Negatives Testergebnis hebt Quarantänepflicht nicht auf – oder doch?

So ist am 24.9. aus Öster­reich zu lesen. Was für Schul­kin­der gilt, kann für Regie­rungs­mit­glie­der ganz anders aussehen:

»Kanz­ler­amts­mi­nis­te­rin Karo­li­ne Edt­stad­ler (ÖVP) wird mit Frei­tag aus der Iso­la­ti­on ent­las­sen und kann ihren für mor­gen geplan­ten Ungarn-Besuch wahr­neh­men. Sie ist seit einer Woche in Heim-Iso­la­ti­on, weil ein Kabi­netts­mit­glied der Kanz­ler­amts­mi­nis­te­rin an Covid-19 erkrankt war. Bei wei­te­ren Tes­tun­gen ergab sich ein zwei­ter posi­ti­ver Test im Umfeld. Edt­stad­ler selbst wur­de hin­ge­gen mehr­fach nega­tiv getes­tet und hat daher ab Frei­tag die behörd­li­che Erlaub­nis, ihre Woh­nung wie­der zu verlassen.«

Son­der­re­ge­lun­gen gibt es auch für deut­sches Führungspersonal:

Wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er twittert:

Zuvor hat­te er mitgeteilt:

1.279 Men­schen gefällt das. Ob das Gesund­heits­amt invol­viert war, ist nicht zu erfah­ren. Laut Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung gibt es eigent­lich kei­nen Spielraum:

Ein­deu­tig heißt es dort: "Wann eine häus­li­che Qua­ran­tä­ne been­det wer­den darf, ent­schei­det das zustän­di­ge Gesund­heits­amt.".

Ein paar Num­mern zu klein war der Vor­sit­zen­de der Jun­gen Libe­ra­len im Kreis Vor­pom­mern-Greifs­wald. "Deutsch­land hat fer­tig. Ich bin wütend" maul­te der Rei­se­rück­keh­rer am 31.8. über die ihn tref­fen­den Regeln.

Auch für Fußball-Profis gelten Ausnahmen

»SV Wald­hof: Alle Coro­na-Tests nega­tiv – Gesund­heits­amt hebt Qua­ran­tä­ne auf…
Nach­dem bei­de Test­rei­hen auf das Coro­na-Virus beim SV Wald­hof Mann­heim in die­ser Woche nega­tiv aus­ge­fal­len sind, hat das Gesund­heits­amt Mann­heim die häus­li­che Iso­la­ti­on für alle betrof­fe­nen Per­so­nen aufgehoben.«

Das wur­de am 18.9. gemel­det, nach­dem "am Frei­tag, den 11.09.2020 zwei Per­so­nen aus der Test­grup­pe des SV Wald­hof posi­tiv auf das Coro­na-Virus getes­tet wurden".

Die Schweiz wie­der­um hält dies für richtig:

»Wer aus einem Coro­na-Risi­ko­land in die Schweiz ein­reist, muss in Qua­ran­tä­ne – auch wenn die Per­son einen nega­ti­ven Coro­na­vi­rus-Test vor­wei­sen kann. Denn ein nega­ti­ves Test­ergeb­nis schlies­se eine Infek­ti­on nicht aus, prä­zi­sier­te das BAG am Mitt­woch auf sei­ner Website.«

BAG ist das schwei­ze­ri­sche Bun­des­amt für Gesund­heit. Die Regel wur­de am 29.7. publi­ziert.

Nicht dasselbe Badezimmer benutzen!

deut​sche​-anwalts​hot​line​.de hin­ge­gen meint:

»Gut zu wis­sen: Die Qua­ran­tä­ne ist in der Regel dann been­det, wenn der Coro­na­test nega­tiv zurück­kommt. Teils sind zwei nega­ti­ve Ergeb­nis­se an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Tagen nötig.«

Das sind doch mal gute Ori­en­tie­rungs­hil­fen! Es gilt etwas in der Regel, aber nur teils. Die Anwalts­hot­line hat noch wei­te­re Tips parat:

»Gut zu wis­sen: Selbst der Gang zur Müll­ton­ne ist unter­sagt. Müll soll­te am bes­ten auf der Ter­ras­se oder im Not­fall in der Woh­nung depo­niert wer­den. Betrof­fe­ne kön­nen Freun­de aller­dings dar­um bit­ten, den Müll abzu­ho­len. Auch hier ist es bes­ser, direk­ten Kon­takt zu vermeiden.

Wer unter Qua­ran­tä­ne gestellt wur­de, muss sich strengs­tens dar­an hal­ten. Es dro­hen emp­find­li­che Stra­fen und sogar Frei­heits­stra­fen. Ist eine Per­son im Haus­halt erkrankt, soll­ten Mit­be­woh­ner den Kon­takt mei­den. Vor allem ist dar­auf zu ach­ten, nach Mög­lich­keit nicht im sel­ben Bett zu schla­fen und nicht das­sel­be Bade­zim­mer zu benut­zen.«

Es geht noch doller

»"Eine Qua­ran­tä­ne beginnt am Tag des letz­ten Kon­takts mit einer Per­son mit Covid-19. Die Dau­er der Qua­ran­tä­ne hängt mit der Inkubations­periode zusam­men. Die­ser Ansicht ist das 'Euro­päi­sche Zen­trum für die Prä­ven­ti­on und die Kon­trol­le von Krank­hei­ten' ECDC", sag­te dem BNR gegen­über Maria Schar­ko­wa, Exper­tin für Medi­zin­recht. "Ein nega­ti­ver PCR-Test einer unter Qua­ran­tä­ne gestell­ten Per­son hebt nicht die Ein­schrän­kungs­an­ord­nun­gen der medi­zi­ni­schen Behör­den auf. Falls jedoch der Test posi­tiv aus­fal­len soll­te, beginnt eine neue 14-tägi­ge Qua­ran­tä­ne­zeit. Man kann eine Qua­ran­tän­ever­ord­nung vor Gericht anfech­ten, doch das Gericht hat eben­falls 14 Tage Zeit für eine Ent­schei­dung. Die Qua­ran­tä­ne wird vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te mit Frei­heits­ent­zug gleich­ge­setzt und deren Ein­hal­tung unter­liegt ent­spre­chend einer Kon­trol­le", kom­men­tier­te die Exper­tin für Medizinrecht.«

Das erfährt man von Radio Bul­ga­ri­en am 6.7.

Neue Verordnung: Chaos an Grazer Schule wegen wechselnder Corona-Regeln

»Kei­ne kla­ren Regeln, täg­lich neue Fäl­le, Schü­ler und Leh­rer in Qua­ran­tä­ne: Die Coro­na­kri­se hält auch die stei­ri­schen Schu­len auf Trab. Nun sorg­te eine neue Ver­ord­nung für noch mehr Ver­wir­rung an einer Gra­zer Schule…

"Weil bei Kin­dern unter zehn Jah­ren die Anste­ckungs­ge­fahr gerin­ger ist als bei älte­ren Kin­dern, sehen die Vor­ga­ben des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums seit Mon­tag eine nicht so stren­ge Vor­gangs­wei­se vor. Dar­um kön­nen eini­ge Schü­ler und Schü­le­rin­nen jetzt schon wie­der in die Schu­le gehen", erklärt man im Büro des Gesund­heits­stadt­rats Robert Krot­zer (KPÖ). "Es tut uns leid, wenn es dadurch zu Ver­un­si­che­rung gekom­men ist. Beim Cont­act Tra­cing im Gesund­heits­amt wird seit sie­ben Mona­ten an den Gren­zen der Belast­bar­keit gear­bei­tet. Sich oft ändern­de Ver­ord­nun­gen der Bun­des­re­gie­rung erschwe­ren die Arbeit zusätz­lich", stellt man sich im poli­ti­schen Büro hin­ter die Mitarbeiter.«

Das ist am 24.9. auf klei​ne​zei​tung​.at zu erfahren.

Gefangenschaft dahoam

Die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet heu­te über das tris­te Leben in der Qua­ran­tä­ne für Normalos:

»Es läuft bereits die Schluss­pha­se der zwei­ten Halb­zeit hin­ter dem Fens­ter, doch die Suche nach dem Sinn ver­läuft seit Tag eins erfolg­los. 15 Tage Qua­ran­tä­ne wegen eines ver­häng­nis­vol­len Kon­takts. Da hel­fen auch zwei nega­ti­ve Tests in Halb­zeit eins nichts. Das Gesund­heits­amt tut sei­ne Pflicht und ver­hängt die Aus­gangs­sper­re. Jetzt, da der Som­mer in die Schluss­of­fen­si­ve geht, fühlt sich das alles weni­ger wie eine Sicher­heits­maß­nah­me an. Eher wie eine Stra­fe, bei der nur noch die Ket­te fehlt.«

Gassi führen mit Mundschutz – manchmal

"Darf ich in Qua­ran­tä­ne mit dem Hund Gas­si gehen?" fragt ndr​.de und antwortet:

»Da die Rege­lun­gen regio­nal unter­schied­lich sind, müs­sen Sie dies mit dem für Sie zustän­di­gen Gesund­heits­amt abspre­chen. In Kiel, der Regi­on Han­no­ver und Ham­burg* ist es bei­spiels­wei­se nicht erlaubt. In Schwe­rin darf der Hund nur dann Gas­si geführt wer­den, wenn dies nicht von Freun­den, Bekann­ten, Ver­wand­ten oder Nach­barn erle­digt wer­den kann. Das soll­te dann in den frü­hen Mor­gen- oder Abend­stun­den gesche­hen, Men­schen­an­samm­lun­gen sind dabei zu mei­den und es muss ein Mund-Nasen-Schutz getra­gen werden.«

Nicht spe­zi­fi­ziert wird, ob sich die Mas­ken­pflicht auch auf das Tier bezieht.

Müll nur nachts rausbringen in Schwerin

Schwe­rin stellt in man­cher­lei Hin­sicht einen Son­der­fall dar: "In Schwe­rin gestat­tet das Gesund­heits­amt zu Beginn der Qua­ran­tä­ne einen kur­zen Ein­kauf mit Mund-Nasen-Schutz zur Erst­ver­sor­gung." Dort gilt auch: "In Schwe­rin wird emp­foh­len, den Müll nachts raus­zu­brin­gen, weil sich dann im Trep­pen­haus wenig Men­schen auf­hal­ten. Außer­dem soll­te dabei ein Mund-Nasen-Schutz getra­gen wer­den. Glei­ches gilt für den Weg zum Brief­kas­ten im Treppenhaus."

Der NDR stellt klar:

»*Hin­weis der Redak­ti­on: In einer frü­he­ren Ver­si­on hieß es, dass es in Ham­burg wäh­rend der Qua­ran­tä­ne erlaubt ist, mit dem Hund Gas­si zu gehen und in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern den Müll raus­zu­brin­gen sowie den Brief­kas­ten zu lee­ren. Die­se Anga­ben hat die Gesund­heits­be­hör­de kor­ri­giert und weist dar­auf hin, dass Ham­bur­ge­rin­nen und Ham­bur­ger in behörd­lich ange­ord­ne­ter Qua­ran­tä­ne den pri­va­ten Wohn­ort (zum Bei­spiel Woh­nung oder Wohn­ge­mein­schaft) oder das eige­ne Grund­stück bei Haus­be­sit­zern nicht ver­las­sen dür­fen, aus­ge­nom­men zur Coro­na-Tes­tung. Bei not­wen­di­gen Besor­gun­gen soll­ten Nach­barn, Freun­de oder Fami­lie um Hil­fe gebe­ten werden.«

Auf dem Weg zur Coro­na-Tes­tung wird sich das Virus in Ham­burg ver­mut­lich im Zaum halten.

(Her­vor­he­bun­gen nicht in den Originalen.)

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