Wie war das noch… mit der Schweinegrippe?

Im Rückblick auf die "Schweinegrippe" von 2009 fin­den sich ver­blüf­fen­de Ähnlichkeiten zur heu­ti­gen Situation, aber auch Unterschiede.

Im Juni 2009 stuf­te die WHO die Krankheit als Pandemie ein. Diese Phase wur­de im August 2010 been­det. Es hat­te sich her­aus­ge­stellt, daß welt­weit weni­ger Erkrankte gezählt wur­den als bei "nor­ma­len" sai­so­na­len Influenzaerkrankungen. (lt. Wikipedia)

Verblüffende Parallelen zu heu­te fin­den sich im Ablauf. Am 27.4.2009 erklär­te das Robert-Koch-Institut:

'„Auf eine sol­che Situation hat sich Deutschland in den ver­gan­ge­nen Jahren vor­be­rei­tet“ sagt Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts…
Es ist denk­bar, dass ein­zel­ne Influenzafälle durch Reisende ein­ge­schleppt werden…
Für die Bevölkerung wird der­zeit kei­ne all­ge­mei­ne Gefährdung durch die Schweinegrippe gese­hen. Generell emp­foh­le­ne per­sön­li­che Hygienemaßnahmen wie Händewaschen soll­ten aber beson­ders beach­tet wer­den, ins­be­son­de­re bei Kontakt zu Reiserückkehrern aus betrof­fe­nen Regionen. Bei der sai­so­na­len Influenza kön­nen Infizierte auch schon etwa einen Tag vor Auftreten der ers­ten Symptome infek­ti­ös sein. Influenzaviren wer­den vor allem durch Tröpfcheninfektion über­tra­gen. Insbesondere beim Niesen oder Husten kön­nen Erreger auch auf die Hände gelan­gen und dar­über wei­ter­ver­brei­tet wer­den. Daher wird beim Husten emp­foh­len, in den Ärmel zu hus­ten.' Link

In einem Rückblick des RKI aus dem Jahre 2010 heißt es:

"Auch wenn die pan­de­mi­sche Influenza (Schweinegrippe) 2009 uner­war­tet mild ver­lief, erfüllt sie sowohl die Kriterien des glo­ba­len Pandemieplans der Weltgesundheitsorganisation als auch die übli­chen infek­ti­ons­epi­de­mio­lo­gi­schen Kriterien frü­he­rer Pandemien: Die ent­schei­den­den Merkmale sind, dass es sich (i) um einen neu­ar­ti­gen Influenzaerreger han­del­te, der (ii) Erkrankungen und Todesfälle beim Menschen ver­ur­sach­te, gegen den (iii) weit­ge­hend kei­ne Immunität bestand, der (iv) leicht von Mensch zu Mensch über­trag­bar ist und sich (v) sehr rasch welt­weit ver­brei­tet. Typisch für eine Influenzapandemie sind auch (vi) das Auftreten außer­halb der übli­chen Grippesaison, (vii) die unge­wöhn­li­che Altersverteilung bei den schwer Erkrankten, (viii) unge­wöhn­li­che Erkrankungsverläufe." Link

Der Unterschied zu heu­te fin­det sich unter (vii), weil die Krankheit eher jün­ge­re Menschen befiel. Ansonsten sind die Kriterien iden­tisch – den­noch ver­lief die­se Influenza "uner­war­tet mild". So heißt es an der glei­chen Stelle:

"Schwere und töd­li­che Erkrankungen waren zwar sel­te­ner als bei den meis­ten sai­so­na­len Influenzawellen, betra­fen dafür aber in beson­de­rem Maße deut­lich jün­ge­re Altersgruppen. Mehrere Krankenhausärzte in Deutschland schät­zen, dass es man­cher­orts zu Versorgungsproblemen auf Intensivstationen und vor allem bei Beatmungsplätzen gekom­men wäre, wenn die Grippewelle im Herbst nur etwas län­ger gedau­ert hätte."

Was der letz­te Satz in einem Bericht von Wissenschaftlern zu suchen hat, weiß der Himmel. Und wenn wir die Punkte (vi) und (vii) als für heu­te gül­tig anse­hen, dann haben wir es zur Zeit nicht mit einer Influenzapandemie zu tun.

Auf wel­che Einschätzung sei­tens des RKI wir uns dem­nächst ein­stel­len müs­sen, las­sen die­se Worte erahnen:

"Es ist auch durch­aus mög­lich, dass sich die pan­de­mi­sche Influenza in Deutschland auch dar­um ver­gleichs­wei­se mode­rat ent­wi­ckelt hat, weil die ergrif­fe­nen Maßnahmen erfolg­reich waren…

Die Schutzimpfung konn­te zwar erst rela­tiv spät ein­ge­setzt wer­den, hat aber mög­li­cher­wei­se auch einen gewis­sen Einfluss gehabt. Wichtig waren außer­dem wohl die strik­ten Maßnahmen, mit denen anste­cken­de Patienten und deren Kontaktpersonen vor allem in den ers­ten Wochen iso­liert und über­wacht wur­den." (Hervorhebungen nicht im Original)

Die Institution, nach deren Einschätzung heu­te unser Leben regle­men­tiert wird, mutet uns Erkenntnisse zu, die "durch­aus mög­lich" oder "mög­li­cher­wei­se" "wohl" "einen gewis­sen Einfluss gehabt" haben.

Eine Antwort auf „Wie war das noch… mit der Schweinegrippe?“

  1. .

    15.09.2009 [ H1N1 – Schweinegrippe ] 

    .

    KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN 

    Brüssel, den 15.9.2009

    KOM(2009) 481 endgültig 

    MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN 

    H1N1-Pandemie 2009

    {SEK(2009) 1188}{SEK(2009) 1189}{SEK(2009) 1190}{SEK(2009) 1191}{SEK(2009) 1192} 

    1. EINLEITUNG

    Im April 2009 wur­de ein neu­er Stamm des Influenzavirus H1N1 des Menschen ent­deckt, das zunächst im März und im April 2009 in Mexiko und in den USA zu Erkrankungen führte. 

    Am 11. Juni 2009 erklär­te die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch einer Pandemie durch das neue Influenzavirus des Typs A (H1N1); sie wird als „H1N1-Pandemie 2009“ bezeich­net. Diese Erklärung stand im Einklang mit dem all­ge­mei­nen Influenza-Bereitschaftsplan der WHO, in dem nach der Definition der Stufe 6, der Pandemiestufe, das Virus anhal­ten­de Ausbrüche in der Gemeinschaft, in min­des­tens zwei Ländern einer WHO-Region und in min­des­tens einem wei­te­ren Land einer ande­ren WHO-Region ver­ur­sacht. Die Erklärung bezog sich somit auf die Verbreitung des neu­en Virus und nicht auf die Schwere der von ihm ver­ur­sach­ten Erkrankungen. 

    Im Zuge der Ausbrüche der so genann­ten Vogelgrippe A (H5N1) im Jahre 2005 nahm die Kommission eine Mitteilung zur Bereitschafts- und Reaktionsplanung der Gemeinschaft mit Blick auf eine Influenzapandemie in der Europäischen Gemeinschaft an. (…) 

    Die Europäische Union ist heu­te bes­ser denn je auf grenz­über­grei­fen­de und glo­ba­le Gesundheitsbedrohungen im Allgemeinen und auf die H1N1-Pandemie 2009 im Besonderen vor­be­rei­tet. Die Mitgliedstaaten und die Kommission haben Rechts- und Verwaltungsvorschriften erlas­sen, um nach sorg­fäl­ti­ger Abwägung der Vorteile und Risiken anhand der ver­füg­ba­ren Daten in der aktu­el­len Pandemie das Inverkehrbringen von Impfstoffen und Virostatika zuzu­las­sen, die eine geeig­ne­te Reaktion auf die­se H1N1-Pandemie 2009 ermöglichen. 

    (…) Zu die­sem Zweck und nach Aufforderung des Rats der Gesundheitsminister legt die Kommission gleich­zei­tig fünf Arbeitspapiere zu den Themen Impfstoffentwicklung, Impfstrategien, gemein­sa­me Beschaffung, Information der Öffentlichkeit und Unterstützung von Drittländern vor 

    2. ERGÄNZENDE MASSNAHMEN FÜR EU-MITGLIEDSTAATEN 

    Gemäß Artikel 152 des Vertrags müs­sen Gemeinschaftsmaßnahmen die Politik der Mitgliedstaaten ergän­zen und auf die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung, die Verhütung von Humankrankheiten und die Beseitigung von Ursachen für die Gefährdung der mensch­li­chen Gesundheit gerich­tet sein. (…) 

    Eine glo­ba­le Pandemie stellt eine grenz­über­grei­fen­de Gesundheitsbedrohung dar, die nicht nur die öffent­li­che Gesundheit, son­dern die gesam­te Gesellschaft und Wirtschaft in der EU gefährdet. (…) 

    Eine gute, objek­ti­ve und aktu­el­le Information der Öffentlichkeit und der Medien bedingt, dass in den ein­zel­nen Ländern nicht unter­schied­lich oder falsch infor­miert wird. 

    Als vor­beu­gen­de Maßnahme stellt die Impfung eine der wirk­sams­ten Reaktionen des Gesundheitswesens zur Abmilderung einer Pandemie dar; für die Behandlung hin­ge­gen bil­det die Verabreichung von anti­vi­ra­len Arzneimitteln die wich­tigs­te Option. Aufgrund der begrenz­ten glo­ba­len Herstellungskapazitäten inner­halb kur­zer Frist wer­den Impfstoffe in der EU erst schritt­wei­se verfügbar. (…) 

    Die Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie die Lagerung und der Zugang zu anti­vi­ra­len Arzneimitteln wer­den auf ein­zel­staat­li­cher Ebene fest­ge­legt; die Mitgliedstaaten haben bereits ent­spre­chen­de Vorbereitungen getrof­fen. Zur Unterstützung der­je­ni­gen Mitgliedstaaten, die über gerin­ge­re finan­zi­el­le Ressourcen oder ent­spre­chen­de Kapazitäten ver­fü­gen, arbei­tet die Kommission mit dem EU-Gesundheitssicherheitsausschuss zusam­men, um Wege zu fin­den, wie man ein­zel­nen Mitgliedstaaten bei der Impfstoffbeschaffung hel­fen kann. 

    3. HINTERGRUND

    Am 30. April 2009 nah­men die Gesundheitsminister die Schlussfolgerungen des Rates zur Influenzainfektion A/H1N1 an.[3] (…)

    Diese Koordinierungsfunktion soll­ten der Gesundheitssicherheitsausschuss (HSC), das Frühwarn- und Reaktionssystem für über­trag­ba­re Krankheiten (EWRS) und der Ausschuss des Netzes für die epi­de­mio­lo­gi­sche Überwachung und Kontrolle über­trag­ba­rer Krankheiten in Zusammenarbeit mit Drittländern und inter­na­tio­na­len Organisationen, ins­be­son­de­re der WHO, wahr­neh­men. Die Kommission führt seit Beginn des Ausbruchs regel­mä­ßig den Vorsitz in gemein­sa­men Sitzungen der für das EWRS zustän­di­gen natio­na­len Behörden der Mitgliedstaaten und des Gesundheitssicherheitsausschusses. 

    Am 8. und 9. Juni beriet der Rat über Impfstoffe und Impfstrategien zur Bekämpfung der H1N1-Pandemie 2009 und gab dem Gesundheitssicherheitsausschuss ein Mandat für die Arbeit an die­sen bei­den Fragen. Die Gesundheitsminister kamen am 6. und 7. Juli 2009 noch ein­mal zu einer infor­mel­len Sitzung zusam­men, um über die Abwehrbereitschaft und die Reaktion auf die Pandemie zu beraten. (…) 

    Auf inter­na­tio­na­ler Ebene ist die Kommission Mitglied der glo­ba­len Initiative für Gesundheitssicherheit für die Grippepandemie und ande­re Gesundheitssicherheitsfragen, an der die G7-Länder und Mexiko betei­ligt sind. (…) 

    Die glo­ba­le Initiative für Gesundheitssicherheit hat zwei infor­mel­le Sitzungen abge­hal­ten, die ers­te davon anläss­lich der Weltgesundheitsversammlung im Mai und die zwei­te auf Einladung von Mexiko auf einer Ministertagung zur H1N1-Pandemie 2009 am 2. und 3. Juli 2009 in Cancun. Eine wei­te­re Sitzung fand auf Einladung der Kommission im September in Brüssel statt. 

    4. EU-KOORDINIERUNG DER REAKTION DES GESUNDHEITSWESENS – GEMEINSAM MIT DEN MITGLIEDSTAATEN 

    (…) Das Managementsystem für inter­ne Krisen (ARGUS) der Kommission ist akti­viert wor­den und ermög­licht es allen betrof­fe­nen Dienststellen, gemein­sam die sek­tor­über­grei­fen­den Aspekte die­ser Pandemie zu bewer­ten und ent­spre­chend zu reagieren. 

    Im Gesundheitssektor arbei­tet die Kommission eng mit den für wis­sen­schaft­li­che Bewertung zustän­di­gen Stellen – dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), der Europäischen Agentur für Arzneimittel (EMEA) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) – in spe­zi­fi­schen Fragen zusam­men und hält zudem engen Kontakt zur WHO, um sicher­zu­stel­len, dass die auf EU-Ebene getrof­fe­nen Maßnahmen mit den WHO-Empfehlungen und den Internationalen Gesundheitsvorschriften im Einklang stehen. 

    Um, wie in der Mitteilung der Kommission zur Bereitschafts- und Reaktionsplanung der Gemeinschaft mit Blick auf eine Influenzapandemie in der Europäischen Gemeinschaft dar­ge­legt, eine wir­kungs­vol­le sek­tor­über­grei­fen­de Reaktion des Gesundheitswesens auf die Pandemie auf euro­päi­scher Ebene sicher­zu­stel­len, hat die Europäische Union anhand vor­han­de­ner Rechts- und Gesundheitsinstrumente[4] bereits eine Reihe von Maßnahmen getroffen: 

    - gemein­sa­me Falldefinitionen, die mit einer Entscheidung der Kommission am 1. Mai 2009[5] ange­nom­men wurden; 

    - Vereinbarung vom 18. Mai 2009 über Empfehlungen für Personen, die Reisen in die betrof­fe­nen Gebiete pla­nen oder aus die­sen zurückkehren, 

    - Ausweitung des Überwachungssystems zur Feststellung neu­er Fälle in der EU am 18. Mai 2009; 

    - Leitlinien für Fallmanagement und Behandlung sowie Beratung zu medi­zi­ni­schen Gegenmaßnahmen für Beschäftigte des Gesundheitswesens vom 18. Mai 2009; 

    - Empfehlungen für die brei­te Öffentlichkeit zu per­sön­li­chen Schutzmaßnahmen, die am 4. Mai 2009 ver­ein­bart und den Mitgliedstaaten in allen EU-Amtssprachen zur Verfügung gestellt wurden; 

    - Erklärungen des Gesundheitssicherheitsausschusses und der Kontaktstellen des Frühwarn- und Reaktionssystems (EWRS) zu Schulschließungen und Reiseempfehlungen am 13. August 2009; 

    - Erklärung zu „Impfstrategien: Ziel- und Prioritätsgruppen“, die vom Gesundheitssicherheitsausschuss und den EWRS-Kontaktstellen am 25. August 2009 ver­ein­bart wurde. 

    Nach der Entscheidung 2119/98/EC[6] sind die Mitgliedstaaten ver­pflich­tet, dem Gemeinschaftsnetz für über­trag­ba­re Krankheiten Grippeausbrüche zu mel­den. (…) Das ECDC sam­melt die­se Informationen. Im Falle einer Grippepandemie wer­den für die Mitgliedstaaten täg­lich Lageberichte erstellt. (…) 

    Was die Zulassung der not­wen­di­gen Medizinprodukte betrifft, sehen die gemein­schaft­li­chen Rechtsvorschriften fol­gen­de Instrumente vor, die auf eine Pandemie gut vor­be­rei­tet sind durch: 

    - spe­zi­fi­sche Verwaltungsvorschriften für eine beschleu­nig­te wis­sen­schaft­li­che Bewertung und die dar­auf­fol­gen­de Zulassung für das Inverkehrbringen von Impfstoffen gegen die Influenza beim Menschen sowie wich­ti­ger Medizinprodukte wie anti­vi­ra­ler Arzneimittel in einer Pandemiesituation; 

    - spe­zi­fi­sche Verwaltungsvorschriften, die es den Mitgliedstaaten ermög­li­chen, natio­na­le Entscheidungen zur Genehmigung der Verteilung nicht zuge­las­se­ner Impfstoffe bei einer Grippepandemie zu treffen. 

    Die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) ver­öf­fent­licht wis­sen­schaft­li­che Stellungnahmen zur Nutzen/Risiko-Abwägung die­ser Medizinprodukte, ein­schließ­lich Impfstoffen und Virostatika, die einer gemein­schaft­li­chen Zulassung durch Entscheidung der Kommission ( zen­tra­le Zulassung ) unter­lie­gen. (…) Bei der Vorbereitung der wis­sen­schaft­li­chen Bewertung der Impfstoffe gegen die Influenza A (H1N1) 2009 führt die EMEA einen Meinungsaustausch mit Zulassungsbehörden in Drittländern wie den USA. 

    Während ver­schie­de­ne anti­vi­ra­le Arzneimittel in der Vergangenheit zuge­las­sen wur­den und für die Behandlung der Grippepandemie in der EU zur Verfügung ste­hen, kon­zen­trie­ren sich die neu­en Maßnahmen auf eine beschleu­nig­te Bewertung der Zulassungsanträge für Impfstoffe gegen die Influenza A (H1N1). Sowohl die EMEA als auch die Mitgliedstaaten haben sol­che Anträge erhal­ten oder erwar­ten sie. 

    Auf Gemeinschaftsebene bewer­tet die EMEA der­zeit Daten und Anträge für meh­re­re Impfstoffe. Sobald die EMEA eine befür­wor­ten­de wis­sen­schaft­li­che Stellungnahme zu den ein­zel­nen Impfstoffen auf der Grundlage einer aus­führ­li­chen Bewertung von Nutzen und Risiken abgibt, wird die Kommission für eine unver­züg­li­che Entscheidung über die Zulassung sor­gen. Nach der Zulassung soll eine spe­zi­fi­sche Überwachung (Pharmakovigilanz) eine lau­fen­de Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit die­ser Arzneimittel ermög­li­chen. Im Falle natio­na­ler Zulassungen ist es Sache der Mitgliedstaaten, über eine Beschleunigung der wis­sen­schaft­li­chen Bewertung und des Zulassungsverfahrens zu entscheiden. 

    Schnittstelle zwi­schen Mensch und Tier 

    Die Kommission hat außer­dem Maßnahmen zu einem wei­te­ren Problem ergrif­fen, näm­lich der mög­li­chen Infektion von Schweinen mit dem Virus der H1N1-Pandemie 2009 in Europa. Dieses Phänomen wur­de bereits in Kanada, Argentinien und Australien beob­ach­tet und ist wahr­schein­lich auf eine vor­he­ri­ge Übertragung vom Menschen auf Schweine zurück­zu­füh­ren. Zwar haben Schweine in die­sen Ländern bis­her kei­ne Rolle als zusätz­li­che Virusquelle für Menschen gespielt, doch könn­te eine etwai­ge Feststellung und Verbreitung des Pandemievirus bei Schweinen in Europa unbe­grün­de­te Ängste in der Bevölkerung hervorrufen. 

    Am 14. Juli 2009 befür­wor­te­te der Ständige Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit einen Leitfaden der Kommission für Maßnahmen zur Überwachung und Kontrolle des Pandemievirus bei Schweinen[8], um sicher­zu­stel­len, dass Landwirte sowie die Gesundheits- und Veterinärbehörden auf einen sol­chen Fall vor­be­rei­tet sind und um das Risiko einer ein­be­grün­de­ten Panik in der Bevölkerung zu ver­rin­gern. Zudem wur­de das H1N1-Pandemievirus 2009 bei Truthähnen in Chile ent­deckt, was höchst­wahr­schein­lich auf eine Übertragung von infi­zier­ten Menschen zurückging. (…) 

    Luftverkehr

    Zum Thema Luftverkehr fand am 5. Mai 2009 eine eige­ne Sitzung mit den Zivilluftfahrtbehörden statt. (…) 

    Eine Kernfrage der Notfallplanung mit Blick auf eine mög­li­che Grippepandemie besteht dar­in, ob es sinn­voll ist, den inter­na­tio­na­len Reiseverkehr in und aus den betrof­fe­nen Gebieten zu beschrän­ken oder ein Screening von Reisenden bei der Ein- oder Ausreise an Flughäfen vor­zu­schrei­ben. Während der SARS-Epidemie 2003 wur­de deut­lich, wie leicht sich Infektionskrankheiten über eine immer enger mit­ein­an­der ver­bun­de­ne, ste­tig wach­sen­de Weltbevölkerung aus­brei­ten kön­nen. Allerdings hat sich damals erwie­sen, dass die Reisebeschränkungen auf bestimm­te Länder abziel­ten, in denen sich die Epidemie weit ver­brei­tet hat­te, und nur gerin­ge Wirkung zeig­ten. Außerdem unter­schei­det sich die der­zei­ti­ge Pandemie offen­bar inso­fern, als sie sich bereits über die gan­ze Welt aus­ge­brei­tet hat. Nach den WHO-Empfehlungen gel­ten daher Reisebeschränkungen gegen­wär­tig nicht als geeig­ne­tes Mittel. Diese Stellungnahme wur­de auch am 1. Mai von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) an alle Luftfahrtbehörden geschickt und auf der Sitzung des Rates der ICAO am 11. Mai 2009 bestä­tigt. Im Einklang mit die­ser Stellungnahme ist auf EU-Ebene kei­ne Empfehlung zu Reisebeschränkungen, auch nicht im Luftverkehr, ergangen. 

    Außerdem ver­stän­dig­te man sich dar­auf, dass die Mitgliedstaaten je nach Entwicklung der Lage und unter Berücksichtigung der Empfehlungen der zustän­di­gen Gesundheitsbehörden alle geeig­ne­ten Maßnahmen im Luftverkehrsbereich tref­fen sollten. (…) 

    Möglichkeiten der finan­zi­el­len Unterstützung auf EU-Ebene 

    Der Solidaritätsfonds der Europäischen Union kann von den Mitgliedstaaten und den Ländern, mit denen über den Beitritt zur EU ver­han­delt wird,[9] im Falle grö­ße­rer Naturkatastrophen zur Erstattung der Kosten für die Behebung bestimm­ter Schäden in Anspruch genom­men wer­den. Krisen im Bereich der Gesundheit und ins­be­son­de­re Ausgaben für den Erwerb von Impfstoffen fal­len nicht darunter. (…) 

    Das bei­lie­gen­de Arbeitspapier der Dienststellen der Kommission mit dem Titel „Support to third coun­tries to fight Pandemic (H1N1) 2009” (Unterstützung von Drittländern bei der Bekämpfung der H1N1-Pandemie 2009) legt die inter­na­tio­na­le Dimension der EU-Reaktion dar. (…) 

    Siebtes Forschungsrahmenprogramm (FP7)

    Die Forschungsrahmenprogramme (FP7 und des­sen Vorläufer FP6 und FP5) haben erheb­li­che Beiträge zur Erforschung der Influenza und zur Verbesserung der Abwehrbereitschaft gegen Pandemien geleis­tet. Innovative Impftechnologien und Adjuvantien, Studien zur Überwachung von Vögeln und Schweinen, die Entwicklung von ambu­lan­ten Diagnostika und neu­en Virostatika sind durch Projekte aus den Forschungsrahmenprogrammen finan­ziert wor­den. Insbesondere zwei der lau­fen­den FP7-Projekte sind direkt für die aktu­el­le Pandemie von Bedeutung.[11]

    5. INTERNATIONALE KOORDINIERUNG 

    Seit den ers­ten Berichten über den Ausbruch der Influenza des Typs H1N1 betont die Europäische Kommission, wie wich­tig der Informationsaustausch und die Koordinierung der Maßnahmen auf inter­na­tio­na­ler Ebene sind. Die Kommission unter­stützt die füh­ren­de Rolle der WHO bei der Überwachung der Pandemie nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften, der Abgabe von Empfehlungen und evi­denz­ba­sier­ten Leitlinien, der Ermöglichung von Hilfeleistungen an die ärms­ten Länder, ein­schließ­lich der Bereitstellung von Sachverstand, dem Aufbau von Handlungskompetenz und sogar der Beschaffung von Impfstoffen und anti­vi­ra­len Mitteln. 

    Wie bereits erwähnt, ist die Kommission auch über die glo­ba­le Initiative für Gesundheitssicherheit (GHSI) an der Koordinierung der Aktionen im Bereich der öffent­li­chen Gesundheit betei­ligt, ins­be­son­de­re beim Informationsaustausch über Maßnahmen im Bereich der öffent­li­chen Gesundheit. 

    Das GHSI-Netz arbei­tet an Fragen wie sie auch im EU-Kontext rele­vant sind und will dafür sor­gen, dass sie in allen GHSI-Ländern auf koor­di­nier­te Weise behan­delt wer­den. Die Kommission ver­an­stal­te­te am 11. September 2009 eine außer­or­dent­li­che Ministertagung zu Fragen von gemein­sa­mem Interesse im Zusammenhang mit der Bereitschafts- und Reaktionsplanung für die H1N1-Pandemie 2009. Da in den kom­men­den Monaten eine viru­len­te­re Welle des H1N1-Influenzavirus 2009 bevor­steht, erör­ter­ten die Minister eine Reihe von Fragen, die für eine wir­kungs­vol­le Reaktion von ent­schei­den­der Bedeutung sind 

    Auf der 14. Ministertagung der Europäischen Union und der Rio-Gruppe (alle latein­ame­ri­ka­ni­schen Länder, Dominikanische Republik, Jamaika, Belize, Guyana und Haiti) am 13. Mai 2009 in Prag wur­de eine gemein­sa­me Erklärung zum „Neuen Grippevirus“ abge­ge­ben. Darin wird zur wei­te­ren Koordinierung der Maßnahmen aller zustän­di­gen Organisationen und Stellen aufgerufen. 

    Zwecks Ausarbeitung von Strategien zur Bewertung und Zulassung von Impfstoffen ste­hen die Europäische Kommission, das ECDC und die EMEA in engem Kontakt mit der WHO und über die WHO auch mit ande­ren Arzneimittelaufsichtsbehörden welt­weit. Außerdem haben die Kommission und die EMEA mit drei Drittländern (USA, Kanada, Japan) bila­te­ra­le Geheimhaltungsvereinbarungen für die wis­sen­schaft­li­che Zusammenarbeit und die Erarbeitung von Vorschriften ver­ein­bart; dies hat sich bei der aktu­el­len Pandemie für den Informationsaustausch als sinn­voll erwiesen. 

    6. SOZIALE UND WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER PANDEMIE 

    Die Weltbank schätzt, dass die zur Verlangsamung der Pandemieausbreitung getrof­fe­nen Maßnahmen zwar sinn­voll sind, aber gro­ße wirt­schaft­li­che Auswirkungen haben könn­ten. Sie machen offen­bar 60 % der Gesamtkosten aus. Nur 12 % sei­en auf Todesfälle zurück­zu­füh­ren und 28 % auf Krankheiten und Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die wirt­schaft­li­chen Auswirkungen einer Krise im Gesundheitsbereich sel­ten direkt mit der Schwere der Viruserkrankungen zusammenhängen. (…) 

    Unmittelbare Auswirkungen (epi­de­mio­lo­gi­sche Ungewissheit) 

    Die unmit­tel­bars­ten wirt­schaft­li­chen Auswirkungen einer Pandemie könn­ten nicht durch die Zahl der Todesfälle oder Erkrankungen ent­ste­hen, son­dern durch unko­or­di­nier­te Bemühungen der Bevölkerung, die Infektion zu vermeiden. 

    Es ist mit stei­gen­dem Bedarf an Krankenhauseinweisungen und medi­zi­ni­scher Behandlung zu rech­nen, eben­so wie an Arzneimitteln, ein­schließ­lich Virostatika und Impfstoffen, Masken, Handschuhen, anti­mi­kro­biel­len Mitteln und ande­ren Gegenmaßnahmen. (…) 

    Abgesehen von der gesund­heit­li­chen Versorgung soll­ten zusätz­li­che Vorkehrungen getrof­fen wer­den, um enge per­sön­li­che Kontakte und damit das Infektionsrisiko zu ver­mei­den. Im schlimms­ten Fall könn­te dies einen Rückgang der Nachfrage in man­chen Wirtschaftsbereichen ver­ur­sa­chen und der grenz­über­schrei­ten­de Warenverkehr sowie die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger könn­ten beein­träch­tigt werden. (…) 

    Langfristige Auswirkungen (wirt­schaft­li­che Ungewissheit) 

    (…) Die Weltbank unter­stützt die Solidarität mit Ländern, die Hilfe benö­ti­gen, um effi­zi­ent auf die Pandemie und ihre Folgen reagie­ren zu kön­nen. Am 2. Juni hat sie des­halb im Fast-Track-Verfahren 500 Millionen USD zur Unterstützung von Ländern bei der Finanzierung von Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Ausbrüchen der H1N1-Pandemie 2009 genehmigt. 

    Auswirkungen auf die glo­ba­le, regio­na­le und natio­na­le Sicherheit 

    Die Verbreitung der H1N1-Pandemie 2009 kann bedeu­ten­de Auswirkungen auf die Sicherheit, die Stabilität und das Regierungshandeln auf glo­ba­ler, regio­na­ler und natio­na­ler Ebene haben. Außenpolitische Maßnahmen der EU zum Ausbau der „Frühwarn“-Kapazität in Drittländern soll­ten daher als wich­ti­ger Bestandteil der all­ge­mei­nen Sicherheitsstrategie der EU und als wich­ti­ger Beitrag der EU zu mehr Stabilität und einer bes­se­ren Weltordnungspolitik gese­hen werden. 

    7. ZENTRALE STRATEGISCHE LINIEN[12]

    Gemeinsame Beschaffung von Impfstoffen 

    Vor dem Hintergrund eines brei­ten Konsenses über die gemein­sa­me Beschaffung von Impfstoffen gegen das für die H1N1-Pandemie 2009 ver­ant­wort­li­che Influenzavirus bat der schwe­di­sche Ratsvorsitz die Kommission beim infor­mel­len Rat „Gesundheit“ am 6. Juli, bei der Vorbereitung einer gemein­sa­men Ausschreibung von Impfstoffen für inter­es­sier­te Mitgliedstaaten behilf­lich zu sein. 

    Angesichts der Entwicklung der Pandemie und der bereits abge­schlos­se­nen Kaufverträge meh­re­rer Mitgliedstaaten wäre es der­zeit nicht ver­nünf­tig oder effi­zi­ent, eine gemein­sa­me EU-wei­te Ausschreibung über Impfstoffe für inter­es­sier­te Mitgliedstaaten in die Wege zu leiten. 

    (…) Auf den ers­ten Blick und in Anbetracht des Zeitdrucks (Kauf der Impfstoffe im Oktober) scheint dies die prak­tischs­te Option zu sein (alle Vertragsunterlagen lie­gen vor, kei­ne gesetz­li­chen Konflikte), die auch am ehes­ten gewähr­leis­ten könn­te, dass recht­zei­tig Impfstoffe für Zielgruppen und vor­ran­gig zu ver­sor­gen­de Gruppen ver­füg­bar sind. (…) 

    Neben den Ausschreibungsverfahren wird die Kommission auch eine gemein­sa­me Vorgehensweise in der EU für die grenz­über­grei­fen­de Nutzung vor­han­de­ner Reserven sowie frei­wil­li­ge Verkäufe unter­stüt­zen. Denkbar wäre eine Zusammenarbeit zwi­schen Mitgliedstaaten zum Ausgleich dras­ti­scher Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Impfstoffen, die auf EU-Ebene koor­di­niert wer­den könn­te. Nach den der Kommission vor­lie­gen­den Informationen haben eini­ge Mitgliedstaaten in den Verträgen bereits vor­ge­se­hen, dass nicht ver­wen­de­te Impfstoffe an ande­re Länder ver­kauft wer­den können. 

    Unterstützung von Drittländern bei der Bekämpfung der H1N1-Pandemie 2009 

    Wichtigstes spe­zi­fi­sches Ziel der Arbeitsunterlage über die Unterstützung von Drittländern ist die Ermittlung von Bereichen und bereits vor­han­de­nen EU-Mechanismen zur Unterstützung von Drittländern beim ste­ti­gen Ausbau ihrer Abwehr gegen die H1N1-Pandemie 2009, wobei die Grundsätze der Ownership der ein­zel­nen Länder und der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit zu respek­tie­ren wären. Bei der Geber-Unterstützung des Gesundheitssektors in Entwicklungsländern sind stets die füh­ren­de Rolle des betref­fen­den Landes bei der Strategiekonzeption und des­sen Ownership des Durchführungsprozesses zu respek­tie­ren, wie dies 2008 von den Teilnehmerländern im Aktionsplan von Akkra ver­ein­bart wur­de, um für eine wirk­sa­me­re inter­na­tio­na­le Entwicklungszusammenarbeit zu sor­gen. Bei der Vorbereitung und Umsetzung von Hilfsmaßnahmen für Drittländer ist eine enge Zusammenarbeit mit der WHO und erfor­der­li­chen­falls mit nicht-staat­li­chen Organisationen (NGO) ent­schei­dend. Hilfreich bei der Bekämpfung der Pandemie wäre auch eine all­mäh­li­che Intensivierung der Zusammenarbeit zwi­schen dem ECDC und eini­gen Drittländern, ins­be­son­de­re den von der Europäischen Nachbarschaftspolitik erfassten. (…) 

    Die Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Lage in Drittländern durch regel­mä­ßi­ge Kontakte mit UNSIC, WHO, den Mitgliedstaaten der EU und ande­ren Betroffenen genau zu beob­ach­ten, um recht­zei­tig eine Bedrohung durch die H1N1-Pandemie 2009 mel­den zu kön­nen; den kon­kre­ten Bedarf der Länder zur Stärkung ihrer Kapazitäten für Abwehrbereitschaft und Vorbeugung, aber auch gege­be­nen­falls zur Bekämpfung von Ausbrüchen zu ermit­teln, die Beschaffung von Impfstoffen in der EU so zu gestal­ten, dass der Zugang von Entwicklungsländern zu Impfstoffen und ande­ren Arzneimitteln nicht beein­träch­tigt ist und schließ­lich für einen bes­se­ren Zugang ange­sichts der begrenz­ten Ressourcen ein­zu­tre­ten. Im Einklang mit dem Aufruf des Generaldirektors der WHO zur inter­na­tio­na­len Solidarität für glei­che und fai­re Bedingungen für alle Länder beim Zugang zu den ent­spre­chen­den Impfstoffen, sobald die­se ver­füg­bar sind, soll­te ernst­haft erwo­gen wer­den, einen Teil der von den Mitgliedstaaten bestell­ten Impfstoffe für Entwicklungsländer zu reservieren. 

    Impfstrategien

    Da die Zuständigkeit für die Entwicklung einer Impfstrategie gegen die H1N1-Pandemie 2009 bei den Mitgliedstaaten liegt, wer­den in der Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen auf der Grundlage der aktu­el­len wis­sen­schaft­li­chen Erkenntnisse und epi­de­mio­lo­gi­schen Entwicklungen Optionen genannt, wel­che die Mitgliedstaaten bei der Festlegung von Strategien, die für die Verhältnisse in ihrem Hoheitsgebiet geeig­net sind, berück­sich­ti­gen kön­nen. Nach die­sen all­ge­mei­nen Orientierungen kön­nen die Mitgliedstaaten unter Berücksichtigung der jewei­li­gen epi­de­mio­lo­gi­schen Entwicklung, der Struktur des Gesundheitswesens und der ver­füg­ba­ren Ressourcen durch­aus unter­schied­li­che Impfprogramme fest­le­gen. Ein Ausgangspunkt für die­se Arbeitsunterlage war die Erklärung des Gesundheitssicherheitsausschusses der Europäischen Union über Ziel- und Prioritätsgruppen für die Impfung gegen die H1N1-Pandemie 2009 vom 26. August 2009[13].

    Die Tatsache, dass zu Beginn Impfstoffe knapp waren und sich die Notwendigkeit einer breit ange­leg­ten Impfkampagne andeu­tet, ist eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme und macht deut­lich, dass es einer sorg­fäl­tig geplan­ten Impfstrategie bedarf, die den Schutz beson­ders anfäl­li­ger Menschen, die Eindämmung der Infektionsgefahr und die Aufrechterhaltung wesent­li­cher Dienstleistungen in der Gesellschaft mit in Betracht zieht. Das Vertrauen der Bevölkerung und somit der Erfolg jeder Impfkampagne gegen die H1N1-Pandemie 2009 wird davon abhän­gen, dass aktiv und offen über die Vor- und Nachteile der Impfung gegen die Pandemie berich­tet wird. 

    Es gilt fest­zu­hal­ten, dass ein gemein­sa­mes Interesse an der Effizienz der ein­zel­staat­li­chen Impfprogramme besteht, um die Ausbreitung des Virus zu ver­hin­dern und jeg­li­ches Virusreservoir zu eli­mi­nie­ren, damit ein erneu­tes Aufflackern der Pandemie aus­ge­schlos­sen ist. 

    Regulierungsverfahren für die Zulassung von anti­vi­ra­len Arzneimitteln und von Impfstoffen 

    Die EU hat sich früh auf eine Pandemie vor­be­rei­tet, indem sie Vorkehrungen für eine beschleu­nig­te Bewertung getrof­fen hat, bei­spiels­wei­se die Bewertung neu­er Anträge auf Inverkehrbringen von Impfstoffen gegen die H1N1-Pandemie 2009 und Varianten davon. 

    Die Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen bie­tet einen umfas­sen­den Überblick über die wich­tigs­ten Schritte und Aspekte bei der Zulassung von anti­vi­ra­len Arzneimitteln und von Impfstoffen. Beschrieben wer­den auch spe­zi­el­le Vorkehrungen für eine Schnellzulassung im Falle einer Pandemie und die anschlie­ßen­den Pharmakovigilanzpflichten. 

    Kommunikation mit der Öffentlichkeit und den Medien über die H1N1-Pandemie 2009 

    Die ange­mes­se­ne Durchimpfung von Risikogruppen und ande­re Probleme im Zusammenhang mit der Vorbeugung und Impfung stel­len die Gesundheitsbehörden in Europa vor Herausforderungen, die sich nur mit einer sorg­fäl­tig geplan­ten Kommunikationsstrategie bewäl­ti­gen lassen. 

    In der Arbeitsunterlage über die Information der Öffentlichkeit wer­den die wich­tigs­ten Fragen der koor­di­nier­ten Kommunikation mit der Öffentlichkeit über die H1N1-Pandemie 2009 im Hinblick auf geziel­te und wis­sen­schaft­lich gesi­cher­te Aussagen behan­delt, die sich an die all­ge­mei­ne Öffentlichkeit und bestimm­te Risikogruppen wen­den. Es wer­den Möglichkeiten für gemein­sa­me Aktionen der EU-Mitgliedstaaten und der Kommission zur Entwicklung einer kohä­ren­ten euro­päi­schen Informations- und Kommunikationsstrategie genannt. 

    8. SCHLUSSFOLGERUNGEN

    Die H1N1-Pandemie 2009 ist eine glo­ba­le Herausforderung. (…) 

    Bereichsübergreifende Aktionen blei­ben ein zen­tra­les Element bei der Bekämpfung der H1N1-Pandemie 2009. Auf jeder Ebene muss die Reaktion auf eine Pandemie bereichs­über­grei­fend sein und auch Stellen außer­halb des Gesundheitssektors einbeziehen. (…) 

    [1] KOM(2005) 607 vom 28. November 2005. 

    [2] eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:12002E152:EN:HTML

    [3] ec.europa.eu/health-eu/doc/council_concl.pdf

    [4] Die ent­spre­chen­den Unterlagen sind von der Website der Kommission zur H1N1-Pandemie 2009 abruf­bar: ec.europa.eu/health/ph_threats/com/Influenza/novelflu_en.htm

    [5] ABl. L 110 vom 1.5.2009, S. 58. 

    [6] ABl. L 268 vom 3.10.1998, S. 1. 

    [7] ecdc.europa.eu/en/healthtopics/Pages/Influenza_A(H1N1)_Outbreak.aspx

    [8] Der Leitfaden ist von fol­gen­der Website abruf­bar: ec.europa.eu/food/animal/diseases/influenzaAH1N1/docs/wd_surveillance_and_control_of_h1n1_in_pigs_rev1_140709_en.pdf

    [9] Dazu gehö­ren der­zeit die Türkei und Kroatien. 

    [10] KOM(2005) 108 vom 6. April 2005. 

    [11] EMPERIE trägt direkt zur Erforschung wich­ti­ger bio­lo­gi­scher Aspekte bei (sie­he ec.europa.eu/research/health/infectious-diseases/emerging-epidemics/projects/139_en.html), FLUMODCONT zu Gesundheitsaspekten (flumodcont.eu/index.php/home).Eine voll­stän­di­ge Übersicht über alle Projekte ist von fol­gen­der Website abruf­bar: ec.europa.eu/research/health/infectious-diseases/emerging-epidemics/projects_en.html

    [12] Zusammen mit die­ser Mitteilung wur­den fünf Arbeitspapiere über die zen­tra­len stra­te­gi­schen Linien aus­ge­ar­bei­tet. Sie bie­ten einen Überblick über das Spektrum mög­li­cher Aktionen, die zur Unterstützung der ein­zel­staat­li­chen Maßnahmen bei der Reaktion auf die Pandemie nütz­lich sein können. 

    [13] ec.europa.eu/health/ph_threats/com/Influenza/influenza_level_en.htm

    eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX:52009DC0481

    https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX:52009DC0481

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