Laschet sagt nur das, was offensichtlich ist

Oft ist es gut, die Lektüre eines Artikels von hinten zu beginnen. In dem auf tagesspiegel.de vom 17.2. mit obiger Überschrift steht dort: "Er geht auf die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung ein. Ist das aber schon verwerflich?". Genau darum geht es, die letzte Mini-Präsi-Konferenz hat überzogen. Man kann einem Esel lange eine Karotte vor die Nase halten, man darf sie aber nicht ständig halbieren. Dann nämlich besinnt sich der Esel darauf, wie störrisch er sein kann. Darüber hinaus besteht die Bevölkerung beileibe nicht nur aus Eseln. Zum "Karotten-Prinzip" gibt es weiter unten Interessantes. Doch zunächst zum Kommentar im "Tagesspiegel", der immerhin von seinem Herausgeber verfaßt wurde:

»Die „Null-Covid-Strategie“ würde den Lockdown verlängern. Dem will Laschet vorbeugen. Sein Seitenhieb für Merkel ist allerdings auch Wahlkampf.

Und nun fallen viele über Armin Laschet her. Dabei sagt der NRW-Ministerpräsident und neue CDU-Chef doch vor allem das, was offensichtlich ist: Die Bereitschaft in der Bevölkerung, die Inzidenz 35 zu akzeptieren, wird arg strapaziert.

Schon der Wert 50 wurde von (auch) ernst zu nehmenden Experten infrage gestellt. Der neue jetzt wieder. Infektiologe Matthias Schrappe, lange Jahre Berater des Bundes in Gesundheitsfragen, hält schon den Begriff Inzidenz für „unzulässig und falsch“.

Die Melderaten, die sehr unzuverlässig sind, würden einfach hochgerechnet. „Es ist ein Skandal, dass mit diesen Zahlen gesteuert werden soll“, sagt Schrappe. Gegen die zunehmende Sterblichkeit der alten Leute würden solche Ziele gesetzt und mit einem Instrument gearbeitet, das dagegen gar nicht hilft.

„Dabei wette ich, dass, wenn die 50 oder 35 erreicht sind, man sich etwas Neues ausdenken wird“, sagte Schrappe gerade im „Focus“. Genau dagegen, gegen ständig neue Inzidenzwerte, hat sich Laschet jetzt gewandt, nicht mehr, nicht weniger.

Zumal die Inzidenzwerte insgesamt eher gegriffene, nicht wissenschaftlich fundierte sind. Der Ministerpräsident redet auch so, weil er sich unter anderen von kritischen Köpfen beraten lässt.

Schrappe, aber auch Virologe Jonas Schmidt-Chanasit oder Epidemiologe Klaus Stöhr gehören zu einer Gruppe von Wissenschaftlern, die medizinische wie gesellschaftliche Schäden der Pandemie in den Blick nimmt. Das will auch Laschet.

Mit keinem Wort aber hat er sich abgesetzt vom Infektionsschutzgesetz oder dem jüngsten Beschluss der Länderregierungschefs mit der Kanzlerin. Nur ist andererseits bekannt, dass Angela Merkel und ihr Kanzleramtschef Helge Braun, Anästhesist von Beruf, beide CDU, mit der „Null-Covid-Strategie“ und einer Inzidenz 0 liebäugeln...«

Kann man das schon Götterdämmerung nennen? (Und ja, wer erwartet, jemand aus der Regierungsmannschaft stellt sich hin und sagt "Sorry, Leute, wir haben uns vertan, die Maßnahmen sind alle Quatsch", der ist ein wenig blauäugig. Laschet reagiert auf Druck, und den müssen wir verstärken.)


Wikipedia schreibt zum Karotten-Prinzip u.a.:

»Strategien und Fehlstrategien

Wie die erwarteten Resultate darlegen, kann das Karotten-Prinzip auch am erwünschten Erfolg vorbeiführen oder sogar missbraucht werden.

      • Der Motivierende wählt die Belohnung nach seinen eigenen Kriterien aus, und auch die Belohnung passt wiederum in seine eigene Langzeitstrategie, die aber nicht die Strategie des zu Motivierenden ist. Dabei kann es vorkommen, dass der zu Motivierende das in Aussicht Gestellte nicht als Belohnung, sondern als Nachteil wahrnimmt.
        • Beispiel: Eine lukrative Position im Ausland wird in Aussicht gestellt, der zu Motivierende will aber nicht im Ausland leben.
      • Der Motivierende nutzt den zu Motivierenden aus, indem er ihn in einer Wanting-Situation hält: Die Belohnung wird zwar versprochen, aber die Lieferung der Belohnung wird immer wieder hinausgeschoben.
        Im Extremfall wird der zu Motivierende tolerant: Er weiß, dass er die Belohnung nie erhalten wird und führt Aufgaben minimalistisch aus.

        • Beispiel: Einer Person mit Zeitvertrag wird ein unbefristeter Vertrag in Aussicht gestellt, der aber immer wieder durch andere Argumente verschoben wird und nicht zustande kommt.
      • Die Motivation wurde mehrfach durchgeführt, die Belohnung mehrfach erhalten, aber eine weitere Motivation zur Steigerung wird immer schwerer oder ist nicht mehr möglich, da der zu Motivierende „gesättigt“ ist.
      • Der zu Motivierende selber ist das Problem, indem er in Selbstmotivation jeder möglichen Belohnung – erreichbar oder unerreichbar – nachläuft und sich dabei bis zum Burnout verausgabt.«

 

9 Antworten auf „Laschet sagt nur das, was offensichtlich ist“

  1. Heute hat ein Vertreter eines Wirtschaftsverbandes sich erdreis­tet zu sagen, man müs­se auch ein paar Tote in Kauf neh­men. Unfassbar! Was für ein irres men­schen­ver­ach­ten­des Monster!

    1. Einer von der Kfz-Industrie? Dann ver­steh ich die Aufregung nicht. Diese Tote neh­men wir ja auch in Kauf; kein Coronazi wür­de auf sein Auto ver­zich­ten, auch wenn er dadurch Oma Elfriede ret­ten könn­te, die ihm auf­grund ihres Staubsaugerbeutels vorm Gesicht wegen Sauerstoffmangel vors Auto kippt. Wenn die ZeroCovid-Fanatiker wenigs­tens kon­se­quent wären.

      Zu den Eseln: Die Leute trot­ten doch nun schon ohne erkenn­ba­res, stör­ri­sches Murren ein Jahr hin­ter der stän­dig durch eine ande­re aus­ge­tauscht wer­den­den Möhre hin­ter­her. Ich sehe da höchs­tens Fortschritte im "Inzidenzbereich".

    2. @ Chrissie: es ist z.B. gesamt­ge­sell­schaft­lich akzep­tiert, daß es rund 40.000 Tote durch Infektionen mit mul­ti­re­sis­ten­ten Keimen in Krankenhäusern gibt Was also ist da so men­schen­ver­ach­tend an der von Ihnen monier­ten Aussage?

    3. Irgendwie blen­den vie­le ger­ne aus, dass wir irgend­wann alle ster­ben. Wenn ich die Wahl zwi­schen 5 Jahren Demenz oder Corona hät­te, ich wür­de Corona wäh­len – mich wird nur nie­mand fragen 

      1. Das ist der Punkt: da darf der Opa das Enkel die­ses Weihnachten nicht sehen weil die Politik doch angeb­lich dafür sorgt, dass er es dann nächs­tes Weihnachten sieht …

        Dumm nur, dass Opas auch ohne Corona ster­ben und er nächs­tes Weihnachten lei­der tot ist.

        Die Chance, sein Enkle noch­mal vor­her zu sehen hat ihm die ach so für­sorg­li­che Corowahn-Politik ein­fach genommen.

        Das ist prak­ti­zier­te Grausamkeit im Gutmenschengewandt. Dieses Gesocks ekelt mich ein­fach nur so an!

  2. Man kann auch Wendehals sagen. Ich bin sehr gespannt wie lan­ge die Medien/ Politiker sich noch trau­en so zu pala­vern. Auch wird es jetzt span­nend was am WE pas­siert in Berlin.… es sind 12–15 °C mit Sonne angesagt.
    Ich spüre/ höre und sehe das der gemei­ne Urnenpöbel sich lang­sam aber sicher aus sei­ner Angst löst und die Wut kommt hoch .… das ist gut so.

    1. @S.Andersson: dem Laschet schwant nichts Gutes wegen des dem­nächst begin­nen­den Ramadans. Das ist m.E. rei­ne Beschwichtigung für einen gro­ßen Bevölkerungsanteil in sei­nem Land.

  3. 22.08.2021, 21:59 Uhr | dpa u. a. | t‑online

    Die Umfragewerte ver­schlech­tern sich, den­noch rech­net CDU-
    Kanzlerkandidat Laschet mit einem Wahlerfolg. In einem Interview macht der Parteichef zudem allen Geimpften ein Versprechen. 

    Einen Lockdown für Geimpfte schließt er aus.

    https://www.t‑online.de/nachrichten/deutschland/bundestagswahl/id_90669502/cdu-chef-armin-laschet-30-sind-auch-drinnen-.html

    10.08.2021 | ZDF 

    NRW-Ministerpräsident Laschet ver­tei­digt die beschlos­se­nen Maßnahmen des Bund-Länder-Treffens zur Test-Pflicht von Nicht-Geimpften. Dass die­se dann die Tests selbst bezah­len müs­sen, ver­stär­ke die "Anreize zum Impfen". 

    "Geimpfte wer­den kei­nen Lockdown erle­ben"

    https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/geimpfte-werden-keinen-lockdown-erleben-100.html

    10.08.2021 | t‑online

    Merkel schließt Lockdown für Ungeimpfte nicht aus 

    https://www.t‑online.de/nachrichten/deutschland/id_90601768/nach-corona-gipfel-merkel-schliesst-lockdown-nur-fuer-ungeimpfte-nicht-aus.html

    … take part in the glo­bal STOP COVAX movement.

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