Wie war das noch… mit Drosten und MERS?

2014 hat­te sich Christian Drosten üppig mit selbst ver­ge­be­nen Forschungsmitteln der Öffentlichen Hand aus­ge­stat­tet, um MERS zu erfor­schen, sie­he dazu Drosten-Landt-Connection: Geld schef­feln mit Pandemien (III). Mit Olfert Landt, dem Partner auch in Corona-Tagen, hat­te er dazu publi­ziert. Hier soll in Erinnerung geru­fen wer­den, was er sei­ner­zeit Interessantes mit­zu­tei­len hat­te, von dem er sich heu­te ver­ab­schie­det hat.

https://www.sciencemag.org/news/2014/05/mers-virologists-view-saudi-arabia

»BERLIN-Christian Drosten, ein Virologe an der Universität Bonn in Deutschland, gehört zu den füh­ren­den Köpfen bei den Bemühungen, das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) zu ver­ste­hen und die Krankheit ein­zu­däm­men… ScienceInsider sprach mit ihm bei einem Zwischenstopp in Berlin.

F: In den letz­ten zwei Jahren gab es in Saudi-Arabien fast 400 MERS-Fälle und mehr als 100 Todesfälle… Saudi-Arabien hat im April mehr Infektionen gemel­det als die gan­ze Welt in den bei­den Jahren zuvor. Die Vereinigten Staaten haben am Freitag ihren ers­ten Fall gemel­det, und davor gab es impor­tier­te Fälle in Griechenland und Malaysia. Gerät die Krankheit außer Kontrolle?

C.D.: Es wur­de viel dar­über dis­ku­tiert, ob das Virus mutiert ist, um leich­ter von Mensch zu Mensch über­tra­gen zu werden…

F: Trotzdem nimmt die Zahl der Infektionen zu.

C.D.: Man kann die neu­en Zahlen nicht mit denen von vor ein paar Monaten ver­glei­chen. Bis zum 26. März wur­den in die­sem Jahr in ganz Saudi-Arabien 459 Tests durch­ge­führt. Dann wur­den in nur einem Monat, nur in der Stadt Jeddah, 4629 PCR-Tests durch­ge­führt. Etwas Dramatisches hat sich geän­dert, und das ist die Falldefinition.

Früher wur­den Tests bei Patienten durch­ge­führt, die eine Lungenentzündung hat­ten und [Intensivpflege] benö­tig­ten. Aber jetzt wer­den Menschen getes­tet, nicht weil sie krank sind, son­dern weil sie Kontakt mit einem Patienten hat­ten. Einige von ihnen wur­den posi­tiv getes­tet, aber vie­le von ihnen sind nicht wirk­lich krank.

F: Könnten die Testergebnisse falsch sein?

C.D.: Nein, als ich in Jeddah war, habe ich das Zentrallabor, in dem die gesam­te PCR für MERS durch­ge­führt wird, wirk­lich getes­tet. Ich habe sie fast 200 PCRs mit Wasser durch­füh­ren las­sen, durch­setzt mit eini­gen ech­ten Proben. Die Tests wur­den auf allen Geräten durch­ge­führt, die sie benut­zen, mit zwei ver­schie­de­nen PCR-Assays und von zwei ver­schie­de­nen Technikern. Zu mei­ner Überraschung gab es über­haupt kei­ne falsch-posi­ti­ven Ergebnisse.

Wir haben auch Proben von sechs Mitarbeitern des Gesundheitswesens, die einen Patienten in Tabuk betreut hat­ten, erneut getes­tet; sie schie­nen in sehr gerin­gem Umfang posi­tiv zu sein. Ich kann ein­deu­tig sagen, dass die­se Ergebnisse echt sind. Wenn man sich die PCR-Daten aller neue­ren Tests anschaut, sind das oft sehr schwa­che Signale. Diese Leute haben wahr­schein­lich nur eine sehr gerin­ge Konzentration des Virus im Rachen. Das ist schwer zu inter­pre­tie­ren. Es ist mög­lich, dass es sich um Infektionen han­delt, die vom Immunsystem schnell unter Kontrolle gebracht wer­den. Das kann häu­fig bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens vor­kom­men, die mit meh­re­ren wirk­lich kran­ken Patienten zu tun haben.

F: Sie sagen, dass die­se Leute über­haupt nicht hät­ten getes­tet wer­den dürfen?

C.D.: Während des [2003] SARS [Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom] Ausbruchs, gab es eine stren­ge Falldefinition. Menschen, die Kontakt mit SARS-Patienten hat­ten, aber kei­ne Symptome zeig­ten, wur­den nicht mit PCR getes­tet. Stattdessen wur­den sie spä­ter auf Antikörper getes­tet, um zu sehen, ob eine Infektion statt­ge­fun­den hat­te. Das soll­te nun auch in Saudi-Arabien gesche­hen. Asymptomatische Menschen soll­ten nicht mit PCR getes­tet wer­den. Im Moment gibt es in dem Land kei­nen Antikörpertest. Aber man könn­te alle die­se Kontakte auf­lis­ten und von jedem von ihnen 14 bis 21 Tage spä­ter eine Blutprobe neh­men und sie dann außer­halb des Landes tes­ten las­sen. Drei Leute aus mei­nem Labor fah­ren nach Riad, um einen ELISA-Test für Antikörper zu etablieren.

F: Aber ist es nicht gut, alle Fälle zu ken­nen, auch wenn sie mild sind?

C.D.: Die Frage, ob es bei man­chen Menschen eine mil­de, kurz­le­bi­ge Infektion gibt, ist wis­sen­schaft­lich inter­es­sant. Aber in Städten wie Jeddah bringt sie das Gesundheitssystem an den Rand des Zusammenbruchs. Das ist das gro­ße Problem. Es wer­den so vie­le Proben getes­tet, dass die Laborkapazität für die ech­ten Fälle nicht aus­reicht. Und da immer mehr Proben getes­tet wer­den, sind Fehler vor­pro­gram­miert. Wenn man dann noch all die­se leich­ten Fälle iden­ti­fi­ziert und in Isolierbetten unter­bringt, hat man kei­ne Betten mehr für die ech­ten Fälle.

F: Was soll­te man dann mit leich­ten Fällen machen?

C.D.: Es gibt eine gute Möglichkeit und das ist die Isolation zu Hause. Sie kön­nen Leute von der Gesundheitsbehörde jeden Tag anru­fen las­sen, um sicher­zu­stel­len, dass die Leute zu Hause blei­ben. Man kann ihnen schrift­li­che Informationen geben, was sie tun dür­fen und was nicht. Hierfür gibt es vie­le Beispiele. Es wur­de in Singapur wäh­rend der SARS-Epidemie sehr erfolg­reich eingesetzt.

F: Offensichtlich gibt es auch sehr erns­te Fälle. Im April star­ben in Saudi-Arabien min­des­tens 38 Menschen an MERS.

C.D.: Ja, ich habe Ergebnisse von Patienten mit enor­men Viruskonzentrationen gese­hen. Diese Patienten sind hoch anste­ckend. Jetzt wer­den in man­chen Notaufnahmen eini­ger sau­di­scher Krankenhäuser Patienten sehr lan­ge fest­ge­hal­ten, weil auf den Stationen kei­ne Betten frei sind. Wenn es sol­che hoch­an­ste­cken­den Patienten unter ihnen gibt, dann kommt es natür­lich zu Krankenhausinfektionen, und das ist die ande­re Sache, die wir im Moment sehen. Sie müs­sen beden­ken, dass die abso­lu­te Zahl der Fälle noch gering ist. Ein paar Hundert. Ein ein­zi­ger Krankenhausausbruch kann also die Zahlen deut­lich in die Höhe trei­ben und den Eindruck erwe­cken, dass sich die gesam­te Epidemie verändert.

F: Sie haben sich auch ange­se­hen, wie leicht das Virus zu Hause über­tra­gen wird?

C.D.: Wir wer­den dazu bald eine Arbeit vor­le­gen. Wir haben uns 26 Indexfälle und 280 Personen ange­se­hen, mit denen sie engen Kontakt hat­ten. Das waren fast alle Familienmitglieder, in eini­gen Fällen auch Dienstmädchen oder Fahrer. Wir haben wirk­lich genau hin­ge­schaut mit PCR und Antikörpertests, und am Ende kann man sagen, dass neun von die­sen 280 Kontakten infi­ziert waren. Und das sind Leute, die wirk­lich eine immense Exposition hat­ten. Das heißt, die Reproduktionsrate des Virus liegt bei 0,3, nicht bei 1, wie ande­re behaup­tet haben.

F: Also ist im Moment die ein­zi­ge wirk­li­che Chance für MERS, sich zu ver­brei­ten, in Krankenhäusern?

C.D.: Ja, ich den­ke, dass die Krankenhäuser, in denen es Probleme mit der Hygiene gibt, die­se klei­ne Epidemie anheizen.

F: Andere haben ihm [dem stell­ver­tre­ten­den Gesundheitsminister, AA] vor­ge­wor­fen, er ver­lan­ge als Gegenleistung für die Bereitstellung von Proben, der ers­te oder letz­te Autor einer Publikation zu sein.

C.D.: Wirklich gute Proben unter kon­trol­lier­ten Bedingungen zu bekom­men, ist in einem Land wie Saudi-Arabien nicht ein­fach. Ich den­ke, was Memish dort orga­ni­siert, ist ein gro­ßer Beitrag, der eine Erst- oder Letztautorenschaft recht­fer­tigt. Ich habe kein Problem damit. Memish treibt die Leute wirk­lich an, er ist extrem flei­ßig und hat sich in den letz­ten 2 Jahren ein unglaub­li­ches Netzwerk auf­ge­baut. Es ist ein gro­ßer Verlust, dass sei­ne poli­ti­sche Position geschwächt wird.

F: Sie mei­nen, dass der neue Gesundheitsminister, Adel Fakieh, ihn ins Abseits stellt?

C.D.: Er hat ein neu­es Beratungskomitee gebil­det und Memish ist nicht Teil davon. Das ist ein gro­ßes Problem, den­ke ich. Es bedeu­tet, dass sie bei Null anfan­gen. Das gan­ze Wissen und das Netzwerk, das Memish auf­ge­baut hat, wird nicht genutzt. Mein Eindruck war, dass das Komitee von Klinikern und kli­ni­schen Mikrobiologen domi­niert wird. Die wis­sen natür­lich, wie man Patienten behan­delt, aber nicht unbe­dingt, wie man mit einer Epidemie umgeht. Ich den­ke, Memish hat in den letz­ten 2 Jahren wirk­lich eine Art Bauchgefühl für MERS ent­wi­ckelt und das wird nicht mehr genutzt. Ich den­ke, das ist der größ­te Fehler, der in Saudi-Arabien im Moment gemacht wird.

F: … Es [gibt] vie­le Studien, die dar­auf hin­deu­ten, dass Kamele auch eine wich­ti­ge Quelle für Infektionen sind.

C.D.: Kamele wer­den eine Quelle blei­ben. Es ist übri­gens inter­es­sant, wenn wir über Jeddah spre­chen: Die meis­ten Kamele, die auf die ara­bi­sche Halbinsel impor­tiert wer­den, kom­men über den Hafen von Dschidda. Man könn­te also dar­über nach­den­ken, alle jun­gen Kamele, die ankom­men, zu tes­ten und sie im Hafen unter Quarantäne zu stel­len, bis das Virus ver­schwun­den ist. Aber das wäre eine gro­ße logis­ti­sche Herausforderung. Wer wür­de die­se Tests durch­füh­ren? Wo soll­ten die Kamele die gan­ze Zeit über ein­ge­sperrt wer­den? Ein Impfstoff ist rea­lis­ti­scher und es gibt eini­ge gute Kandidaten.

F: Aber kei­ner davon wird bis­her an Kamelen getestet.

C.D.: Es ist wirk­lich schwie­rig, eine aus­rei­chen­de Anzahl von Tieren zu bekom­men, die noch kei­ne Infektion durch­ge­macht haben. Woher wol­len Sie sie bekom­men? Man kann nicht ein­fach einen Zirkus kau­fen. Und man wür­de wol­len, dass es kei­ne erwach­se­nen Tiere sind, weil sie wirk­lich groß sind und kaum in ein Forschungslabor pas­sen. Das ist eine ech­te Herausforderung.«


Überaus inter­es­sant ist in die­sem Zusammenhang auch die Rolle von Prof. Addo, Leiterin der Infektiologie am Uniklinikum Hamburg. Siehe dazu "Proaktiv Impfstoffe ent­wi­ckeln". Explosives von Prof. Addo.

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7 Antworten auf „Wie war das noch… mit Drosten und MERS?“

  1. Es ist wirk­lich schwie­rig, eine aus­rei­chen­de Anzahl von Tieren zu bekom­men, die noch kei­ne Infektion durch­ge­macht haben. Woher wol­len Sie sie bekom­men? Man kann nicht ein­fach einen Zirkus kau­fen. Und man wür­de wol­len, dass es kei­ne erwach­se­nen Tiere sind, weil sie wirk­lich groß sind und kaum in ein Forschungslabor pas­sen. Das ist eine ech­te Herausforderung.

    Drosten. Danke. Endlich wie­der mal was zu lachen … er hat sich nicht ver­än­dert. Was für ein Postel.

  2. Man könn­te ver­mu­ten, der Drosten habe sich das Interview noch mal durch­ge­le­sen und dann fest­ge­stellt: "Heureka! In dem, was ich da wie üblich denk­frei dahin­ge­fa­selt habe, könn­te Geld drinstecken!"

  3. Er sagt: "Aber in Städten wie Jeddah bringt sie das Gesundheitssystem an den Rand des Zusammenbruchs. Das ist das gro­ße Problem". In Deutschland ist das Gesundheitssystem mög­li­cher­wei­se bes­ser. Die Kunst ist es also, genau so viel zu tes­ten, dass das Gesundheitssystem gera­de noch nicht über­las­tet wird. Dann sorgt man für eine gute Auslastung und kann das Gesundheitssystem also wirt­schaft­lich betreiben.

  4. Volldrosten: "Wenn man dann noch all die­se leich­ten Fälle iden­ti­fi­ziert und in Isolierbetten unter­bringt, hat man kei­ne Betten mehr für die ech­ten Fälle."

    Na, man hat doch offen­sicht­lich gelernt: genau das macht man heu­te so, um die Intensivstationen poli­tisch gewollt und absichts­voll an den Rand des Zusammebruches zu bringen.

    Und dank­bar neh­men die Medien dann die Klagen der Intensivmediziner und Pfleger auf: "Seht ihr, Covid ist so schrecklich!"

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