ministerium ver­su­chen.
      Bei man­chen Kommentaren beson­ders bei Facebook, Instagram, Twitter etc. kann man sich fra­gen, ob die aus eige­nem Antrieb enst­stan­den sind (was es auch nicht unbe­dingt bes­ser macht) oder ob es Auftragsarbeiten sind, aber eine Antwort wird es lei­der nie geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.