Rechtsradikale Corona-Propheten in Regierungsparteien?

Der Schweizer Tagesanzeiger berich­tet heu­te unter der Überschrift "Beschuldigte Minderheiten – Auf der Suche nach dem Corona-Sündenbock":

"Der Zürcher Imam Muris Begović ist beun­ru­higt über Anfeindungen gegen Menschen aus dem Balkan. Auch Antisemitismus nimmt zu.

Vergangene Woche ver­fass­te Muris Begović einen Alarm schla­gen­den Aufruf. «Aus Sorge um den Zusammenhalt der Gesellschaft», wie er sagt. Der Titel der 5000 Zeichen lan­gen Schrift: «Wenn Menschen zu Zahlen wer­den und Migranten wie­der schuld sind».

Darin appel­liert der Zürcher Imam an die Verantwortung eini­ger Politiker, die die aktu­el­le Corona-Krise nut­zen wür­den, um Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten zu machen. «Wie so oft schau­en wir über die Grenze und füh­ren eine Diskussion, die von dort auf­ge­setzt wird», schreibt Begović.

«Sie beset­zen unse­re Spitalbetten»
Der 39-Jährige ver­weist auf den öster­rei­chi­schen Kanzler Sebastian Kurz, der Menschen aus dem Balkan und der Türkei für den Anstieg der Corona-Infektionen in sei­nem Land ver­ant­wort­lich mache…

Das Narrativ von Kurz hält auch in der Schweiz Einzug: Migrantinnen und Migranten, die angeb­lich für die Verbreitung des Virus ver­ant­wort­lich sind. Die Gefahr, die von aus­sen kommt. Anfang Dezember reich­te SVP-Nationalrat Thomas Aeschi eine schrift­li­che Anfrage ein: «Corona-Heimkehrer aus dem Balkan und Wirtschaftsmigranten aus Afrika und ara­bi­schen Ländern beset­zen unse­re Spitalbetten.»

Aeschi spricht von «70 Prozent Migranten in Corona-Betten». Ein Wert, den er einem Artikel der «Basler Zeitung» ent­nom­men hat­te, der wie­der­um auf Schätzungen einer ein­zi­gen anony­mi­sier­ten Pflegerin beruht. Für den SVP-Politiker Dominik Straumann Grund genug für wei­te­re Spekulation: «Die ers­ten Zahlen bis vor den Herbstferien lies­sen auf eine Kumulation unter Balkanrückkehrern schlies­sen.» Um wel­che Zahlen es sich genau han­del­te, gab er nicht preis…

«Die Behauptung, dass Migranten unse­re Betten beset­zen, ist halt­los», sagt Dina Wyler von der Zürcher Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus. Zumal der aktu­el­le Diskurs auf Annahmen und nicht auf Fakten basie­re. So wer­de oft­mals nicht ein­mal zwi­schen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund unterschieden.

Laut Bundesamt für Statistik wie­sen 2019 fast 38 Prozent der stän­di­gen Bevölkerung einen Migrationshintergrund auf. Menschen mit Namen wie Krasniqi oder Basic, die nicht sel­ten in der Schweiz gebo­ren sind. «Sie arbei­ten, zah­len Steuern und haben nie in ihrem Leben eige­ne Migrationserfahrung gemacht», sagt Wyler. Der Begriff Migranten sug­ge­rie­re, dass die­se Personen erst vor kur­zem in der Schweiz seien.

Weder der Bundesrat noch die Zürcher Kantons- oder Stadtregierung zei­gen der­zeit ein Interesse, die Herkunft der Corona-Patienten zu erfas­sen. Auch das Universitätsspital Zürich (USZ) führt kei­ne Statistik. Das USZ lie­fert jedoch genaue Zahlen über die Herkunft sei­ner Mitarbeitenden. So beträgt der Ausländeranteil unter den Pflegenden fast 40 Prozent, Inländer mit Migrationshintergrund nicht eingeschlossen…

Die deut­sche Sozialhistorikerin Ute Frevert sieht das auch so. Hätten sich am Anfang der Krise alle «im glei­chen Boot» gewähnt und zur Generationensolidarität auf­ge­ru­fen, habe sich das Blatt inzwi­schen gewen­det, sag­te Frevert in einem «Magazin»-Interview vom Oktober. «Der Wunsch, ande­re zu beschul­di­gen, hat mas­siv zuge­nom­men.» Migranten, Geflüchtete, Ausländer – das sei­en jetzt wie­der die klas­si­schen Gruppen, von denen man sich abgren­ze und die man kol­lek­tiv aus­zu­gren­zen ver­su­che. «Dem Stigma des Fremden wird das Stigma des Gefährders ange­fügt.»…"

Mit wem mar­schie­ren jetzt eigent­lich die­je­ni­gen, die unter Parolen wie "Wir imp­fen Euch alle" gegen Maßnahmen-kri­ti­sche Demos mobilisieren?

2 Antworten auf „Rechtsradikale Corona-Propheten in Regierungsparteien?“

  1. Na, ihr habt hier doch schon Ideen ent­wi­ckelt, wie Eure "nazi­freie" maß­nah­men­kri­ti­sche Bewegung hei­ßen wird.

    Also los, auf die Straße damit. (Blöd nur, dass an den in Frage kom­men­den Terminen immer auch die "Maskeauf-Nazisraus" Demos statt­fin­den – man kann ja nicht an zwei Orten zugleich sein oder auf einer Demo zugleich für und gegen etwas demonstrieren.)

    Obwohl, das bekom­men die­se "Linken" auch noch hin.

  2. "Mit wem mar­schie­ren jetzt eigent­lich die­je­ni­gen, die unter Parolen wie "Wir imp­fen Euch alle" gegen Maßnahmen-kri­ti­sche Demos mobilisieren?"

    Also, wenn ich die schwei­zer GenossInnen rich­tig gele­sen habe, mobi­li­sie­ren die nach wie vor gegen Faschisten, Corona-Leugner und die Mischung aus bei­den. Geht zumin­dest aus deren Webpräsenzen her­vor, viel­leicht weiß aa aber auch anderes.

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