Die für Geld alles tun?

Es gibt Tage, an denen ich mich gegen mei­ne Vorurteile nicht weh­ren kann. Dann geschieht es, daß ich lese, jemand ist "Infektiologe und Direktor des Lehrstuhls Translationale Forschung am Exzellenzcluster für Alternsforschung CECAD sowie Oberarzt der Inneren Medizin I am Universitätsklinikum Köln", und den­ke "Was für ein ein­ge­bil­de­ter Fatzke!". Natürlich ist das unge­recht und Prof. Dr. Oliver Cornely wird ein hoch­qua­li­fi­zier­ter und viel­leicht sogar sym­pa­thi­scher Mensch sein. Er ist mir begeg­net in einem Artikel "Universitätsmedizin Köln koor­di­niert EU-Impfstoff-Forschungsnetzwerk VACCELERATE". Cornely lei­tet die­ses Projekt, für das die EU 12 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Wie der Name bereits nahe­legt, geht es um die hei­lig gespro­che­ne, aber unwis­sen­schaft­li­che Aussage, aus­schließ­lich Impfungen sei­en in der Lage, Krankheiten zu bekämpfen:

»Impfstoff-indu­zier­te Immunität gegen SARS-CoV‑2 gilt als viel­ver­spre­chends­te [sic] Lösung zur Bekämpfung der Pandemie. Um eine lang­fris­ti­ge Herdenimmunität in Europa auf­zu­bau­en, müs­sen mög­lichst vie­le Menschen geimpft werden…

Zusätzlich wird die Plattform auch eine bera­ten­de Funktion für ver­schie­de­ne Stakeholder wie Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen und Gesundheitsbehörden über­neh­men, die Corona-Impfstoffstudien in Europa planen…

Ein euro­pa­wei­tes Freiwilligenregister zur schnel­len Patienten­rekrutierung ist bereits im Aufbau…

Zusätzlich wird die Plattform auch eine bera­ten­de Funktion für ver­schie­de­ne Stakeholder wie Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen und Gesundheitsbehörden über­neh­men, die Corona-Impfstoffstudien in Europa planen.

Um vali­de Forschungsergebnisse zu erlan­gen, wird VACCELERATE zudem eine har­mo­ni­sier­te Datenerfassung, offe­nen Datenaustausch und die Zusammenführung von Daten für eine ver­bes­ser­te Analyse im Rahmen der Forschungsplattform ermög­li­chen. Über VACCELERATE will die Europäische Union mit­tel- und lang­fris­tig ihre Kapazitäten zur Entwicklung von Impfstoffen erhö­hen.«

CECAD’s Vision: Alternsprozesse angreifen

Es ist mir nicht gelun­gen, das Kürzel CECAD auf­zu­lö­sen.* Im Impressum der Seite ist nur die Rede von "Exzellenzcluster CECAD in der Universität zu Köln". Das klingt wich­tig. Banal hebt dage­gen "CECAD’s Vision" an, um aller­dings bedroh­lich zu enden:

»Das Alter kommt schlei­chend, für jeden. Die Forschung des Exzellenzclusters CECAD hat vor die­sem Hintergrund eine hohe gesell­schaft­li­che Relevanz und wis­sen­schaft­li­che Komplexität. Immer mehr Menschen wer­den immer älter. In einer altern­den Gesellschaft ist die volks­wirt­schaft­lich zu erwar­ten­de Kostensteigerung im Gesundheitswesen immens. In die­sem Spannungsfeld erforscht der Exzellenzcluster CECAD an der Universität zu Köln die Ursachen des Alterungsprozesses und alte­rungs­as­so­zi­ier­ter Erkrankungen…

Die Perspektive ist, einen zen­tra­len Mechanismus der Alternsprozesse zu fin­den, an dem Wissenschaftler und Mediziner angrei­fen können…«

Weil die Volkswirtschaft altern­de Menschen teu­er zu ste­hen kom­men, will man "Alternsprozesse angrei­fen". Es ist die glei­che Hybris, die ModelliererInnen wir Priesemann den­ken läßt, kom­ple­xe gesell­schaft­li­che Zusammenhänge in (von ihr zudem falsch ver­stan­de­ne) Algorithmen Künstlicher Intelligenz fas­sen zu können.

* Update: Dank meh­re­rer LeserInnen aufgelöst:

*C*luster of
*E*xcellence -
= (CE)
*C*ellular stress respon­ses in
*A*ging-associated
*D*iseases
= (CAD)
=> (CECAD)

17 Antworten auf „Die für Geld alles tun?“

    1. Noch deut­li­cher:

      *C*luster of
      *E*xcellence -
      = (CE)
      *C*ellular stress respon­ses in
      *A*ging-associated
      *D*iseases
      = (CAD)
      => (CECAD)

  1. Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases 

    Das hät­ten sie in der Sonderabteilung des Wahrheitsministeriums gefunden…

    Selbstverständlich ange­passt an den Zeitgeist.

    h***s://de.wikipedia.org/wiki/Exzellenzcluster_CECAD

  2. Wer einen unter­halt­sa­men Zugang zur Virusthematik sucht, sei drin­gend eine Serie von Anfang der 20er jah­re emp­foh­len. Fachlich wur­de die Serie sehr gut beraten.
    (Ähnlich wie Emergency Room)

    REGENESIS

    Sicherlich wird man eini­ges in den Folgen fin­den, was uns heu­te Sorge bereitet.
    Bin auf die mög­li­chen media­len Fundstücke der Leser sehr gespannt.

  3. Offensichtlich war das ein Versuch, ihre Leser zu nud­gen. Denn dass sie das nicht gefun­den haben wol­len, glaubt ihnen kein Mensch. 

    Die zwei­te Frage ist, was sie damit bezwe­cken. Für mich ist die Antwort klar, wenn auch etwas verschwommen.

    1. @Zapata Gag: Warum so miß­trau­isch? Ich habe auf deren Seite gesucht und es dann gelas­sen. So wich­tig war es mir nicht. Dennoch dan­ke für die Antworten!

      1. @aa

        Mein Job ist es, miss­trau­isch zu sein. 

        Im Übrigen ken­ne ich ja mitt­ler­wei­le ihre Herangehensweise an Themen, die aus der Gosse des Mainstreams (ntv, faz, welt, bild) ent­sprin­gen und hier groß­flä­chig Verbreitung finden. 

        Ich neh­me ihnen auf­grund die­ser "Herangehensweise" ihre Ausrede nicht ab. 

        Meine Interpretation

        Sie möch­ten ihre Leser nud­gen, indem sie ihnen ihre eige­nen Verhaltensmuster auf­zei­gen (näm­lich eine Suchmaschine ihrer Wahl, in die­sem Fall vor­zugs­wei­se die der Wikifedia zu nut­zen). Nun stellt es aber einen Unterschied dar, einen Eintrag dort zu fin­den oder ihn danach auf­grund ande­rer dort nicht erwähn­ter Erkenntnisse, die nicht der NATO-Wahrheit ent­spre­chen, zu entschlüsseln. 

        Ich inter­pre­tie­re das also als ab adsur­dum führen. 

        Sie kön­nen das natür­lich jeder­zeit von sich wei­sen, aller­dings habe ich geflis­sent­lich den Eindruck, eini­ges wür­de hier gar nicht ange­packt und Essentielles dem Leser vor­ent­hal­ten, indem ihm auf deutsch gesagt "Kacke" vor­ge­setzt wird, an der er sich der Geschmacksrichtung nach abar­bei­ten soll. 

        Sollte ich falsch lie­gen, bit­te ich das zu ent­schul­di­gen. Sollte ich rich­tig lie­gen, wis­sen sie, dass ich sie beob­ach­te – und sie mich.

        1. @ZapataGag Wenn die Quellen nicht Ihrem geschätz­ten Niveau ent­spre­chen, war­um schrei­ben bzw . lesen Sie dann die Kommentare? Und da Sie von "Niveau" spre­chen: da scheint in dem zweit­letz­ten Absatz Ihrer sehr kri­tisch abge­fass­ten Antwort auch etwas ver­rutscht zu sein.

  4. Ich ken­ne nie­man­den über 90, der wild drauf ist, noch­mal 90 Jahre zu leben.
    Mancher Wunsch ent­puppt sich als Fluch.

  5. HERA Incubator – Die Bedrohung durch COVID-19- Varianten gemeinsam meistern Brüssel, 17. Februar 2021
    Die Kommission wird die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen unterstützen, die zur Erreichung der von den einzelnen Unternehmen allein nicht zu bewerkstelligenden spezifischen Ziele in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion oder Lieferung erforderlich ist. Die Kommission ist bereit, Orientierungshilfen zu wettbewerbsrechtlichen Fragen im Zusammen-hang mit der Impfstoffproduktion oder mit Behandlungen zu geben, auch hinsichtlich der im Be-fristeten Rahmen für die Prüfung kartellrechtlicher Fragen festgelegten Kriterien. Die Kommission wird die flexible Produktionskapazitätsreserve EU-Fab einrichten. Dabei wird sich die Kommission auf die laufende Kartierung der vorhandenen industriellen Kapazitäten stützen.

    Wer wird am Netz für die Erprobung von Impfstoffen VACCELERATE teilnehmen?
    An dem heute ins Leben gerufenen Netz für die Erprobung von Impfstoffen VACCELERATE werden 16 Mitgliedstaaten und fünf assoziierte Länder, darunter Israel und die Schweiz, teilnehmen. Das Netz wird die Zusammenarbeit und den Datenaustausch im Rahmen klinischer Studien zu CO-VID19-Therapeutika und Impfstoffen wesentlich reibungsloser gestalten. Ein weiterer Schwerpunkt wird darauf liegen, Kinder und Jugendliche in klinische Prüfungen einzubeziehen, um die Wirksamkeit der Impfstoffe bei ihnen zu untersuchen.

    https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/QANDA_21_642

    Erläutert:
    Bei dem HERA Incubator handelt es sich um eine Abkürzung für »European Health Emergency Preparedness and Response Authority«, kurz HERA. Das Vorbild der neu kreierten Institution ist die US-amerikanische Behörde für biomedizinische Forschung BARDA, eine nachgeordnete Behörde des US-Gesundheitsministeriums. Die Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) wurde 2006 gegründet und unterstützt mittels öffentlich-privater Partnerschaften die Forschung, Entwicklung und Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen, die beispielsweise für die Bekämpfung von Pandemien benötigt werden.
    Der Incubator soll nun als »Blaupause für die langfristige Vorsorge der EU für Gesundheitsnot-stände« eingeführt werden. So schreibt es die EU-Vertretung in Deutschland in dem Informationsschreiben »EU-Nachrichten«. Damit soll die Behörde künftig für die Krisenvorsorge und –reaktion bei gesundheitlichen Notlagen zum Tragen kommen und auch über die Coronavirus-Pandemie hinaus bestehen bleiben. Der Incubator soll die Wissenschaft, Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen vereinen.

    Ganz konkret sollen zunächst die Genomsequenzierung und die Entwicklung spezialisierter Tests gefördert und gesteigert werden. Die EU möchte hierfür 75 Millionen Euro bereitstellen. Ziel ist es laut der »EU-Nachrichten« bei 5 Prozent der positiven Tests eine Genomsequenzierung zum Nachweis neuer Mutationen durchzuführen. Damit könnte die Ausbreitung in der Bevölkerung überwacht und die Auswirkungen auf die Übertragbarkeit analysiert werden. Aber nicht nur die Sequenzierung, sondern auch der Austausch von Daten soll gefördert werden. Für diesen Datenaustausch und die Forschung sollen weitere 150 Millionen Euro aus EU-Mitteln fließen.
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/was-verbirgt-sich-hinter-dem-hera-incubator-123879/

  6. Auffällig erschei­nen mir die mehr­fa­che Verwendung des Begriffs "Stakeholder" – als sei er direkt der WEF-Diktion ent­sprun­gen – und die Verstrickung öffent­li­cher und pri­va­ter Geldgeber nach PPP-Muster.

    Was gegen das Aufhalten oder Rückgängigmachen alte­rungs­be­ding­ter Krankheiten ein­zu­wen­den sein könn­te, leuch­tet mir aller­dings über­haupt nicht ein, unab­hän­gig von den Motiven der Verantwortlichen. Meine Oma, die erst im hohen Alter schnell und, für sie, schmerz­los zu Hause starb und bis zuletzt geis­tig und kör­per­lich fit war und ein weit­ge­hend selbst­be­stimm­tes Leben füh­ren konn­te, pfleg­te immer zu sagen: "Alt wer­den wol­len se alle, äwwa alt sin nit." Es wäre doch schön, wenn das anders wäre.

  7. ""Was für ein ein­ge­bil­de­ter Fatzke!". Natürlich ist das unge­recht und Prof. Dr. Oliver Cornely wird ein hoch­qua­li­fi­zier­ter und viel­leicht sogar sym­pa­thi­scher Mensch sein. "

    Sind das nicht bei­des unge­rech­te Vorurteile?

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