Linke: "Denkfaulheit, Opportunismus und ein Totalausfall"

Prof. Dr. Michael Klundt vom Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften an der Hochschule Magdeburg-Stendal hat­te am 9.9. in der Kinderkommission des Deutschen Bundestages u.a. konstatiert:

»„Die Covid 19-Pandemie hat die sozia­le Polarisierung ver­stärkt“, stell­te Klundt fest. Familien sei­en unter Druck gera­ten. Das Kontaktverbot tref­fe beson­ders Arme, Obdachlose und Flüchtlinge, Partizipationsmöglichkeiten schwän­den. „Die Privilegierten konn­ten ihren Vorsprung aus­bau­en, die bereits Benachteiligten wer­den noch stär­ker benachteiligt.“«

Ein Video die­ser inter­es­san­ten Sitzung gibt es hier ("Experten rügen Be­schnei­dung von Kin­der­rechten wäh­rend Corona scharf"). Auf nachdenkseiten.de geht er mit Teilen der Linken hart ins Gericht:

»Woran liegt es, dass gera­de in die­ser Situation kri­ti­sche Stimmen von lin­ker Seite feh­len, die die Maßnahmen hinterfragen?

Das fra­ge ich mich auch den gan­zen Tag. Denkfaulheit, Opportunismus und ein Totalausfall fal­len mir da bei eini­gen wirk­lich wich­ti­gen Akteuren in Politik, Medien und Wissenschaft auf. 

Leider mein­ten sich offen­bar eini­ge an Robert Habeck ori­en­tie­ren zu müs­sen, als er sag­te, dass nun „nicht die Stunde der Opposition, son­dern die Stunde der Verantwortung“ sei. Ein sehr pro­ble­ma­ti­scher Satz für die par­la­men­ta­ri­sche Demokratie, da er Opposition als etwas schein­bar Verantwortungsloses dar­stellt und nicht als etwas für eine Demokratie Lebensnotwendiges. Dabei wäre eine offen­si­ve Linke und ihre kla­re Kritik an den kata­stro­pha­len Arbeits‑, Eigentums- und Lernbedingungen sowie den unter­schied­li­chen kapi­tal­kon­for­men Krisenlösungsmustern in einem teil­pri­va­ti­sier­ten und an Wettbewerbskriterien ori­en­tier­ten Gesundheits- und Pharmasystem so lebenswichtig.

Und gera­de für Linke soll­te eigent­lich klar sein, dass selbst gleich­klin­gen­de Maßnahmen in unter­schied­li­chen Gesellschaftssystemen meist Unterschiedliches bedeu­ten. Kurz gesagt: Ein Lockdown in Kuba oder China bedeu­tet etwas ande­res als ein Lockdown in Kenia oder Deutschland, also in einem kapi­ta­lis­ti­schen Kontext etwas ande­res, als in einem sich zum Sozialismus hin ent­wi­ckelnd wol­len­den Gesellschaftswesen.

Ist die Linke in Sachen Corona zu „sys­tem­kon­form“?

Vielleicht soll­te man das nicht gene­ra­li­sie­ren. Aber wer sich sei­ne Regierungsbeteiligungsträume durch Unterstützer von Aufrüstung und Angriffskriegs-Bündnissen auf Seiten der erwünsch­ten Traumpartner nicht madig machen las­sen will (geschwei­ge denn vom Cum-Ex- und Wirecard-Kanzlerkandidaten), schaut offen­bar auch an ande­rer Stelle mal nicht so genau hin. Denn Drosten und Wieler nicht zu 100 Prozent nach­zu­be­ten, heißt doch nicht zwangs­läu­fig, Bhakdi und Wodarg zu glo­ri­fi­zie­ren. Es kann doch auch ein­fach hei­ßen, mal auf Streeck oder Kekulé zu hören oder Allmendinger oder die Autorengruppe um Schrappe, Glaeske und ande­re Gesundheitswissenschaftler/innen oder den Niedersächsischen Ethikrat wenigs­tens ein­zu­be­zie­hen – geschwei­ge denn ande­re Medizinerinnen, Kinderärzte, Psychologinnen, Pädagogen und Kindheitswissenschaftlerinnen.

Und selbst wer das alles ablehnt und nur Drosten in allen (nicht nur viro­lo­gi­schen) Fragen um Corona gel­ten lässt, muss sich doch zumin­dest bewusst machen, dass die dar­auf basie­ren­den poli­ti­schen Maßnahmen in Krankenhäusern, in Kitas, Schulen, auf Sportplätzen, in Bussen und Bahnen, an Arbeitsplätzen kei­nes­wegs so ein­deu­tig und allei­ne von Drosten beur­teilt und ent­schie­den wer­den kön­nen. Wenn man jedoch Kontroversität und Pluralität ablehnt, kann man auch kaum über Jugendhilfe, Partizipation und Kinderarmut dis­ku­tie­ren wollen.

Medien bezeich­nen Bürger, die die Maßnahmen kri­ti­sie­ren, rasch als „Corona-Leugner“. Was ist Ihre Beobachtung? Haben wir ein Problem mit einer offe­nen Diskussion um die Maßnahmen?

Zweifellos kann, wer sich ernst­haft Sorgen macht wegen auto­ri­tä­rer Tendenzen von Notstandsgesetzen in einer Pandemie, sei­nen Protest nicht ehr­lich vor­tra­gen neben Leuten, die ins­ge­heim bis ganz offen von einer faschis­ti­schen Notstands-Diktatur träu­men. Davon abge­se­hen ist die Verdachts-Kultur in Deutschland gera­de wie­der sehr hoch­ge­schraubt, und zwar von allen Seiten. Gerne wer­den Verdachts-Argumentationen und mono­li­thi­sches Denken repro­du­ziert. Der Nazi-Vorwurf wird von ver­schie­de­nen Seiten infla­tio­när gebraucht, jede Seite wirft der ande­ren Seite vor, „über Leichen“ zu gehen. Gegenseitige Unterstellung von Eiseskälte gegen­über den Opfern der jewei­li­gen Handlungen bzw. Praxen oder igno­rie­ren­de Haltungen herr­schen vor: Corona-Opfer ver­sus Kollateral-Opfer von Corona-Maßnahmen. „Wir“ sind „die“ Wissenschaft – Ihr seid nur bös­wil­li­ge Scharlatane.

Wer aller­dings vehe­ment behaup­tet, vie­le der Corona-Toten sei­en doch gar nicht an, son­dern höchs­tens mit Corona gestor­ben (viel­leicht auch durch Fehlbehandlung, man­geln­de Schutzmittel und kaputt­ge­spar­te Gesundheitssysteme), darf zumin­dest nicht vor­schnell behaup­ten, dass rea­le oder erfun­de­ne tote Kinder selbst­ver­ständ­lich ein­zig und allein durch Masken getö­tet wur­den. Umgekehrt, die Leichen der Kollateralschäden schlicht leug­nend und über­ge­hend, dem (ein­ge­bil­de­ten) Feind/Kontrahenten aber sofort unter­stel­lend, ist eben­falls äußerst nied­ri­ges Diskurs-Niveau…

Sie sag­ten, der Diskurs ist nicht nur inner­halb der wis­sen­schaft­li­chen Community ver­gif­tet, son­dern generell.

Absolut. Wie schon gesagt neh­men die gegen­sei­ti­gen Nazi-Vorwürfe über­hand – wohl­ge­merkt von bei­den Seiten. Während die einen bei über 40.000 Demonstranten nur die vier Reichskriegsflaggen am Rande und kei­nen ein­zi­gen, sich von Rechtsextremisten distan­zie­ren­den Demo-Redner sehen bzw. zei­gen, ver­mu­ten die ande­ren beim Medien-Mainstream gleich „Führerbefehl“ und „Gleichschaltung“ (Dr. Fuellmich in Anhörung des Corona-Ausschuss), „Corona-Diktatur“ (Ken Jebsen), „Faschistische Diktatur“ (Dr. Bodo Schiffmann) und „Kindermord durch Masken“.

Anders gesagt, ein eini­ger­ma­ßen ratio­na­les Gespräch, in wel­chem der eige­ne Irrtum für mög­lich gehal­ten und dem Kontrahenten zumin­dest for­mal zuge­stan­den wird, dass sei­ne Argumentation nicht zwangs­läu­fig falsch und nie­der­träch­tig moti­viert sein muss, kommt nicht mehr zustan­de (vgl. als Ausnahme das Streitgespräch mit dem Berliner Innensenator in der ZEIT v. 1.10.2020).

Auch als das so genann­te „Infektionsschutzgesetz“ beschlos­sen wur­de, ging es rau zu.

Die Gegner rie­fen laut­hals und NS-ver­harm­lo­send „Ermächtigungsgesetz“, gleich­zei­tig aber berich­te­ten man­che Mainstream-Medien über die Pöbeleien im Reichstagsgebäude durch AfD-Gäste so dra­ma­ti­sie­rend und eben­falls NS-ver­harm­lo­send, als sei­en die Handvoll AfD-Brüller mit SA-Truppen und deren Terror wäh­rend des Beschlusses zum his­to­ri­schen NS-Ermächtigungsgesetz 1933 gleich­zu­set­zen. Das Gleiche gilt selbst­ver­ständ­lich auch für diver­se Indienstnahmen von Anne Frank oder Sophie Scholl. Sie mögen im einen oder ande­ren Fall begrün­de­ter sein oder nicht, pro­ble­ma­tisch sind sie alle­mal. Ob sie aller­dings aus­rei­chen, um alle soge­nann­ten Querdenker als ver­kapp­te Rechtsextremisten dar­zu­stel­len, erscheint zumin­dest fraglich.

In die­sem Klima ist die drin­gend ange­brach­te ratio­na­le Diskussion über real vor­han­de­ne Verhältnisse kaum noch mög­lich, oder?

Natürlich gibt es Sachverhalte, die jen­seits vom gro­ßen Verschwörungsgedanken und jen­seits von Beschimpfung und Verachtung dis­ku­tiert wer­den müss­ten. Alleine schon die Betonung von sozio-öko­no­mi­schen Interessen an der Vermarktung von Testmaterial, Impfstoffen und Medikamenten ist in einer kapi­ta­lis­ti­schen Gesellschaft nicht von der Hand zu wei­sen. Und wenn die Frankfurter Rundschau vom 15.12.2020 über Rechercheergebnisse berich­tet, wonach zehn­tau­sen­de Ärztinnen und Ärzte in Deutschland von der Pharma-Industrie „geför­dert“ wer­den, muss uns das alle in der gegen­wär­ti­gen Impfhysterie-Zeit auf­hor­chen las­sen – auch und vor allem im Interesse der Unabhängigkeit der Mediziner selbst. Man darf sol­che Perspektiven nicht ein­fach mit der plat­ten Entgegnung „Verschwörungstheoretiker“, „Corona-Leugner“ oder „Covidiot“ abtun.

Maß und Ziel schei­nen auf bei­den Seiten abhan­den gekom­men zu sein?

So ist es. Die einen hän­gen also an den Lippen des gelern­ten Tiermediziners Lothar Wieler vom Robert Koch-Institut und an denen des gelern­ten Bankkaufmanns im Gesundheitsministerium, Jens Spahn, als wären sie die ein­zi­gen sach­kun­di­gen Fachleute in „Corona-Fragen“ auf der gan­zen Welt.

Und die anderen?

Die sehen sol­che Leute und füh­ren­de Akteure im Mainstream gemein­sam mit der Bill und Melinda Gates Stiftung sowie ande­ren Pharma-Industriellen als Teil eines kor­rup­ten „Pharma-Tech-Komplexes“ – des­sen wirt­schaft­li­che Interessen trotz aller Widerreden auch nicht voll­stän­dig in Abrede zu stel­len sind. Das berich­te­te übri­gens selbst der Deutschlandfunk bis 2018 mehr­fach, hat das dann aber seit 2020 erstaun­li­cher­wei­se aus sei­nen Archiven gelöscht bzw. im Titel abge­än­dert (vgl. hier).

Wenn dann der Bundesgesundheitsminister uns stän­dig mit Charaktertests und Charakterfragen erzie­hen möch­te, aber anschei­nend nicht ein­mal sel­ber den „Charakter“ hat, das Restaurant zu infor­mie­ren, in dem er drei Tage vor sei­ner Positivtestung geses­sen hat, wäre auch das kein beson­ders cha­rak­ter­vol­ler Infektionsschutz. Und auch sei­ne Quarantäne in einer Dahlemer Millionenvilla sah sicher­lich oben­drein etwas kom­for­ta­bler aus als die von betrof­fe­nen Kindern in engen Hochhaussiedlungen von Marzahn oder Wedding. Auch das soll­te nicht igno­riert wer­den. Wir soll­ten in all die­sen Fragen die sozia­le Ungleichheit und die sozia­le Frage nicht ver­ges­sen. Unterschiedliche Maßnahmen wir­ken auf unter­schied­li­che Gruppen auch unterschiedlich…

Lassen Sie uns noch­mal den Bogen zurück zum Thema „Kinder“ schla­gen. Haben Sie Forderungen an die Politik? Was müss­te jetzt zum Wohle der Kinder in der Corona-Krise getan werden?

Zu beob­ach­ten ist, wie Deutschland sich unter der Corona-Krise rück­wärts bewegt. Viele Millionen Menschen wer­den in Kurzarbeit geschickt. Durch das weg­fal­len­de Einkommen ent­ste­hen ten­den­zi­ell Armutslagen und sozia­le Polarisierung. Durch Coronamaßnahmen wer­den die Bildungsungleichheiten noch zuneh­men. Hinzu kommt, dass die in der Regel etwa 20 Prozent höhe­ren Einkommen der Männer wie­der deut­li­cher an Bedeutung gewin­nen und die Re-Traditionalisierung geschlecht­li­cher Arbeitsteilung begüns­ti­gen. Eine Reprivatisierung sozia­ler Risiken wird beför­dert, wonach jeder sei­nes eige­nen gesund­heit­li­chen, fami­liä­ren und gesell­schaft­li­chen Glückes Schmied sei. Dies sind ein­deu­ti­ge Hinweise auf einen gesell­schaft­li­chen Rückschritt im neo­li­be­ra­len Zeitalter.

Auch des­halb ist zunächst eine gründ­li­che und kri­ti­sche Analyse des vor­herr­schen­den Diskurses in Medien, Politik und Wissenschaft notwendig.

Dabei müs­sen die Perspektiven und die Partizipation der Kinder in den Vordergrund rücken. Daran anknüp­fend gilt es, Konzepte zur Armutsbekämpfung zu ent­wi­ckeln. Wichtig ist die Förderung sozia­ler Infrastruktur, das heißt zum Beispiel von Vereinen und Jugendclubs, mit denen Kinder und Jugendliche sich bes­ser ein­brin­gen und inte­grie­ren können.

Konkret heißt das, ers­tens Maßnahmen gegen Armut und zur sozia­len Absicherung der Kinder und Familien zu ergrei­fen. Zweitens müs­sen die kin­der­recht­li­chen Prinzipien des Kindeswohlvorrangs, des Schutzes, der Förderung und vor allem der Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Jugendverbänden (wie­der) auf­ge­baut bzw. umge­setzt wer­den. Damit ver­bun­den sind drit­tens Maßnahmen für einen (pan­de­mie­ge­rech­ten) Ausbau der sozia­len Infrastruktur im Wohnumfeld v. a. mit­tels Jugendhilfe und offe­ner Arbeit.

Anmerken möch­te ich noch: Dabei dür­fen wir zugleich den gesell­schafts­po­li­ti­schen Kontext einer immer rei­cher wer­den­den Gesellschaft nicht aus den Augen ver­lie­ren. Wenn wir dar­über reden, wie wir die Lebenssituation von Kindern ver­bes­sern kön­nen, dann muss sich auch über Fragen von Macht und Herrschaft aus­ein­an­der­ge­setzt wer­den. Es muss sich mit den Profiteuren der vor­han­de­nen neo­li­be­ra­len Ordnung aus­ein­an­der­ge­setzt wer­den.«

10 Antworten auf „Linke: "Denkfaulheit, Opportunismus und ein Totalausfall"“

  1. Beidseitiges Verständnis ein­zu­for­dern, wenn die einen unter­drü­cken und Existenzen ver­nich­ten, aber die ande­ren unter­drückt und in ihrer Existenz ver­nich­tet wer­den, ist gar nicht so wei­se, wie es sich aus dem eige­nen Mund anhö­ren mag.

  2. Wenn Menschen in einer Gesellschaft zusam­men leben (müs­sen) kann es nicht falsch sein zu ver­lan­gen dass sie vor­aus­set­zungs­los mit­ein­an­der reden. Bzw. dass sie es so ein­rich­ten dass eben dies geht.
    An die­ser schlich­ten Einsicht führt mei­nes Wissens kein Weg vorbei.

  3. Hier auch wie­der ein Klassiker der "Herrschende-Meinung-Gerechter-Diskurs"-Schlagseite:

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=68271

    "Coronamaßnahmen, Kinder und die Linke …"

    Auch wenn Michael Klundt viel rich­ti­ges sagt, mit den Sätzen 

    "Der Nazi-Vorwurf wird von ver­schie­de­nen Seiten infla­tio­när gebraucht, jede Seite wirft der ande­ren Seite vor, „über Leichen“ zu gehen. Gegenseitige Unterstellung von Eiseskälte gegen­über den Opfern der jewei­li­gen Handlungen bzw. Praxen oder igno­rie­ren­de Haltungen herr­schen vor: Corona-Opfer ver­sus Kollateral-Opfer von Corona-Maßnahmen. „Wir“ sind „die“ Wissenschaft – Ihr seid nur bös­wil­li­ge Scharlatane."

    spielt er der Herrschaftsmeinung in die Hände. Es ist doch ein Witz, wenn man die völ­lig mar­gi­na­li­sier­te Meinung der einen Seite der glei­chen Kritik aus­setzt, wie die über­do­mi­nan­te Meinung der ande­ren Seite.

    Klar mag es Kritiker geben, die Nazi-Vorürfe erhe­ben – aber das kann man doch nicht ernts­haft auf die glei­che Stufe stel­len wie die VÖLLIG UNBEGRÜNDETEN um ein viel­fa­ches häu­fi­ger und laut­stär­ker erho­be­ne Covidiot- und Nazi-Vorwürfe von Politik und Medien und div. Lautsprechern in den Hauptmedien gegen uns klei­ne Kritikerschar.

    Es ist ein altes Herrschaftsinstrument den Gegner zu bän­di­gen, indem man ihm eine viel grö­ße­re Last an Moral und Korrektheit auf­er­legt, als man selbst trägt. Sehr beliebt ist dazu, die eige­ne Haltung auf­zu­spal­ten, etwa nach dem "good cop – bad cop"-Prinzip. Da gibt es dann wel­che, die brav und schein­bar anstän­dig mah­nen – und ein paar Kettenhunde, die bös­ar­tigst bel­len und schnap­pen. Aber mit letz­te­ren haben ers­ter natür­lich angeb­lich über­haupt nichts zu tun – wäh­rend bei den Kritikern immer alle für alles ver­ant­wort­lich sind: der bedäch­tigs­te Kritiker ist auch für jeden Spinner und Idioten "aus sei­nen Reihen" mitverantwortlich.

    So lan­ge die Asymetrie die­ser Verhältnisse nicht klar auf­ge­zeigt und vor allem auch beim Diskurs berück­sich­tig wird, ist die Position, die weni­ger Reichweite, weni­ger Personal, weni­ger Mittel und Zeitressourcen zur Verfügung hat IMMER im Nachteil – also unsere.

    Wer sich selbst ein engs­tes Moralkorsett anlegt beim Kampf gegen einen über­mäch­ti­gen, von jeder Hemmung befrei­ten, mit ALLEN MITTELN kämp­fen­den Gegner hat auch schon verloren.

    Ich rufe damit nicht dazu auf, eben­so die mie­sen Mittel der Gegenseite anzu­wen­den – aber ich for­de­re: klar zu benen­nen was Sache ist, muss immer erlaubt sein.

    Wenn offen­sicht­li­che PR-Agenten einen Diskurs, eine Meinungsbildung stö­ren wol­len, muss das auch klar benannt wer­den kön­nen. Wer wür­de denn sich län­ger mit einer Person aus­ein­an­der­setz­ten, die steif und fest behaup­te­te, die Himmelsfarbe sei grün, schon immer gewe­sen. Und nach jedem Gegenargument oder Benennung eines gegen­tei­lig sich äußern­den Zeugens oder Zeugnisses wür­de die fal­sche Behauptung unbe­ein­druckt immer wie­der und wie­der kom­men. Ist das nor­mal, dass man sich mit so einem Menschen immer wei­ter auf glei­cher Ebene aus­ein­an­der setzt? Was ist hier anders mit die­ser Ane-Marie, Markus, Dominik, … ?

    Was sol­len das eigent­lich für Menschen sein, die angeb­lich ihre Freizeit opfern, um in einen Blog zu gehen, der ihrer angeb­li­chen Meinung nach nur Unsinn und Verschwörungstheorien ver­brei­tet und in dem sich ihre geäu­ßer­te Meinung nach nur Spinner tum­mel­ten? Wer wür­de denn so etwas machen? Wer, Herr Aschmoneit? Würden Sie etwa mit Ihrer Einstellung einen Hardcore-Naziblog regel­mä­ßig besu­chen und dort "Aufklärungsarbeit" leis­ten wol­len? Sehen Sie denn eigent­lich gar nicht, dass die­se angeb­li­chen legi­ti­men Blogkommentatoren völ­lig schräg drauf sein müss­ten, wenn man sie "ernst" (als frei sich äußern­de Personen) neh­men würde?

    Was rich­ten Sie mit ihrem Blog an, wenn Sie sol­chen offen­sicht­li­chen Störern frei­es Schreibrecht bei sich ein­räu­men? Was da her­aus­kommt sieht man am Telepolis-Blog: sinn­lo­ses, von Moderatoren und Agenten gesteu­er­tes Gelaber ohne Sinn und Ziel. Wirkungslos gemach­tes Widerstandspotential!

  4. In einem weit­ge­hend klu­gen Interview ver­mis­se ich eine gewis­se Demut:
    Klundt setzt sich ins gemach­te Nest der gemä­ßig­ten, ana­ly­sie­ren­den und ver­mit­teln­den Mitte. Doch wer hat das Nest gebaut?
    Auf der einen Seite nar­ziss­ti­sche Hysteriker: Drosten und Spahn. Auf der ande­ren erbos­te Spielverderber: Wodarg und Bhakdi. Diese span­nen aber erst für Herrn Klundts fast pas­to­ra­le Weisheit auf.
    Drum sagt man auch schonmal:
    "Eine Demokratie muss so was aus­hal­ten". Sie muss es nicht nur aus­hal­ten, sie lebt davon.

  5. "erbos­te Spielverderber"

    sicher, die eine Seite, die Seite der Gewinner, die Seite der "Halter der Bank", die Seite der Inhaber der Geld- und Machtmittel, der Regulative, der Themensetzer und Stichwortgeber, der Gesetzes- und Verordnungsmacher, …, die sehen das viel­leicht als ein Spiel an.

    Aber haben die "erbos­ten Spielverderber" nicht allen Grund erbost zu sein? Es ist ja nicht nur das Wissen, dass man Recht hat mit sei­nen Argumenten (klar, das denkt jeder anstän­di­ge Mensch von sei­nen gut begrün­de­ten Gedanken) – es ist zusätz­lich das unbe­strit­ten rich­ti­ge Wissen, dass man ja eigent­lich auch das Recht hät­te, ein­fach nur GEHÖRT ZU WERDEN, und einem die­ses Recht ver­wei­gert wird. Es ist ja die objek­tiv fest­zu­stel­len­de Tatsache, dass die Ausgewogenheit in Politik und öffent­li­cher Darstellung fehlt, die Objektivität des Ausgleichs fehlt, der wesent­li­che Aspekt der Wahrheitsfindung "audia­tur et alte­ra pars" völ­lig miss­ach­tet wird, .…

    ich kann immer nur dar­auf hinweisen:

    es geht hier nicht um zwei gleich­wer­ti­ge Standpunkte von denen nur einer nicht aus­rei­chend gehört wird.

    Es geht hier um die Fronten zwi­schen zwei­er unter­schied­li­cher Positionen bei wel­cher die einen die Meinungshoheit, Regierungs-Macht, Geld- und Einflussmacht inne­hat – und die ande­re nichts gleich­wer­ti­ges auf­zu­bie­ten hat

    - außer die bes­se­ren Argumente und Analysen und Realitätsdeutungen.

    Aber das zählt alles nichts, wenn die ande­re Seite durch pure Dominanz sou­ve­rän und mono­po­lis­tisch alles beherrscht.

  6. Grundsätzlich ein ers­ter Versuch, die Brücke wie­der zu schlagen!
    Andererseits wird recht blau­äu­gig der Ernst der Lage ver­kannt, indem bestehen­de Antagonismen, die lei­der in jedem aus­ge­präg­ten Kapitalismus zwi­schen Arm und Reich, zwi­schen Konzern- und Verbraucher-Interessen, zwi­schen Arbeitgebern und Lohnabhängigen, zwi­schen Hausbesitzern und Mietern, zwi­schen Klinikbudget und Patienten-Interessen usw. bestehen, nivel­liert, ver­harm­lost und ver­schlei­ert wer­den. Grundsätzlich aber ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Richtung.

  7. @Albrecht Storz:
    "Wer wür­de denn sich län­ger mit einer Person aus­ein­an­der­setz­ten, die steif und fest behaup­te­te, die Himmelsfarbe sei grün…"

    Vielleicht fän­de die­se Person in Homer einen geneig­ten Gesprächspartner. Ihm war die Farbe (nicht nur) des Himmels unwesentlich.

  8. "Coronarebellion gegen mas­kier­te Demokratie Falsche Ziele Die Pandemie ist Kulminationspunkt einer chro­ni­schen Krise
    Bei die­sem Beitrag han­delt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
    Die ent­schei­den­den Auseinandersetzungen ste­hen noch aus: die Kämpfe um die Verteilung der pan­de­mie­be­ding­ten Profite und Lasten. Um Position bezie­hen zu kön­nen, reicht es nicht, nur auf das Virus und die Maßnahmen der Bundesregierung zu starren. …"
    Fazit: "Die meis­ten Menschen emp­fin­den Maßnahmen wie Schutzmasken und Abstandsregeln als ange­mes­sen und not­wen­dig, und sei es nur als Geste der Rücksichtnahme und Solidarität. Viele kri­ti­sie­ren eher die dras­ti­sche Verschärfung der sozia­len Ungleichheit und den wach­sen­den deut­schen Militarismus. Das Virus wird beson­ders gefähr­lich in einem System, das Kapitalinteressen über die Bedürfnisse von Menschen stellt. So möch­te man den (quer?)denkenden DemonstrantInnen zuru­fen: Leute, kämpft für die rich­ti­gen Ziele! Nicht gegen Maske und Abstandsregeln, son­dern für Menschenrechte, sozia­le Gerechtigkeit und Frieden!"
    https://www.freitag.de/autoren/grammer/coronarebellion-gegen-maskierte-demokratie

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