Laumann gibt den Söder

»Als Kon­se­quenz aus Ver­stö­ßen gegen die Coro­na-Schutz­maß­nah­men bei einer Hoch­zeits­fei­er in Hamm sol­len die Vor­schrif­ten nun lan­des­weit ver­schärft wer­den. "Wir wer­den in die Coro­na-Schutz­ver­ord­nung hin­ein­schrei­ben, dass Pri­vat­fei­ern zwei Wochen vor­her beim Ord­nungs­amt ange­mel­det wer­den müs­sen", sag­te NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) am Don­ners­tag dem Radio­pro­gramm WDR 2.

Außer­dem sei dabei ein Ver­ant­wort­li­cher zu benen­nen und eine Gäs­te­lis­te ein­zu­rei­chen. "Dann kann das Ord­nungs­amt sol­che Fei­ern auch mal kon­trol­lie­ren", sag­te Lau­mann. Die Fei­er in Hamm sei grö­ßer gewe­sen als erlaubt. Außer­dem sei die Teil­neh­mer­lis­te nicht in Ord­nung gewe­sen, was die Nach­ver­fol­gung erschwe­re. Die Fei­er hät­te so gar nicht statt­fin­den dür­fen.«

Das ist heu­te zu erfah­ren bei rp​-online​.de. Was war gesche­hen bei dem Ereig­nis, das wdr​.de reis­se­risch als "XXL-Hoch­zeit" beschrieb?

Ein zwei­ter Bei­trag auf rp​-online​.de berichtet:

»Aus­lö­ser des Coro­na-Aus­bruchs ist eine Groß­hoch­zeit: Am ers­ten Sep­tem­ber-Wochen­en­de (4. bis 6. Sep­tem­ber) wur­de drei Tage lang eine Hoch­zeit mit Fes­ten in Hamm und Dort­mund gefei­ert, wie Stadt­spre­cher Lukas Hus­ter auf Anfra­ge mit­teilt. Die Haupt­fei­er fand dem­nach in Dort­mund statt. Am dar­auf­fol­gen­den Wochen­en­de fand eine wei­te­re Hoch­zeit in Werl statt, bei der sich die Teil­neh­mer­krei­se über­schnit­ten. Die Stadt geht von meh­re­ren hun­dert Gäs­ten bei den Fei­er­lich­kei­ten aus, ein Groß­teil davon aus Hamm. Teil­neh­mer­lis­ten gebe es nicht oder nur unvoll­stän­dig, so Hus­ter. "In Hamm sind uns allein 309 Per­so­nen in Zusam­men­hang mit den Fei­er­lich­kei­ten bekannt." Dazu zäh­len auch Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge und Bekann­te der Hoch­zeits­gäs­te. Sie alle ste­hen der­zeit unter Qua­ran­tä­ne. Ins­ge­samt ste­hen nach Anga­ben der Stadt 116 Coro­na-Infek­tio­nen in Hamm im Zusam­men­hang mit einer Hoch­zeit, 99 Hoch­zeits­gäs­te oder Ange­hö­ri­ge sind aktu­ell infiziert.«

Das ist der Hammer!

Es gab also an zwei Wochen­en­den drei Fei­ern, davon eine in Hamm. Sie war noch nicht ein­mal die Haupt­fei­er. Recht inkon­sis­tent erfah­ren wir vom Stadt­spre­cher nicht etwa, wie­vie­le Men­schen aus Hamm dabei waren, son­dern von "allein 309 Per­so­nen", die dort bekannt sei­en und jeden­falls unter Qua­ran­tä­ne ste­hen, wäh­rend 99 Fei­ern­de oder Ange­hö­ri­ge "infi­ziert", ver­mut­lich also posi­tiv getes­tet, seien.

Wei­ter ist zu hören von "116 Coro­na-Infek­tio­nen in Hamm im Zusam­men­hang mit einer Hoch­zeit". Die Rede ist nicht von die­ser Hoch­zeit, und auch der Zeit­raum, auf den sich die Anga­be bezieht, bleibt unklar.

(Gast­bei­trä­ge zum The­ma "Kalau­er in Zei­ten von Coro­na" wer­den ger­ne entgegengenommen.)

»Bekannt wur­de die "Superspreading"-Hochzeit erst­mals am 12. Sep­tem­ber, als die Kon­tak­te von zwei Coro­na-Infi­zier­ten ver­folgt wur­den. In den Tagen danach wur­den wei­te­re Infek­tio­nen in die­sem Zusam­men­hang bekannt.«

In wel­cher Wei­se die­se Anga­be mit die­sem Tweet von C. Dros­ten in Über­ein­klang gebracht wer­den kann, bleibt hier unerörtert:

Wider­sprüch­lich geht der Bericht auf rp​-online​.de weiter:

»An den bei­den Sep­tem­ber-Wochen­en­den sol­le es in einer Dort­mun­der Event­hal­le Hoch­zeits­fei­ern mit Gäs­ten aus dem­sel­ben fami­liä­ren Umfeld gege­ben haben, sagt der Dort­mun­der Stadt­spre­cher Maxi­mi­li­an Löch­ter. Auch hier ist die Teil­neh­mer­an­zahl nicht bekannt. Die Fei­er sei dem Ord­nungs­amt nicht bekannt gewe­sen, so der Spre­cher. Die Coro­na-Schutz­ver­ord­nung sieht weder eine Geneh­mi­gungs- noch eine Mel­de­pflicht vor, des­halb habe es auch kei­ne Kon­trol­len gege­ben. Das Ord­nungs­amt erfah­re "allen­falls im Nach­gang von sol­chen Ver­an­stal­tun­gen", sagt Löchter.

Vom mög­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen dem Coro­na-Aus­bruch in Hamm und den Fei­ern in Dort­mund erfuhr die Stadt nach eige­nen Anga­ben am ver­gan­ge­nen Frei­tag. Dar­auf­hin kon­tak­tier­te das Ord­nungs­amt den Hal­len­be­trei­ber, der der Stadt die Daten der Mie­ter an den bei­den Wochen­en­den gab. Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de kon­trol­lier­te das Ord­nungs­amt dann Hoch­zei­ten in der Loca­ti­on: Am Sams­tag waren rund 230 Gäs­te anwe­send. Gemäß der Coro­na-Schutz­ver­ord­nung wären maxi­mal 150 Men­schen ohne Min­dest­ab­stand und Mund-Nasen-Schutz erlaubt gewe­sen. Dar­auf­hin wur­de die Fei­er vor­zei­tig auf­ge­löst. Außer­dem sei­en Män­gel bei der Kon­takt­da­ten-Erfas­sung fest­ge­stellt wor­den. Den Hal­len­be­trei­ber erwar­tet ein vier­stel­li­ges Bußgeld.

Ulrich Cani­sius, Spre­cher der Stadt Werl, sag­te am Mitt­woch, dass die betrof­fe­ne Fei­er am 12. Sep­tem­ber in Werl statt­ge­fun­den habe. Der­zeit besor­ge man die Teil­neh­mer­lis­ten der Ver­an­stal­tung, um die­se anschlie­ßend ans Gesund­heits­amt des Krei­ses Soest zu geben.«

Die Stadt Hamm hat u.a. fol­gen­de Vor­schrift erlassen:

»Fei­ern: Anzei­ge oder Genehmigung
Pri­va­te Fei­ern mit gesel­li­gem Cha­rak­ter (z. B. run­de Geburts­ta­ge, Hoch­zei­ten, Jubi­lä­en) sind ab sofort ab einer Teil­neh­mer­zahl von 25 Per­so­nen anzei­ge­pflich­tig. Ab 50 Teil­neh­mern bis zur Ober­gren­ze von 150 Teil­neh­mern müs­sen Fei­ern von der Stadt Hamm geneh­migt wer­den. Als ver­pflich­ten­der Bestand­teil der Anzei­ge bzw. des Antrags müs­sen außer­dem Lis­ten über die vor­aus­sicht­li­chen Teil­neh­mer der Ver­an­stal­tung sowie ein Hygie­ne- und Infek­ti­ons­schutz­kon­zept ein­ge­reicht werden.«

Sie teilt fer­ner mit:

»In Hamm sind zur­zeit 196 Per­so­nen akut mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert (Stand: 24.09.2020; 12 Uhr), gegen­über dem Vor­tag gibt es 22 Neuinfektionen.

13 Per­so­nen befin­den sich in sta­tio­nä­rer Behand­lung, es befin­det sich eine Per­son auf der Inten­siv­sta­ti­on. 38 vor­er­krank­te Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit nach­ge­wie­se­ner Coro­na-Infek­ti­on sind ver­stor­ben. 710 Per­so­nen sind bereits von der Infek­ti­on gene­sen und gel­ten als geheilt. In Qua­ran­tä­ne sind der­zeit 2.573 Personen.

Der 7‑Ta­ge-Inzi­denz-Wert (Infek­tio­nen in den zurück­lie­gen­den sie­ben Kalen­der­ta­gen pro 100.000 Ein­woh­ner) beträgt für Hamm 95,5 (= 171 Neu­in­fi­zier­te in den letz­ten sie­ben Kalen­der­ta­gen). Das RKI selbst, das die Zah­len mit zeit­li­chem Ver­zug ver­öf­fent­licht, weist für Hamm einen Wert von 88,2 aus.«

Es gibt kei­ner­lei Infor­ma­ti­on dar­über, ob sich unter den 13 Per­so­nen in sta­tio­nä­rer Behand­lung ein Hoch­zeits­gast befindet.

Nach Anga­ben des RKI ent­spre­chen die 38 "an und mit" Coro­na Ver­stor­be­nen bei einer Bevöl­ke­rungs­zahl von 179.111 einer Todes­ra­te von 0,02 Pro­zent. Hamm ver­zeich­net ins­ge­samt 917 "Fäl­le" seit Chris­ti Geburt.

(Her­vor­he­bun­gen nicht in den Originalen.)

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