"Der Groschen fällt langsam"

Auf buchkomplizen.de fin­det sich ein inter­es­san­tes Interview mit dem #alles­dicht­ma­chen-Regisseur Dietrich Brüggemann. Fast noch inter­es­san­ter ist, was dort inzwi­schen gelöscht wur­de (s.u.). Aufschlußreich ist auch, daß das Gesprächt nicht unter obi­ger Überschrift steht, auch nicht unter "Alles außer Nazis" oder "Diese stän­di­gen Abgrenzungsreflexe und Kontaktschuld-Trigger brin­gen uns nicht wei­ter". Vielmehr lau­tet der Titel "Ich war sel­ber immer links, fin­de die Linken aber immer auto­ri­tä­rer". Zu lesen ist:

»Mal ehr­lich, Herr Brüggemann, war das den gan­zen Ärger wert? Es hat sich ja durch Ihre Kunst-Aktion nichts ver­än­dert … Oder doch?

Dietrich Brüggemann: Ich glau­be, doch. Der Groschen fällt lang­sam, und die eigent­li­che Botschaft der Filme sickert erst all­mäh­lich ein: Gutsituierte, gut­aus­se­hen­de, medi­al bekann­te Testimonials ver­kau­fen dem Volk den Lockdown als etwas Nettes und Harmloses. Diesen Mechanismus haben wir abge­bil­det. Ganz einfach… 

Ich war sel­ber immer links, fin­de die Linke aber in den letz­ten Jahren sel­ber immer, nun ja, sagen wir: dik­ta­to­ri­scher und auto­ri­tä­rer. Terroranschläge und Straftaten aus dem rech­ten Milieu sind auf eine ganz ande­re Art ent­setz­lich, aber sie waren zumeist nicht Produkt eines Mobs, son­dern geplan­te oder impul­si­ve Einzel- bis Gruppentaten. Einen Mob hat­ten wir zum Beispiel in Rostock-Lichtenhagen und in Freital. Auch isla­mis­ti­sche Anschläge wer­den hier­zu­lan­de nicht von Mobs ver­übt, son­dern von Einzelnen. Der Lynchmob als sozia­les Phänomen hat sich tat­säch­lich in die sozia­len Medien ver­la­gert. Das soll­ten wir klar sehen und über­le­gen, wie wir damit umgehen…

Sind eini­ge derer, die Ihnen zuge­ju­belt haben, nicht die fal­schen Partner für den Kampf gegen den ver­meid­ba­ren Tod durch gesell­schaft­li­che und mate­ri­el­le Umstände, den Sie nach­voll­zieh­bar anprangern?

Dietrich Brüggemann: Ich kann Ihnen nicht sagen, war­um die „Querdenker“ irgend­was machen oder nicht machen. Ich weiß lei­der nicht, wer das ist. Und mir ist auch nicht klar, war­um ich immer über die­sen unkla­ren Kampfbegriff reden muss, wenn ich eigent­lich über das Problem reden will, das wir haben. Gerade zu Arm und Reich habe ich eini­ges zu sagen, und da wer­de ich auch all­mäh­lich wütend.

Also: Natürlich ist das so. Das ist bei Epidemien immer so. Das wuss­te man auch schon vor einem Jahr – mas­si­ve Ausbrüche in der Pariser Banlieue und immer da, wo arme Leute mit schlech­ter Gesundheit eng auf­ein­an­der sit­zen. Allein schon des­we­gen ist der grund­le­gen­de Ansatz von Lockdown, Staatsmacht und Polizei falsch. Gerade in die­sen Vierteln haben die Leute näm­lich von der Polizei noch nie irgend­was Gutes erlebt. Polizeieinsatz erzeugt hier nur Reaktanz. Hier bräuch­te man Aufklärung und Sozialarbeit, nicht auto­ri­tä­ren Lockdown.

Menschen in beeng­ten Wohnungen ein­sper­ren, in denen sie sich nicht aus dem Weg gehen kön­nen, und ihnen alles an sozia­ler Interaktion wie Kneipe, Sport etc. weg­neh­men, das den Druck mil­dern könn­te – muss ich wirk­lich noch wer­tend kom­men­tie­ren, wie ich das finde?

Der Tunnelblick, mit dem fast die gesam­te Medienwelt aus ihrer pri­vi­le­gier­ten Position den immer här­te­ren Lockdown for­dert und die­se Seite kom­plett aus­blen­det, erscheint mir als das viel grö­ße­re Problem. Und wer mir vom rech­ten Rand zuju­belt, der ist trotz­dem nicht mein Partner, son­dern mein Gegner, dem will ich die­ses Thema näm­lich weg­neh­men. Das hat ja schon mal geklappt: Im Frühjahr 2020 war Corona-Panik ein Thema der AfD. Einstimmig wur­den die Rechten für ihre Panikmache über die­ses „harm­lo­se“ neue Virus geta­delt. Dann hat der Mainstream ihnen das Thema weg­ge­nom­men. Hat es der AfD genutzt? Nein. Also machen wir es doch ein­fach nochmal.

Ihren Blogeinträgen schon vor der Aktion merkt man an, dass Ihnen vie­les an der Gesellschaft nicht passt … Was „kotzt“ Sie denn am meis­ten an? Sind nicht die größ­ten und ein­zi­gen Probleme in der Welt Armut, Ausbeutung und Ungerechtigkeit?

Dietrich Brüggemann: Es gibt nie das größ­te und ein­zi­ge Problem. Das wäre Komplexitätsverweigerung, so zu den­ken. Ein zen­tra­les Problem heißt: Macht. Macht ist eng ver­zahnt mit Geld. Macht steckt aber auch in Traditionen, im Patriarchat, im Imperialismus und den Spuren, die er hin­ter­lässt, in ame­ri­ka­ni­scher, rus­si­scher und auch chi­ne­si­scher Dominanzpolitik.

… Deutschland ist aber auch nicht ohne Einfluss, eines der mäch­tigs­ten Länder der Welt …

Dietrich Brüggemann: Und die gro­ßen Internetkonzerne sind auf eine ande­re Art längst mäch­ti­ger als Staaten. Ein wei­te­res Problem lau­tet: Konsum. Seit Jahrzehnten wis­sen wir, wie fatal unse­re Wegwerfgesellschaft ist. Aber haben wir irgend­was geän­dert? Nein. Es wird im Gegenteil immer schlim­mer. Auf H&M folgt Primark und dann Asos. Unser Wissen über das Problem inte­grie­ren wir in den Konsum, indem wir „nach­hal­ti­ge“ Produkte und Elektroautos kon­su­mie­ren, anstatt den Konsum sel­ber zu hinterfragen…

Diese stän­di­gen Abgrenzungsreflexe und Kontaktschuld-Trigger brin­gen uns nicht wei­ter. Wenn Sie Veganer sind, dann sym­pa­thi­sie­ren Sie ja in einem bestimm­ten Teilgebiet auch schon mit Attila Hildmann. Wenn Abgrenzung Ihr höchs­ter Wert ist, dann müs­sen Sie sich jetzt vom Veganismus ver­ab­schie­den. Wenn es Ihnen hin­ge­gen um Inhalte geht, soll­te Ihr Ziel viel­leicht eher sein, Herrn Hildmann den Veganismus weg­zu­neh­men. Das hat sich durch Hildmanns Verhalten glück­li­cher­wei­se schon selbst erle­digt, kein Mensch denkt mehr bei sei­nem Namen an Veganismus.

Bei Lockdown-Kritik bin ich mir fel­sen­fest sicher, dass hier ein sehr gro­ßer Teil der deut­schen Bevölkerung sehr vie­le Fragen hat. Laut reprä­sen­ta­ti­ven Umfragen fan­den 30% der Deutschen unse­re Aktion gut bis sehr gut. Wenn das wirk­lich 25 Millionen Neonazis sind, dann kann man nur noch aus­wan­dern. Aber ich hal­te das für unwahrscheinlich…

Der Abgrenzungs-Eiertanz wird spä­tes­tens bei mehr als zwei Teilnehmern unmög­lich. Daher rede ich lie­ber über Inhalte und sage: Verschwörungstheorien sind Blödsinn. Ganz neben­bei fin­de ich übri­gens inter­es­sant, dass die hier kur­sie­ren­den Verschwörungstheorien gar nicht direkt anti­se­mi­tisch sind, denn die Hauptakteure sind Bill Gates, ein klas­si­scher WASP, sowie der Deutsche Klaus Schwab, der einen guten Bösewicht im James-Bond-Film abge­ben wür­de, und schließ­lich China. Das scheint mir eine Weltneuheit zu sein. Genau kann ich es aber nicht sagen, denn ich beschäf­ti­ge mich nicht ein­ge­hend mit Verschwörungstheorien. Interessanter erscheint mir die Frage, was hier und jetzt zu tun ist…

Welche Partei wäh­len Sie denn im September?

Dietrich Brüggemann: Wie immer: Alles außer Nazis. Und zwar auf inhalt­li­cher Basis. Wer Menschen dehu­ma­ni­siert, aus­grenzt und abwer­tet, der ist nicht wähl­bar. Ansonsten muss es jetzt, glau­be ich, dar­um gehen, die Anliegen brei­ter Bevölkerungsschichten wie­der in die bestehen­den Parteien hin­ein­zu­tra­gen. Also wäre es viel­leicht gut, nicht nur wäh­len zu gehen, son­dern sich zu enga­gie­ren. Vielleicht führt Corona ja zu einer Repolitisierung des Einzelnen. Und das fän­de ich schön.«


Was nicht mehr im Artikel steht:

In der ursprüng­li­chen Version gab es die­sen Passus, der wohl nach Protesten in den Kommentaren gelöscht wur­de. Er kann hier geprüft werden.

»Nach Recherchen ver­schie­de­ner Medien hat Brüggemann, der die Aktion über Monate zusam­men mit Moritz Bleibtreu und Jan Josef Liefers plan­te, freund­schaft­li­chen Kontakt zu einem Aktivisten der juden­feind­li­chen Querdenker-Bewegung: dem sehr umstrit­te­nen Arzt Paul Brandenburg, der von Szene-Kennern der „Neuen Rechten“ und dem AfD-Milieu in Verbindung mit Neo-Nazis, Holocaust-Leugnern und Judenhassern zuge­ord­net wird. Auf Querdenker-Demos wer­den regel­mä­ßig jüdi­sche Holocaust-Opfer ver­höhnt und belei­digt, Journalisten gewalt­sam ange­grif­fen, Juden und Linke wie George Soros und Monitor-Journalist Georg Restle als Teil einer „gehei­men Elite“ ver­leum­det (Restle nahm #alles­dicht­ma­chen gegen Vorverurteilungen in Schutz) und Nazi-Symbole gezeigt wie das „Nordische Kreuz“.

Die Anti-Nazi-Opferschutzorganisation RIAS bezich­tigt Querdenken daher der Schaffung von „Gelegenheitsstrukturen für zuvor schon laten­ten Alltags-Antisemitismus“ mit schein­bar unver­däch­ti­gen, aber anti­se­mi­ti­schen und auch anti-quee­ren Codes und Chiffren („Gib Gates kei­ne Chance!“) und einer Bildsprache, die seit den Pogromen im Mittelalter bekannt ist.

Entgegen anfäng­li­cher Behauptungen auch von Jan-Josef Liefers berich­te­te netzpolitik.org heu­te früh, dass der durch „Babylon Berlin“ (Sky/ARD) auch inter­na­tio­nal bekann­te Schauspieler Volker Bruch einen Mitgliedsantrag bei der Querdenker-Partei „Die Basis“ gestellt hat, aus der her­aus immer wie­der die Corona-Pandemie geleug­net wird.«

27 Antworten auf „"Der Groschen fällt langsam"“

  1. Das war Ironie, die mal wie­der kei­ner kapiert hat?

    Das hier ist Paul Brandenburgs Initiative
    https://www.nzz.ch/international/corona-proteste-ein-treffen-mit-buergerlichen-demonstranten-ld.1557351
    "Das Coronavirus müs­se man sehr ernst neh­men, sagt Brandenburg und zieht damit eine ers­te kla­re Linie zwi­schen der eige­nen Initiative und den vie­len Demonstranten, die die Pandemie wahl­wei­se für harm­los oder sogar frei erfun­den hal­ten. Auch die Masken und das Abstandhalten sei­en sinn­voll. Sein Problem, so der Arzt, sei ein ande­res: «Mir geht es dar­um, wie das alles zustan­de gekom­men ist.» Die Kanzlerin und Ministerpräsidenten hät­ten Grundrechte wie «eine Art Über-Exekutive» im Handstreich aus­ge­he­belt, in infor­mel­len Telefonkonferenzen und ohne öffent­li­che Debatte. «Parlamentsvorbehalt, erprob­te Verfahren der Gesetzgebung, all das schien plötz­lich über­flüs­si­ger Tand zu sein.»"

    1. "Aber haben wir irgend­was geän­dert? Nein. Es wird im Gegenteil immer schlim­mer. Auf H&M folgt Primark und dann Asos. Unser Wissen über das Problem inte­grie­ren wir in den Konsum, indem wir „nach­hal­ti­ge“ Produkte und Elektroautos kon­su­mie­ren, anstatt den Konsum sel­ber zu hinterfragen…"
      Diese Sätze haben mich sehr beein­druckt, denn das ist das eigent­lich Problem. Wir reden dau­ernd von Klimaschutz , aber wie soll das funk­tio­nie­ren, wenn man nicht ein­mal bereit ist, das gene­rel­le Wegwerfverhalten, was bei vie­len nicht ein­mal hin­ter­fragt wird, abzustellen.
      Egal, ob es um bil­li­ge Kleider H& M vor­ge­fer­tig­te oder bil­li­ge Lebensmittel geht.
      Asos muss­te ich erst nachsehen.
      Das wäre erst ein­mal der Grundstein, anzufangen.

      1. Die armen Frauen und Mädchen die in ihren Arm gehal­te­nen Ländern ihre Brötchen mit dem zusam­men tackern der Klamotten ver­die­nen inter­es­sie­ren nicht, solan­ge es H4 gibt ist für vie­le alles egal.

        Das wird sich hier bald ändern, dann muss man erst mal den Bückling machen um das halb ange­fres­se­ne Stückchen Brot vom Katzentisch zu bekom­men, die Arbeit ja fin­det ja bald ande­re Wege und der ver­dienst auch, 4. Industrielle Revolution grüßt schön, dann wird ein gro­ßer Teil ruck­ar­tig wach.

        Taler Taler du musst wandern …

  2. „Die nun seit Beginn der Pandemie gemach­te Beobachtung, dass von den schät­zungs­wei­se 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland nur etwa 1200 mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus (< 0,01%) behan­delt wer­den muss­ten und 4 an ihrer Infektion ver­star­ben (< 0.00002%), soll­te Anlass sein, Eltern über­gro­ße Sorgen vor einem schwe­ren Krankheitsverlauf bei ihren Kindern zu neh­men. In der Saison 2018/19 wur­de nach Angaben des RKI ins­ge­samt 7641 Kinder unter 14 Jahren mit Influenza als hos­pi­ta­li­siert gemel­det, 9 Kinder ver­star­ben. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digi­ta­le Infrastruktur lag im Jahr 2019 die Zahl der durch einen Verkehrsunfall getö­te­ten Kinder bei 55, nach Angaben der DLRG die Zahl der ertrun­ke­nen Kinder bei 25.“

    https://dgpi.de/stellungnahme-dgpi-dgkh-hospitalisierung-und-sterblichkeit-von-covid-19-bei-kindern-in-deutschland-18–04-2021/

    https://kenfm.de/corona-macht-und-tyrannei-von-christian-kreiss/

      1. @aa

        Sorry wegen der Duplikate, aber man kann es nicht oft genug wiederholen…
        Denn die Lügen wer­den noch viel öfter wie­der­holt und bren­nen sich tief ins Gehirn der Probanden.

  3. Der, inzwi­schen aus dem Artikel gelösch­te Text, ist wirk­lich die aller­letz­te Hetzkampagne als Einleitung eines Interviews und bewußt und bös­ar­tig dif­fa­mie­rend. Anscheinend haben die ent­setz­ten Kommentare bewirkt, dass die­se Einleitung inzwi­schen gelöscht wurde.
    Das ist unse­re freie, aus­ge­wo­ge­ne Presseberichterstattung – na, vie­len Dank!

  4. Auch inter­es­sant in dem Interview:

    "Denken Sie denn aber, dass auch Sie sel­ber wie­der für die ARD arbei­ten dürfen?"

    Auf die­se Frage muss man erst­mal kommen!

  5. Dieses Interview ist mal wie­der ein sehr schö­ner Beleg dafür,
    war­um das letz­te Jahr sich so extrem hat ent­wi­ckeln kön­nen und
    unse­re Gesellschaft so tief gespal­ten ist. Da wird auf der einen
    Seite ver­sucht, jeman­den in eine bestimm­te Ecke zu drän­gen und
    eine Suggestivfrage nach der ande­ren gestellt (bzw. mit Unterstellungen gear­bei­tet). Und auf der ande­ren Seite gibt jemand
    dif­fe­ren­zier­te, nicht Komplexität redu­zie­ren­de Antworten und ver­sucht, sich mit einem Thema inhalt­lich und nicht diffamierend
    aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das ist etwas, was ich in vie­len Jahren auch
    immer wie­der erlebt habe : ich bemü­he mich, mich mit einem Thema aus­ein­an­der­zu­set­zen und fah­re damit bei ziem­lich vie­len Menschen regel­mä­ßig gegen eine Wand. Selbstreflexion Fehlanzeige. Das macht einen erst wütend, ermü­det auf Dauer und lässt das Vertrauen in die soge­nann­ten Mitmenschen immer
    wei­ter sin­ken. Die Fähigkeit, eige­ne Fehler ein­zu­ge­ste­hen (und zwar jen­seits von hoh­len Phrasen und Lippenbekentnissen) und
    sich authen­tisch ent­schul­di­gen zu kön­nen, ist m.E. wei­test­ge­hend abhan­den­ge­kom­men. Überhaupt, das im tiefsten
    Sinne Menschsein scheint kei­nen all­zu hohen Stellenwert mehr zu haben.

    1. Hi Brian,

      ich fin­de dei­nen Kommentar sehr gut, weil ich die glei­chen Beobachtungen gemacht habe. Ich stel­le mir aller­dings noch immer die Frage nach dem "Warum"? Wieso hat sich der Diskurs in die­ser Art ent­wi­ckelt und war­um sind man­che Menschen an einem inhalt­li­chen Austausch inter­es­siert, wäh­rend ande­re per­ma­nent mit ad-homi­nem-Argumenten und Phrasen um sich wer­fen? Wenn du Ideen dazu hast, wür­de mich das wirk­lich interessieren.

      LG Frodomir

      1. Hallo Frodomir,
        vie­len Dank für Deinen Kommentar. Eine wirk­li­che Antwort darauf
        habe ich lei­der nicht. Das ist eins der Themen, über die ich mir schon seit lan­gem (und im letz­ten Jahr noch­mal ver­stärkt) das Gehirn zer­mar­te­re. Es gibt ja genü­gend Erklärungsansätze und an
        vie­len ist m.M.n. auch eine Menge dran (z.B. Maaz' Auseinandersetzung mit der gespal­te­nen Gesellschaft , die Beschreibungen in Wagenknechts neu­em Buch, ver­schie­de­ne psy­cho­lo­gi­sche Ansätze, trau­ma­ti­sche bzw. ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche Erklärungen, etc.). Und des­we­gen kann man die­ses Geschehen wohl auch nur mul­ti­fak­to­ri­ell ein­ord­nen. Wie schon beschrie­ben, beob­ach­te ich gewis­se Entwicklungen schon seit Jahren und habe bei Konflikten häufig
        die Schuld erst­mal bei mir gesucht. Das ist (Gottseidank !) heute
        nicht mehr so. Weil ich mich mit mir und mei­nem Leben mitt­ler­wei­le ziem­lich inten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt habe. Aber das kos­tet Mühe und war auch mit ziem­lich viel Gegenwind ver­bun­den. Diese Mühe machen sich die meis­ten Menschen nicht. Ein wei­te­rer Punkt – wenn auch banal und schon zigfach
        ana­ly­siert – ist sicher­lich die Digitalisierung : die die Menschen
        absicht­lich emo­tio­na­li­siert und ihre Aufmerksamkeitsspanne immer wei­ter redu­ziert. Da muss man schon sehr bewusst dage­gen hal­ten, um sich davon nicht ver­ein­nah­men zu lassen.
        Aber letzt­end­lich gibt das kei­ne befrie­di­gen­de Antwort auf das
        'Warum ?' . Weil man sich ja auch für ein Miteinander, ein Auseinandersetzen und für Respekt und Wertschätzung ent­schei­den könn­te. Und eins ist gera­de im letz­ten Jahr auch wie­der sehr deut­lich gewor­den : es gibt auch ein­fach jede Menge
        A.….….…r da draußen…

        1. Hallo Brian,

          vie­len Dank für dei­ne Antwort. Du hast eini­ge Punkte ange­spro­chen und wahr­schein­lich ist wirk­lich an jedem etwas dran. Das Problem kann man wohl wirk­lich nur aus ver­schie­de­nen Perspektiven betrach­ten. Ich habe dies­be­züg­lich letz­tens mal den Blick auf die Entwicklung hin zu einer Technokratie gelegt und einen Text dazu geschrie­ben, falls es dich interessiert:

          https://www.rubikon.news/rubrik/6/artikel/entfremdete-wirklichkeit

          Was bleibt, ist – zumin­dest bei mir – eine ziem­li­che Enttäuschung über das Kommunikationsverhalten zahl­rei­cher Mitbürger. Wenn man an der Wahrheit und einem gelun­ge­nen Miteinander inter­es­siert ist, kann einen das fer­tig machen. 

          Etwas rat­lo­se Grüße
          Frodomir

          1. Hallo Frodomir,

            vie­len Dank für den Hinweis, den Artikel hat­te ich aller­dings schon gele­sen. Ich bin rela­tiv regel­mä­ßig auf ver­schie­de­nen Seiten unter­wegs. Das ist für mich z.Zt. eine
            der weni­gen Möglichkeiten, ein biß­chen "Zuspruch" zu
            bekom­men. In mei­nem nähe­ren Umfeld gibt es kaum jeman­den, der die offi­zi­el­le Erzählweise ernst­haft infra­ge stellt. Das ist schon frus­trie­rend. Der Text ist von Dir ? Respekt ! Deiner Generation wird ja ger­ne mal unter­stellt, daß sie viel zu weich gepam­pert wur­de und sie dem­entspre­chend kei­ne wirk­lich eige­ne Identität her­aus­bil­den konn­te. Auch so eine Möglichkeit, sich einem Diskurs zu ver­wei­gern. Zuschreibung…und weg !
            Das habe ich in mei­nem Leben auch mehr als ein­mal erfah­ren dürfen…Was die Technokratie betrifft : da sind wir ja schon lan­ge mit­ten­drin. In dem Zusammenhang fin­de ich u.a. zwei Bücher emp­feh­lens­wert ( da es vor­der­grün­dig ja z.Zt. um medi­zi­ni­sche Themen geht) : "Die Nemesis der Medizin" von Ivan Illich und "Die Medizin hei­len" von Klaus-Dieter Platsch (bin übri­gens sel­ber im wei­tes­ten Sinne im Gesundheitswesen tätig).
            Und was Deinen letz­ten Absatz betrifft : da geht es mir ganz genau­so. Das ein­zig "Positive" in der Hinsicht im letz­ten Jahr war für mich, daß ich die gan­ze Zeit bei mir geblie­ben bin und mich nicht habe kir­re machen lassen.
            Lieben Gruß,
            Brian

            PS : Frodomir ? Mischung aus Frodo und Boromir (oder Faramir) ? Kleiner Herr-der-Ringe-Fan ?

          2. Hi Brain,

            irgend­wie fehlt die Antwort-Option unter dei­nem letz­ten Beitrag, des­halb ant­wor­te ich unter meinem.

            Also zunächst: Du hast das Rätsel mei­nes Namens ent­schlüs­selt 😉 Aber ich bin eher Harry Potter Fan!

            Ja, ich habe auch viel in den soge­nann­ten alter­na­ti­ven Medien gele­sen, denn mir ging es was das Umfeld betrifft genau wie dir. Es ist wirk­lich kein schö­nes Gefühl, mit sei­ner Meinung allein dazu­ste­hen und ich habe auch Freundschaften durch die­se Thematik eingebüßt.

            Was den Text betrifft: Ich schrei­be sonst eigent­lich lyri­sche Texte und manch­mal Kurzprosa, aber hier war der essay­is­ti­sche Stil ange­brach­ter. Aber ich gehö­re zu Wendegeneration und bin noch im Osten gebo­ren – ich glau­be, die Generation, von der du sprichst, kam erst 10 Jahre spä­ter. Aber ich wür­de hier eh nicht so pau­scha­li­sie­rend spre­chen, ich ver­su­che eher, immer vom Individuum her zu denken.

            Vielen Dank auch für die Leseempfehlungen, die­se Bücher kann­te ich bis­her noch nicht.

            Es freut mich auch, dass du gelas­sen geblie­ben bist, ich wün­sche dir, dass du dei­nen Weg gut wei­ter­ge­hen wirst. Ich für mei­nen Teil wer­de nun vor allem ins Analoge gehen, ich habe die Digitalisierung mehr als satt und habe mich durch den Lockdown lei­der sehr stark vor den Laptop drän­gen las­sen. Damit soll nun aber Schluss sein, ich füh­le mich in der natür­li­chen Umwelt viel wohler.

            Also dann, alles Gute dir!

            Liebe Grüße
            Frodomir

            PS: Das Rätsel dei­nes Namens ist "Das Leben des Brain"?^^

          3. Hey Frodomir,

            auch bei mir als ers­tes : dei­ne Vermutung war rich­tig. Bin seit Ewigkeiten Monty Python-Fan (ich fra­ge mich nur, war­um so vie­le aus Brian Brain machen…).
            Die Menschen indi­vi­du­ell zu betrach­ten fin­de ich rich­tig und ich ver­su­che dies auch so gut es geht (gelingt mir nicht
            immer). Und dei­ne Entscheidung, mehr ins Analoge zu gehen fin­de ich auch sehr gut (das wür­de einem Großteil unse­rer Gesellschaft auch gut tun…). Vielleicht dann noch ein letz­ter Buchtipp : "Unter frei­em Himmel" von Markus Torgeby. Ich wür­de wahr­schein­lich nicht ganz so weit wie der Autor gehen, aber die Richtung fin­de ich nicht verkehrt.
            Dann mach's auch mal gut; ich bin sicher, daß Du dei­nen Weg machen wirst.
            Lieben Gruß,

            Brian

  6. Bewirbt sich der Verfasser die­ses Vorworts um den Preis des dich­tes­ten Verleumdungsframings? Mehr hat da wohl nicht auf engs­ten Raum gepasst… Ganz schön verschwurbelt.
    Brüggemann schlägt sich im Interview groß­ar­tig! Er ist klug, poli­tisch che­ckig, hat Herzensbildung und Stehvermögen. Wie gut, dass er gegen­hält und so sicht­bar wird, was hier schief läuft (zumin­dest für die, die sehen kön­nen und wollen).

  7. Dazu fällt mir gera­de der der­zeit dümms­te Satz auf Wikipedia ein, über "Die Basis" …sie sind staats­kri­tisch, anti­au­to­ri­tär und nach rechts offen.…."
    HÄ????
    Seit wann funk­tio­niert anti­au­to­ri­tär und recht .…auch nur ansatzweise.…

  8. Demokratie
    „Ich möch­te nicht mit einem Demokratiegefährder unter einem Dach leben“
    Rückfall ins Totalitäre
    Veröffentlicht am 5. Mai 2021
    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht.
    Aber als ich den Satz las, den ich zur Überschrift die­ses Artikel gemacht habe („Ich möch­te nicht mit einem Demokratiegefährder unter einem Dach leben“), in einer Denunziatons-e-Mail einer Mitarbeiterin der SPD-Bundestagsfraktion gegen den Arzt und Unternehmer Paul Brandenburg, da lief es mir eis­kalt den Rücken herunter.

    https://reitschuster.de/post/ich-moechte-nicht-mit-einem-demokratiegefaehrder-unter-einem-dach-leben/

    1. @Dunkle Zeiten
      "lief es mir eis­kalt den Rücken herunter."
      Ging mir genau so. Und der Tagesspiegel muß sei­ne Diffamierungen und Existenzgefährdungen nun nicht mehr allei­ne aus­füh­ren und selbst tele­fo­nie­ren. Nun hat er Helfer gefun­den. Das funk­tio­niert per­fekt nach dem Schneeballsystem.
      Sich der Verfahrensweise zu bedie­nen, poli­ti­sche Gegner aus­zu­schal­ten über for­ma­le Tricks wie Vernichtung deren Existenzgrundlage, hört man immer von ande­ren Ländern wie bspw. Russland. Die haben ja bekannt­lich auch nur ein Regime, kei­ne anstän­di­ge Regierung oder gar Demokratie. Meine Frage zu die­sem Vorgang wäre, leben wir jetzt auch in einem Regime?
      https://paulbrandenburg.com/spd/

  9. Die Buchkomplizen sagen von sich selbst: "Wir unter­stel­len unse­ren Leserinnen und Lesern, so wie uns selbst, auf­ge­klärt und kri­tisch zu sein." Wie kann es dann zu sol­chen Fehlleistungen wie dem ver­leum­de­ri­schen, dann weg­ge­las­se­nen Teil kommen? 

    Und immer wie­der die Umkehrung, die schlicht ein logi­scher Fehler ist: Querdenker lau­fen nicht bei Nazi-Demos mit, son­dern eini­ge weni­ge Nazis bei Querdenkerdemos. (Es dürf­te übri­gens auch schon Verleumdung der ver­spon­ne­nen "Reichsbürger" sein, sie als Nazi zu bezeichnen.) 

    Die Ziele der Querdenker sind "Frieden, Freiheit, Demokratie" und Grundrechte für alle, nicht nur für Geimpfte. Ich weiß nicht, war­um Nazis bei sol­chen Demos mit­lau­fen. Vielleicht sind sie auch nur Menschen mit wider­sprüch­li­chen Gedanken und Phantasien? Vielleicht sind Querdenkerdemos für sol­che Nazis auch eine Chance, zurück zur Demokratie und Menschlichkeit zu finden? 

    Wie kann man einem offe­nen, ehr­li­chen, muti­gen Querdenker wie Markus Haintz gegen­über miss­trau­isch sein? Wer da miss­trau­isch ist, ver­dient es, selbst miss­traut zu werden.

  10. Ich bin extrem beein­druckt von Herrn Brüggemann und Herrn Brandenburg. Solange es noch sol­che Menschen gibt, habe ich die Hoffnung nicht ganz auf­ge­ge­ben. Wie erbärm­lich ein­fäl­tig und plump die Mehrzahl der Journalisten dage­gen abfällt. Merken die wirk­lich nicht, was sie tun? So begriffs­stut­zig und ver­blen­det kann man doch gar nicht sein, wenn Informationsbeschaffung zum Beruf gehört.

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