"Der Groschen fällt langsam"

Auf buch​kom​pli​zen​.de fin­det sich ein inter­es­san­tes Inter­view mit dem #alles­dicht­ma­chen-Regis­seur Diet­rich Brüg­ge­mann. Fast noch inter­es­san­ter ist, was dort inzwi­schen gelöscht wur­de (s.u.). Auf­schluß­reich ist auch, daß das Gesprächt nicht unter obi­ger Über­schrift steht, auch nicht unter "Alles außer Nazis" oder "Die­se stän­di­gen Abgren­zungs­re­fle­xe und Kon­takt­schuld-Trig­ger brin­gen uns nicht wei­ter". Viel­mehr lau­tet der Titel "Ich war sel­ber immer links, fin­de die Lin­ken aber immer auto­ri­tä­rer". Zu lesen ist:

»Mal ehr­lich, Herr Brüg­ge­mann, war das den gan­zen Ärger wert? Es hat sich ja durch Ihre Kunst-Akti­on nichts ver­än­dert … Oder doch?

Diet­rich Brüg­ge­mann: Ich glau­be, doch. Der Gro­schen fällt lang­sam, und die eigent­li­che Bot­schaft der Fil­me sickert erst all­mäh­lich ein: Gut­si­tu­ier­te, gut­aus­se­hen­de, medi­al bekann­te Tes­ti­mo­ni­als ver­kau­fen dem Volk den Lock­down als etwas Net­tes und Harm­lo­ses. Die­sen Mecha­nis­mus haben wir abge­bil­det. Ganz einfach… 

Ich war sel­ber immer links, fin­de die Lin­ke aber in den letz­ten Jah­ren sel­ber immer, nun ja, sagen wir: dik­ta­to­ri­scher und auto­ri­tä­rer. Ter­ror­an­schlä­ge und Straf­ta­ten aus dem rech­ten Milieu sind auf eine ganz ande­re Art ent­setz­lich, aber sie waren zumeist nicht Pro­dukt eines Mobs, son­dern geplan­te oder impul­si­ve Ein­zel- bis Grup­pen­ta­ten. Einen Mob hat­ten wir zum Bei­spiel in Ros­tock-Lich­ten­ha­gen und in Frei­tal. Auch isla­mis­ti­sche Anschlä­ge wer­den hier­zu­lan­de nicht von Mobs ver­übt, son­dern von Ein­zel­nen. Der Lynch­mob als sozia­les Phä­no­men hat sich tat­säch­lich in die sozia­len Medi­en ver­la­gert. Das soll­ten wir klar sehen und über­le­gen, wie wir damit umgehen…

Sind eini­ge derer, die Ihnen zuge­ju­belt haben, nicht die fal­schen Part­ner für den Kampf gegen den ver­meid­ba­ren Tod durch gesell­schaft­li­che und mate­ri­el­le Umstän­de, den Sie nach­voll­zieh­bar anprangern?

Diet­rich Brüg­ge­mann: Ich kann Ihnen nicht sagen, war­um die „Quer­den­ker“ irgend­was machen oder nicht machen. Ich weiß lei­der nicht, wer das ist. Und mir ist auch nicht klar, war­um ich immer über die­sen unkla­ren Kampf­be­griff reden muss, wenn ich eigent­lich über das Pro­blem reden will, das wir haben. Gera­de zu Arm und Reich habe ich eini­ges zu sagen, und da wer­de ich auch all­mäh­lich wütend.

Also: Natür­lich ist das so. Das ist bei Epi­de­mien immer so. Das wuss­te man auch schon vor einem Jahr – mas­si­ve Aus­brü­che in der Pari­ser Ban­lieue und immer da, wo arme Leu­te mit schlech­ter Gesund­heit eng auf­ein­an­der sit­zen. Allein schon des­we­gen ist der grund­le­gen­de Ansatz von Lock­down, Staats­macht und Poli­zei falsch. Gera­de in die­sen Vier­teln haben die Leu­te näm­lich von der Poli­zei noch nie irgend­was Gutes erlebt. Poli­zei­ein­satz erzeugt hier nur Reak­tanz. Hier bräuch­te man Auf­klä­rung und Sozi­al­ar­beit, nicht auto­ri­tä­ren Lockdown.

Men­schen in beeng­ten Woh­nun­gen ein­sper­ren, in denen sie sich nicht aus dem Weg gehen kön­nen, und ihnen alles an sozia­ler Inter­ak­ti­on wie Knei­pe, Sport etc. weg­neh­men, das den Druck mil­dern könn­te – muss ich wirk­lich noch wer­tend kom­men­tie­ren, wie ich das finde?

Der Tun­nel­blick, mit dem fast die gesam­te Medi­en­welt aus ihrer pri­vi­le­gier­ten Posi­ti­on den immer här­te­ren Lock­down for­dert und die­se Sei­te kom­plett aus­blen­det, erscheint mir als das viel grö­ße­re Pro­blem. Und wer mir vom rech­ten Rand zuju­belt, der ist trotz­dem nicht mein Part­ner, son­dern mein Geg­ner, dem will ich die­ses The­ma näm­lich weg­neh­men. Das hat ja schon mal geklappt: Im Früh­jahr 2020 war Coro­na-Panik ein The­ma der AfD. Ein­stim­mig wur­den die Rech­ten für ihre Panik­ma­che über die­ses „harm­lo­se“ neue Virus geta­delt. Dann hat der Main­stream ihnen das The­ma weg­ge­nom­men. Hat es der AfD genutzt? Nein. Also machen wir es doch ein­fach nochmal.

Ihren Blog­ein­trä­gen schon vor der Akti­on merkt man an, dass Ihnen vie­les an der Gesell­schaft nicht passt … Was „kotzt“ Sie denn am meis­ten an? Sind nicht die größ­ten und ein­zi­gen Pro­ble­me in der Welt Armut, Aus­beu­tung und Ungerechtigkeit?

Diet­rich Brüg­ge­mann: Es gibt nie das größ­te und ein­zi­ge Pro­blem. Das wäre Kom­ple­xi­täts­ver­wei­ge­rung, so zu den­ken. Ein zen­tra­les Pro­blem heißt: Macht. Macht ist eng ver­zahnt mit Geld. Macht steckt aber auch in Tra­di­tio­nen, im Patri­ar­chat, im Impe­ria­lis­mus und den Spu­ren, die er hin­ter­lässt, in ame­ri­ka­ni­scher, rus­si­scher und auch chi­ne­si­scher Dominanzpolitik.

… Deutsch­land ist aber auch nicht ohne Ein­fluss, eines der mäch­tigs­ten Län­der der Welt …

Diet­rich Brüg­ge­mann: Und die gro­ßen Inter­net­kon­zer­ne sind auf eine ande­re Art längst mäch­ti­ger als Staa­ten. Ein wei­te­res Pro­blem lau­tet: Kon­sum. Seit Jahr­zehn­ten wis­sen wir, wie fatal unse­re Weg­werf­ge­sell­schaft ist. Aber haben wir irgend­was geän­dert? Nein. Es wird im Gegen­teil immer schlim­mer. Auf H&M folgt Pri­mark und dann Asos. Unser Wis­sen über das Pro­blem inte­grie­ren wir in den Kon­sum, indem wir „nach­hal­ti­ge“ Pro­duk­te und Elek­tro­au­tos kon­su­mie­ren, anstatt den Kon­sum sel­ber zu hinterfragen…

Die­se stän­di­gen Abgren­zungs­re­fle­xe und Kon­takt­schuld-Trig­ger brin­gen uns nicht wei­ter. Wenn Sie Vega­ner sind, dann sym­pa­thi­sie­ren Sie ja in einem bestimm­ten Teil­ge­biet auch schon mit Atti­la Hild­mann. Wenn Abgren­zung Ihr höchs­ter Wert ist, dann müs­sen Sie sich jetzt vom Vega­nis­mus ver­ab­schie­den. Wenn es Ihnen hin­ge­gen um Inhal­te geht, soll­te Ihr Ziel viel­leicht eher sein, Herrn Hild­mann den Vega­nis­mus weg­zu­neh­men. Das hat sich durch Hild­manns Ver­hal­ten glück­li­cher­wei­se schon selbst erle­digt, kein Mensch denkt mehr bei sei­nem Namen an Veganismus.

Bei Lock­down-Kri­tik bin ich mir fel­sen­fest sicher, dass hier ein sehr gro­ßer Teil der deut­schen Bevöl­ke­rung sehr vie­le Fra­gen hat. Laut reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­gen fan­den 30% der Deut­schen unse­re Akti­on gut bis sehr gut. Wenn das wirk­lich 25 Mil­lio­nen Neo­na­zis sind, dann kann man nur noch aus­wan­dern. Aber ich hal­te das für unwahrscheinlich…

Der Abgren­zungs-Eier­tanz wird spä­tes­tens bei mehr als zwei Teil­neh­mern unmög­lich. Daher rede ich lie­ber über Inhal­te und sage: Ver­schwö­rungs­theo­rien sind Blöd­sinn. Ganz neben­bei fin­de ich übri­gens inter­es­sant, dass die hier kur­sie­ren­den Ver­schwö­rungs­theo­rien gar nicht direkt anti­se­mi­tisch sind, denn die Haupt­ak­teu­re sind Bill Gates, ein klas­si­scher WASP, sowie der Deut­sche Klaus Schwab, der einen guten Böse­wicht im James-Bond-Film abge­ben wür­de, und schließ­lich Chi­na. Das scheint mir eine Welt­neu­heit zu sein. Genau kann ich es aber nicht sagen, denn ich beschäf­ti­ge mich nicht ein­ge­hend mit Ver­schwö­rungs­theo­rien. Inter­es­san­ter erscheint mir die Fra­ge, was hier und jetzt zu tun ist…

Wel­che Par­tei wäh­len Sie denn im September?

Diet­rich Brüg­ge­mann: Wie immer: Alles außer Nazis. Und zwar auf inhalt­li­cher Basis. Wer Men­schen dehu­ma­ni­siert, aus­grenzt und abwer­tet, der ist nicht wähl­bar. Ansons­ten muss es jetzt, glau­be ich, dar­um gehen, die Anlie­gen brei­ter Bevöl­ke­rungs­schich­ten wie­der in die bestehen­den Par­tei­en hin­ein­zu­tra­gen. Also wäre es viel­leicht gut, nicht nur wäh­len zu gehen, son­dern sich zu enga­gie­ren. Viel­leicht führt Coro­na ja zu einer Repo­li­ti­sie­rung des Ein­zel­nen. Und das fän­de ich schön.«


Was nicht mehr im Artikel steht:

In der ursprüng­li­chen Ver­si­on gab es die­sen Pas­sus, der wohl nach Pro­tes­ten in den Kom­men­ta­ren gelöscht wur­de. Er kann hier geprüft werden.

»Nach Recher­chen ver­schie­de­ner Medi­en hat Brüg­ge­mann, der die Akti­on über Mona­te zusam­men mit Moritz Bleib­treu und Jan Josef Lie­fers plan­te, freund­schaft­li­chen Kon­takt zu einem Akti­vis­ten der juden­feind­li­chen Quer­den­ker-Bewe­gung: dem sehr umstrit­te­nen Arzt Paul Bran­den­burg, der von Sze­ne-Ken­nern der „Neu­en Rech­ten“ und dem AfD-Milieu in Ver­bin­dung mit Neo-Nazis, Holo­caust-Leug­nern und Juden­has­sern zuge­ord­net wird. Auf Quer­den­ker-Demos wer­den regel­mä­ßig jüdi­sche Holo­caust-Opfer ver­höhnt und belei­digt, Jour­na­lis­ten gewalt­sam ange­grif­fen, Juden und Lin­ke wie Geor­ge Sor­os und Moni­tor-Jour­na­list Georg Rest­le als Teil einer „gehei­men Eli­te“ ver­leum­det (Rest­le nahm #alles­dicht­ma­chen gegen Vor­ver­ur­tei­lun­gen in Schutz) und Nazi-Sym­bo­le gezeigt wie das „Nor­di­sche Kreuz“.

Die Anti-Nazi-Opfer­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on RIAS bezich­tigt Quer­den­ken daher der Schaf­fung von „Gele­gen­heits­struk­tu­ren für zuvor schon laten­ten All­tags-Anti­se­mi­tis­mus“ mit schein­bar unver­däch­ti­gen, aber anti­se­mi­ti­schen und auch anti-quee­ren Codes und Chif­fren („Gib Gates kei­ne Chan­ce!“) und einer Bild­spra­che, die seit den Pogro­men im Mit­tel­al­ter bekannt ist.

Ent­ge­gen anfäng­li­cher Behaup­tun­gen auch von Jan-Josef Lie­fers berich­te­te netz​po​li​tik​.org heu­te früh, dass der durch „Baby­lon Ber­lin“ (Sky/ARD) auch inter­na­tio­nal bekann­te Schau­spie­ler Vol­ker Bruch einen Mit­glieds­an­trag bei der Quer­den­ker-Par­tei „Die Basis“ gestellt hat, aus der her­aus immer wie­der die Coro­na-Pan­de­mie geleug­net wird.«

27 Antworten auf „"Der Groschen fällt langsam"“

  1. Das war Iro­nie, die mal wie­der kei­ner kapiert hat?

    Das hier ist Paul Bran­den­burgs Initiative
    https://​www​.nzz​.ch/​i​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​/​c​o​r​o​n​a​-​p​r​o​t​e​s​t​e​-​e​i​n​-​t​r​e​f​f​e​n​-​m​i​t​-​b​u​e​r​g​e​r​l​i​c​h​e​n​-​d​e​m​o​n​s​t​r​a​n​t​e​n​-​l​d​.​1​5​5​7​351
    "Das Coro­na­vi­rus müs­se man sehr ernst neh­men, sagt Bran­den­burg und zieht damit eine ers­te kla­re Linie zwi­schen der eige­nen Initia­ti­ve und den vie­len Demons­tran­ten, die die Pan­de­mie wahl­wei­se für harm­los oder sogar frei erfun­den hal­ten. Auch die Mas­ken und das Abstand­hal­ten sei­en sinn­voll. Sein Pro­blem, so der Arzt, sei ein ande­res: «Mir geht es dar­um, wie das alles zustan­de gekom­men ist.» Die Kanz­le­rin und Minis­ter­prä­si­den­ten hät­ten Grund­rech­te wie «eine Art Über-Exe­ku­ti­ve» im Hand­streich aus­ge­he­belt, in infor­mel­len Tele­fon­kon­fe­ren­zen und ohne öffent­li­che Debat­te. «Par­la­ments­vor­be­halt, erprob­te Ver­fah­ren der Gesetz­ge­bung, all das schien plötz­lich über­flüs­si­ger Tand zu sein.»"

    1. "Aber haben wir irgend­was geän­dert? Nein. Es wird im Gegen­teil immer schlim­mer. Auf H&M folgt Pri­mark und dann Asos. Unser Wis­sen über das Pro­blem inte­grie­ren wir in den Kon­sum, indem wir „nach­hal­ti­ge“ Pro­duk­te und Elek­tro­au­tos kon­su­mie­ren, anstatt den Kon­sum sel­ber zu hinterfragen…"
      Die­se Sät­ze haben mich sehr beein­druckt, denn das ist das eigent­lich Pro­blem. Wir reden dau­ernd von Kli­ma­schutz , aber wie soll das funk­tio­nie­ren, wenn man nicht ein­mal bereit ist, das gene­rel­le Weg­werf­ver­hal­ten, was bei vie­len nicht ein­mal hin­ter­fragt wird, abzustellen.
      Egal, ob es um bil­li­ge Klei­der H& M vor­ge­fer­tig­te oder bil­li­ge Lebens­mit­tel geht.
      Asos muss­te ich erst nachsehen.
      Das wäre erst ein­mal der Grund­stein, anzufangen.

      1. Die armen Frau­en und Mäd­chen die in ihren Arm gehal­te­nen Län­dern ihre Bröt­chen mit dem zusam­men tackern der Kla­mot­ten ver­die­nen inter­es­sie­ren nicht, solan­ge es H4 gibt ist für vie­le alles egal.

        Das wird sich hier bald ändern, dann muss man erst mal den Bück­ling machen um das halb ange­fres­se­ne Stück­chen Brot vom Kat­zen­tisch zu bekom­men, die Arbeit ja fin­det ja bald ande­re Wege und der ver­dienst auch, 4. Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on grüßt schön, dann wird ein gro­ßer Teil ruck­ar­tig wach.

        Taler Taler du musst wandern …

  2. „Die nun seit Beginn der Pan­de­mie gemach­te Beob­ach­tung, dass von den schät­zungs­wei­se 14 Mil­lio­nen Kin­dern und Jugend­li­chen in Deutsch­land nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infek­ti­on im Kran­ken­haus (< 0,01%) behan­delt wer­den muss­ten und 4 an ihrer Infek­ti­on ver­star­ben (< 0.00002%), soll­te Anlass sein, Eltern über­gro­ße Sor­gen vor einem schwe­ren Krank­heits­ver­lauf bei ihren Kin­dern zu neh­men. In der Sai­son 2018/19 wur­de nach Anga­ben des RKI ins­ge­samt 7641 Kin­der unter 14 Jah­ren mit Influ­en­za als hos­pi­ta­li­siert gemel­det, 9 Kin­der ver­star­ben. Nach Anga­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur lag im Jahr 2019 die Zahl der durch einen Ver­kehrs­un­fall getö­te­ten Kin­der bei 55, nach Anga­ben der DLRG die Zahl der ertrun­ke­nen Kin­der bei 25.“

    https://dgpi.de/stellungnahme-dgpi-dgkh-hospitalisierung-und-sterblichkeit-von-covid-19-bei-kindern-in-deutschland-18–04-2021/

    https://​ken​fm​.de/​c​o​r​o​n​a​-​m​a​c​h​t​-​u​n​d​-​t​y​r​a​n​n​e​i​-​v​o​n​-​c​h​r​i​s​t​i​a​n​-​k​r​e​i​ss/

      1. @aa

        Sor­ry wegen der Dupli­ka­te, aber man kann es nicht oft genug wiederholen…
        Denn die Lügen wer­den noch viel öfter wie­der­holt und bren­nen sich tief ins Gehirn der Probanden.

  3. Der, inzwi­schen aus dem Arti­kel gelösch­te Text, ist wirk­lich die aller­letz­te Hetz­kam­pa­gne als Ein­lei­tung eines Inter­views und bewußt und bös­ar­tig dif­fa­mie­rend. Anschei­nend haben die ent­setz­ten Kom­men­ta­re bewirkt, dass die­se Ein­lei­tung inzwi­schen gelöscht wurde.
    Das ist unse­re freie, aus­ge­wo­ge­ne Pres­se­be­richt­erstat­tung – na, vie­len Dank!

  4. Auch inter­es­sant in dem Interview:

    "Den­ken Sie denn aber, dass auch Sie sel­ber wie­der für die ARD arbei­ten dürfen?"

    Auf die­se Fra­ge muss man erst­mal kommen!

  5. Die­ses Inter­view ist mal wie­der ein sehr schö­ner Beleg dafür,
    war­um das letz­te Jahr sich so extrem hat ent­wi­ckeln kön­nen und
    unse­re Gesell­schaft so tief gespal­ten ist. Da wird auf der einen
    Sei­te ver­sucht, jeman­den in eine bestimm­te Ecke zu drän­gen und
    eine Sug­ges­tiv­fra­ge nach der ande­ren gestellt (bzw. mit Unter­stel­lun­gen gear­bei­tet). Und auf der ande­ren Sei­te gibt jemand
    dif­fe­ren­zier­te, nicht Kom­ple­xi­tät redu­zie­ren­de Ant­wor­ten und ver­sucht, sich mit einem The­ma inhalt­lich und nicht diffamierend
    aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das ist etwas, was ich in vie­len Jah­ren auch
    immer wie­der erlebt habe : ich bemü­he mich, mich mit einem The­ma aus­ein­an­der­zu­set­zen und fah­re damit bei ziem­lich vie­len Men­schen regel­mä­ßig gegen eine Wand. Selbst­re­fle­xi­on Fehl­an­zei­ge. Das macht einen erst wütend, ermü­det auf Dau­er und lässt das Ver­trau­en in die soge­nann­ten Mit­men­schen immer
    wei­ter sin­ken. Die Fähig­keit, eige­ne Feh­ler ein­zu­ge­ste­hen (und zwar jen­seits von hoh­len Phra­sen und Lip­pen­be­kent­nis­sen) und
    sich authen­tisch ent­schul­di­gen zu kön­nen, ist m.E. wei­test­ge­hend abhan­den­ge­kom­men. Über­haupt, das im tiefsten
    Sin­ne Mensch­sein scheint kei­nen all­zu hohen Stel­len­wert mehr zu haben.

    1. Hi Bri­an,

      ich fin­de dei­nen Kom­men­tar sehr gut, weil ich die glei­chen Beob­ach­tun­gen gemacht habe. Ich stel­le mir aller­dings noch immer die Fra­ge nach dem "War­um"? Wie­so hat sich der Dis­kurs in die­ser Art ent­wi­ckelt und war­um sind man­che Men­schen an einem inhalt­li­chen Aus­tausch inter­es­siert, wäh­rend ande­re per­ma­nent mit ad-homi­nem-Argu­men­ten und Phra­sen um sich wer­fen? Wenn du Ideen dazu hast, wür­de mich das wirk­lich interessieren.

      LG Fro­do­mir

      1. Hal­lo Frodomir,
        vie­len Dank für Dei­nen Kom­men­tar. Eine wirk­li­che Ant­wort darauf
        habe ich lei­der nicht. Das ist eins der The­men, über die ich mir schon seit lan­gem (und im letz­ten Jahr noch­mal ver­stärkt) das Gehirn zer­mar­te­re. Es gibt ja genü­gend Erklä­rungs­an­sät­ze und an
        vie­len ist m.M.n. auch eine Men­ge dran (z.B. Maaz' Aus­ein­an­der­set­zung mit der gespal­te­nen Gesell­schaft , die Beschrei­bun­gen in Wagen­knechts neu­em Buch, ver­schie­de­ne psy­cho­lo­gi­sche Ansät­ze, trau­ma­ti­sche bzw. ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche Erklä­run­gen, etc.). Und des­we­gen kann man die­ses Gesche­hen wohl auch nur mul­ti­fak­to­ri­ell ein­ord­nen. Wie schon beschrie­ben, beob­ach­te ich gewis­se Ent­wick­lun­gen schon seit Jah­ren und habe bei Kon­flik­ten häufig
        die Schuld erst­mal bei mir gesucht. Das ist (Gott­sei­dank !) heute
        nicht mehr so. Weil ich mich mit mir und mei­nem Leben mitt­ler­wei­le ziem­lich inten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt habe. Aber das kos­tet Mühe und war auch mit ziem­lich viel Gegen­wind ver­bun­den. Die­se Mühe machen sich die meis­ten Men­schen nicht. Ein wei­te­rer Punkt – wenn auch banal und schon zigfach
        ana­ly­siert – ist sicher­lich die Digi­ta­li­sie­rung : die die Menschen
        absicht­lich emo­tio­na­li­siert und ihre Auf­merk­sam­keits­span­ne immer wei­ter redu­ziert. Da muss man schon sehr bewusst dage­gen hal­ten, um sich davon nicht ver­ein­nah­men zu lassen.
        Aber letzt­end­lich gibt das kei­ne befrie­di­gen­de Ant­wort auf das
        'War­um ?' . Weil man sich ja auch für ein Mit­ein­an­der, ein Aus­ein­an­der­set­zen und für Respekt und Wert­schät­zung ent­schei­den könn­te. Und eins ist gera­de im letz­ten Jahr auch wie­der sehr deut­lich gewor­den : es gibt auch ein­fach jede Menge
        A.….….…r da draußen…

        1. Hal­lo Brian,

          vie­len Dank für dei­ne Ant­wort. Du hast eini­ge Punk­te ange­spro­chen und wahr­schein­lich ist wirk­lich an jedem etwas dran. Das Pro­blem kann man wohl wirk­lich nur aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven betrach­ten. Ich habe dies­be­züg­lich letz­tens mal den Blick auf die Ent­wick­lung hin zu einer Tech­no­kra­tie gelegt und einen Text dazu geschrie­ben, falls es dich interessiert:

          https://​www​.rubi​kon​.news/​r​u​b​r​i​k​/​6​/​a​r​t​i​k​e​l​/​e​n​t​f​r​e​m​d​e​t​e​-​w​i​r​k​l​i​c​h​k​eit

          Was bleibt, ist – zumin­dest bei mir – eine ziem­li­che Ent­täu­schung über das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten zahl­rei­cher Mit­bür­ger. Wenn man an der Wahr­heit und einem gelun­ge­nen Mit­ein­an­der inter­es­siert ist, kann einen das fer­tig machen. 

          Etwas rat­lo­se Grüße
          Frodomir

          1. Hal­lo Frodomir, 

            vie­len Dank für den Hin­weis, den Arti­kel hat­te ich aller­dings schon gele­sen. Ich bin rela­tiv regel­mä­ßig auf ver­schie­de­nen Sei­ten unter­wegs. Das ist für mich z.Zt. eine
            der weni­gen Mög­lich­kei­ten, ein biß­chen "Zuspruch" zu
            bekom­men. In mei­nem nähe­ren Umfeld gibt es kaum jeman­den, der die offi­zi­el­le Erzähl­wei­se ernst­haft infra­ge stellt. Das ist schon frus­trie­rend. Der Text ist von Dir ? Respekt ! Dei­ner Gene­ra­ti­on wird ja ger­ne mal unter­stellt, daß sie viel zu weich gepam­pert wur­de und sie dem­entspre­chend kei­ne wirk­lich eige­ne Iden­ti­tät her­aus­bil­den konn­te. Auch so eine Mög­lich­keit, sich einem Dis­kurs zu ver­wei­gern. Zuschreibung…und weg !
            Das habe ich in mei­nem Leben auch mehr als ein­mal erfah­ren dürfen…Was die Tech­no­kra­tie betrifft : da sind wir ja schon lan­ge mit­ten­drin. In dem Zusam­men­hang fin­de ich u.a. zwei Bücher emp­feh­lens­wert ( da es vor­der­grün­dig ja z.Zt. um medi­zi­ni­sche The­men geht) : "Die Neme­sis der Medi­zin" von Ivan Illich und "Die Medi­zin hei­len" von Klaus-Die­ter Platsch (bin übri­gens sel­ber im wei­tes­ten Sin­ne im Gesund­heits­we­sen tätig).
            Und was Dei­nen letz­ten Absatz betrifft : da geht es mir ganz genau­so. Das ein­zig "Posi­ti­ve" in der Hin­sicht im letz­ten Jahr war für mich, daß ich die gan­ze Zeit bei mir geblie­ben bin und mich nicht habe kir­re machen lassen.
            Lie­ben Gruß,
            Brian

            PS : Fro­do­mir ? Mischung aus Fro­do und Boro­mir (oder Fara­mir) ? Klei­ner Herr-der-Ringe-Fan ?

          2. Hi Brain,

            irgend­wie fehlt die Ant­wort-Opti­on unter dei­nem letz­ten Bei­trag, des­halb ant­wor­te ich unter meinem.

            Also zunächst: Du hast das Rät­sel mei­nes Namens ent­schlüs­selt 😉 Aber ich bin eher Har­ry Pot­ter Fan!

            Ja, ich habe auch viel in den soge­nann­ten alter­na­ti­ven Medi­en gele­sen, denn mir ging es was das Umfeld betrifft genau wie dir. Es ist wirk­lich kein schö­nes Gefühl, mit sei­ner Mei­nung allein dazu­ste­hen und ich habe auch Freund­schaf­ten durch die­se The­ma­tik eingebüßt.

            Was den Text betrifft: Ich schrei­be sonst eigent­lich lyri­sche Tex­te und manch­mal Kurz­pro­sa, aber hier war der essay­is­ti­sche Stil ange­brach­ter. Aber ich gehö­re zu Wen­de­ge­nera­ti­on und bin noch im Osten gebo­ren – ich glau­be, die Gene­ra­ti­on, von der du sprichst, kam erst 10 Jah­re spä­ter. Aber ich wür­de hier eh nicht so pau­scha­li­sie­rend spre­chen, ich ver­su­che eher, immer vom Indi­vi­du­um her zu denken.

            Vie­len Dank auch für die Lese­emp­feh­lun­gen, die­se Bücher kann­te ich bis­her noch nicht.

            Es freut mich auch, dass du gelas­sen geblie­ben bist, ich wün­sche dir, dass du dei­nen Weg gut wei­ter­ge­hen wirst. Ich für mei­nen Teil wer­de nun vor allem ins Ana­lo­ge gehen, ich habe die Digi­ta­li­sie­rung mehr als satt und habe mich durch den Lock­down lei­der sehr stark vor den Lap­top drän­gen las­sen. Damit soll nun aber Schluss sein, ich füh­le mich in der natür­li­chen Umwelt viel wohler.

            Also dann, alles Gute dir!

            Lie­be Grüße
            Frodomir

            PS: Das Rät­sel dei­nes Namens ist "Das Leben des Brain"?^^

          3. Hey Fro­do­mir,

            auch bei mir als ers­tes : dei­ne Ver­mu­tung war rich­tig. Bin seit Ewig­kei­ten Mon­ty Python-Fan (ich fra­ge mich nur, war­um so vie­le aus Bri­an Brain machen…).
            Die Men­schen indi­vi­du­ell zu betrach­ten fin­de ich rich­tig und ich ver­su­che dies auch so gut es geht (gelingt mir nicht
            immer). Und dei­ne Ent­schei­dung, mehr ins Ana­lo­ge zu gehen fin­de ich auch sehr gut (das wür­de einem Groß­teil unse­rer Gesell­schaft auch gut tun…). Viel­leicht dann noch ein letz­ter Buch­tipp : "Unter frei­em Him­mel" von Mar­kus Tor­ge­by. Ich wür­de wahr­schein­lich nicht ganz so weit wie der Autor gehen, aber die Rich­tung fin­de ich nicht verkehrt.
            Dann mach's auch mal gut; ich bin sicher, daß Du dei­nen Weg machen wirst.
            Lie­ben Gruß,

            Bri­an

  6. Bewirbt sich der Ver­fas­ser die­ses Vor­worts um den Preis des dich­tes­ten Ver­leum­dungs­f­ramings? Mehr hat da wohl nicht auf engs­ten Raum gepasst… Ganz schön verschwurbelt.
    Brüg­ge­mann schlägt sich im Inter­view groß­ar­tig! Er ist klug, poli­tisch che­ckig, hat Her­zens­bil­dung und Steh­ver­mö­gen. Wie gut, dass er gegen­hält und so sicht­bar wird, was hier schief läuft (zumin­dest für die, die sehen kön­nen und wollen).

  7. Dazu fällt mir gera­de der der­zeit dümms­te Satz auf Wiki­pe­dia ein, über "Die Basis" …sie sind staats­kri­tisch, anti­au­to­ri­tär und nach rechts offen.…."
    HÄ????
    Seit wann funk­tio­niert anti­au­to­ri­tär und recht .…auch nur ansatzweise.…

  8. Demo­kra­tie
    „Ich möch­te nicht mit einem Demo­kra­tie­ge­fähr­der unter einem Dach leben“
    Rück­fall ins Totalitäre
    Ver­öf­fent­licht am 5. Mai 2021
    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht.
    Aber als ich den Satz las, den ich zur Über­schrift die­ses Arti­kel gemacht habe („Ich möch­te nicht mit einem Demo­kra­tie­ge­fähr­der unter einem Dach leben“), in einer Denun­zia­tons-e-Mail einer Mit­ar­bei­te­rin der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on gegen den Arzt und Unter­neh­mer Paul Bran­den­burg, da lief es mir eis­kalt den Rücken herunter.

    https://​reit​schus​ter​.de/​p​o​s​t​/​i​c​h​-​m​o​e​c​h​t​e​-​n​i​c​h​t​-​m​i​t​-​e​i​n​e​m​-​d​e​m​o​k​r​a​t​i​e​g​e​f​a​e​h​r​d​e​r​-​u​n​t​e​r​-​e​i​n​e​m​-​d​a​c​h​-​l​e​b​en/

    1. @Dunkle Zei­ten
      "lief es mir eis­kalt den Rücken herunter."
      Ging mir genau so. Und der Tages­spie­gel muß sei­ne Dif­fa­mie­run­gen und Exis­tenz­ge­fähr­dun­gen nun nicht mehr allei­ne aus­füh­ren und selbst tele­fo­nie­ren. Nun hat er Hel­fer gefun­den. Das funk­tio­niert per­fekt nach dem Schneeballsystem.
      Sich der Ver­fah­rens­wei­se zu bedie­nen, poli­ti­sche Geg­ner aus­zu­schal­ten über for­ma­le Tricks wie Ver­nich­tung deren Exis­tenz­grund­la­ge, hört man immer von ande­ren Län­dern wie bspw. Russ­land. Die haben ja bekannt­lich auch nur ein Regime, kei­ne anstän­di­ge Regie­rung oder gar Demo­kra­tie. Mei­ne Fra­ge zu die­sem Vor­gang wäre, leben wir jetzt auch in einem Regime?
      https://​paul​bran​den​burg​.com/​s​pd/

  9. Die Buch­kom­pli­zen sagen von sich selbst: "Wir unter­stel­len unse­ren Lese­rin­nen und Lesern, so wie uns selbst, auf­ge­klärt und kri­tisch zu sein." Wie kann es dann zu sol­chen Fehl­leis­tun­gen wie dem ver­leum­de­ri­schen, dann weg­ge­las­se­nen Teil kommen? 

    Und immer wie­der die Umkeh­rung, die schlicht ein logi­scher Feh­ler ist: Quer­den­ker lau­fen nicht bei Nazi-Demos mit, son­dern eini­ge weni­ge Nazis bei Quer­denker­de­mos. (Es dürf­te übri­gens auch schon Ver­leum­dung der ver­spon­ne­nen "Reichs­bür­ger" sein, sie als Nazi zu bezeichnen.) 

    Die Zie­le der Quer­den­ker sind "Frie­den, Frei­heit, Demo­kra­tie" und Grund­rech­te für alle, nicht nur für Geimpf­te. Ich weiß nicht, war­um Nazis bei sol­chen Demos mit­lau­fen. Viel­leicht sind sie auch nur Men­schen mit wider­sprüch­li­chen Gedan­ken und Phan­ta­sien? Viel­leicht sind Quer­denker­de­mos für sol­che Nazis auch eine Chan­ce, zurück zur Demo­kra­tie und Mensch­lich­keit zu finden? 

    Wie kann man einem offe­nen, ehr­li­chen, muti­gen Quer­den­ker wie Mar­kus Haintz gegen­über miss­trau­isch sein? Wer da miss­trau­isch ist, ver­dient es, selbst miss­traut zu werden.

  10. Ich bin extrem beein­druckt von Herrn Brüg­ge­mann und Herrn Bran­den­burg. Solan­ge es noch sol­che Men­schen gibt, habe ich die Hoff­nung nicht ganz auf­ge­ge­ben. Wie erbärm­lich ein­fäl­tig und plump die Mehr­zahl der Jour­na­lis­ten dage­gen abfällt. Mer­ken die wirk­lich nicht, was sie tun? So begriffs­stut­zig und ver­blen­det kann man doch gar nicht sein, wenn Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung zum Beruf gehört.

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