Der deutsche Wald läßt sich nicht absperren

Und natür­lich auch kein ande­rer, der hin­rei­chend groß ist. Die ver­zwei­fel­ten Versuche, das in den Wintersportgebieten doch irgend­wie hin­zu­krie­gen, sto­ßen auf lau­ter wer­den­de Kritik. Thüringens Innenminister wider­spricht den Plänen Ramelows, die Lokalpolitik rebel­liert. Selbst in Berlin stellt der Justizsenator die dor­ti­ge Ausgangssperre in Frage. Auf tagesschau.de liest man heute:

»Der Ansturm auf die Bergregionen Deutschlands und die dar­aus resul­tie­ren­den Beschränkungen und Sperrungen haben eine neue Debatte über die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie aus­ge­löst. Mehrere Politiker war­nen inzwi­schen vor einer über­mä­ßi­gen Bewegungseinschränkung der Menschen.

Die Thüringer Landesregierung etwa dis­ku­tiert der­zeit den Vorschlag von Ministerpräsident Bodo Ramelow, den Bewegungsradius der Bürgerinnen und Bürger auf einen Umkreis von 15 Kilometer um ihren Wohnort zu beschrän­ken. Wie der "Spiegel" berich­tet, bekommt Ramelow nun Widerspruch aus sei­ner Regierung.

Thüringens Innenminister gegen Radius-Beschränkung

Innenminister Georg Maier lehnt eine sol­che 15-Kilometer-Begrenzung ent­schie­den ab. "Als Innenminister sehe ich die Beschränkung des Bewegungsradius aller Thüringerinnen und Thüringer kri­tisch und hal­te das nicht für sinn­voll", zitiert der "Spiegel" den SPD-Landeschef. Maiers Auffassung zufol­ge soll­ten viel­mehr zunächst kurz­fris­tig ande­re Maßnahmen ergrif­fen wer­den, wie etwa eine Sperrung der Zufahrten zu den belieb­ten Wintersportzentren, heißt es weiter.

"Den Thüringer Wald kom­plett für die Stadtbevölkerung abzu­sper­ren, wäre nicht der rich­ti­ge Weg. Eine Einschränkung des Bewegungsradius ist zudem nur schwer für die zustän­di­gen Behörden zu kon­trol­lie­ren", sag­te Maier dem Medienhaus. Eine Bewegungsbeschränkung sei jedoch in Kreisen mit sehr hohen Infektionszahlen eine Option, die man in Betracht zie­hen sollte…

Erhobener Zeigefinger "sollte nicht zum Volkssport werden"

Lokalpolitiker aus Wintersportorten bewer­ten die Debatte über Absperrungen in ihren Regionen unter­schied­lich. Zustimmung kommt etwa von Thomas Schulz, dem Bürgermeister von Oberhof im Thüringer Wald. "Es sol­len nur noch Leute Zugang haben, die hier woh­nen oder arbei­ten oder ein berech­tig­tes Interesse dar­an haben, hier­her zu kom­men", for­der­te Schulz.

Kritik äußer­te hin­ge­gen der Bürgermeister von Sankt Blasien im Südschwarzwald. Er habe für jeden Verständnis, der bei die­sen Schneebedingungen drau­ßen sein wol­le. "Ich den­ke, es soll­te nicht zum Volkssport wer­den, mit erho­be­nem Zeigefinger auf ande­re zu zei­gen und sie zu ver­ur­tei­len", sag­te er im SWR. Gemeinden und Wintersport-Anbieter soll­ten genü­gend prä­pa­rier­te Pisten, Loipen und Wanderwege zur Verfügung stel­len. Außerdem müs­se das Parkplatzangebot erwei­tert wer­den. Dort, wo es vie­le Angebote gege­ben habe und sich die Leute ver­tei­len konn­ten, habe es kei­ne Probleme gege­ben, so Probst.

Berliner Justizsenator will Ausgangssperre kippen

Auch in Berlin ist indes­sen eine Diskussion über Bewegungseinschränkungen zur Eindämmung der Pandemie ent­brannt. Justizsenator Dirk Behrendt will die Ausgangssperre in der Hauptstadt kip­pen. Die Beschränkung sei "juris­tisch frag­wür­dig, weil man die Berliner Bevölkerung zwingt, sich gegen­über dem Staat recht­fer­ti­gen zu müs­sen", sag­te der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Sebastian Brux. Laut der der­zei­ti­gen Corona-Schutzverordnung dür­fen Berliner ihre Wohnungen nur "aus trif­ti­gen Gründen" verlassen.

"Juristisch heikel und nicht notwendig"

Justizsenator und Grünen-Politiker Behrendt unter­stüt­ze zwar eine Verlängerung der der­zeit gül­ti­gen Corona-Maßnahmen, nicht aber der Ausgangssperre. "Unstrittig ist, dass man die Maßnahmen ver­län­gern muss", sag­te Brux. Die Ausgangssperre sei aber "ers­tens juris­tisch hei­kel und zwei­tens für die Pandemiebekämpfung nicht notwendig".

Bei der Ausgangssperre müs­se es sich um eine "Ultima Ratio" han­deln, sag­te der Sprecher wei­ter. Solange Profifußball statt­fin­det und Läden teil­wei­se geöff­net blei­ben könn­ten, sei eine Ausgangssperre nicht zu recht­fer­ti­gen. Diese "kann man aus unse­rer Sicht ersatz­los strei­chen", sag­te Brux.«

(Ich erwar­te die Vorwürfe, daß die Überschrift des Beitrags rechts­of­fen ist…)

9 Antworten auf „Der deutsche Wald läßt sich nicht absperren“

  1. Ein Lockdown stellt ja eigent­lich schon die "ulit­ma ratio" dar, ist aber hier­zu­lan­de mitt­ler­wei­le zur Normalität gewor­den. Aber der Profilierungswahn ein­zel­ner MPs hat ja noch Ausbaupotenzial: 

    -Fahrverbote mit Privat-PKW; Tanken nur in Mengen für den not­wen­di­gen Arbeitsweg erlauben
    ‑non-food-Bereiche in Supermärkten sperren
    ‑ÖPNV stillegen
    ‑sofor­ti­gen Zugriff und Kontrolle, wenn Personen aus Häusern kom­men usw.

    Mal im Ernst: Je weni­ger Bereiche/Gelegenheiten zur Freizeitgestaltung außer­halb der Wohung blei­ben, umso höher wird der Andrang an ein­zel­nen Orten. Das Geschwafel, die Leute wären alle­samt infi­ziert und wür­den alle ande­ren anste­cken, zieht doch auch nicht mehr. Wenn sowie­so schon _jeder_ unter Generalverdacht steht, das hoch­in­fek­tiö­se tod­brin­gen­de Virus mit jedem Luftstoß abzu­ge­ben, braucht es ja außer­dem kei­ne Ansteckungen mehr.

  2. Nach ein paar Vierteln ist man auch recht sof­fen. Das soll aber nie­man­den davon abhal­ten, die Wälder unse­rer Heimat zu erstrom­ern. Man wan­dert durch eine Klimaxgesellschaft (oder eine lang­wei­li­ge Plantage) und fühlt sich viel­leicht für einen Moment als das, was man ist, näm­lich Teil der beleb­ten Welt. Man kann hun­der­te von Jahrmillionen ter­res­tri­scher Pflanzenevolution anfas­sen und gewiß sein, daß es dem Eichhörnchen am Stamme völ­lig wurscht ist, ob man da sein darf oder nicht. Dem Schutzmanne ist es natür­lich nicht egal, denn sein Dienstherr kriegt nur noch den Zeigefinger hoch. Ach, wei­nen möcht ich, wei­nen so recht aus Herzensgrund.

    1. "denn sein Dienstherr kriegt nur noch den Zeigefinger hoch"

      Danke dafür 🙂

      Wie viel von dem, was wir gera­de erlei­den müs­sen wird die Folge von über­kom­pen­sier­ter sexu­el­ler Impotenz sein?

  3. Diese schie­re Lust nach Einsperren und Strafen ist wirk­lich nur noch pervers.

    Und dazu kommt noch, dass man uns glau­ben machen will, die betrof­fe­nen Leute woll­ten ein­ge­sperrt und betraft wer­den – was aber ganz offen­sicht­lich nicht stimmt.

    Dass das ein Teil viel­leicht wirk­lich will auf­grund des zig­fach gebro­che­nen Versprechens, dass das dann bald auch wie­der auf­hö­ren wür­de, spricht nicht für Intelligenz bei die­sem Teil. 

    Dass das ein Teil hin­nimmt, weil er wirk­lich glaubt, die Mehrheit wol­le das sogar, spricht für die Perfidie der "Herrschenden Meinung"-Macher.

    Der größ­te Teil dul­det aber das Ganze ein­fach als schwei­gen­de, sich als bedeu­tungs­los emp­fin­den­de Masse die ein­fach nur ver­sucht über die Runden zu kom­men im Lebenskampf.

    1. Herr Storz,
      Seit der Anhörung von Herrn Aschmoneit im Corona-Ausschuss ver­fol­ge ich die­sen Blog. Ich stel­le fest: nahe­zu JEDEM Ihrer Kommentare kann ich zu 100% zustimmen.
      Die "schie­re Lust am Einsperren und Strafen" wird lei­der gera­de­zu her­aus­ge­for­dert durch das Schweigen der Lämmer und die vehe­men­te Weigerung, sich mit etwas kom­ple­xe­ren Betrachtungen der Situation her­um­zu­schla­gen, und das beson­ders im "gebil­de­ten" Bürgertum (man liest schliess­lich "Zeit" oder "FAZ"). Für ein Kind ist die Annahme, dass Eltern lügen könn­ten, uner­träg­lich. So auch für die Schafe, die ein Leben lang mit Hilfe der Medien auf den guten Hirten kon­di­tio­niert wur­den. Jeglicher Zweifel, sei er noch so gut belegt, wird zurück­ge­wie­sen. Intelligenz beweist man durch die rich­ti­ge Meinung. 

      In unse­rem Umfeld kann ich sehr wohl fest­stel­len, dass ein Teil fest über­zeugt ist von der Notwendigkeit aller Maßnahmen. Und genau das glaubt: dass alles bald wie­der auf­hört. Wie sag­te ein Bekannter: Jetzt brau­chen wir noch eine Weile Geduld und eine Extra-Portion Toleranz (?), und dann wird das schon. Sie ver­trau­en auf die unend­li­che Sorge der Herrscher um unser Wohlergehen. Keine wei­te­ren Fragen. Dass uns aller­dings bereits im Frühjahr in aggres­si­ven Tönen (Rainald Becker, ARD) mit­ge­teilt wur­de, dass es nie mehr so wer­den wird wie frü­her – das ist ihnen anschei­nend entgangen. 

      Ja, die Gesellschaft ist mora­lisch und intel­lek­tu­ell am Ende, der Konformitätsdruck gren­zen­los. Frage mich aller­dings bei mei­nen Streifzügen durch die Geschichte, ob das wirk­lich je grund­le­gend anders war… Lichtblicke gab es immer nur vereinzelt.

  4. Willkür ist in Mode gekom­men; man kann sich des Eindrucks nicht erweh­ren, dass die Fantasie, mit der man Menschen schi­ka­nie­ren, quä­len, ent­wür­di­gen, belei­di­gen und bestra­fen kann und will, erst noch rich­tig in Fahrt kommt. Dabei geht es längst nicht mehr um irgend­ei­ne Verhältnismäßigkeit, son­dern um Machtmissbrauch. Der Zweck hei­ligt bereits die Mittel.
    Ab Ausrufung der Pandemie stan­den prompt alle Grundrechte zur Disposition und Maßnahmen ent­behr­ten jeder recht­li­chen, wie wis­sen­schaft­li­chen Grundlage (- obwohl man sich stän­dig auf "die Wissenschaft" in per­so­na Drosten, Lauterbach+ Wieler berief). 

    Man regiert mit Sachzwang- Argumenten und Meinungs- Umfragen, die einen Zustimmungskanon vor­gau­keln, um die "Herde" bei­sam­men zu halten.
    So arm­se­lig klam­mern sie sich an das biss­chen Machtgefühl, das ihnen zur eige­nen Fehlervertuschung sub­jek­tiv geblie­ben ist.

    Wenigstens ein­zel­nen Lokalpolitikern scheint da etwas auf­zu­fal­len; die sind aber auch näher dran, an den Bürgern.…

    1. Armselig im Geiste sind unse­re Politiker und MSM-Macher. Von so durch­ge­knall­ten Typen wie KL, D, und Sp. will ich gar nicht erst reden. Dieses Land ist mora­lisch am Ende.

  5. „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“.…

    Hatten wir alles schon. Menschen las­sen sich nicht auf ewig einsperren.
    Vermehrten „Ungehorsam“ mit noch stren­ge­ren Maßnahmen zu begeg­nen kennt man aus der deut­schen Geschichte.

    Jedem soll­ten die Alarmglocken schrillen.
    Manch einer mag mit „Hysterie“ abwin­ken, aber die Zeichen früh­zei­tig zu erken­nen ist alle­mal bes­ser als zu fra­gen: “wie konn­te es nur so weit kommen“.

    Die Bevölkerung wird zum Spielball von Willkür und Aktionismus.

  6. Widerspruch aus sei­ner Regierung – der war gut. Haben denn die tages­schau-Faktenchecker mal gecheckt was in Thüringen gera­de unter "Regierung" zu ver­ste­hen ist???

    Zu ver­ste­hen ist eine Minderheitsregierung von Linken, SPD und Grünen mit Duldung der CDU und gesichts­wah­ren­der Mitarbeit der FDP gegen die AfD. Schon allei­ne die­ser kom­pli­zier­te Satz ver­deut­licht das Thüringer Dilemma das im Februar 2020 fast zu einem FDP-Ministerpräsidenten von Höckes Gnaden geführt hät­te. Fast. Seit März 2020 regiert nun Ramelows Alle-außer-AfD-Koalition bis zu den Neuwahlen im April 2021.
    https://www.mdr.de/thueringen/statement-gespraeche-linke-spd-gruene-cdu-100.html

    Wir haben es also mit den lang­sa­men Beginn des Wahlkampfes zu tun. Und was Söder und Laschet können(die Instrumentalisierung von Corona) kön­nen Ramelow und Maier schon lan­ge. Mike Mohring, wer sich noch an ihn erin­nert, läuft sich auch schon mal für den Bundestag warm …
    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/mike-mohring-kandidiert-fuer-bundestag-17039185.html

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