Malochen mit Covid-19: Die "modifizierte Quarantäne" für Krankenhauspersonal macht es möglich

Wie das Coro­na-Manage­ment die Arbeits­be­din­gun­gen in den Kli­ni­ken noch mehr ver­schlech­tert, ist heu­te in "jun­ge Welt" zu lesen:

"Wenn sich in einem Kran­ken­haus wie jüngst in Leip­zig das Coro­na­vi­rus aus­brei­tet, dann ist nur sel­ten von einem Aus­bruch die Rede. Um der Situa­ti­on die Dra­ma­tik zu neh­men, wird vor­zugs­wei­se der etwas wol­ki­ge­re Begriff »Clus­ter« ver­wen­det. Das Beson­de­re an so einem Clus­ter im Kran­ken­haus ist, dass es anschei­nend nur die Pati­en­ten betrifft: Wer­den sie posi­tiv auf das Virus getes­tet, gel­ten sie als erkrankt und müs­sen auf der Sta­ti­on iso­liert wer­den. Für Kran­ken­schwes­tern und Ärz­te gilt das hin­ge­gen nicht: Sie kön­nen zwar auch das Virus in sich tra­gen, aber ers­tens muss das nicht jeder wis­sen. So wird das Per­so­nal in einer Kli­nik im Saa­le­kreis etwa erst gar nicht getes­tet. Und zwei­tens kön­nen Medi­zi­ner offen­bar gar nicht schwer an Coro­na erkran­ken, denn für sie gilt im Zwei­fels­fall nur eine soge­nann­te modi­fi­zier­te Quarantäne.

Hin­ter die­sem Zau­ber­wort steckt fol­gen­der Gedan­ke: Mög­li­cher­wei­se oder tat­säch­lich an Covid-19 erkrank­te Ärz­te und Schwes­tern dür­fen wei­ter­hin arbei­ten, müs­sen sich aber außer­halb der Kli­nik in häus­li­che Qua­ran­tä­ne begeben.

Nun mag man sich fra­gen, war­um erkrank­te oder der Erkran­kung ver­däch­ti­ge Medi­zi­ner für Pati­en­ten kei­ne Gefahr dar­stel­len, für gesun­de Mit­bür­ger aber schon. Man kann viel­leicht auch fra­gen, war­um der erkrank­te Otto Nor­mal­ver­brau­cher daheim blei­ben und sich scho­nen darf, der Medi­zi­ner aber bis zur künst­li­chen Beatmung ackern soll.

Die Ant­wort ist ein vages Gemisch aus durch kapi­ta­lis­ti­sche Pro­fit­gier erzeug­tem Pfle­ge­not­stand und behörd­li­cher Men­schen­ver­ach­tung. So gilt etwa in Leip­zig laut Gesund­heits­amt für die modi­fi­zier­te Qua­ran­tä­ne: Auf dem Weg zur Arbeit darf das eige­ne Grund­stück natür­lich über­quert wer­den. Ver­bo­ten ist es aber, dabei den Brief­kas­ten zu lee­ren oder den Müll zu ent­sor­gen. Wäh­rend selbst die haus­ei­ge­ne Müll­ton­ne unter kei­nen Umstän­den berührt wer­den darf, ist es geneh­migt, an Ampeln die von jeder­mann gedrück­te Tas­te zu betätigen.

Daheim gilt, auch beim blo­ßen Ver­dachts­fall: Der Abfall darf nicht mehr getrennt, son­dern muss aus­nahms­los als Rest­müll behan­delt wer­den. Beim Früh­stück im Fami­li­en­kreis heißt es dafür umso strik­ter: Tren­nung! Obwohl Tür­klin­ken, Atem­luft, Fern­be­die­nung und Toi­let­te gemein­sam benutzt wer­den, dür­fen die Kin­der wei­ter­hin zur Schu­le gehen, die modi­fi­ziert inter­nier­ten Eltern sich aber nicht ein­mal bei einem spät­abend­li­chen Spa­zier­gang im lee­ren Park die Bei­ne vertreten.

Und über all dem schwebt, einem Damo­kles­schwert gleich, das Ord­nungs­amt. In Leip­zig etwa kann es schon mal pas­sie­ren, dass die Scher­gen vom Amt die Ein­hal­tung der modi­fi­zier­ten Qua­ran­tä­ne aus­ge­rech­net dann über­prü­fen, wenn der Betref­fen­de in der Kli­nik schuf­tet. Offen­bar erlaubt eine inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lü­cke sol­che Genie­strei­che der Über­wa­chung. Wohl dem, der, wie in einem kol­por­tier­ten Fall, eine Mut­ter im Haus hat, die den dro­hen­den Buß­geld­be­scheid und damit belas­ten­den Ämter­ver­kehr abwen­den kann.

So droht den Ärz­ten und Kran­ken­schwes­tern im Arbeits­all­tag zwi­schen regu­lä­rem Betrieb und Iso­lier­sta­ti­on der Burn­out, daheim aber för­dert die behörd­lich kon­trol­lier­te Iso­la­ti­on wohl eher eine Depres­si­on…"

4 Antworten auf „Malochen mit Covid-19: Die "modifizierte Quarantäne" für Krankenhauspersonal macht es möglich“

  1. Wie lan­ge las­sen sich die Men­schen die­sen Schwach­sinn noch gefal­len? Schau­en wir mal in die Welt. Die der­zei­ti­ge Kon­sti­tu­ti­on von Nord­ko­rea exis­tiert seit 1972 also 49 Jah­re. Chi­na seit 1952 macht 69 Jah­re. Die DDR hat 41 Jah­re geschafft. Die BRD auch 41 Jah­re. Wir sind jetzt im Jahr der der­zei­ti­gen Kon­sti­tu­ti­on 20. Fast schon Halbzeit.

  2. Es wird Zeit, dass sich Leu­te dar­über infor­mie­ren, wie sie mit Buß­gel­dern umge­hen. Ein Buß­geld bie­tet näm­lich die Mög­lich­keit auf einen Gerichts­pro­zess und dort ist der Staat in der Beweis­pflicht. Das ist also eine Mög­lich­keit, die Coro­no­ia ein Stück weit gericht­lich aufzuarbeiten.

    Zum The­ma Lai­en­ver­tei­di­gung siehe:
    http://​www​.pro​jekt​werk​statt​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​d​o​m​a​i​n​_​i​d​=​4​3​&​p​=​1​0​065

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