Coronavirus: Was passiert in Quarantäne?

Die Apo­the­ken-Umschau gibt einen Über­blick. Es stel­len sich dazu Fragen.

'Wer darf eine Qua­ran­tä­ne über­haupt vorschreiben?

Der behan­deln­de Arzt hat die Mel­de­pflicht gegen­über den Behör­den, ist aber nicht ermäch­tigt, eine Qua­ran­tä­ne durch­zu­set­zen. "Hier ist grund­sätz­lich das Gesund­heits­amt zustän­dig", sagt Pro­fes­sor Ulrich Gas­s­ner, Kodi­rek­tor des Insti­tuts für Bio‑, Medi­zin- und Gesund­heits­recht der Uni­ver­si­tät Augs­burg. Ist jemand nach­weis­lich infi­ziert, wer­den die Kon­takt­per­so­nen ermit­telt, die dann eben­falls iso­liert wer­den können.

"Die Qua­ran­tä­ne ist ein Ver­wal­tungs­akt, der jeman­den zu einem bestimm­ten Ver­hal­ten ver­pflich­tet. Das sind erheb­li­che Ein­grif­fe in Frei­heits­grund­rech­te", gibt Gas­s­ner zu beden­ken. Wie lan­ge und wo der Betrof­fe­ne unter­ge­bracht wird, ent­schei­den die Behör­den. Hier spielt aller­dings die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und die Gefah­ren­la­ge eine Rolle…

Wie sieht die Qua­ran­tä­ne zu Hau­se aus?

Das Gesund­heits­amt legt das Vor­ge­hen im Ein­zel­fall immer indi­vi­du­ell fest. Ist jemand am Coro­na­vi­rus erkrankt oder ist man als Kon­takt­per­son einer mit dem Virus infi­zier­ten Per­son unter häus­li­cher Qua­ran­tä­ne, muss des­halb aber nicht die kom­plet­te rest­li­che Fami­lie ausziehen.Ein paar Regeln gibt es den­noch zu beach­ten: Auf Besuch von Per­so­nen, die nicht zum Haus­halt gehö­ren, soll­te man in die­ser Zeit ver­zich­ten. Der Betrof­fe­ne soll­te in einem eige­nen Zim­mer, das gut belüf­tet wird, unter­ge­bracht sein…

Wie wird die Qua­ran­tä­ne kontrolliert?

Grund­sätz­lich ist eine Über­prü­fung der Behör­den der Qua­ran­tä­ne mög­lich. "Aber auch hier ist Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wich­tig", sagt Gas­s­ner. "Kommt jemand der Bestim­mung nicht nach, kann er bei­spiels­wei­se in einem Kran­ken­haus unter­ge­bracht wer­den. Hier geht der Gesund­heits­schutz vie­ler dem Frei­heits­recht des ein­zel­nen vor." Auch eine Zwangs­un­ter­brin­gung in einer ande­ren geeig­ne­ten abge­schlos­se­nen Ein­rich­tung ist mög­lich. "Dafür braucht es aber eine rich­ter­li­che Anord­nung", so Gassner…

Wer bezahlt in der Qua­ran­tä­ne mein Gehalt?

Vor­weg: Aus Angst vor einer Anste­ckung mit dem Coro­na­vi­rus frei­wil­lig zuhau­se zu blei­ben, ist nicht erlaubt. Ist man krank­ge­schrie­ben, gilt wie bei jeder ande­ren Erkran­kung, dass der Lohn in den ers­ten sechs Wochen vom Arbeit­ge­ber fort­ge­zahlt wird. Aber auch, wenn die Qua­ran­tä­ne nur eine Vor­sichts­maß­nah­me ist, gilt: "Arbeit­neh­mer, die unter Qua­ran­tä­ne gestellt wer­den, haben gegen ihren Arbeit­ge­ber – solan­ge das Arbeits­ver­hält­nis besteht – für längs­tens sechs Wochen Anspruch auf Fort­zah­lung ihres Net­to-Ent­gelts", erklärt Pro­fes­sor Gas­s­ner. Der Arbeit­ge­ber kön­ne sich aber von der in sei­nem Bun­des­land zustän­di­gen Behör­de, z.B. dem Gesund­heits­amt, die aus­ge­zahl­ten Beträ­ge erstat­ten lassen.'

Das hört sich ver­nünf­tig an.

Es gibt jedoch Bevöl­ke­rungs­grup­pen, für die die Ein­hal­tung der Bestim­mun­gen schlicht unmög­lich sind. Etwa die: "Der Betrof­fe­ne soll­te in einem eige­nen Zim­mer, das gut belüf­tet wird, unter­ge­bracht sein."

Wie sol­len das die Ern­te­hel­fer, die Sai­son-Arbei­ter bei den Schlacht­hö­fen, die Flücht­lin­ge in den Not­un­ter­künf­ten, ja selbst vie­le Fami­li­en, die von Hartz IV oder noch weni­ger leben müs­sen, verwirklichen?

Die Behör­den machen es sich oft sehr ein­fach. Da wer­den eben alle Betrof­fe­nen ein­ge­sperrt. Das Virus trifft alle ohne Unterschied?

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