Wie war das noch… mit der Schweinegrippe?

Im Rück­blick auf die "Schwei­negrip­pe" von 2009 fin­den sich ver­blüf­fen­de Ähn­lich­kei­ten zur heu­ti­gen Situa­ti­on, aber auch Unterschiede.

Im Juni 2009 stuf­te die WHO die Krank­heit als Pan­de­mie ein. Die­se Pha­se wur­de im August 2010 been­det. Es hat­te sich her­aus­ge­stellt, daß welt­weit weni­ger Erkrank­te gezählt wur­den als bei "nor­ma­len" sai­so­na­len Influ­enza­er­kran­kun­gen. (lt. Wiki­pe­dia)

Ver­blüf­fen­de Par­al­le­len zu heu­te fin­den sich im Ablauf. Am 27.4.2009 erklär­te das Robert-Koch-Institut:

'„Auf eine sol­che Situa­ti­on hat sich Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor­be­rei­tet“ sagt Jörg Hacker, Prä­si­dent des Robert Koch-Instituts…
Es ist denk­bar, dass ein­zel­ne Influ­en­za­fäl­le durch Rei­sen­de ein­ge­schleppt werden…
Für die Bevöl­ke­rung wird der­zeit kei­ne all­ge­mei­ne Gefähr­dung durch die Schwei­negrip­pe gese­hen. Gene­rell emp­foh­le­ne per­sön­li­che Hygie­ne­maß­nah­men wie Hän­de­wa­schen soll­ten aber beson­ders beach­tet wer­den, ins­be­son­de­re bei Kon­takt zu Rei­se­rück­keh­rern aus betrof­fe­nen Regio­nen. Bei der sai­so­na­len Influ­en­za kön­nen Infi­zier­te auch schon etwa einen Tag vor Auf­tre­ten der ers­ten Sym­pto­me infek­ti­ös sein. Influ­en­za­vi­ren wer­den vor allem durch Tröpf­chen­in­fek­ti­on über­tra­gen. Ins­be­son­de­re beim Nie­sen oder Hus­ten kön­nen Erre­ger auch auf die Hän­de gelan­gen und dar­über wei­ter­ver­brei­tet wer­den. Daher wird beim Hus­ten emp­foh­len, in den Ärmel zu hus­ten.' Link

In einem Rück­blick des RKI aus dem Jah­re 2010 heißt es:

"Auch wenn die pan­de­mi­sche Influ­en­za (Schwei­negrip­pe) 2009 uner­war­tet mild ver­lief, erfüllt sie sowohl die Kri­te­ri­en des glo­ba­len Pan­de­mie­plans der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on als auch die übli­chen infek­ti­ons­epi­de­mio­lo­gi­schen Kri­te­ri­en frü­he­rer Pan­de­mien: Die ent­schei­den­den Merk­ma­le sind, dass es sich (i) um einen neu­ar­ti­gen Influ­enz­aer­re­ger han­del­te, der (ii) Erkran­kun­gen und Todes­fäl­le beim Men­schen ver­ur­sach­te, gegen den (iii) weit­ge­hend kei­ne Immu­ni­tät bestand, der (iv) leicht von Mensch zu Mensch über­trag­bar ist und sich (v) sehr rasch welt­weit ver­brei­tet. Typisch für eine Influ­en­za­pan­de­mie sind auch (vi) das Auf­tre­ten außer­halb der übli­chen Grip­pe­sai­son, (vii) die unge­wöhn­li­che Alters­ver­tei­lung bei den schwer Erkrank­ten, (viii) unge­wöhn­li­che Erkran­kungs­ver­läu­fe." Link

Der Unter­schied zu heu­te fin­det sich unter (vii), weil die Krank­heit eher jün­ge­re Men­schen befiel. Ansons­ten sind die Kri­te­ri­en iden­tisch – den­noch ver­lief die­se Influ­en­za "uner­war­tet mild". So heißt es an der glei­chen Stelle:

"Schwe­re und töd­li­che Erkran­kun­gen waren zwar sel­te­ner als bei den meis­ten sai­so­na­len Influ­en­za­wel­len, betra­fen dafür aber in beson­de­rem Maße deut­lich jün­ge­re Alters­grup­pen. Meh­re­re Kran­ken­haus­ärz­te in Deutsch­land schät­zen, dass es man­cher­orts zu Ver­sor­gungs­pro­ble­men auf Inten­siv­sta­tio­nen und vor allem bei Beatmungs­plät­zen gekom­men wäre, wenn die Grip­pe­wel­le im Herbst nur etwas län­ger gedau­ert hätte."

Was der letz­te Satz in einem Bericht von Wis­sen­schaft­lern zu suchen hat, weiß der Him­mel. Und wenn wir die Punk­te (vi) und (vii) als für heu­te gül­tig anse­hen, dann haben wir es zur Zeit nicht mit einer Influ­en­za­pan­de­mie zu tun.

Auf wel­che Ein­schät­zung sei­tens des RKI wir uns dem­nächst ein­stel­len müs­sen, las­sen die­se Wor­te erahnen:

"Es ist auch durch­aus mög­lich, dass sich die pan­de­mi­sche Influ­en­za in Deutsch­land auch dar­um ver­gleichs­wei­se mode­rat ent­wi­ckelt hat, weil die ergrif­fe­nen Maß­nah­men erfolg­reich waren…

Die Schutz­imp­fung konn­te zwar erst rela­tiv spät ein­ge­setzt wer­den, hat aber mög­li­cher­wei­se auch einen gewis­sen Ein­fluss gehabt. Wich­tig waren außer­dem wohl die strik­ten Maß­nah­men, mit denen anste­cken­de Pati­en­ten und deren Kon­takt­per­so­nen vor allem in den ers­ten Wochen iso­liert und über­wacht wur­den." (Her­vor­he­bun­gen nicht im Original)

Die Insti­tu­ti­on, nach deren Ein­schät­zung heu­te unser Leben regle­men­tiert wird, mutet uns Erkennt­nis­se zu, die "durch­aus mög­lich" oder "mög­li­cher­wei­se" "wohl" "einen gewis­sen Ein­fluss gehabt" haben.

Eine Antwort auf „Wie war das noch… mit der Schweinegrippe?“

  1. .

    15.09.2009 [ H1N1 – Schweinegrippe ] 

    .

    KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN 

    Brüs­sel, den 15.9.2009

    KOM(2009) 481 endgültig 

    MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN 

    H1N1-Pan­de­mie 2009 

    {SEK(2009) 1188}{SEK(2009) 1189}{SEK(2009) 1190}{SEK(2009) 1191}{SEK(2009) 1192} 

    1. EINLEITUNG

    Im April 2009 wur­de ein neu­er Stamm des Influ­en­za­vi­rus H1N1 des Men­schen ent­deckt, das zunächst im März und im April 2009 in Mexi­ko und in den USA zu Erkran­kun­gen führte. 

    Am 11. Juni 2009 erklär­te die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) den Aus­bruch einer Pan­de­mie durch das neue Influ­en­za­vi­rus des Typs A (H1N1); sie wird als „H1N1-Pan­de­mie 2009“ bezeich­net. Die­se Erklä­rung stand im Ein­klang mit dem all­ge­mei­nen Influ­en­za-Bereit­schafts­plan der WHO, in dem nach der Defi­ni­ti­on der Stu­fe 6, der Pan­de­mie­stu­fe, das Virus anhal­ten­de Aus­brü­che in der Gemein­schaft, in min­des­tens zwei Län­dern einer WHO-Regi­on und in min­des­tens einem wei­te­ren Land einer ande­ren WHO-Regi­on ver­ur­sacht. Die Erklä­rung bezog sich somit auf die Ver­brei­tung des neu­en Virus und nicht auf die Schwe­re der von ihm ver­ur­sach­ten Erkrankungen. 

    Im Zuge der Aus­brü­che der so genann­ten Vogel­grip­pe A (H5N1) im Jah­re 2005 nahm die Kom­mis­si­on eine Mit­tei­lung zur Bereit­schafts- und Reak­ti­ons­pla­nung der Gemein­schaft mit Blick auf eine Influ­en­za­pan­de­mie in der Euro­päi­schen Gemein­schaft an. (…) 

    Die Euro­päi­sche Uni­on ist heu­te bes­ser denn je auf grenz­über­grei­fen­de und glo­ba­le Gesund­heits­be­dro­hun­gen im All­ge­mei­nen und auf die H1N1-Pan­de­mie 2009 im Beson­de­ren vor­be­rei­tet. Die Mit­glied­staa­ten und die Kom­mis­si­on haben Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten erlas­sen, um nach sorg­fäl­ti­ger Abwä­gung der Vor­tei­le und Risi­ken anhand der ver­füg­ba­ren Daten in der aktu­el­len Pan­de­mie das Inver­kehr­brin­gen von Impf­stof­fen und Viro­sta­ti­ka zuzu­las­sen, die eine geeig­ne­te Reak­ti­on auf die­se H1N1-Pan­de­mie 2009 ermöglichen. 

    (…) Zu die­sem Zweck und nach Auf­for­de­rung des Rats der Gesund­heits­mi­nis­ter legt die Kom­mis­si­on gleich­zei­tig fünf Arbeits­pa­pie­re zu den The­men Impf­stoff­ent­wick­lung, Impf­stra­te­gien, gemein­sa­me Beschaf­fung, Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit und Unter­stüt­zung von Dritt­län­dern vor 

    2. ERGÄNZENDE MASSNAHMEN FÜR EU-MITGLIEDSTAATEN 

    Gemäß Arti­kel 152 des Ver­trags müs­sen Gemein­schafts­maß­nah­men die Poli­tik der Mit­glied­staa­ten ergän­zen und auf die Ver­bes­se­rung der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung, die Ver­hü­tung von Human­krank­hei­ten und die Besei­ti­gung von Ursa­chen für die Gefähr­dung der mensch­li­chen Gesund­heit gerich­tet sein. (…) 

    Eine glo­ba­le Pan­de­mie stellt eine grenz­über­grei­fen­de Gesund­heits­be­dro­hung dar, die nicht nur die öffent­li­che Gesund­heit, son­dern die gesam­te Gesell­schaft und Wirt­schaft in der EU gefährdet. (…) 

    Eine gute, objek­ti­ve und aktu­el­le Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit und der Medi­en bedingt, dass in den ein­zel­nen Län­dern nicht unter­schied­lich oder falsch infor­miert wird. 

    Als vor­beu­gen­de Maß­nah­me stellt die Imp­fung eine der wirk­sams­ten Reak­tio­nen des Gesund­heits­we­sens zur Abmil­de­rung einer Pan­de­mie dar; für die Behand­lung hin­ge­gen bil­det die Ver­ab­rei­chung von anti­vi­ra­len Arz­nei­mit­teln die wich­tigs­te Opti­on. Auf­grund der begrenz­ten glo­ba­len Her­stel­lungs­ka­pa­zi­tä­ten inner­halb kur­zer Frist wer­den Impf­stof­fe in der EU erst schritt­wei­se verfügbar. (…) 

    Die Ver­füg­bar­keit von Impf­stof­fen sowie die Lage­rung und der Zugang zu anti­vi­ra­len Arz­nei­mit­teln wer­den auf ein­zel­staat­li­cher Ebe­ne fest­ge­legt; die Mit­glied­staa­ten haben bereits ent­spre­chen­de Vor­be­rei­tun­gen getrof­fen. Zur Unter­stüt­zung der­je­ni­gen Mit­glied­staa­ten, die über gerin­ge­re finan­zi­el­le Res­sour­cen oder ent­spre­chen­de Kapa­zi­tä­ten ver­fü­gen, arbei­tet die Kom­mis­si­on mit dem EU-Gesund­heits­si­cher­heits­aus­schuss zusam­men, um Wege zu fin­den, wie man ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten bei der Impf­stoff­be­schaf­fung hel­fen kann. 

    3. HINTERGRUND

    Am 30. April 2009 nah­men die Gesund­heits­mi­nis­ter die Schluss­fol­ge­run­gen des Rates zur Influ­en­za­in­fek­ti­on A/H1N1 an.[3] (…)

    Die­se Koor­di­nie­rungs­funk­ti­on soll­ten der Gesund­heits­si­cher­heits­aus­schuss (HSC), das Früh­warn- und Reak­ti­ons­sys­tem für über­trag­ba­re Krank­hei­ten (EWRS) und der Aus­schuss des Net­zes für die epi­de­mio­lo­gi­sche Über­wa­chung und Kon­trol­le über­trag­ba­rer Krank­hei­ten in Zusam­men­ar­beit mit Dritt­län­dern und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re der WHO, wahr­neh­men. Die Kom­mis­si­on führt seit Beginn des Aus­bruchs regel­mä­ßig den Vor­sitz in gemein­sa­men Sit­zun­gen der für das EWRS zustän­di­gen natio­na­len Behör­den der Mit­glied­staa­ten und des Gesundheitssicherheitsausschusses. 

    Am 8. und 9. Juni beriet der Rat über Impf­stof­fe und Impf­stra­te­gien zur Bekämp­fung der H1N1-Pan­de­mie 2009 und gab dem Gesund­heits­si­cher­heits­aus­schuss ein Man­dat für die Arbeit an die­sen bei­den Fra­gen. Die Gesund­heits­mi­nis­ter kamen am 6. und 7. Juli 2009 noch ein­mal zu einer infor­mel­len Sit­zung zusam­men, um über die Abwehr­be­reit­schaft und die Reak­ti­on auf die Pan­de­mie zu beraten. (…) 

    Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne ist die Kom­mis­si­on Mit­glied der glo­ba­len Initia­ti­ve für Gesund­heits­si­cher­heit für die Grip­pe­pan­de­mie und ande­re Gesund­heits­si­cher­heits­fra­gen, an der die G7-Län­der und Mexi­ko betei­ligt sind. (…) 

    Die glo­ba­le Initia­ti­ve für Gesund­heits­si­cher­heit hat zwei infor­mel­le Sit­zun­gen abge­hal­ten, die ers­te davon anläss­lich der Welt­ge­sund­heits­ver­samm­lung im Mai und die zwei­te auf Ein­la­dung von Mexi­ko auf einer Minis­ter­ta­gung zur H1N1-Pan­de­mie 2009 am 2. und 3. Juli 2009 in Can­cun. Eine wei­te­re Sit­zung fand auf Ein­la­dung der Kom­mis­si­on im Sep­tem­ber in Brüs­sel statt. 

    4. EU-KOORDINIERUNG DER REAKTION DES GESUNDHEITSWESENS – GEMEINSAM MIT DEN MITGLIEDSTAATEN 

    (…) Das Manage­ment­sys­tem für inter­ne Kri­sen (ARGUS) der Kom­mis­si­on ist akti­viert wor­den und ermög­licht es allen betrof­fe­nen Dienst­stel­len, gemein­sam die sek­tor­über­grei­fen­den Aspek­te die­ser Pan­de­mie zu bewer­ten und ent­spre­chend zu reagieren. 

    Im Gesund­heits­sek­tor arbei­tet die Kom­mis­si­on eng mit den für wis­sen­schaft­li­che Bewer­tung zustän­di­gen Stel­len – dem Euro­päi­schen Zen­trum für die Prä­ven­ti­on und die Kon­trol­le von Krank­hei­ten (ECDC), der Euro­päi­schen Agen­tur für Arz­nei­mit­tel (EMEA) und der Euro­päi­schen Behör­de für Lebens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) – in spe­zi­fi­schen Fra­gen zusam­men und hält zudem engen Kon­takt zur WHO, um sicher­zu­stel­len, dass die auf EU-Ebe­ne getrof­fe­nen Maß­nah­men mit den WHO-Emp­feh­lun­gen und den Inter­na­tio­na­len Gesund­heits­vor­schrif­ten im Ein­klang stehen. 

    Um, wie in der Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on zur Bereit­schafts- und Reak­ti­ons­pla­nung der Gemein­schaft mit Blick auf eine Influ­en­za­pan­de­mie in der Euro­päi­schen Gemein­schaft dar­ge­legt, eine wir­kungs­vol­le sek­tor­über­grei­fen­de Reak­ti­on des Gesund­heits­we­sens auf die Pan­de­mie auf euro­päi­scher Ebe­ne sicher­zu­stel­len, hat die Euro­päi­sche Uni­on anhand vor­han­de­ner Rechts- und Gesundheitsinstrumente[4] bereits eine Rei­he von Maß­nah­men getroffen: 

    - gemein­sa­me Fall­de­fi­ni­tio­nen, die mit einer Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on am 1. Mai 2009[5] ange­nom­men wurden; 

    - Ver­ein­ba­rung vom 18. Mai 2009 über Emp­feh­lun­gen für Per­so­nen, die Rei­sen in die betrof­fe­nen Gebie­te pla­nen oder aus die­sen zurückkehren, 

    - Aus­wei­tung des Über­wa­chungs­sys­tems zur Fest­stel­lung neu­er Fäl­le in der EU am 18. Mai 2009; 

    - Leit­li­ni­en für Fall­ma­nage­ment und Behand­lung sowie Bera­tung zu medi­zi­ni­schen Gegen­maß­nah­men für Beschäf­tig­te des Gesund­heits­we­sens vom 18. Mai 2009; 

    - Emp­feh­lun­gen für die brei­te Öffent­lich­keit zu per­sön­li­chen Schutz­maß­nah­men, die am 4. Mai 2009 ver­ein­bart und den Mit­glied­staa­ten in allen EU-Amts­spra­chen zur Ver­fü­gung gestellt wurden; 

    - Erklä­run­gen des Gesund­heits­si­cher­heits­aus­schus­ses und der Kon­takt­stel­len des Früh­warn- und Reak­ti­ons­sys­tems (EWRS) zu Schul­schlie­ßun­gen und Rei­se­emp­feh­lun­gen am 13. August 2009; 

    - Erklä­rung zu „Impf­stra­te­gien: Ziel- und Prio­ri­täts­grup­pen“, die vom Gesund­heits­si­cher­heits­aus­schuss und den EWRS-Kon­takt­stel­len am 25. August 2009 ver­ein­bart wurde. 

    Nach der Ent­schei­dung 2119/98/EC[6] sind die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet, dem Gemein­schafts­netz für über­trag­ba­re Krank­hei­ten Grip­peaus­brü­che zu mel­den. (…) Das ECDC sam­melt die­se Infor­ma­tio­nen. Im Fal­le einer Grip­pe­pan­de­mie wer­den für die Mit­glied­staa­ten täg­lich Lage­be­rich­te erstellt. (…) 

    Was die Zulas­sung der not­wen­di­gen Medi­zin­pro­duk­te betrifft, sehen die gemein­schaft­li­chen Rechts­vor­schrif­ten fol­gen­de Instru­men­te vor, die auf eine Pan­de­mie gut vor­be­rei­tet sind durch: 

    - spe­zi­fi­sche Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für eine beschleu­nig­te wis­sen­schaft­li­che Bewer­tung und die dar­auf­fol­gen­de Zulas­sung für das Inver­kehr­brin­gen von Impf­stof­fen gegen die Influ­en­za beim Men­schen sowie wich­ti­ger Medi­zin­pro­duk­te wie anti­vi­ra­ler Arz­nei­mit­tel in einer Pandemiesituation; 

    - spe­zi­fi­sche Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, die es den Mit­glied­staa­ten ermög­li­chen, natio­na­le Ent­schei­dun­gen zur Geneh­mi­gung der Ver­tei­lung nicht zuge­las­se­ner Impf­stof­fe bei einer Grip­pe­pan­de­mie zu treffen. 

    Die Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­agen­tur (EMEA) ver­öf­fent­licht wis­sen­schaft­li­che Stel­lung­nah­men zur Nut­zen/­Ri­si­ko-Abwä­gung die­ser Medi­zin­pro­duk­te, ein­schließ­lich Impf­stof­fen und Viro­sta­ti­ka, die einer gemein­schaft­li­chen Zulas­sung durch Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on ( zen­tra­le Zulas­sung ) unter­lie­gen. (…) Bei der Vor­be­rei­tung der wis­sen­schaft­li­chen Bewer­tung der Impf­stof­fe gegen die Influ­en­za A (H1N1) 2009 führt die EMEA einen Mei­nungs­aus­tausch mit Zulas­sungs­be­hör­den in Dritt­län­dern wie den USA. 

    Wäh­rend ver­schie­de­ne anti­vi­ra­le Arz­nei­mit­tel in der Ver­gan­gen­heit zuge­las­sen wur­den und für die Behand­lung der Grip­pe­pan­de­mie in der EU zur Ver­fü­gung ste­hen, kon­zen­trie­ren sich die neu­en Maß­nah­men auf eine beschleu­nig­te Bewer­tung der Zulas­sungs­an­trä­ge für Impf­stof­fe gegen die Influ­en­za A (H1N1). Sowohl die EMEA als auch die Mit­glied­staa­ten haben sol­che Anträ­ge erhal­ten oder erwar­ten sie. 

    Auf Gemein­schafts­ebe­ne bewer­tet die EMEA der­zeit Daten und Anträ­ge für meh­re­re Impf­stof­fe. Sobald die EMEA eine befür­wor­ten­de wis­sen­schaft­li­che Stel­lung­nah­me zu den ein­zel­nen Impf­stof­fen auf der Grund­la­ge einer aus­führ­li­chen Bewer­tung von Nut­zen und Risi­ken abgibt, wird die Kom­mis­si­on für eine unver­züg­li­che Ent­schei­dung über die Zulas­sung sor­gen. Nach der Zulas­sung soll eine spe­zi­fi­sche Über­wa­chung (Phar­ma­ko­vi­gi­lanz) eine lau­fen­de Bewer­tung der Sicher­heit und Wirk­sam­keit die­ser Arz­nei­mit­tel ermög­li­chen. Im Fal­le natio­na­ler Zulas­sun­gen ist es Sache der Mit­glied­staa­ten, über eine Beschleu­ni­gung der wis­sen­schaft­li­chen Bewer­tung und des Zulas­sungs­ver­fah­rens zu entscheiden. 

    Schnitt­stel­le zwi­schen Mensch und Tier 

    Die Kom­mis­si­on hat außer­dem Maß­nah­men zu einem wei­te­ren Pro­blem ergrif­fen, näm­lich der mög­li­chen Infek­ti­on von Schwei­nen mit dem Virus der H1N1-Pan­de­mie 2009 in Euro­pa. Die­ses Phä­no­men wur­de bereits in Kana­da, Argen­ti­ni­en und Aus­tra­li­en beob­ach­tet und ist wahr­schein­lich auf eine vor­he­ri­ge Über­tra­gung vom Men­schen auf Schwei­ne zurück­zu­füh­ren. Zwar haben Schwei­ne in die­sen Län­dern bis­her kei­ne Rol­le als zusätz­li­che Virus­quel­le für Men­schen gespielt, doch könn­te eine etwa­ige Fest­stel­lung und Ver­brei­tung des Pan­de­mie­vi­rus bei Schwei­nen in Euro­pa unbe­grün­de­te Ängs­te in der Bevöl­ke­rung hervorrufen. 

    Am 14. Juli 2009 befür­wor­te­te der Stän­di­ge Aus­schuss für die Lebens­mit­tel­ket­te und Tier­ge­sund­heit einen Leit­fa­den der Kom­mis­si­on für Maß­nah­men zur Über­wa­chung und Kon­trol­le des Pan­de­mie­vi­rus bei Schweinen[8], um sicher­zu­stel­len, dass Land­wir­te sowie die Gesund­heits- und Vete­ri­när­be­hör­den auf einen sol­chen Fall vor­be­rei­tet sind und um das Risi­ko einer ein­be­grün­de­ten Panik in der Bevöl­ke­rung zu ver­rin­gern. Zudem wur­de das H1N1-Pan­de­mie­vi­rus 2009 bei Trut­häh­nen in Chi­le ent­deckt, was höchst­wahr­schein­lich auf eine Über­tra­gung von infi­zier­ten Men­schen zurückging. (…) 

    Luft­ver­kehr

    Zum The­ma Luft­ver­kehr fand am 5. Mai 2009 eine eige­ne Sit­zung mit den Zivil­luft­fahrt­be­hör­den statt. (…) 

    Eine Kern­fra­ge der Not­fall­pla­nung mit Blick auf eine mög­li­che Grip­pe­pan­de­mie besteht dar­in, ob es sinn­voll ist, den inter­na­tio­na­len Rei­se­ver­kehr in und aus den betrof­fe­nen Gebie­ten zu beschrän­ken oder ein Scree­ning von Rei­sen­den bei der Ein- oder Aus­rei­se an Flug­hä­fen vor­zu­schrei­ben. Wäh­rend der SARS-Epi­de­mie 2003 wur­de deut­lich, wie leicht sich Infek­ti­ons­krank­hei­ten über eine immer enger mit­ein­an­der ver­bun­de­ne, ste­tig wach­sen­de Welt­be­völ­ke­rung aus­brei­ten kön­nen. Aller­dings hat sich damals erwie­sen, dass die Rei­se­be­schrän­kun­gen auf bestimm­te Län­der abziel­ten, in denen sich die Epi­de­mie weit ver­brei­tet hat­te, und nur gerin­ge Wir­kung zeig­ten. Außer­dem unter­schei­det sich die der­zei­ti­ge Pan­de­mie offen­bar inso­fern, als sie sich bereits über die gan­ze Welt aus­ge­brei­tet hat. Nach den WHO-Emp­feh­lun­gen gel­ten daher Rei­se­be­schrän­kun­gen gegen­wär­tig nicht als geeig­ne­tes Mit­tel. Die­se Stel­lung­nah­me wur­de auch am 1. Mai von der Inter­na­tio­na­len Zivil­luft­fahrt-Orga­ni­sa­ti­on (ICAO) an alle Luft­fahrt­be­hör­den geschickt und auf der Sit­zung des Rates der ICAO am 11. Mai 2009 bestä­tigt. Im Ein­klang mit die­ser Stel­lung­nah­me ist auf EU-Ebe­ne kei­ne Emp­feh­lung zu Rei­se­be­schrän­kun­gen, auch nicht im Luft­ver­kehr, ergangen. 

    Außer­dem ver­stän­dig­te man sich dar­auf, dass die Mit­glied­staa­ten je nach Ent­wick­lung der Lage und unter Berück­sich­ti­gung der Emp­feh­lun­gen der zustän­di­gen Gesund­heits­be­hör­den alle geeig­ne­ten Maß­nah­men im Luft­ver­kehrs­be­reich tref­fen sollten. (…) 

    Mög­lich­kei­ten der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung auf EU-Ebene 

    Der Soli­da­ri­täts­fonds der Euro­päi­schen Uni­on kann von den Mit­glied­staa­ten und den Län­dern, mit denen über den Bei­tritt zur EU ver­han­delt wird,[9] im Fal­le grö­ße­rer Natur­ka­ta­stro­phen zur Erstat­tung der Kos­ten für die Behe­bung bestimm­ter Schä­den in Anspruch genom­men wer­den. Kri­sen im Bereich der Gesund­heit und ins­be­son­de­re Aus­ga­ben für den Erwerb von Impf­stof­fen fal­len nicht darunter. (…) 

    Das bei­lie­gen­de Arbeits­pa­pier der Dienst­stel­len der Kom­mis­si­on mit dem Titel „Sup­port to third count­ries to fight Pan­de­mic (H1N1) 2009” (Unter­stüt­zung von Dritt­län­dern bei der Bekämp­fung der H1N1-Pan­de­mie 2009) legt die inter­na­tio­na­le Dimen­si­on der EU-Reak­ti­on dar. (…) 

    Sieb­tes For­schungs­rah­men­pro­gramm (FP7)

    Die For­schungs­rah­men­pro­gram­me (FP7 und des­sen Vor­läu­fer FP6 und FP5) haben erheb­li­che Bei­trä­ge zur Erfor­schung der Influ­en­za und zur Ver­bes­se­rung der Abwehr­be­reit­schaft gegen Pan­de­mien geleis­tet. Inno­va­ti­ve Impf­tech­no­lo­gien und Adju­van­ti­en, Stu­di­en zur Über­wa­chung von Vögeln und Schwei­nen, die Ent­wick­lung von ambu­lan­ten Dia­gnos­ti­ka und neu­en Viro­sta­ti­ka sind durch Pro­jek­te aus den For­schungs­rah­men­pro­gram­men finan­ziert wor­den. Ins­be­son­de­re zwei der lau­fen­den FP7-Pro­jek­te sind direkt für die aktu­el­le Pan­de­mie von Bedeutung.[11]

    5. INTERNATIONALE KOORDINIERUNG 

    Seit den ers­ten Berich­ten über den Aus­bruch der Influ­en­za des Typs H1N1 betont die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on, wie wich­tig der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch und die Koor­di­nie­rung der Maß­nah­men auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne sind. Die Kom­mis­si­on unter­stützt die füh­ren­de Rol­le der WHO bei der Über­wa­chung der Pan­de­mie nach den Inter­na­tio­na­len Gesund­heits­vor­schrif­ten, der Abga­be von Emp­feh­lun­gen und evi­denz­ba­sier­ten Leit­li­ni­en, der Ermög­li­chung von Hil­fe­leis­tun­gen an die ärms­ten Län­der, ein­schließ­lich der Bereit­stel­lung von Sach­ver­stand, dem Auf­bau von Hand­lungs­kom­pe­tenz und sogar der Beschaf­fung von Impf­stof­fen und anti­vi­ra­len Mitteln. 

    Wie bereits erwähnt, ist die Kom­mis­si­on auch über die glo­ba­le Initia­ti­ve für Gesund­heits­si­cher­heit (GHSI) an der Koor­di­nie­rung der Aktio­nen im Bereich der öffent­li­chen Gesund­heit betei­ligt, ins­be­son­de­re beim Infor­ma­ti­ons­aus­tausch über Maß­nah­men im Bereich der öffent­li­chen Gesundheit. 

    Das GHSI-Netz arbei­tet an Fra­gen wie sie auch im EU-Kon­text rele­vant sind und will dafür sor­gen, dass sie in allen GHSI-Län­dern auf koor­di­nier­te Wei­se behan­delt wer­den. Die Kom­mis­si­on ver­an­stal­te­te am 11. Sep­tem­ber 2009 eine außer­or­dent­li­che Minis­ter­ta­gung zu Fra­gen von gemein­sa­mem Inter­es­se im Zusam­men­hang mit der Bereit­schafts- und Reak­ti­ons­pla­nung für die H1N1-Pan­de­mie 2009. Da in den kom­men­den Mona­ten eine viru­len­te­re Wel­le des H1N1-Influ­en­za­vi­rus 2009 bevor­steht, erör­ter­ten die Minis­ter eine Rei­he von Fra­gen, die für eine wir­kungs­vol­le Reak­ti­on von ent­schei­den­der Bedeu­tung sind 

    Auf der 14. Minis­ter­ta­gung der Euro­päi­schen Uni­on und der Rio-Grup­pe (alle latein­ame­ri­ka­ni­schen Län­der, Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik, Jamai­ka, Beli­ze, Guya­na und Hai­ti) am 13. Mai 2009 in Prag wur­de eine gemein­sa­me Erklä­rung zum „Neu­en Grip­pe­vi­rus“ abge­ge­ben. Dar­in wird zur wei­te­ren Koor­di­nie­rung der Maß­nah­men aller zustän­di­gen Orga­ni­sa­tio­nen und Stel­len aufgerufen. 

    Zwecks Aus­ar­bei­tung von Stra­te­gien zur Bewer­tung und Zulas­sung von Impf­stof­fen ste­hen die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on, das ECDC und die EMEA in engem Kon­takt mit der WHO und über die WHO auch mit ande­ren Arz­nei­mit­tel­auf­sichts­be­hör­den welt­weit. Außer­dem haben die Kom­mis­si­on und die EMEA mit drei Dritt­län­dern (USA, Kana­da, Japan) bila­te­ra­le Geheim­hal­tungs­ver­ein­ba­run­gen für die wis­sen­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und die Erar­bei­tung von Vor­schrif­ten ver­ein­bart; dies hat sich bei der aktu­el­len Pan­de­mie für den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch als sinn­voll erwiesen. 

    6. SOZIALE UND WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER PANDEMIE 

    Die Welt­bank schätzt, dass die zur Ver­lang­sa­mung der Pan­de­mie­aus­brei­tung getrof­fe­nen Maß­nah­men zwar sinn­voll sind, aber gro­ße wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen haben könn­ten. Sie machen offen­bar 60 % der Gesamt­kos­ten aus. Nur 12 % sei­en auf Todes­fäl­le zurück­zu­füh­ren und 28 % auf Krank­hei­ten und Fehl­zei­ten am Arbeits­platz. Die Erfah­rung hat gezeigt, dass die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen einer Kri­se im Gesund­heits­be­reich sel­ten direkt mit der Schwe­re der Virus­er­kran­kun­gen zusammenhängen. (…) 

    Unmit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen (epi­de­mio­lo­gi­sche Ungewissheit) 

    Die unmit­tel­bars­ten wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen einer Pan­de­mie könn­ten nicht durch die Zahl der Todes­fäl­le oder Erkran­kun­gen ent­ste­hen, son­dern durch unko­or­di­nier­te Bemü­hun­gen der Bevöl­ke­rung, die Infek­ti­on zu vermeiden. 

    Es ist mit stei­gen­dem Bedarf an Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen und medi­zi­ni­scher Behand­lung zu rech­nen, eben­so wie an Arz­nei­mit­teln, ein­schließ­lich Viro­sta­ti­ka und Impf­stof­fen, Mas­ken, Hand­schu­hen, anti­mi­kro­biel­len Mit­teln und ande­ren Gegenmaßnahmen. (…) 

    Abge­se­hen von der gesund­heit­li­chen Ver­sor­gung soll­ten zusätz­li­che Vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den, um enge per­sön­li­che Kon­tak­te und damit das Infek­ti­ons­ri­si­ko zu ver­mei­den. Im schlimms­ten Fall könn­te dies einen Rück­gang der Nach­fra­ge in man­chen Wirt­schafts­be­rei­chen ver­ur­sa­chen und der grenz­über­schrei­ten­de Waren­ver­kehr sowie die Mobi­li­tät der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger könn­ten beein­träch­tigt werden. (…) 

    Lang­fris­ti­ge Aus­wir­kun­gen (wirt­schaft­li­che Ungewissheit) 

    (…) Die Welt­bank unter­stützt die Soli­da­ri­tät mit Län­dern, die Hil­fe benö­ti­gen, um effi­zi­ent auf die Pan­de­mie und ihre Fol­gen reagie­ren zu kön­nen. Am 2. Juni hat sie des­halb im Fast-Track-Ver­fah­ren 500 Mil­lio­nen USD zur Unter­stüt­zung von Län­dern bei der Finan­zie­rung von Maß­nah­men zur Vor­beu­gung und Bekämp­fung von Aus­brü­chen der H1N1-Pan­de­mie 2009 genehmigt. 

    Aus­wir­kun­gen auf die glo­ba­le, regio­na­le und natio­na­le Sicherheit 

    Die Ver­brei­tung der H1N1-Pan­de­mie 2009 kann bedeu­ten­de Aus­wir­kun­gen auf die Sicher­heit, die Sta­bi­li­tät und das Regie­rungs­han­deln auf glo­ba­ler, regio­na­ler und natio­na­ler Ebe­ne haben. Außen­po­li­ti­sche Maß­nah­men der EU zum Aus­bau der „Frühwarn“-Kapazität in Dritt­län­dern soll­ten daher als wich­ti­ger Bestand­teil der all­ge­mei­nen Sicher­heits­stra­te­gie der EU und als wich­ti­ger Bei­trag der EU zu mehr Sta­bi­li­tät und einer bes­se­ren Welt­ord­nungs­po­li­tik gese­hen werden. 

    7. ZENTRALE STRATEGISCHE LINIEN[12]

    Gemein­sa­me Beschaf­fung von Impfstoffen 

    Vor dem Hin­ter­grund eines brei­ten Kon­sen­ses über die gemein­sa­me Beschaf­fung von Impf­stof­fen gegen das für die H1N1-Pan­de­mie 2009 ver­ant­wort­li­che Influ­en­za­vi­rus bat der schwe­di­sche Rats­vor­sitz die Kom­mis­si­on beim infor­mel­len Rat „Gesund­heit“ am 6. Juli, bei der Vor­be­rei­tung einer gemein­sa­men Aus­schrei­bung von Impf­stof­fen für inter­es­sier­te Mit­glied­staa­ten behilf­lich zu sein. 

    Ange­sichts der Ent­wick­lung der Pan­de­mie und der bereits abge­schlos­se­nen Kauf­ver­trä­ge meh­re­rer Mit­glied­staa­ten wäre es der­zeit nicht ver­nünf­tig oder effi­zi­ent, eine gemein­sa­me EU-wei­te Aus­schrei­bung über Impf­stof­fe für inter­es­sier­te Mit­glied­staa­ten in die Wege zu leiten. 

    (…) Auf den ers­ten Blick und in Anbe­tracht des Zeit­drucks (Kauf der Impf­stof­fe im Okto­ber) scheint dies die prak­tischs­te Opti­on zu sein (alle Ver­trags­un­ter­la­gen lie­gen vor, kei­ne gesetz­li­chen Kon­flik­te), die auch am ehes­ten gewähr­leis­ten könn­te, dass recht­zei­tig Impf­stof­fe für Ziel­grup­pen und vor­ran­gig zu ver­sor­gen­de Grup­pen ver­füg­bar sind. (…) 

    Neben den Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren wird die Kom­mis­si­on auch eine gemein­sa­me Vor­ge­hens­wei­se in der EU für die grenz­über­grei­fen­de Nut­zung vor­han­de­ner Reser­ven sowie frei­wil­li­ge Ver­käu­fe unter­stüt­zen. Denk­bar wäre eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen Mit­glied­staa­ten zum Aus­gleich dras­ti­scher Unter­schie­de bei der Ver­füg­bar­keit von Impf­stof­fen, die auf EU-Ebe­ne koor­di­niert wer­den könn­te. Nach den der Kom­mis­si­on vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen haben eini­ge Mit­glied­staa­ten in den Ver­trä­gen bereits vor­ge­se­hen, dass nicht ver­wen­de­te Impf­stof­fe an ande­re Län­der ver­kauft wer­den können. 

    Unter­stüt­zung von Dritt­län­dern bei der Bekämp­fung der H1N1-Pan­de­mie 2009 

    Wich­tigs­tes spe­zi­fi­sches Ziel der Arbeits­un­ter­la­ge über die Unter­stüt­zung von Dritt­län­dern ist die Ermitt­lung von Berei­chen und bereits vor­han­de­nen EU-Mecha­nis­men zur Unter­stüt­zung von Dritt­län­dern beim ste­ti­gen Aus­bau ihrer Abwehr gegen die H1N1-Pan­de­mie 2009, wobei die Grund­sät­ze der Owner­ship der ein­zel­nen Län­der und der Wirk­sam­keit der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu respek­tie­ren wären. Bei der Geber-Unter­stüt­zung des Gesund­heits­sek­tors in Ent­wick­lungs­län­dern sind stets die füh­ren­de Rol­le des betref­fen­den Lan­des bei der Stra­te­gie­kon­zep­ti­on und des­sen Owner­ship des Durch­füh­rungs­pro­zes­ses zu respek­tie­ren, wie dies 2008 von den Teil­neh­mer­län­dern im Akti­ons­plan von Akkra ver­ein­bart wur­de, um für eine wirk­sa­me­re inter­na­tio­na­le Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu sor­gen. Bei der Vor­be­rei­tung und Umset­zung von Hilfs­maß­nah­men für Dritt­län­der ist eine enge Zusam­men­ar­beit mit der WHO und erfor­der­li­chen­falls mit nicht-staat­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen (NGO) ent­schei­dend. Hilf­reich bei der Bekämp­fung der Pan­de­mie wäre auch eine all­mäh­li­che Inten­si­vie­rung der Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem ECDC und eini­gen Dritt­län­dern, ins­be­son­de­re den von der Euro­päi­schen Nach­bar­schafts­po­li­tik erfassten. (…) 

    Die Kom­mis­si­on hat sich zum Ziel gesetzt, die Lage in Dritt­län­dern durch regel­mä­ßi­ge Kon­tak­te mit UNSIC, WHO, den Mit­glied­staa­ten der EU und ande­ren Betrof­fe­nen genau zu beob­ach­ten, um recht­zei­tig eine Bedro­hung durch die H1N1-Pan­de­mie 2009 mel­den zu kön­nen; den kon­kre­ten Bedarf der Län­der zur Stär­kung ihrer Kapa­zi­tä­ten für Abwehr­be­reit­schaft und Vor­beu­gung, aber auch gege­be­nen­falls zur Bekämp­fung von Aus­brü­chen zu ermit­teln, die Beschaf­fung von Impf­stof­fen in der EU so zu gestal­ten, dass der Zugang von Ent­wick­lungs­län­dern zu Impf­stof­fen und ande­ren Arz­nei­mit­teln nicht beein­träch­tigt ist und schließ­lich für einen bes­se­ren Zugang ange­sichts der begrenz­ten Res­sour­cen ein­zu­tre­ten. Im Ein­klang mit dem Auf­ruf des Gene­ral­di­rek­tors der WHO zur inter­na­tio­na­len Soli­da­ri­tät für glei­che und fai­re Bedin­gun­gen für alle Län­der beim Zugang zu den ent­spre­chen­den Impf­stof­fen, sobald die­se ver­füg­bar sind, soll­te ernst­haft erwo­gen wer­den, einen Teil der von den Mit­glied­staa­ten bestell­ten Impf­stof­fe für Ent­wick­lungs­län­der zu reservieren. 

    Impf­stra­te­gien

    Da die Zustän­dig­keit für die Ent­wick­lung einer Impf­stra­te­gie gegen die H1N1-Pan­de­mie 2009 bei den Mit­glied­staa­ten liegt, wer­den in der Arbeits­un­ter­la­ge der Kom­mis­si­ons­dienst­stel­len auf der Grund­la­ge der aktu­el­len wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se und epi­de­mio­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen Optio­nen genannt, wel­che die Mit­glied­staa­ten bei der Fest­le­gung von Stra­te­gien, die für die Ver­hält­nis­se in ihrem Hoheits­ge­biet geeig­net sind, berück­sich­ti­gen kön­nen. Nach die­sen all­ge­mei­nen Ori­en­tie­run­gen kön­nen die Mit­glied­staa­ten unter Berück­sich­ti­gung der jewei­li­gen epi­de­mio­lo­gi­schen Ent­wick­lung, der Struk­tur des Gesund­heits­we­sens und der ver­füg­ba­ren Res­sour­cen durch­aus unter­schied­li­che Impf­pro­gram­me fest­le­gen. Ein Aus­gangs­punkt für die­se Arbeits­un­ter­la­ge war die Erklä­rung des Gesund­heits­si­cher­heits­aus­schus­ses der Euro­päi­schen Uni­on über Ziel- und Prio­ri­täts­grup­pen für die Imp­fung gegen die H1N1-Pan­de­mie 2009 vom 26. August 2009[13].

    Die Tat­sa­che, dass zu Beginn Impf­stof­fe knapp waren und sich die Not­wen­dig­keit einer breit ange­leg­ten Impf­kam­pa­gne andeu­tet, ist eine Her­aus­for­de­rung für die Gesund­heits­sys­te­me und macht deut­lich, dass es einer sorg­fäl­tig geplan­ten Impf­stra­te­gie bedarf, die den Schutz beson­ders anfäl­li­ger Men­schen, die Ein­däm­mung der Infek­ti­ons­ge­fahr und die Auf­recht­erhal­tung wesent­li­cher Dienst­leis­tun­gen in der Gesell­schaft mit in Betracht zieht. Das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung und somit der Erfolg jeder Impf­kam­pa­gne gegen die H1N1-Pan­de­mie 2009 wird davon abhän­gen, dass aktiv und offen über die Vor- und Nach­tei­le der Imp­fung gegen die Pan­de­mie berich­tet wird. 

    Es gilt fest­zu­hal­ten, dass ein gemein­sa­mes Inter­es­se an der Effi­zi­enz der ein­zel­staat­li­chen Impf­pro­gram­me besteht, um die Aus­brei­tung des Virus zu ver­hin­dern und jeg­li­ches Virus­re­ser­voir zu eli­mi­nie­ren, damit ein erneu­tes Auf­fla­ckern der Pan­de­mie aus­ge­schlos­sen ist. 

    Regu­lie­rungs­ver­fah­ren für die Zulas­sung von anti­vi­ra­len Arz­nei­mit­teln und von Impfstoffen 

    Die EU hat sich früh auf eine Pan­de­mie vor­be­rei­tet, indem sie Vor­keh­run­gen für eine beschleu­nig­te Bewer­tung getrof­fen hat, bei­spiels­wei­se die Bewer­tung neu­er Anträ­ge auf Inver­kehr­brin­gen von Impf­stof­fen gegen die H1N1-Pan­de­mie 2009 und Vari­an­ten davon. 

    Die Arbeits­un­ter­la­ge der Kom­mis­si­ons­dienst­stel­len bie­tet einen umfas­sen­den Über­blick über die wich­tigs­ten Schrit­te und Aspek­te bei der Zulas­sung von anti­vi­ra­len Arz­nei­mit­teln und von Impf­stof­fen. Beschrie­ben wer­den auch spe­zi­el­le Vor­keh­run­gen für eine Schnell­zu­las­sung im Fal­le einer Pan­de­mie und die anschlie­ßen­den Pharmakovigilanzpflichten. 

    Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Öffent­lich­keit und den Medi­en über die H1N1-Pan­de­mie 2009 

    Die ange­mes­se­ne Durch­imp­fung von Risi­ko­grup­pen und ande­re Pro­ble­me im Zusam­men­hang mit der Vor­beu­gung und Imp­fung stel­len die Gesund­heits­be­hör­den in Euro­pa vor Her­aus­for­de­run­gen, die sich nur mit einer sorg­fäl­tig geplan­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie bewäl­ti­gen lassen. 

    In der Arbeits­un­ter­la­ge über die Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit wer­den die wich­tigs­ten Fra­gen der koor­di­nier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on mit der Öffent­lich­keit über die H1N1-Pan­de­mie 2009 im Hin­blick auf geziel­te und wis­sen­schaft­lich gesi­cher­te Aus­sa­gen behan­delt, die sich an die all­ge­mei­ne Öffent­lich­keit und bestimm­te Risi­ko­grup­pen wen­den. Es wer­den Mög­lich­kei­ten für gemein­sa­me Aktio­nen der EU-Mit­glied­staa­ten und der Kom­mis­si­on zur Ent­wick­lung einer kohä­ren­ten euro­päi­schen Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie genannt. 

    8. SCHLUSSFOLGERUNGEN

    Die H1N1-Pan­de­mie 2009 ist eine glo­ba­le Herausforderung. (…) 

    Bereichs­über­grei­fen­de Aktio­nen blei­ben ein zen­tra­les Ele­ment bei der Bekämp­fung der H1N1-Pan­de­mie 2009. Auf jeder Ebe­ne muss die Reak­ti­on auf eine Pan­de­mie bereichs­über­grei­fend sein und auch Stel­len außer­halb des Gesund­heits­sek­tors einbeziehen. (…) 

    [1] KOM(2005) 607 vom 28. Novem­ber 2005. 

    [2] eur​-lex​.euro​pa​.eu/​L​e​x​U​r​i​S​e​r​v​/​L​e​x​U​r​i​S​e​r​v​.​d​o​?​u​r​i​=​C​E​L​E​X​:​1​2​0​0​2​E​1​5​2​:​E​N​:​H​TML

    [3] ec​.euro​pa​.eu/​h​e​a​l​t​h​-​e​u​/​d​o​c​/​c​o​u​n​c​i​l​_​c​o​n​c​l​.​pdf

    [4] Die ent­spre­chen­den Unter­la­gen sind von der Web­site der Kom­mis­si­on zur H1N1-Pan­de­mie 2009 abruf­bar: ec​.euro​pa​.eu/​h​e​a​l​t​h​/​p​h​_​t​h​r​e​a​t​s​/​c​o​m​/​I​n​f​l​u​e​n​z​a​/​n​o​v​e​l​f​l​u​_​e​n​.​htm

    [5] ABl. L 110 vom 1.5.2009, S. 58. 

    [6] ABl. L 268 vom 3.10.1998, S. 1. 

    [7] ecdc​.euro​pa​.eu/​e​n​/​h​e​a​l​t​h​t​o​p​i​c​s​/​P​a​g​e​s​/​I​n​f​l​u​e​n​z​a​_​A​(​H​1​N​1​)​_​O​u​t​b​r​e​a​k​.​a​spx

    [8] Der Leit­fa­den ist von fol­gen­der Web­site abruf­bar: ec​.euro​pa​.eu/​f​o​o​d​/​a​n​i​m​a​l​/​d​i​s​e​a​s​e​s​/​i​n​f​l​u​e​n​z​a​A​H​1​N​1​/​d​o​c​s​/​w​d​_​s​u​r​v​e​i​l​l​a​n​c​e​_​a​n​d​_​c​o​n​t​r​o​l​_​o​f​_​h​1​n​1​_​i​n​_​p​i​g​s​_​r​e​v​1​_​1​4​0​7​0​9​_​e​n​.​pdf

    [9] Dazu gehö­ren der­zeit die Tür­kei und Kroatien. 

    [10] KOM(2005) 108 vom 6. April 2005. 

    [11] EMPERIE trägt direkt zur Erfor­schung wich­ti­ger bio­lo­gi­scher Aspek­te bei (sie­he ec​.euro​pa​.eu/​r​e​s​e​a​r​c​h​/​h​e​a​l​t​h​/​i​n​f​e​c​t​i​o​u​s​-​d​i​s​e​a​s​e​s​/​e​m​e​r​g​i​n​g​-​e​p​i​d​e​m​i​c​s​/​p​r​o​j​e​c​t​s​/​1​3​9​_​e​n​.​h​tml), FLUMODCONT zu Gesund­heits­aspek­ten (flu​mod​cont​.eu/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​h​o​m​e​)​.​E​ine voll­stän­di­ge Über­sicht über alle Pro­jek­te ist von fol­gen­der Web­site abruf­bar: ec​.euro​pa​.eu/​r​e​s​e​a​r​c​h​/​h​e​a​l​t​h​/​i​n​f​e​c​t​i​o​u​s​-​d​i​s​e​a​s​e​s​/​e​m​e​r​g​i​n​g​-​e​p​i​d​e​m​i​c​s​/​p​r​o​j​e​c​t​s​_​e​n​.​h​tml

    [12] Zusam­men mit die­ser Mit­tei­lung wur­den fünf Arbeits­pa­pie­re über die zen­tra­len stra­te­gi­schen Lini­en aus­ge­ar­bei­tet. Sie bie­ten einen Über­blick über das Spek­trum mög­li­cher Aktio­nen, die zur Unter­stüt­zung der ein­zel­staat­li­chen Maß­nah­men bei der Reak­ti­on auf die Pan­de­mie nütz­lich sein können. 

    [13] ec​.euro​pa​.eu/​h​e​a​l​t​h​/​p​h​_​t​h​r​e​a​t​s​/​c​o​m​/​I​n​f​l​u​e​n​z​a​/​i​n​f​l​u​e​n​z​a​_​l​e​v​e​l​_​e​n​.​htm

    eur​-lex​.euro​pa​.eu/​l​e​g​a​l​-​c​o​n​t​e​n​t​/​D​E​/​A​L​L​/​?​u​r​i​=​C​E​L​E​X​:​5​2​0​0​9​D​C​0​481

    https://​eur​-lex​.euro​pa​.eu/​l​e​g​a​l​-​c​o​n​t​e​n​t​/​D​E​/​A​L​L​/​?​u​r​i​=​C​E​L​E​X​:​5​2​0​0​9​D​C​0​481

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